06.05.2025
Nach Draft und Free Agency: Power Ranking von Adrian Franke
Nach dem Draft und der Free Agency nehmen die Kader für 2025 greifbare Formen an. Wer hat sich besonders verstärkt? Wer ist im Rebuild? Und wer weiß es noch nicht so genau? In seinem Power Ranking nach Draft und Free Agency analysiert kicker-Experte Adrian Franke alle 32 Teams.

Der Quarterback ist nicht alles. Das gilt im positiven, wie auch im negativen Sinne.
Aber manchmal gibt es Extremsituationen auf der wichtigsten Position, die auch zu extremeren Einschätzungen im Power Ranking führen. Ein Beispiel: Das Team rund um Patrick Mahomes könnte objektiv betrachtet noch so schlecht sein, ich hätte Kansas City an diesem Punkt der Offseason vermutlich trotzdem nicht außerhalb einer Top 12.
Das Gegenbeispiel sind die Saints. Davon ausgehend - und das ist der aktuelle Stand - dass Derek Carr die kommende Saison komplett verpassen könnte, sprechen wir über Tyler Shough, Spencer Rattler und Jake Haener. Mit einer Offensive Line mit mehreren individuellen Fragezeichen und einem eher soliden Waffenarsenal. Und all das unter einem Rookie-Head-Coach.
Vielleicht kann Kellen Moore in seinem ersten Jahr in New Orleans mehr herausholen. Aber ehrlicherweise war das bisher nicht seine Stärke. Moore hat sowohl in Dallas, als auch bei den Chargers und dann vergangene Saison bei den Eagles gut mit dem gearbeitet, was er jeweils vorgefunden hat. Aber gibt er einer Offense einen Floor? Daran habe ich noch Zweifel. Und die Defense mit zunehmend größeren Fragezeichen im Pass-Rush sowie auch auf Cornerback war schon letztes Jahr nur noch die Nummer-19-Defense nach Expected Points Added pro Play und nach Success Rate.
Nach einer Offseason mit vielen gewichtigen Entscheidungen und einer ganzen Wagenladung an Draft-Picks schaue ich auf die Browns-Offense und denke mir: Wir sind so schlau, wie zuvor.
Irgendeine Rotation aus Backup- und Bridge-Quarterbacks - sofern nicht einer der beiden Rookies einschlägt - wird die Saison bestreiten, die Line wird älter und wenn Jerry Jeudy und David Njoku nicht den Unterschied ausmachen, gibt es vermutlich keine anderen Playmaker, denen das im Passing Game gelingt. Die größte Veränderung ist im Backfield, wo Quinshon Judkins und Dylan Sampson ein dynamisches Duo bilden könnten.
Die Defense war letztes Jahr Down für Down immer noch gut (Platz 6 in Success Rate), konnte aber nicht mehr die defensiven Big Plays auflegen wie noch 2023, und ließ umgekehrt mehr Big Plays zu. Hier bleibt abzuwarten, wie viel Impact Erstrunden-Rookie Mason Graham direkt haben kann. Der Rest der Front kommt, abgesehen natürlich von Myles Garrett, mit teilweise größeren Fragezeichen daher.
Die Moves der Browns deuten klar darauf hin, dass Clevelands Plan 2025 als Übergang und 2026 als das Zäsurjahr anpeilt. Dann könnte die Trennung von Watson halbwegs realistisch werden, vor allem, so deute ich die Strategie, soll dann der Franchise-Quarterback gefunden werden. Mal sehen, inwieweit die Geduld des Owners in der kommenden Saison auf dem Weg dorthin auf die Probe gestellt wird.
Es ist das erste Jahr des Rebuilds und es ist völlig in Ordnung, dass der Kader der Jets noch Baustellen hat. Er hat auf der anderen Seite auch schon Building-Blocks: Die Offensive Line könnte eine der besten jungen Lines in der NFL sein. Garrett Wilson, Quinnen Williams, Jermaine Johnson und Sauce Gardner sind das übergreifende Gerüst dieses Teams. Und in Will McDonald, Quincy Williams sowie Neuzugang Andre Cisco hat Aaron Glenn einige spannende Komplementär-Spieler auf "seiner" defensiven Seite.
