29.09.2024
NFL, Week 4: Rodgers ärgert sich - Atlanta dankt Koo
Der NFL-Sonntag hatte um ein Haar ein monströses Comeback der Green Bay Packers in petto. Am Ende waren Rückkehrer Jordan Love & Co. aber zu viele Fehler unterlaufen. Die New York Jets landeten derweil hart, während die Pittsburgh Steelers gar ihre erste Niederlage hinnehmen mussten. Hochspannend ging's in Atlanta zu.

Zwei Spiele lang hatte der erst vor wenigen Wochen nach Green Bay gekommene Malik Willis die Quarterback-Geschicke übernommen - und die Packers zu zwei wichtigen Siegen geführt. Beim prestigeträchtigen Heimspiel im Lambeau Field gegen die ungeschlagenen Minnesota Vikings aber kehrte der in Week 1 in Brasilien am Ende nur leichter am Knie verletzte Starter Jordan Love zurück.
In den Katakomben erschienen war der 25-jährige Hoffnungsträger mit der Rückennummer 10 dabei im Packers-Jersey mit der Zahl 4. Eine Hommage an die NFL-Legende Brett Favre, einst selbst für Green Bay aktiv und sogar Super-Bowl-Champion (1997). Der heute 54-jährige Hall of Famer hatte jüngst seine Parkinson-Diagnose publik gemacht und dabei auch eine emotionale Reaktion von Love hervorgerufen.
Favres Spitzname: "Gunslinger", Revolverheld - weil er oft wilde Würfe ausgepackt und neben unfassbar vielen Touchdowns auch zahlreiche Interceptions produziert hatte. Und genau so trat an diesem frühen Sonntag zu Week 4 auch Love auf. 32 von 54 versuchten Pässen brachte der in der Offseason für teures Geld verlängerte Spielmacher für stolze 389 Yards und vier Touchdowns an den Mann. Vor allem zu Top-Receiver Jayden Reed (139 Yards, ein TD) und Dontayvion Wicks (78 Yards, zwei TDs). Allerdings unterliefen Love auch drei Picks, Tight End Tucker Kraft ein fataler Fumble - und Rookie-Kicker Brayden Narveson vergab beide seiner versuchten Field Goals.
In Summe waren das am Ende zu viele Patzer, die der NFC-North-Rivale aus Minneapolis am Ende zu einem knappen 31:29-Auswärtssieg ummünzen konnte. Dabei mussten die fortan bei 4-0 stehenden Wikinger um den überraschenden Quarterback Sam Darnold (275 Yards, drei TDs, eine Int.) allerdings nochmals richtig zittern, hatte Minnesota doch nach starkem Start bereits 28:0 geführt. Es wäre das größte Comeback in der Geschichte der Packers (22:3-Lauf im vierten Quarter) gewesen, mit einem final gesicherten Onside Kick verhinderten die Vikes dieses Szenario aber.
Um den Erfolg der Gäste um Star-Receiver Justin Jefferson (85 Yards, ein TD) nicht zu kurz kommen zu lassen: Während ihrer vier Siege zum Start dieser Regular Season hat der Nord-Tabellenführer insgesamt nicht einmal für dreieinhalb Minuten in Rückstand gelegen. Was für eine Bilanz!
Bis zum Schluss spannend war es auch in East Rutherford, New Jersey. Hier im MetLife Stadium ging es beim Vergleich zwischen den New York Jets und Denver Broncos aber weit weniger beschaulich als in Green Bay zu. Dem Publikum wurde im Dauerregen Magerkost geboten.
Der einzige Touchdown dieser Angelegenheit kam im dritten Viertel durch Broncos-Receiver Courtland Sutton nach Pass von Bo Nix zustande. Der Rookie-Quarterback hatte das Spiel derweil nach 15 versuchten Pässen (sieben angekommen) mit Minus-Yards begonnen und lief am Ende mit der immerhin fehlerfreien Bilanz von 60 Yards samt dieses einen Touchdown-Zuspiels ein. Sein Gegenüber Aaron Rodgers, seines Zeichens Nachfolger von Favre und Vorgänger von Love in Green Bay, erreichte zwar 224 Yards mit 24 von 42 versuchten Pässen, ihm glückte insgesamt mit einer stotternden Offensive aber wenig. Zu allem Überfluss verschoss Sekunden vor Spielende noch Kicker Greg Zuerlein, der sich zuvor für drei erfolgreiche Schüsse verantwortlich gezeichnet hatte, das Field Goal zum sichergeglaubten 12:10-Sieg.
So aber gewann Denver 10:9 und ein sichtlich enttäuschter Rodgers ließ sich auf die Bank sinken und warf sich ein Handtuch über den Kopf. Auch weil er zum ersten Mal in seiner langen Laufbahn (2005 bis 2022 in Green Bay, seither in New York) in einem Heimspiel keinen Touchdown erreichte.
Pittsburgh hatte wie Minnesota einen starken 3-0-Saisonstart verzeichnet, stockte an diesem Wochenende aber nicht auf 4-0 auf. Stattdessen verloren die Steelers - erneut mit Justin Fields für den noch nicht komplett fitten Starting Quarterback Russell Wilson angetreten - knapp mit 24:27 bei den Indianapolis Colts.

