04.09.2024
NFL 2024: 49ers, Rams, Seahawks und Cardinals im kicker-Check
Wut im Bauch bei den 49ers? Eine neue Ära in Seattle? Wird Marvin Harrison Jr. die Attraktion der Cardinals? Und wie gefährlich sind eigentlich die Rams? Ein Blick auf die vier Teams der NFC West und ihre Ambitionen.

Woran hat et jelegen? Diese Frage wird im Sommer regelmäßig durch die Köpfe der 49ers-Verantwortlichen gegeistert sein. San Francisco gewann die NFC, brachte eine brachiale Offense mit durchschnittlich 398 Yards und 29 Punkten aufs Feld, stellte eine Top-3-Defense der Liga, um dann im Super Bowl dramatisch an den Chiefs zu scheitern. Die Niners starten bei der Suche nach dem fehlenden Puzzleteil wieder bei Null. Und die Zeit spricht gegen das Franchise aus Kalifornien. Säulen wie Offensive Tackle Trent Williams und Receiver Brandon Aiyuk feilschten in diesem Sommer hartnäckig um neue Verträge.
Weiteren Leistungsträgern wie Jimmie Ward, Dre Greenlaw, Talanoa Hufanga und allen voran Quarterback Brock Purdy winkt im kommenden Jahr das große Geld. Es ist fraglich, ob das Starensemble über diese Saison hinaus in der Konstellation zusammenbleibt. Getreu dem Motto "Wenn nicht jetzt, wann dann?" rennt den 49ers die Zeit davon.
In einem gesunden Zustand zählt das Team von Head Coach Kyle Shanahan wieder zu den Top-Favoriten der NFC. Die Starter der Offense und Defense versprechen Dominanz und Siege in der Regular Season. In den Playoffs werden die Karten erfahrungsgemäß neu gemischt. Hinter der Tiefe des Kaders stehen allerdings Fragezeichen, was mit Blick auf verletzte Spieler, auch hier sind wieder die Namen Greenlaw und Hufanga zu nennen, ein Thema im Laufe der Saison werden könnte.
Alles andere als Platz 1 in der NFC West wäre eine eine Überraschung und aus Sicht der 49ers ein Enttäuschung.
Die Quarterbacks der Liga atmen auf: Nach zehn Jahren und zehn Pro Bowls verkündete mit Aaron Donald (33) einer der dominantesten Verteidiger der jüngeren NFL-Vergangenheit sein Karriereende. Fällt die Defensive der Rams jetzt in ein Loch? Es sieht nicht danach aus. Mit Kobie Turner (neun Sacks) und Byron Young (acht) hatte Donald bereits in der letzten Spielzeit vielversprechendes Potenzial an seiner Seite. Im Draft legte L.A. mit Jared Verse und Braden Fiske in der ersten beiden Runden zusätzlich nach. Das Franchise hat frühzeitig seine Hausaufgaben gemacht, um erneut einen Angriff auf die Playoffs zu starten.
Und auch die offensive Seite des Balles klingt wieder nach reichlich "Hollywood-Potenzial" und spektakulären Plays. Rookie-Sensation Puka Nacua geht in seine zweite Saison und hat die Erwartungshaltungen nach seinen 105 Receptions für 1486 Yards noch einmal ordentlich in die Höhe geschraubt. Zudem hofft Quarterback Matthew Stafford endlich wieder auf einen gesunden Cooper Kupp, der in den vergangenen zwei Jahren nicht über die Marke von zwölf Regular-Season-Spielen hinausgekommen ist. Dieses Receiver-Duo in Topform, eine Gefahr für alle Gegner über die NFC West hinaus! Auch die Gruppe der Running Backs ist nicht zu vernachlässigen. Kyren Williams hatte mit zwölf Touchdowns und über 1000 Yards sein Breakout-Jahr. Ihm an die Seite gestellt wird mit Blake Corum ein weiterer hochinteressanter Spieler. Der 23-jährige Drittrunden-Pick konnte zwar beim Combine nicht wirklich herausstechen, bewies aber in seiner Zeit in Michigan, dass er seinen offensiven Part spielen kann: 1245 Yards und 27 (!) Rushing-Touchdowns in 2023 sprechen für sich.