Warum die Jets also so weit unten? Es gibt immer einen gewissen Wildcard-Faktor mit einem neuen Head Coach und einem neuen offensiven Play-Caller. Glenn bringt Tanner Engstrand aus Detroit mit, Play-Caller war der dort nie. Und selbst mit einem erfahreneren Play-Caller müsste man sich eingestehen, dass eine Offense mit Justin Fields auf Quarterback, einem ausgesprochen unerfahrenen Tackle-Duo und einem Waffenarsenal, das abgesehen von Garrett Wilson keine Difference Maker hat, nicht viel Feuerkraft im Passing Game bietet.
Die Jets werden den Ball viel laufen, das ist klar. Aber um damit erfolgreich zu sein, muss die Defense wieder näher an ihr 2023er Level herankommen, als New York eine der besten Defenses ligaweit hatte. Hier bin ich gespannt, was Glenn aus einer talentierten Unit mit Qualität auf allen drei Ebenen formen kann, die insbesondere in der Secondary schon klar seine Ideen widerspiegelt.
Wir sehen es Jahr für Jahr: Die Umstände, in die ein Rookie-Quarterback kommt, sind häufig extrem wichtig für die erste Weichenstellung seiner NFL-Karriere. Nur selten sind Quarterbacks so gut, dass sie schlechte Umstände schon ausgleichen können. Und die Titans haben nicht zufällig an Nummer-1-Overall gepickt.
Aber: Tennessees gesamte Offseason war darauf ausgerichtet, eine Offense aufzubauen, in der ein junger Quarterback zumindest eine Chance hat: Kevin Zeitler und Dan Moore geben der Line eine Baseline. Tyler Lockett ist eine gute Ergänzung für den Slot, und natürlich wird man in Tennessee hoffen, dass zumindest einer der Rookie-Receiver neben Lockett und Calvin Ridley einschlägt. Dann wäre das eine Offense, in der Cam Ward auch als Rookie gut aussehen könnte.
Die Defense ist da eine andere Geschichte. Der Pass-Rush ist ein großes Fragezeichen, abgesehen von Jeffery Simmons ist Arden Key hier der wohl gefährlichste Rusher. Zweitrunden-Rookie Oluwafemi Oladejo hat hier eine echte Chance, direkt einen Impact zu haben. In der Secondary wäre es wichtig, dass L’Jarius Sneed nochmal seine Chiefs-Form erreicht. Ansonsten ist das ein Corner-Trio mit Fragezeichen. Spannendste Rookie-Personalie hier: Safety Kevin Winston.

Es war immer klar, dass die Patriots nicht alle Baustellen in einer Offseason würden schließen können. Insbesondere die Offensive Line hat noch mehrere Schwachstellen, aber auch die Receiver-Gruppe ist weder kurz-, noch langfristig "fertig."
Gleichzeitig gibt es wenige Units ligaweit, die ein so dramatisch verändertes Gesicht in der kommenden Saison zeigen könnten, wie ich es von der Patriots-Offense erwarte. Allen voran, weil mit den Rookies Kyle Williams und TreVeyon Henderson endlich Dynamik und Explosivität in diese Offense kommen. Die Neuzugänge Stefon Diggs - wenn er dann wieder fit ist nach seinem Kreuzbandriss - und Mack Hollins geben der Offense zudem einen Floor auf den Receiver-Spots, der letztes Jahr gefehlt hat. Diggs und Williams sind sehr gute Separator, etwas, das die Patriots vergangene Saison auch nicht hatten. Das wird Drake Maye helfen.
Aber auch die Defense hat massive Upgrade bekommen. Die Defensive Line wird mit Milton Williams merklich gefährlicher sein. Hier ist Christian Barmore die große Wildcard: Kommt er nochmal zurück und erreicht seine alte Form? Mit Keion White, Neuzugang Harold Landry und Rookie Bradyn Swinson hat die Edge-Gruppe zumindest einen gewissen Floor. Vor allem aber die Secondary, in der Carlton Davis als zweiter Starting-Corner verpflichtet wurde, könnte wirklich gut werden.
New York stellte für mich in der Kaderanalyse vor dem Draft einen unterschätzten Landing Spot für einen Rookie-Quarterback dar. Die Line bringt dabei noch die größten Ungewissheiten mit, wenn die Starter fit bleiben, kann sie aber zumindest solide sein. Und mit Marcus Mbow kam ein potenzieller Starting-Guard im Draft dazu. Evan Neal soll auch seine wohl letzte Chance in New York jetzt innen bekommen.
