03.09.2024
Die NFL-Kolumne von kicker-Experte Adrian Franke
Die Offseason ist endlich vorbei, die neue Saison steht vor der Tür! Und damit rücken auch die Quarterbacks wieder in den Fokus: Wer kann sein Team tragen? Welche Youngster klettern nach oben? Und wer steht vor einer richtungsweisenden Saison? kicker-Experte Adrian Franke sortiert alle 32 Starter im Quarterback Ranking.

32. Bo Nix, Denver Broncos
Unter den Rookie-Quarterbacks, die direkt starten werden, war Nix für mich der klar am niedrigsten gerankte. Dabei denke ich, dass er in Denver ein guter Scheme-Fit sein kann: Als schneller Ballverteiler, der in erster Linie die Offense sauber umsetzt.
Die Konstanz In-Structure, ein schneller Release und seine Antizipation als Passer, eine gute Quickness in seinen Reads: Das waren die zentralen positiven Punkte in seinem Pre-Draft-Profil für mich.
Die große Frage wird sein, was er darüber hinaus machen kann. Bei Oregon lebte Bo Nix sehr von diesem Quick Game und auch von Screens, er hat physisch klare Limitationen und mit seinem Arm wird er in der NFL nicht viel Spielraum für Fehler haben. Nix war bereits im College darauf angewiesen, dass er in erster Linie den Ball schnell innerhalb der Play-Struktur verteilen kann, und das wird in der NFL vielleicht noch extremer sein. Auch sein mitunter problematisches Pocket-Management wird in der NFL nochmal ganz anders getestet werden.
Wenn er Sean Paytons Offense schnell auch in der Breite umsetzen kann, dann sehe ich Nix in fünf Wochen einige Plätze höher - und dann kann die Offense mit ihm auch produktiv sein. Ich halte es aber auch für denkbar, dass seine Limitationen gerade seine Rookie-Saison zusätzlich drastisch prägen.
31. Bryce Young, Carolina Panthers
Young hatte letztes Jahr mit die schlechtesten offensiven Umstände aller Quarterbacks. Ein Chaos in puncto offensive Identität, kombiniert mit einem schwachen Waffenarsenal und einer letztlich enttäuschenden Offensive Line. All das sollte in der kommenden Saison besser werden, sodass wir - und die Carolina Panthers - ein deutlich klareres Bild davon bekommen sollten, ob Young eine langfristige Quarterback-Lösung sein kann.
Seine Problemzonen waren in seiner Rookie-Saison deutlich sichtbar. Und auch nicht wirklich überraschend: Young ist klein, sein Arm ist unterdurchschnittlich und seine Playmaker-Qualitäten aus dem College übertrugen sich bislang kaum auf die NFL.
Aber er zeigte auch positive Dinge, vor allem später in der Saison. Gegen die Falcons und die Packers in Woche 15 und Woche 16 hatte er zwei seiner besten Saisonspiele, insbesondere gegen Green Bay unterstrich er, dass er schon vergleichsweise komfortabel in der Mitte des Feldes ist, und dass sein Timing und sein Ball Placement einen echten Unterschied ausmachen können.
Seine Passgenauigkeit und sein Touch bei Routes auf verschiedenen Ebenen über die Mitte des Feldes sollten in Dave Canales’ Offense in den Mittelpunkt gerückt werden. Ich erwarte einen klaren Sprung in Jahr 2.
30. Sam Darnold, Minnesota Vikings
Vereinzelte Sam-Darnold-Fans gibt es ja nach wie vor, ich persönlich habe nie dazu gehört, schon Pre-Draft nicht. Gleichzeitig muss auch ich zugeben, dass Darnold nie bessere Umstände hatte als das, was er in Minnesota vorfindet - als Starter jedenfalls, das eine Spiel in San Francisco letztes Jahr würde ich hier nicht dazu zählen.
Da waren einige schlechte Teams in New York und Carolina mit dabei, gleichzeitig gelang es Darnold selbst über fünf Jahre auch nie, mehr als einzelne Flashes anzudeuten.
Das Armtalent ist da, das steht außer Frage. Aber kann er in Minnesota auch seine Konstanz als Passer finden? Kann er seine Accuracy stabilisieren? Kann er die Fehler insbesondere gegen Pressure minimieren? Aufgrund der Verletzung von J.J. McCarthy wird er eine volle Saison bekommen.
Darnold geht in seine siebte NFL-Saison, seine fünfte als Starter. Ich tendiere dazu, zu sagen, dass wir an diesem Punkt wissen, was er als Quarterback ist. 2024 in Minnesota dürfte Darnolds letzte Chance sein, diese Wahrnehmung nochmals zu verändern.
29. Gardner Minshew, Las Vegas Raiders
Nach einer kurzen "Gunslinger-Phase" früh in der vergangenen Saison, war Minshew über weite Teile der restlichen Saison der Quarterback, als den wir ihn kennen.
Der 28-Jährige, der ab Woche 6 den Rest der Saison infolge der Verletzung von Anthony Richardson als Starter für die Colts absolvierte, ist ein schneller Ballverteiler, der dann am besten ist, wenn er ein gut designtes Quick Game umsetzen kann. Run Pass Options, eine gute Accuracy Underneath, hier liegen Minshews Stärken.