Tristesse im Jahr eins nach Aaron Donald? Die Kaderqualität, gepaart mit Mastermind Sean McVay, spricht eine andere Sprache. Die Rams sollte man für reichlich Siege und Überraschungen auf dem Zettel haben. Das erneute Erreichen der Playoffs (letztes Jahr in der Wild-Card-Round knapp in Detroit gescheitert) ist wieder drin.
Nach 14 Jahren endete im Sommer die Ära von Head Coach Pete Carroll bei den Seattle Seahawks. Er kämpfte nach einem durchwachsenen Jahr ohne Playoffs um seinen Job, doch das Franchise entschied sich für einen Neuanfang. Das Ruder übernimmt fortan Mike Macdonald, der als Defensive Coordinator der Baltimore Ravens ein exzellentes Bewerbungsschreiben abgegeben hat. Neben Head Coach Macdonald wurden auch Ryan Grubb (Offensive Coordinator) und Aden Durde (Deffensive Coordinator) neu installiert, die den Football in Seattle umgestalten sollen. Ansatzpunkte gibt es genug ...
Die Defense wird nach einem Horrorjahr (Platz 30 bei durchschnittlich zugelassenen Yards und Platz 31 bei zugelassenen Rushing Yards) runderneut. Etablierte Spieler wie Bobby Wagner, Quandre Diggs und Jamals Adams mussten gehen, zahlreiche Akteure sollen sich unter Einjahresverträgen neu beweisen. Große Hoffnungen ruhen auf dem Cornerback-Duo Devon Witherspoon und Tariq Woolen. Sie sollen die Leader dieser Unit werden. Auf der offensiven Seite des Feldes blieben die großen Veränderungen aus. Quarterback Geno Smith hofft nach einem durchwachsenen Jahr auf eine "Bounce-back-season". Seinen Herausforderer Sam Howell hat er in den ersten Trainingseinheiten klar in die Schranken verwiesen. Gelingt es Head Coach Mike Macdonald der Defense neues Leben und seine grundlegend andere Spielidee einzuhauchen, können die Hawks in einer umkämpften NFC West ein Wörtchen um die Playoffs mitreden. Eine gewisse Eingewöhnungszeit muss man den Protagonisten an der Seitenlinie aber wohl einräumen und Rückschläge einkalkulieren.
Nach einem Jahr ganz im Zeichen des Rebuilds - Quarterback Kyler Murray kurierte seinen Kreuzbandriss aus und stand die ersten neun Wochen gar nicht auf dem Feld, zudem durften teure Stars wie Wide Receiver DeAndre Hopkins das Team verlassen - gehen die Cardinals mit anderen Vorzeichen in die neue Spielzeit. Es soll wieder angegriffen werden. Dass Murray dazu in der Lage ist, bewies er in seinen Comeback-Wochen der Vorsaison. Mit ihm als Dirigenten im Backfield legte Arizona die zweitmeisten Rushing Yards pro Spiel auf und war auch in den Total Yards pro Spiel in den Top Ten vertreten. Und Murray darf sich auf eine neue Anspielstation besonderen Kalibers freuen ...
Marvin Harrison Jr., im Draft an vierter Stelle gezogen, soll das Spektakel zurück nach Arizona bringen. Ohne einen einzigen Snap in der NFL gespielt zu haben, gilt Harrison Jr. schon jetzt als Playmaker. Seine gezeigten Skills am College lassen aufhorchen: Route Running, Coverages aushebeln, spektakuläre Catches. Der 22-Jährige wird von Beginn an eine zentrale Rolle in der Cards-Offensive einnehmen. Eingewöhnungszeit als Rookie? Fehlanzeige! Auf zahlreiche Punkte des Duos Murray/Harrison Jr. wird das Team von Head Coach Jonathan Gannon (zuvor bei den Eagles Defensive Coordinator) auch angewiesen sein. Bei all der berechtigten Euphorie rund um die Offense, in der auch noch Running Back James Conner und Tight End Trey McBride zu nennen sind: Die Defensive gehört eher in die untere Abteilung.
jhm