Insbesondere die Playmaker können sich aber sehen lassen. Angeführt von Malik Nabers, einer der besten jungen Receiver in der NFL. Wan’Dale Robinson ist ein guter Slot-Receiver, Darius Slayton haut niemanden vom Hocker, kann aber die X-Receiver-Rolle besetzen. Und mit Tyrone Tracy und jetzt Cam Skattebo haben die Giants ein unerwartet spannendes Backfield.
All das steht auf wackeligen Füßen, vor allem wegen der Line, in der Andrew Thomas nach zwei von Verletzungen geprägten Jahren in erster Linie mal fit bleiben muss. Und ich bin bei Jaxson Dart skeptischer als der Konsens, aber hinter Russell Wilson, und womöglich Jameis Winston, muss er auch erst einmal nicht spielen.
Dazu kommt, dass die Giants wieder eine echte defensive Identität haben: Abdul Carter, Brian Burns, Dexter Lawrence und, zumindest perspektivisch, Darius Alexander? Das kann sich sehen lassen. Auf diesen Four-Men-Rush wird es ankommen, aber auch die Secondary wurde mit Paulson Adebo und Jevon Holland deutlich verbessert.
Die Giants sind kein "sneaky" Playoff-Team. Aber ich denke, dass sie positiv überraschen könnten.
Bei kaum einem Team liegt mehr Druck auf der kommenden Saison. Und das beginnt bereits mit dem Training Camp im Sommer. Denn die Colts haben in dieser Offseason klargemacht, dass Anthony Richardson sich seinen Platz verdienen muss - sie haben es klargemacht mit Worten, aber auch mit Taten, konkret mit der Verpflichtung von Daniel Jones.
Daniel Jones sollte für keinen Starting-Quarterback eine ernsthafte Konkurrenz darstellen. Aber Anthony Richardson ist kein etablierter Starter. Letztes Jahr wurde er zwischenzeitlich gebenched, es gab große Diskussionen darüber, ob er das mentale Makeup hat, das ein Franchise-Quarterback haben muss. Ganz unabhängig von den Accuracy-Problemen, die ihn nach wie vor begleiten.
2025 wird ein richtungsweisendes Jahr für Richardson werden. Aber auch für die gesamte Führungsriege in Indianapolis. Die Offensive Line muss dabei zwei Vorjahres-Week-1-Starter ersetzen, auch wenn Ryan Kelly und Will Fries letzte Saison lange verletzt gefehlt haben. Der Offense fehlen nach wie vor die gefährlichen Outside-Playmaker, sowohl Pittman, als auch Downs und Rookie Tyler Warren arbeiten in erster Linie in der Mitte des Feldes.
Defensiv gehen die Colts mit Lou Anarumo in eine neue Richtung. Und sie haben hier sogar, ganz Colts-untypisch, früh in der Free Agency investiert: Charvarius Ward und Cam Bynum sind massive Upgrades für eine Secondary, die dringend Upgrades gebraucht hat. Linebacker ist noch ein Fragezeichen, und während die Defensive Line einen guten Floor hat, bleibt abzuwarten, ob sie unter Anarumo einen größeren Impact haben wird.
Ein ganz wichtiges Thema der kommenden Panthers-Saison ist - einmal mehr - die Bryce-Young-Frage. Das ist vor Youngs dritter NFL-Saison nur deshalb ein Thema, weil er letztes Jahr, nachdem er zwischenzeitlich gebenched worden war, ein starkes letztes Saisondrittel spielte. Young mag nie ein Top-8-Quarterback werden, aber in der Phase hat er zumindest mit einer Aggressivität gespielt, die Spaß gemacht hat. Und hat sich damit 2025 als Starter redlich verdient.
Die Panthers haben ihm im Draft unter die Arme gegriffen, indem sie ihm einen Nummer-1-Receiver gepickt haben: Tetairoa McMillan gibt den Panthers ein Big-Body-Target für die X-Receiver-Position. Letztes Jahr musste Xavier Legette in diese Rolle, auch er sollte davon profitieren, jetzt mehr Freiheiten zu erhalten.
Und so hat die Panthers-Offense zunehmend ein Gesicht. Mit klar verteilten Receiver-Rollen, einer guten Offensive Line und einem starken Backfield. In die Defense flossen derweil fast alle Free-Agency-Ressourcen, mit Fokus auf die Defensive Line (Bobby Brown, Tershawn Wharton) und Safety Tre’von Moehrig. Zusätzlich dazu kommt Derrick Brown zurück, der letztes Jahr so gut wie gar nicht gespielt hat, und die Rookies Nic Scourton und Princely Umanmielen werden Gelegenheiten bekommen. Zumindest der Floor der Defense sollte deutlich stabiler sein.