Indy musste während dieses Matches den frühen Verlust von Spielmacher Anthony Richardson (Hüfte) verkraften, hatte sich aber bekanntlich in der Offseason mit Routinier Joe Flacco abgesichert. Und der inzwischen 39-jährige Oldie und amtierende Comeback Player of the Year knüpfte nahtlos an seine starken Leistungen aus der Vorsaison noch im Dress der Cleveland Browns an: 168 Yards, zwei Touchdowns und keine Fehler. Im Zusammenspiel mit Running Back Jonathan Taylor (88 Yards, ein Score) reichte das zum Sieg - und das obwohl Steelers-Quarterback Fields (367 Total Yards, drei Total Touchdowns, ein Fumble) zusammen mit Receiver George Pickens (113 Yards) ebenfalls ablieferte und nach anfänglichem 0:17-Rückstand fleißig am Comeback schraubte.
Die New Orleans Saints sind nach ihrem famosen 2-0-Auftakt auf dem Boden der Tatsachen gelandet, auch wenn in Atlanta mehr als ein 24:26 drin gewesen wäre. Denn sowohl die heimischen Falcons als auch die Saints lieferten sich ein hochspannendes Duell - wenngleich hier beide Quarterbacks keinen allzu rosigen Tag erwischt hatten. Derek Carr (239 Yards) und auch Kirk Cousins (238 Yards) schafften jeweils keinen Touchdown und leisteten sich jeweils eine Interception. Dafür lieferten auf Saints-Seite Running Back Alvin Kamara (77 Yards, TD) als auch Allzweckwaffe Taysom Hill (zwei Scores) ab. Warum es trotzdem nicht für den Auswärtssieg reichte?

Weil Atlanta einmal mehr Kicker und Lebensversicherung Younghoe Koo aufs Feld schickte. Der seit 2019 angestellte Südkoreaner wurde seinem Ruf als Mister Zuverlässig einmal mehr gerecht und verwandelte vier von vier Field Goals - das letzte dabei zwei Sekunden vor Ablauf der Uhr aus 58 Yards. Das sollte zugleich Koos bisheriger Bestwert in seiner Karriere sein.
Vor einer Woche hatten die Tampa Bay Buccaneers nach ihrem 2-0-Start noch deutlich mit 7:26 gegen Denver verloren, nun schlugen die Bucs unter den Augen von Ex-Quarterback und TV-Experte Tom Brady (Super-Bowl-Sieger 2021) zurück. Beim deutlichen 33:16 gegen die auf 2-2 abgerutschten Philadelphia Eagles avancierte Brady-Nachfolger Baker Mayfield einmal mehr zum Mann des Tages: 347 Passing Yards, zwei Touchdown-Zuspiele, keine Fehler und dazu noch ein eigener Lauf in die Endzone. Sein Top-Receiver Mike Evans schwang sich mit seinem einen TD-Catch noch zum größten Punktgaranten der Buccaneers-Historie auf: Kicker Martin Gramatica (1999 bis 2004) hatte einst 592 Zähler für Tampa Bay erreicht, Evans steht ab sofort bei 596.
Die seit geraumer Zeit chronisch erfolglosen Jacksonville Jaguars schrammten beim 20:24 in Houston (3-1) an einem möglichen Sieg vorbei und rutschten auf 0-4 ab. Spielverderber war nach einem zunächst von der Defense spät forciertem "three-and-out" Texans-Quarterback C.J. Stroud mit 345 Yards und zwei Touchdowns - der zweite davon kurz vor Ende auf Running Back Dare Ogunbowale. Jacksonvilles teurer Spielmacher Trevor Lawrence (169 Yards, zwei TDs) hat nun schon saisonübergreifend neun Spiele in Serie verloren.
Die Cincinnati Bengals haben durch ein 34:24 bei den Carolina Panthers (1-3) ihren ersten Saisonsieg errungen und auf 1-3 gestellt. Star-Quarterback Joe Burrow half dabei trotz einer Interception fleißig mit (232 Yards, zwei TDs) und konnte sich auch auf Receiver Ja'Marr Chase (85 Yards, TD) sowie auf Läufer Chase Brown (zwei TDs) verlassen. Auf der anderen Seite fielen der zuletzt gefeierte Andy Dalton (220 Yards, zwei TDs, Int.) und RB Chuba Hubbard (104 Yards, ein Score) auf.
Zum Abschluss des frühen NFL-Sonntagsfenster kam es zudem noch zum Vergleich zwischen den Chicago Bears um First Overall Pick Caleb Williams und den verletzungsgeplagten Los Angeles Rams, die vergangene Woche allerdings einen famosen Comeback-Sieg gegen die San Francisco 49ers gelandet hatten. Daran konnten die Kalifornier jedoch nicht anknüpfen. Sie verloren in der "Windy City" mit 18:24. Entscheidend neben Running Back D'Andre Swift (165 Total Yards plus TD) war die Defensive, die Rams-QB Matthew Stafford spät pickte.
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