Sein Arm ist limitiert und Minshew ist kein Quarterback, der eine Offense trägt. Er ist genau in der Zwischenwelt, zwischen einem Low-End-Starter und einem High-End-Backup, weshalb er sich auch genau in dieser Rolle immer wieder findet: Als ein Quarterback, der starten kann, idealerweise aber nicht starten muss.
28. Jayden Daniels, Washington Commanders
Es ist für Rookie-Quarterbacks generell schwierig, direkt in der NFL einzuschlagen. Wenigen gelingt das, mal aufgrund eigener Probleme mit dem Sprung in die NFL, mal aufgrund der Umstände und meist wegen einer Kombination dieser beiden Dinge.
Genau das erwarte ich bei Jayden Daniels. Daniels hat sicher weniger Limitationen als Bo Nix, allein seine Rushing-Qualitäten sollten ihm einen Floor geben, den Nix - oder auch Bryce Young, um mal den Vergleich zum Vorjahr aufzumachen - schlicht nicht selbst kreieren können.
Dafür habe ich echte Bedenken dahingehend, was Daniels als Passer früh in der NFL umsetzen kann - und inwieweit ihm Kliff Kingsburys Scheme dabei helfen wird. Denn Daniels’ Pocket Management war im College schon äußerst inkonstant, Pressure hatte einige wilde Plays zur Folge und seine Antizipation als Passer war schlicht häufig wacklig.
Wenn sich diese Probleme bestätigen, dann ist es in der Regel in der NFL nochmal schlimmer als im College. Denn Passfenster werden kleiner, genau wie die Pocket enger wird. Er wird mehr auch über die Mitte des Feldes attackieren müssen, etwas, das er im College kaum gemacht hat. Und sein Arm ist in Ordnung, aber er hat nicht das Armtalent, das andere Quarterbacks seiner Draft-Klasse hatten.
Vielleicht ist Daniels’ Athletik so gut, dass er als Rookie den Kopf über Wasser hält. Ich habe aber einige Fragezeichen hinsichtlich seiner NFL-Prognose.
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27. Will Levis, Tennessee Titans
Man kann nicht oft genug betonen, wie wild die Rookie-Saison von Will Levis teilweise war. Kein Quarterback mit über 200 Dropbacks warf mehr als 15 Prozent seiner Pässe tief, also 20 Air Yards oder weiter. Levis warf 22,4 Prozent seiner Pässe tief.
Es war eine Offense mit einzelnen Flashes und einzelnen Highlights, die Levis aber auch zu häufig erzwingen wollte. Levis zeigte positive Ansätze aus Empty Formations, seine Stärke dürfte aber darin liegen, eine Under-Center-Play-Action-Offense zu spielen. Und die könnte mit Brian Callahan Einzug erhalten.
Levis’ Rookie-Saison bietet auch aufgrund der desolaten Offensive Line vergleichsweise wenige handfeste Takeaways. Einige Highlights sind da, das physische Potenzial und die Aggressivität in seinem Spiel bringt Levis definitiv mit. Alles darüber hinaus muss sich in der kommenden Saison zeigen, und das dann in besseren Umständen, die eine vernünftige Analyse zulassen.
26. Jacoby Brissett, New England Patriots
Brissett ist in gewisser Weise die bessere Version von Gardner Minshew, auch wenn er sich im gleichen Tier bewegt. Auch Brissett ist ein guter Verwalter und ein Quarterback, der als Starter im richtigen Scheme und in guten Umständen sehr produktiv sein kann.
Zuletzt haben wir das vor zwei Jahren in Cleveland gesehen, wo Brissett sich über gut 400 Dropbacks besser präsentierte, als das, was Deshaun Watson bislang in Cleveland zeigen konnte.
Ähnlich wie Minshew hat auch Brissett klare Limitationen, und auch in seinem Fall ist man als Franchise zwar froh, wenn man ihn hat, aber noch froher, wenn man eine bessere Option als Starter davor hat. Aber Brissett ist ein kompetenter Starter, der es den Patriots erlauben wird, Drake Maye vorerst noch auf der Bank zu lassen.
25. Russell Wilson, Pittsburgh Steelers
Wie viel hat Wilson noch im Tank? Was hat Wilson letztes Jahr wirklich gezeigt, wie viel seiner Production verdankte er Sean Payton, der es gar nicht erwarten konnte, Wilson mit dem größten Dead-Cap-Hit aller Zeiten loszuwerden?

Was außer Frage steht, ist, dass Wilson kein guter Fit für das ist, was Payton von der Position haben will. Jetzt könnte man argumentieren, dass Wilson schlicht in eine andere Offense muss, um nochmal zu alter Stärke zu finden, aber hier gibt es zwei große Probleme: Wilson hat nicht mehr die physischen Fähigkeiten, die er vor fünf Jahren hatte. Und: Diese vertikale, kreative Downfield-Offense, die Wilson in seinen besten Seahawks-Jahren aufs Feld gebracht hat, funktioniert angesichts der Art und Weise, wie Defenses mittlerweile spielen, so nicht mehr.
Wilson hält den Ball zu lange, er ist kein guter Pocket-Manager und er war noch nie ein guter Quarterback über die Mitte des Feldes. Dementsprechend ist es schwer, sich vorzustellen, wie Wilsons Spiel angepasst werden kann.