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Mit dem Uptrade für James Pearce sind die Falcons ein hohes Risiko eingegangen: Der First Rounder 2026, der im Zuge dieses Trades zu den Rams wandert, könnte ein sehr hoher Pick sein. Insbesondere dann, falls Michael Penix nicht die erhoffte Quarterback-Antwort ist.
Die Defense wird merklich jünger daherkommen, hat aber jetzt auch jede Menge Potenzial. Justin Simmons, Matt Judon und Grady Jarrett sind weg, stattdessen werden Spieler wie Ruke Orhorhoro, sowie die Rookies Pearce, Jalon Walker und Xavier Watts schnell in prominente Rollen rücken. Mit Pearce, Walker und Leonard Floyd hat Atlanta jetzt in jedem Fall signifikant mehr Speed auf Edge, aber auch hier: Viele junge Spieler sollen zentrale Rollen ausfüllen. Das kann gut sein für 2026, vielleicht aber nicht direkt 2025.
In der Offense ändert sich dagegen nichts, abgesehen von der Center-Position: Hier hat Atlanta Drew Dalman in der Free Agency verloren, Ryan Neuzil soll ihn ersetzen. Ein Undrafted Free Agent aus dem 2021er Draft, der Dalman schon letztes Jahr für mehrere Spiele passabel vertreten hat.
Funktioniert dieser Übergang, haben die Falcons weiterhin eine gute Offensive Line, in Ergänzung zu einem exzellenten Backfield und einer soliden Receiver-Gruppe. Jetzt ist es an Penix, zu zeigen, dass die mitunter sehr positiven Eindrücke der letzten drei Saisonspiele nur eine erste Kostprobe seiner Fähigkeiten waren.
Der Blick auf die kommende Saison in Miami wirkt genau so, wie sich ein Team, das zwischen zwei Kapiteln steht, anfühlt. Einerseits ist die Star-Feuerkraft, die man für Playoff-Runs geholt hat, noch da. In Person von Tyreek Hill und Jalen Ramsey - zumindest für den Moment - allen voran. Andererseits aber werden diese Spieler nicht jünger, und der Umbruch zeichnet sich in anderen Bereichen des Kaders ab.
Die Rookies Kenneth Grant und Jonah Savaiinaea sollten eher früher als später starten, in der Offensive Line muss man darauf hoffen, dass Vorjahres-Zweitrunden-Pick Patrick Paul Terron Armstead halbwegs ersetzen kann, der seine Karriere beendet hat. Übergangslösungen wie Nick Westbrook-Ikhine und Ifeatu Melifonwu werden Rollen einnehmen müssen, auch in der Defense hat Miami mit unter anderem Jevon Holland und Calais Campbell Qualität verloren. Und die Cornerback-Gruppe ist selbst mit Ramsey keine Stärke.
Eine Priorität für Mike McDaniel muss es sein, das Run Game wieder ins Rollen zu bringen. Defenses konnten Miami hier letztes Jahr zu sehr limitieren, worunter dann auch Tua und das Passing Game leiden. Wenn das gelingt - und hier steht die Line natürlich im Fokus -, werden auch Hill und Jaylen Waddle wieder besser in Szene gesetzt. Das ist zumindest ein greifbares Ziel für eine Dolphins-Saison, die sich sehr nach Übergangsjahr anfühlt.
Kein Team ist im Moment so schwer zu ranken. Denn während wir bei jedem anderen Team wissen, wer der Starting-Quarterback sein wird, oder zumindest davon ausgehen können, dass dieser Starter jetzt, Anfang Mai, im Kader steht, trifft das auf die Steelers nicht zu. Es sei denn, irgendwer möchte hier argumentieren, dass Mason Rudolph der Week-1-Starter sein wird.
Es scheint ein offenes Geheimnis zu sein, dass Aaron Rodgers zeitnah in Pittsburgh unterschreibt. Ein Low-Level-Trade für Kirk Cousins wäre wohl die Alternative. Das berücksichtige ich hier zumindest ein wenig, um ein realistisches Bild zu zeichnen. Denn klar ist: Mit Mason Rudolph als Starter wäre Pittsburgh noch erheblich weiter hinten.
