10.12.2024
Giants und Jets versinken in der Negativspirale
Als größte Stadt der USA ist New York City auch eng mit der Faszination Sport verbunden. Und ganz besonders auch mit dem Football. Die zwei ansässigen Franchises fallen aber seit Jahren nur aus einem Grund auf: Erfolglosigkeit.

Die New York Knicks und Brooklyn Nets aus der National Basketball Association (NBA).
Die New York Rangers und New York Islanders aus der National Hockey League (NHL).
Die New York Yankees und New York Mets aus der Major League Baseball (MLB).
Der New York City FC und die New York Red Bulls aus der Major League Soccer (MLS).
Die New York Giants und New York Jets aus der National Football League (NFL).
Für die ganz großen Sportgeschmäcker stellt die 8,8 Millionen Einwohner große Weltstadt New York City ein gewaltiges Potpourri an Teams zur Auswahl. Und alle verfügen sie über Tradition, haben zusammen massig Titel gewonnen, werden von der gewaltigen sowie kritischen Presse beäugt und finden aufgrund ihres Standorts in viel größerem Ausmaß auch innerhalb und außerhalb der USA in der gesamten Sportwelt in größerem Ausmaß statt als Mannschaften aus kleineren Gegenden.
Das alles hat allerdings wie so vieles zwei Seiten. Und das zweischneidige Schwert New York schneidet momentan besonders scharf, wenn es um den jahrelangen Negativlauf im Football geht.
Sowohl die Giants als auch die Jets nämlich suhlen sich seit geraumer Zeit im Sumpf aus Erfolglosigkeit, Hohn von fremden Lagern und der Jahr für Jahr unerfüllten eigenen Sehnsucht, endlich wieder mit Vollgas auf die Siegerstraße zurückzukehren. Die Realität aber ist eine andere.
Die 1925 gegründeten Giants etwa haben als viermaliger Super-Bowl-Champion letztmals Anfang 2012 im ganz großen Stil gefeiert, als Ex-Quarterback-Legende Eli Manning ein zweites Mal in seiner Laufbahn den favorisierten New England Patriots um Ikone Tom Brady ein Schnippchen schlug (21:17). Seither sprangen nur noch zwei Endrunden-Tickets heraus (2016, 2022).
Zunächst noch einmal mit dem alternden Manning, ehe der 2019 mit hohen Erwartungen an sechster Stelle gedraftete Daniel Jones immerhin einmal sein Team über die Regular Season hinaus hievte. Insgesamt aber hat Jones trotz eines zwischenzeitlich erhaltenen Top-Vertrags die Erwartungen niemals erfüllt - und ist inzwischen gänzlich Geschichte ist (Vertragsauflösung und Wechsel zu den Minnesota Vikings als Backup). Alles in allem: oft biedere "Kunst" der "G-Men".
Noch magerer fällt jedoch die Bilanz der 1959 ins Leben gerufenen Jets aus, die nur 1969 in Super Bowl III (ursprünglich noch als AFL-NFL Championship Game bekannt) abräumten und es insgesamt nur 14-mal in die Playoffs der NFL schafften.
Der negative Hammer aber: Inzwischen wartet die leidende "Gang Green" schon seit 2010 auf ein Wiedersehen in der Endrunde. Das ist die längste Negativflaute im gesamten US-Top-Sport. Weder in der NBA, NHL, MLB noch der MLS wartet ein Franchise länger auf ein Playoff-Ticket als die Jets.

Für etwas mehr Verständnis wurde auf Social Media etwas höhnisch schon die damalige Zeit näherbeleuchtet - um das Ausmaß dieser gewaltigen Durststrecke noch besser greifbar zu machen. Rex Ryan etwa, damals erst in seinem zweiten NFL-Jahr als Head Coach unterwegs, ist inzwischen längst raus aus dem aktiven Geschehen und "nur" noch TV-Experte. Damaliger Quarterback der New Yorker war Mark Sanchez, der schon seit 2018 nicht mehr spielt. Oder auch Andy Reid, seit 2013 Erfolgstrainer der Kansas City Chiefs mit drei Super-Bowl-Titeln, hat damals noch die Philadelphia Eagles betreut.
Das doppelt bittere der Jets dabei: In den letzten Jahren hatte sich das Franchise aus dem "Big Apple" massiv verstärkt, eine tolle Defense aufgebaut und die Offense mit großen Namen wie Aaron Rodgers (der 2010/11 Super-Bowl-Champion mit den Packers wurde) oder Davante Adams verstärkt. Alles ohne den erwünschten Ertrag: Seit diesem Wochenende (Week 14) sind die Jets auch mathematisch endgültig raus aus dem Playoff-Rennen, die Giants schon eine Woche länger.
Zusammen stehen die beiden New Yorker Franchises momentan bei einer 5-21-Bilanz. Das ist der schwächste Wert der jahrzehntelangen gemeinsamen Geschichte, die seit 1960 besteht. 1976 (6-22) und 1996 (7-25) sind ähnlich miserable Jahre gewesen, diese lassen sich mit Erfolgserlebnissen an den finalen Wochenende der Regular Season noch abfangen.
Für den Moment aber regiert die altbekannte pure Enttäuschung - offiziell ausgesprochen auch von Jets-Quarterback Rodgers gegenüber US-Medien: "Ja, die Erwartungen waren hoch ... und wir haben sie nicht erreicht, nicht mal annähernd. Nach drei Wochen fühlte es sich gut an. Jeder fühlte sich wirklich gut. Seitdem gab es viele schwierige Spiele mit Chancen. Wir haben aber einfach nicht herausgefunden, wie man genug Spiele gewinnt. Auch ich habe in einigen entscheidenden Momenten nicht gut genug gespielt - und nun sitzen wir hier mit der Bilanz, die wir haben."
mag