Ich denke, dass Wilson noch ein Low-End-Starter sein kann. Aber ich denke auch, dass Justin Fields, den als Passer einige ähnliche Probleme plagen, der aber die Athletik als Runner mitbringt, der Steelers-Offense mehr geben kann. Und verliert Wilson seinen Startplatz, sehe ich nicht, dass ein Team ihn in der kommenden Offseason als Starter verpflichtet.
24. Deshaun Watson, Cleveland Browns
Watsons letzte Top-10-Quarterback-Saison ist mittlerweile vier Jahre her, und auch wenn er aus finanzieller Perspektive eine Entlassung noch nicht befürchten muss: Wenn 2024 der Leistungssprung ausbleibt, muss man davon ausgehen, dass der 28-Jährige dieses Level auch nicht mehr erreichen wird.
Das Armtalent ist immer noch da, Watson ist nach wie vor in der Lage, ein Big Play zu kreieren oder Downfield zu attackieren. Doch sind das mehr einzelne Highlights geworden, die neben seiner inkonstanten Accuracy und dem schlechten Pocket-Management meist untergehen.
Vor zwei Jahren konnte man argumentieren, dass Watson nach einem Jahr gänzlich ohne Football erst wieder in die Spur finden muss. Doch während seine zweite Browns-Saison zwar besser war als die erste, war es längst nicht der in Cleveland erhoffte Sprung. Kommt der dieses Jahr? Oder ist Watson einfach das, was sein Ranking hier andeutet: Ein bestenfalls mittelmäßiger Starter?
23. Daniel Jones, New York Giants
Die Gerüchte rund um einen Quarterback-Pick der Giants im diesjährigen Draft waren zwischenzeitlich beachtlich laut. Und wer weiß, was passiert wäre, hätte New York eine realistische Chance auf Drake Maye gehabt.
Stattdessen bekam Daniel Jones in Malik Nabers den vielleicht besten Receiver seiner bisherigen Giants-Karriere, mit gleichzeitig aber auch einer klaren Ausgangslage: Wenn er sich dieses Jahr nicht wieder fangen kann und die Giants nicht wieder ein paar Spiele gewinnen, wird New York im kommenden Draft höchstwahrscheinlich seinen Nachfolger picken.
Vermutlich war die 2022er Version nah dran an dem, was man im besten Fall von Jones erwarten kann. Das war ein verlässlicher, wenngleich Risiko-scheuer Ballverteiler, der als Runner ein fester Bestandteil der Offense sein sollte. Das kann funktionieren, aber es dürfte niemanden in New York daran hindern, nach einer besseren Alternative Ausschau zu halten.
22. Derek Carr, New Orleans Saints
Carr ist der ideale Abschluss für dieses Tier. Denn vielleicht ist er zu gut, um wirklich schon an einem "Scheideweg" zu stehen, gleichzeitig aber wissen wir an diesem Punkt sehr genau, was Carr ist, was er nicht ist, und inwieweit das zu Frustrationen für eine Offense sorgen kann.
Carr fing sich in der zweiten Saisonhälfte letztes Jahr, aber zu häufig war zu sehen, wie sehr er eine Offense limitieren kann. Und wie sehr er wackelt, wenn er eine schwache Line kompensieren muss.
Das könnte auch in dieser Saison wieder ein Thema werden. Carr wird womöglich mehr selbst kreieren müssen als letztes Jahr, könnte aber gleichzeitig auch von Klint Kubiaks Offense profitieren, die neu nach New Orleans kommt. Carr ist ein solider Starter mit einem bisweilen sogar unterschätzten Arm, aus dem man aber via Scheme eine gewisse Aggressivität herauskitzeln muss, sonst kommt sie nicht. Und in den diesjährigen Umständen in New Orleans halte ich es für denkbar, dass er seinen Startplatz spät in der Saison verliert.
21. Anthony Richardson, Indianapolis Colts
Der größte Teaser der vergangenen Saison. Richardson hatte nur 98 Dropbacks, ehe eine Verletzung seine Rookie-Saison vorzeitig beendete. Innerhalb dieser 98 Dropbacks waren ohne Frage auch die Defizite zu sehen, die Richardson in seinem Spiel noch hat; allen voran der Mangel an konstanter Accuracy.
Aber er zeigte bereits - wie auch in seiner einen College-Saison als Starter - fortgeschrittenes Pocket-Movement und Pocket-Verhalten, sowie die Fähigkeit, durch Reads zu gehen und Passfenster zu antizipieren.
Diese grundlegenden Quarterback-Qualitäten kombiniert mit seinem außergewöhnlichen Arm, seiner für die Position historischen Athletik und all dem, was er als Runner öffnen kann, machen ihn zu einem der größten Upside-Quarterback-Picks für die kommende Saison. Jetzt muss er fit bleiben, all das konstant aufs Feld bringen und sich weiterentwickeln.
20. Caleb Williams, Chicago Bears
Ich habe noch nie einen Rookie-Quarterback vor seiner ersten Saison so hoch einsortiert. Das ist zumindest insofern konsequent, als dass Williams der beste Quarterback ist, den ich bislang Pre-Draft gescoutet habe. Ein Quarterback, dessen Arm und dessen Mentalität jedes erdenkliche Big Play ermöglichen, der aber auch innerhalb des Schemes ein konstanter Ballverteiler sein kann.
"Kann" ist hier noch essenziell, weil er es letztes Jahr bei USC zu selten war. Das ist valide Kritik, gleichzeitig muss man hier über die schlechte Line, die schlechten Playmaker und die schlechte Defense sprechen, welche Williams regelmäßig kompensieren musste.