Doch es gibt auch außerhalb der Quarterback-Gerüchte Grund für Optimismus mit diesem Steelers-Team. Ich mag die junge Offensive Line, die, jetzt auch mit Troy Fautanu, im Kollektiv nochmal einen Sprung machen und eine der besseren jungen Lines ligaweit sein könnte. Die Identität im Run Game ist klar, Kaleb Johnson ist der ideale Back aus diesem Draft für Arthur Smiths Offense. Mit Metcalf und Pickens haben die Steelers jetzt zwei Big-Body-Targets Outside für das vertikale Passspiel.
Und die Defense wirkt noch stabiler als letztes Jahr. Erstrunden-Rookie Derrick Harmon gibt Pittsburgh nicht nur eine Nachfolge-Option für Cam Heyward, sondern zum Start auch erst einmal Tiefe in der Defensive-Tackle-Rotation. Jack Sawyer reiht sich als Nummer 3 oder Nummer 4 in der Edge-Gruppe ein. Und Darius Slay adressiert, zumindest für ein Jahr, die Nummer-2-Corner-Baustelle.
Letztlich steht und fällt die kommende Saison mit der Quarterback-Entscheidung, die in Pittsburgh noch aussteht. Die Steelers müssen einen Quarterback finden, der heißlaufen kann, wenn das Team es braucht. Dann sind die Playoffs möglich.
Vielleicht kein Team hat in den letzten vier Monaten signifikantere Veränderungen durchlaufen als die Raiders.
Von Antonio Pierce zu Pete Carroll. Von Scott Turner zu Chip Kelly. Von Aidan O’Connell zu Geno Smith. Von Zamir White zu Ashton Jeanty. Von DJ Turner zu Jack Bech.
Werden die Raiders damit zum Super-Bowl-Contender? Nein, höchstwahrscheinlich nicht. Aber sie werden ein sehr so unterhaltsames und kompetitives Team aufs Feld bringen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Mit Geno erwarte ich einen deutlichen Sprung im Passing Game, und im Run Game ist die zu erwartende Verbesserung noch größer: Hier waren die Raiders letztes Jahr das mit Abstand schlechteste Team in der NFL, das wird sich mit Chip Kelly und Ashton Jeanty nicht wiederholen.

Sollten die Raiders eine Top-15-Offense haben, was ich für nicht ausgeschlossen halte, bin ich sehr gespannt, was für dieses Team möglich ist. Denn die Defense war letztes Jahr schon im Liga-Mittelfeld, und das obwohl Christian Wilkins weite Teile der Saison verpasste und Malcolm Koonce gar nicht spielen konnte. Die beiden gemeinsam mit Maxx Crosby sollten eine der besseren Defensive Lines ligaweit bilden. Die große Frage ist, wie sehr die drei die gesamte Defense tragen müssen; denn sowohl Linebacker, als auch die Secondary kommen mit signifikanten Schwachstellen daher.
Ich war ohnehin sehr gespannt darauf, was Liam Coen aus Trevor Lawrence herausholen kann. Jetzt in Kombination mit Travis Hunter, der in Jacksonville primär Receiver spielen soll, ist es eine der interessantesten Offenses vor Woche 1.
Hunter und Brian Thomas könnten schon dieses Jahr eines der besten Receiver-Duos in der NFL bilden, und wenn wir davon ausgehen, dass Coen Trevor Lawrence die Arbeit erleichtern wird, könnte das eine sehr produktive Offense sein. Zumal die Offensive Line zumindest stabilisiert wurde, während mit Bhayshul Tuten ein Big-Play-Element im Backfield neu dazu kommt.
Die Defense ist da ein anderes Thema. Das war letztes Jahr eine der schlechtesten Defenses in der NFL, und nennenswerte Verstärkungen kamen nicht dazu. Es sei denn natürlich, Hunter spielt auch eine relevante Anzahl Snaps auf Cornerback.
Hier ruht die Hoffnung darauf, dass Travon Walker noch einen Schritt machen kann. Dass Tyson Campbell fit bleibt. Dass Jourdan Lewis im Slot einen Unterschied macht. Und darauf, dass der neue Defensive Coordinator Anthony Campanile signifikant mehr aus dieser Unit herausholen kann. Campanile war bisher in der NFL in erster Linie ein Linebackers Coach und hat vergangene Saison in Green Bay auch als Run Game Coordinator gearbeitet. Als Play-Caller ist er aber eine Unbekannte.