Die Art und Weise, wie Williams das Feld liest und wahrnimmt, wie er offene Receiver antizipiert und Passfenster erahnt, lange bevor sie da sind, all das erinnert tatsächlich an Mahomes. Williams wird lernen müssen, mit was er in der NFL davonkommt und mit was nicht, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass er der nächste Superstar-Quarterback werden kann.
19. Baker Mayfield, Tampa Bay Buccaneers
Letztes Jahr war die beste Version von Baker Mayfield. Nämlich dann, wenn er schnell spielt, seine Aggressivität in vernünftigen Maßen auf den Platz überträgt, und seine Defizite - unter anderem was das Managen der Pocket angeht - nicht zu schwer ins Gewicht fallen.
All das konnte Dave Canales im ersten Jahr in Tampa Bay aus ihm herauskitzeln und somit stellt sich unweigerlich die Frage: Kann Canales’ Nachfolger Liam Coen daran anknüpfen?
Denn Mayfield ist genau das, was als Überschrift über diesem Tier steht: In den richtigen Umständen, im richtigen Scheme und mit den richtigen Waffen, kann er glänzen. Exakt das war letztes Jahr der Fall, und es brachte ihm einen neuen Vertrag in Tampa Bay ein.
Aber das kann ein Ritt auf der Rasierklinge sein. Denn seine Gunslinger-Mentalität kann auch ins Negative umschlagen, nicht zuletzt, weil dann auch sein Pocket-Verhalten stärker in den Mittelpunkt rückt. Ich erwarte eine leichte Regression zu letztem Jahr, nicht zuletzt, weil die Bucs in der vergangenen Saison so stark bei Third Down waren.

18. Tua Tagovailoa, Miami Dolphins
Exzellent innerhalb des Schemes, deutliche Limitationen außerhalb - so könnte man Tua oberflächlich zusammenfassen. Sein Timing, seine Quickness als Passer, das sind seine großen Stärken. Tua ist ein guter Ballverteiler aus der Pocket, und insbesondere in den ersten zweieinhalb Sekunden eines Plays.
Coach Mike McDaniel hat daraus eine ganze Offense gebaut, mit seinen kreativen Motions und mit dem irren Speed, den Miami offensiv angehäuft hat. All das funktioniert, auch wegen Tuas Qualitäten.
Doch es fehlen nicht nur die Kreativität und die Playmaker-Qualitäten, um später im Play etwas zu kreieren. Tua hat einen vergleichsweise - für einen NFL-Starting-Quarterback - schwachen Arm, und das limitiert innerhalb und außerhalb des Schemes, welche Bereiche des Feldes die Offense attackieren kann.
Tua ist ein System-Quarterback, und Miami hat eindrucksvoll gezeigt, wie gut dieses System sein kann - mit Tua als Treiber. Aber bislang gelang es nicht, einen Plan B zu kreieren, ob innerhalb eines Spiels, oder spät in der Saison, wenn Defenses mehr Antworten und damit mehr Probleme präsentieren.
17. Brock Purdy, San Francisco 49ers
Purdy gibt Shanahan und der Niners-Offense eine Aggressivität, die in der Garoppolo-Ära spürbar gefehlt hat. Und nicht nur das, nicht nur dahingehend, wie er vertikal attackieren will, sondern auch dahingehend, wie er Big Plays auch spät im Down machen will. Das macht Brandon Aiyuk so essenziell in dieser Version der Niners-Offense, er ist derjenige, der es Purdy erlaubt, so zu spielen.

Und natürlich profitiert er enorm von Shanahan, der Offense und den Playmakern. Wenige Quarterbacks bekommen so viele klare Reads, so viele Würfe gegen Base Personnel und Stacked Boxes, so viel Production nach dem Catch, oder haben so viele individuelle Waffen, die alle Mismatches darstellen und Separation kreieren. Nicht wenige von Purdys Downfield-Pässen sind Bälle, bei denen er seinem Receiver eine Chance geben will - und die bei schlechteren Receivern noch mehr Risiko beinhalten würden.
Das ist wichtiger Kontext, um die spektakulären Stats, welche Purdy und die Offense teilweise auflegen, einzuordnen. Aber Purdy ist nicht nur ein guter Ballverteiler innerhalb dieses Gesamt-Uhrwerks, sondern mit seiner grundsätzlichen Aggressivität als Passer trägt er auch dazu bei, dass die Offense eine weitere Dimension bekommt. Gleichzeitig hatte er mit seiner Spielweise in puncto Interceptions letztes Jahr auch fraglos Glück.
16. Jared Goff, Detroit Lions
Sehr ähnlich wie Tua in der grundlegenden Einordnung, ein Tie-Breaker für mich zwischen den beiden ist die Tatsache, dass Goffs Arm aus der Pocket noch mehr möglich macht. Nicht nur in der reinen Distanz, etwa bei tiefen Out-Routes, sondern auch was Zip im Underneath Passing Game angeht. Und auch wenn es darum geht, aus der Bewegung heraus den Ball zu werfen.
Doch auch Goff hat Probleme, wenn er Off-Script arbeiten muss. Oder auch, wenn die Pocket unsauber wird. Goff ist ein guter Quarterback, und hat, ähnlich wie Tua in Miami, bei den Lions ein inzwischen sehr gutes Scheme und Waffenarsenal, welches zu seinen Stärken und Schwächen passt.
Goff hat keine Angst vor kleinen Passfenstern, und hat auch den Arm dafür. Er ist ein gutes Beispiel dafür, warum ein "System Quarterback" längst nicht nur negative Konnotationen hat.
Will ich Goff in einer Offense haben, die sich stark auf den Quarterback und das Passing Game stützt und viel etwa aus Empty verlangt? Die will, dass der Quarterback ein Playmaker ist? Nein, sicher nicht. Aber dafür holt man sich Goff auch nicht. Dass er dagegen ein funktionierendes System auf hohem Level umsetzen kann, hat er jetzt bei zwei verschiedenen Teams gezeigt.
15. Kyler Murray, Arizona Cardinals
Sehr guter Touch, ein zunehmend verbessertes Gefühl für Routes und Coverages, ein sehr guter Arm und die Athletik als Runner, um einer der Top-Difference-Maker auf der Position am Boden zu sein - das ist die Kurzbeschreibung von Murrays Stärken.
Murray ist ein guter Ballverteiler, das war jahrelang seine primäre Rolle in der Air Raid Offense. Hier kann er auch aus Empty das Spiel machen, auch weil er als Scrambler dem eine zusätzliche Dimension gibt.
Seine größte Schwachstelle liegt in seinem Pocket-Verhalten, was vermutlich auch mit seiner Größe zusammenhängt. Er hat sich hier im Laufe seiner NFL-Karriere stabilisiert, neigt aber immer noch dazu, die Pocket eher etwas früher zu verlassen. Womöglich auch, weil er manchmal aus einer engen Pocket schlicht die Routes nicht mehr gut sieht.
Dass Murray kreieren kann, das steht außer Frage. Dass er ein gefährlicher Playmaker auf der Position ist, ebenfalls, genau wie sein physisches Talent, um am Boden und durch die Luft das ganze Feld zu öffnen. In der kommenden Saison muss er unterstreichen, dass er eine gut designte Offense mit einem zunehmend verbesserten Waffenarsenal konstant auf höchstem Level umsetzen kann.
Das wird einiges darüber verraten, ob er noch höher klettern kann, oder ob er hinter die effizienten Quarterbacks, die eine Offense gut umsetzen können, gehört.
14. Kirk Cousins, Atlanta Falcons
Bis zu seiner Verletzung war Cousins letztes Jahr auf bestem Wege, seine bis dato beste NFL-Saison zu spielen. Cousins ist als Passer zumindest phasenweise aggressiver geworden, er kann mehr Teile der Offense ohne "Stützräder" tragen und ist schlichtweg einer der verlässlichsten Pocket Passer in der NFL geworden. Das gilt auch für sein Pocket-Verhalten.
Es gibt Limits in seinem Spiel, die immer da sein werden. Cousins ist bestenfalls solide im Umgang mit Pressure - auch hier würde ich ihm eine positive Entwicklung über die letzten zwei bis drei Jahre attestieren -, er ist kein Quarterback, der individuell viel kreiert und auch wenn eine gewisse Aggressivität in sein Spiel Einzug erhalten hat, vermutlich auch bedingt durch Justin Jefferson, so ist er immer noch weit davon entfernt, im gleichen Ausmaß Big Plays und Downfield Shots zu suchen, wie das viele andere Quarterbacks machen.
Ähnlich wie bei Aaron Rodgers muss auch bei Cousins die Frage im Raum stehen, ob er direkt zu 100 Prozent wieder seine Leistungen abrufen kann. Cousins ist viereinhalb Jahre jünger als Rodgers, sein Achillessehnenriss erfolgte aber auch sieben Wochen später in der Saison.
13. Geno Smith, Seattle Seahawks
Die Einschränkung, die ich bei Goff am Ende genannt habe, trifft auf Geno Smith nicht zu. Geno ist in der Lage, eine Offense zu tragen, auch in schwierigen Umständen. Das hat er letztes Jahr hinter einer der löchrigsten Offensive Lines in der NFL untermauert.
Er ist ein Gunslinger mit einem sehr guten Arm, der die Pocket mittlerweile gut managt - ein Quantensprung zu den ersten Jahren seiner Karriere - und der die Position aggressiv spielt. Dabei geht er durch seine Reads und kann spät im Play noch kreieren, seine Präferenz liegt aber in der Regel beim tiefen Pass.
Das kann auch mal zu Turnovern führen, gleichzeitig fallen sein Wille, innerhalb und außerhalb der Pocket auch schwierige Fenster anzuvisieren, konstant auf. Und diese Eigenschaft macht nicht nur als Zuschauer Spaß, sie macht sein Spiel manchmal auch zu einem Drahtseilakt, der bislang in Seattle häufiger positiv als negativ ausgeht.
Mit Smith ist das ganze Feld offen, durch seinen Arm und durch seine Übersicht - innerhalb und außerhalb des Play-Designs. Das war und ist ein großer Unterschied zu seinem Vorgänger Russell Wilson.

12. Aaron Rodgers, New York Jets
Eine der größten Quarterback-Wildcards vor der kommenden Saison. Rodgers wird im Laufe der Regular Season 41 Jahre alt, und letztlich weiß niemand, wie gut er von einem Achillessehnenriss zurückkommt.
Sein Spiel ist nicht so sehr auf eine Rushing-Komponente aufgebaut wie bei Jalen Hurts, Kyler Murray, Lamar Jackson, Anthony Richardson, oder auch Josh Allen.
Doch die generelle Mobilität war immer Teil seines Spiels und falls er ihr merklich limitiert ist, werden wir das erst während der Saison merken.
Was den Arm angeht, zumindest als wir Rodgers zuletzt in Green Bay gesehen haben schien der noch voll "da" zu sein. Was er als Ballverteiler auf höchstem Level machen kann, wenn er die Zügel der Offense in der Hand hält, das wissen wir. Und deshalb gehört er für den Moment in die Top 12. Das könnte sich aber früh in der Saison ändern.
11. Jalen Hurts, Philadelphia Eagles
Die vergangene Saison verlief definitiv nicht wie erhofft. Gleichzeitig mache ich hier massive schematische Defizite und eine mutmaßlich eingeschränkte Mobilität von Hurts zumindest mal stark mitverantwortlich. Dennoch ist es ein fairer Take, dass Hurts noch keiner der Top-Pocket-Passer ist, der diese Probleme rein als Passer kompensieren kann. Auch wenn er sich hier über die letzten drei Jahre enorm gesteigert hat.
Die gute Nachricht ist: Wenn er physisch wieder bei 100 Prozent ist, muss Hurts das auch nicht sein. Seine Physis und Mobilität als Runner können - und sollten - ein tragender Teil der Offense sein und Dinge im Passspiel erleichtern.
Das wiederum kann seine Probleme etwa in puncto Pocket-Präsenz deutlich kaschieren. Und was das vertikale Passspiel angeht, insbesondere tiefe Bälle nach außen, ist er einer der gefährlichsten Quarterbacks in der NFL.
10. Trevor Lawrence, Jacksonville Jaguars
Ich verstehe jeden, der von Lawrence bislang enttäuscht ist - sofern man ihn entweder an den Records der Jaguars, oder an dem unverhältnismäßigen Hype misst, der ihn aus dem College begleitet hat. Aber wenn man schlicht das analysiert, was Lawrence insbesondere über die letzten beiden Jahre, also nach dem Urban-Meyer-Desaster, gezeigt hat, ist er für mich definitiv einer der jungen Top-10-Quarterbacks.
Lawrence ist ein aggressiver, risikofreudiger Passer, mit herausragendem Pocket Movement, einem guten bis sehr guten Arm und einem, insbesondere für seine Größe, bemerkenswert schnellen Release. Sein ganzes Spiel ist schneller, als man es anhand seiner Größe erwarten würde.
Insbesondere letztes Jahr ging seine Risikobereitschaft zu häufig zu weit; gleichzeitig habe ich, abgesehen von Lamar Jackson, keinen Quarterback gesehen, der mehr kostspielige Drops seiner Receiver wegstecken musste.
In der kommenden Saison will ich von ihm wieder mehr Konstanz im Intermediate-Level - also zwischen zehn und 19 Yards tief - sehen, was ich aber zumindest in Teilen auch für ein strukturelles Problem der Offense halte. Was Kurzpassspiel, vertikales Passspiel und Pocket-Verhalten angeht, gehört er für mich zu den sechs, sieben besten Quarterbacks der Liga.
9. C.J. Stroud, Houston Texans
Stroud profitierte wie so viele Quarterbacks, die sich in der Shanahan-Scheme-Familie bewegen, kräftig von Play Action. Sein QBR fiel auf Platz 16 ligaweit, wenn er ohne Play Action agieren musste, seine Yards pro Pass gingen mit Play Action im Schnitt um 3,6 hoch, Platz 1 unter allen Starting-Quarterbacks.
Stroud hatte noch einige Probleme mit Pressure, dieses Thema übertrug sich von seiner College-Analyse auf die NFL - doch die Art und Weise, wie er die Offense interpretierte und umsetzte, und wie aggressiv er insbesondere Play-Action-Konzepte anging, waren für sich ein Qualitätsmerkmal.
Stroud war für einen Rookie sowohl bemerkenswert weit, was Spielverständnis und das Lesen und Attackieren verschiedener Coverages anging, als auch bemerkenswert furchtlos, insbesondere mit Blick auf das Attackieren tieferer Routes. Stroud geht durch seine Reads aus der Pocket wie ein Veteran.
Was Stroud als Rookie schon als Pocket Passer gezeigt hat, und wie sein Arm, sein Spielverständnis und seine Mentalität das ganze Feld öffnen, lässt extrem optimistische Prognosen zu. Und es kreiert eine Best-Case-Prognose, die ich vor dem Draft so nicht erwartet hatte. Jetzt wird es spannend sein, zu sehen, ob er im zweiten Jahr noch weitere Pre-Draft-Kritikpunkte widerlegen kann.
8. Dak Prescott, Dallas Cowboys
Der konstanteste Pocket Passer außerhalb des Elite-Tiers in der NFL. Prescott ist ein unheimlich guter Ballverteiler, der wenige gravierende Fehler in seinem Spiel hat, wenige Aussetzer, und schlicht auf einem sehr hohen Level sehr konstant spielt. Letztes Jahr in Teilen der Saison sogar auf Elite-Level, als Prescott zwischenzeitlich auf legitimem MVP-Kurs war.
Er ist, und das ist hier ausdrücklich positiv gemeint, ein herausragender Game Manager, der den vielleicht besten Seam-Ball in der NFL wirft und der sich längst auch einen Namen mit seiner Pre-Snap-Arbeit gemacht hat. Prescott ist geduldig und furchtlos aus der Pocket, er gibt Play-Konzepte fast nie zu früh oder unnötigerweise auf.
Was mir zur Elite-Gruppe in Summe fehlt, ist das Tragen der Offense, wenn es darauf ankommt, sowie passend dazu die Playmaker-Qualitäten spät im Down oder in einem schwierigen Matchup. Prescott nur an Playoff-Narrativen zu messen wäre definitiv falsch und nicht gerechtfertigt, aber das fällt in eine ähnliche Kategorie.
Prescott ist nahezu überall gut bis sehr gut, und das ergibt in Summe einen Top-10-, aber eben keinen Top-5-Quarterback
7. Jordan Love, Green Bay Packers
Es dauerte einige Wochen, aber als Love in seinem ersten Jahr als Starter die Offense zunehmend besser in den Griff bekam und sich insgesamt besser zurechtfand, gab es nicht viele Quarterbacks, die auf seinem Level gespielt haben.
Und das manifestiert sich nicht nur in seinem Armtalent und in den Dingen, die er mit seinem Arm ermöglicht, den Second-Reaction-Plays, den spektakulären Highlights unter Druck. Was bei Love auffällt, ist, wie viel besser er in all den Basics geworden ist. Sein Pocket-Management ist mittlerweile exzellent. Er ist ruhig in der Pocket, er tritt in die Pocket, kann aber auch raus driften und dann mit seinem Armtalent den Ball immer noch sauber raus bringen. Er verhindert Sacks, er ist aggressiv als Passer, er verteilt den Ball aber auch sauber Underneath. Er setzt die Offense gut um und kreiert als Passer zusätzlich innerhalb und außerhalb der Struktur.
Der gelegentliche Accuracy-Wackler ist nach wie vor in seinem Spiel, das kommt noch immer zwei, vielleicht drei Mal pro Spiel vor. Und natürlich ist es fair, zu hinterfragen, ob er nahtlos an seine zweite Saisonhälfte anknüpfen kann, oder ob das vielleicht doch nur ein One-Hit-Wonder war.
Ich für meinen Teil habe hier eine klare Antwort. Ich habe von keinem Quarterback so viel Tape nochmal angeschaut über den Sommer, und Loves bei mir ohnehin hohes Standing - und mir ist bewusst, dass ich bei ihm sehr hoch bin - ist eher noch nach oben geklettert. Ich denke, dass wir spätestens nach der kommenden Saison über Love als klaren Top-10-Konsens-Quarterback sprechen.
6. Matt Stafford, Los Angeles Rams
Staffords vergangene Saison war maßgeblich deshalb so gut, weil er sich seine Aggressivität beibehielt, mit seinem spektakulären Arm, der das gesamte Feld öffnet - während er gleichzeitig die Fehler auf ein Minimum runter schraubte.
Diese Kombination ist selten, zumindest in der vergangenen Saison hat Stafford sie hinbekommen. Und das während er einen Tag-3-Rookie als seinen Nummer-1-Receiver bediente.
Wenige Quarterbacks haben mir letztes Jahr in der Folge mehr Spaß gemacht. Staffords in jeder Hinsicht furchtloses Spiel aus der Pocket kann, ähnlich wie bei Geno Smith in Seattle, eine ganze Offense öffnen und auch zu gewichtigen Teilen tragen. Auch aus einer unsauberen Pocket oder einem schwierigen Armwinkel.
Das Tempo und die Verlässlichkeit, wie er durch seine Reads geht, haben mich dabei über die letzten Jahre nochmal mehr beeindruckt. Er setzt McVays Offense in der aggressivsten Interpretation um, und das sollte auch in der kommenden Saison nochmal für ein Feuerwerk sorgen.

5. Joe Burrow, Cincinnati Bengals
Burrow ist physisch nicht auf dem Level, auf dem die vier Quarterbacks vor ihm sind; weder als Athlet, noch in puncto Armtalent. Dafür ist er vielleicht der akkurateste Passer dieser Gruppe, und in der Lage, jede Defense aus der Pocket zu zerlegen. Burrow ist das, was ich als einen Pocket-Playmaker bezeichnen würde.
Und dabei hat er gezeigt, dass er in beide Richtungen in Extremen funktionieren kann: Als Big-Play-Quarterback, der vertikal attackieren will, aber eben auch als der verlässliche Kurzpass-Ballverteiler.
Burrow ist am besten, wenn er aus der Shotgun der "Point Guard" ist. Ich würde gerne sehen, dass er sich darauf einlässt, noch mehr ins Under-Center-Play-Action-Spiel einzutauchen. Das nämlich funktionierte für die Offense mit Jake Browning letztes Jahr sehr gut.
4. Justin Herbert, Los Angeles Chargers
Vielleicht der verlässlichste Pocket-Passing-Ballverteiler in der NFL, mit dem gelegentlichen Highlight-Play, das einen daran erinnert, zu was dieser Arm in der Lage ist.
In puncto Quickness - physischer, aber auch mentaler Art - aus der Pocket, muss sich Herbert vor keinem anderen Quarterback verstecken. Das gibt der Offense einen hohen Floor, selbst wenn viele einzelne Bausteine wegbrechen oder schlicht nicht da sind, so wie letztes Jahr. Und das erlaubt es Herbert, ein ungewöhnlich hohes Passing-Volumen zu steuern.
Während ich bei Burrow noch mehr Bereitwilligkeit in schematischer Hinsicht sehen will, könnte Herbert noch mehr Aggressivität in seinem Spiel vertragen. Die physischen Tools dafür sind da, mehr als bei fast allen anderen Quarterbacks in der NFL.
Die kommende Saison könnte allerdings durchaus holprig anlaufen: Neben der schwachen - oder zumindest unerfahrenen - Receiver-Gruppe und der neu installierten Offense, kostete eine Fußverletzung Herbert mehrere Wochen der Saisonvorbereitung. Das könnte sich früh in der Saison bemerkbar machen. Und die Fußverletzung könnte ihn noch weit in die Saison hinein beeinträchtigen.
3. Lamar Jackson, Baltimore Ravens
Was das Passing Game angeht, war es für die Ravens aus schematischer, struktureller Perspektive ein Quantensprung. Für Lamar Jackson war es im ersten Jahr außerhalb von Greg Romans Offense die Gelegenheit, zu zeigen, dass er auch als Passer eine Offense mit tragen kann.
Das gelang ihm auf dem Weg zu seinem zweiten MVP-Titel. Jackson war einer der besten Passer in der Mid-Range, wo Baltimores Offense viel mehr Optionen für den Quarterback bot. Jackson ist einer der gefährlichsten Playmaker auf der Position, auch weil er letztes Jahr eine weitere Dimension in seinem Spiel zeigte.
Die Gefahr, die er am Boden ausstrahlt, blieb dabei mitnichten auf der Strecke: Jacksons 821 Rushing-Yards in der Regular Season waren Platz 1 unter allen Quarterbacks, seine 5,5 Yards pro Run lagen vor Justin Fields (5,2), Jalen Hurts (3,8) und Josh Allen (4,7). Jackson ist nach wie vor fester Bestandteil des designten Run Games, seine Scrambles können aber als Teil der Passing Offense mitunter wie eine Art "Read" funktionieren.
2. Josh Allen, Buffalo Bills
Wenn ich die Tiers noch strikter machen würde, wäre Mahomes in seinem eigenen Tier, gefolgt von Allen und Jackson. Die beiden sehe ich aktuell nochmal vor Herbert und Burrow dahinter, und Allen hat sich für mich letztes Jahr noch mehr auf den zweiten Platz geschoben.
Als Runner ist er mittlerweile fast ein wenig unterschätzt, aber auch als Passer hat sich Allen bemerkenswert weiterentwickelt. Denn er hat einerseits die Aggressivität - und den Arm - die ich mir bei Justin Herbert noch häufiger wünschen würde. Aber er hat, ähnlich wie Mahomes über die letzten Jahre, mittlerweile auch den Schritt hin zu einem effizienten Kurzpass-Quarterback geschafft. Eine Entwicklung, die mit Blick auf die Zusammenstellung der Bills-Offense vermutlich eher noch intensiviert werden soll.
Und der größte Kritikpunkt bei Allen ist in meinen Augen ein Beispiel dafür, wie selektiv die Wahrnehmung wird, wenn die einzelnen negativen Momente ganz besonders schlecht aussehen.
Denn Allen hat ohne Frage seine Aussetzer, die dann auch auf Social Media rauf und runter gespielt werden. Aber auf die ganze Saison gesehen, sprechen wir über drei, vier solcher Plays. Nach der "Turnover Worthy Play Rate" von PFF war Allen mit drei Prozent besser als Brock Purdy und Tua Tagovailoa, und nur ganz knapp über C.J. Stroud und Lamar Jackson.
Muss er diese einzelnen Aussetzer im Idealfall abstellen? Ohne Frage. Aber sie sind längst nicht so definierend für sein Spiel insgesamt, wie sie teilweise gemacht werden.
1. Patrick Mahomes, Kansas City Chiefs
Zu sehen, wie Mahomes letztes Jahr in sehr überschaubaren Umständen immer noch auf höchstem Level spielte und insbesondere in den Playoffs mehrere herausragende Spiele ablieferte, war eine weitere Bestätigung.
Mahomes bewegt sich in einer eigenen Kategorie. Selbst wenn er mit sehr limitierten Umständen agieren muss, wenn er ein High-Volume-Kurzpassspiel aufziehen muss - Mahomes hatte letztes Jahr in 13 (!) Spielen 40 oder mehr Dropbacks, drei Mal knackte er gar die 50er Marke -, dann kann er trotzdem eine Offense tragen.
Und das musste Mahomes letztes Jahr, vielleicht mehr, als in jeder anderen seiner Chiefs-Saisons bislang. Die Highlights, die Plays, bei denen er kreiert, all das ist nach wie vor da. Die Downfield-Passing-Stats waren nicht gut letztes Jahr, was aber in erster Linie ein Receiver-Problem war.
Mit mehr Speed auf Receiver wird sich das wieder ändern, generell gehe ich davon aus, dass die Offense in der kommenden Saison nicht ganz so viel von Mahomes verlangen wird. Aber stets in dem Wissen, dass, falls sie es brauchen, Mahomes liefern kann.
Adrian Franke