So wirklich sicher bin ich noch nicht, was wir von der Seahawks-Offense in der kommenden Saison erwarten sollen. Klint Kubiaks Offense ist viel Quarterback-freundlicher als das, was Seattle im Vorjahr spielen ließ. Gleichzeitig ist Sam Darnold auch ein Downgrade gegenüber Geno Smith, und die Interior Offensive Line ist auch mit Grey Zabel noch ein größeres Fragezeichen.
Bei den Pass-Catchern ist Seattle in der Mitte des Feldes mit Jaxon Smith-Njigba, Cooper Kupp und Rookie Elijah Arroyo gut besetzt. Aber haben sie auch genügend Qualität Outside? In welcher Verfassung ist Kupp? Kann Arroyo als Rookie schon einen Impact haben? Viel wird davon abhängen, wie gut das Scheme greift und dabei auch Schwachstellen kaschiert werden. Oder anders gesagt: davon, wie gut Klint Kubiak wirklich ist.
So sehr die Offense eine Wundertüte ist, die Defense sollte eine der besten in der NFL sein. Hier war schon letztes Jahr ein deutlicher Sprung sichtbar, und mit Demarcus Lawrence wurde der Power-Edge, der noch gefehlt hat, dazu geholt. Je nachdem, wann Rookie-Safety Nick Emmanwori bereit für eine Starting-Rolle ist, könnte sein Impact ebenfalls enorm sein. Hier wäre es enttäuschend, Verletzungen mal außen vor, wenn Seattle nicht mindestens eine Top-8-Defense hätte.
Caleb Williams ist der größte individuelle Gewinner dieser Offseason: Eine mit Joe Thuney, Drew Dalman und Jonah Jackson komplett generalüberholte Interior Offensive Line, zwei neue Rookie-Playmaker mit Colston Loveland und Luther Burden - und Ben Johnson, einer der besten offensiven Play-Caller der letzten zwei Jahre, als neuer Head Coach.
Das bedeutet auf der einen Seite, dass es 2025 für Williams keine Ausreden geben darf. Es bedeutet aber auch, dass die Bears-Offense bei einer positiven Entwicklung des jungen Quarterbacks explodieren könnte. Das würde Chicago eine komplett andere Perspektive geben, sowohl für 2025, als auch darüber hinaus. Die Bausteine sollten alle da sein, jetzt gilt es, all das zu einem stabilen Gebäude zu formen.
Die Defense ist in vielen Bereichen unverändert, erhielt aber Upgrades in der Defensive Line in Person von Grady Jarrett und Dayo Odeyingbo. Keine Stars (mehr, im Fall von Jarrett), aber Verbesserungen verglichen mit dem, was die Bears hier letztes Jahr hatten. Und Dennis Allen mag als Head Coach nicht funktioniert haben, aber als Defensive Coordinator hat er einen guten Track Record und sollte aus dieser Defense ebenfalls einiges herausholen können.
Die Bears gingen bereits mit sehr viel Offseason-Hype in die vergangene Saison. Jetzt scheint dieses Team tatsächlich auch das Fundament zu haben, das der 2024er Version fehlte.
Eine weitere Offseason, in der ich nicht so ganz sicher bin, was der Plan in Dallas ist. Was ist der Plan dahinter, Rico Dowdle gehen zu lassen, um dann Javonte Williams und Miles Sanders zu verpflichten? Was ist der Plan dahinter, Draft-Kapital in Jonathan Mingo und Backup-Quarterback Joe Milton zu investieren? Die Defensive Front wurde schlechter mit dem Abgang von Demarcus Lawrence, und die Receiver-Strategie verstehe ich vielleicht am wenigsten.
Nicht, weil Brandin Cooks, der das Team Richtung New Orleans verlassen hat, noch so ein großer Faktor gewesen wäre. Selbst wenn sie Cooks gehalten hätten, hätte ich gerne gesehen, dass sie eine starke Nummer 2 holen - was vermutlich der Plan im Draft war, bis die Panthers ein paar Spots vor ihnen Tetairoa McMillan drafteten.
So sprechen wir über CeeDee Lamb, Jake Ferguson und die Hoffnung auf Mingo, Jalen Tolbert und KaVontae Turpin dahinter. Die besten Offenses mit Dak Prescott sahen in diesem Bereich signifikant anders aus. Und der Optimismus, dass Brian Schottenheimer einen hohen schematischen Floor kreiert, dürfte sich in Grenzen halten.
In der Offensive Line ersetzt Tyler Booker Zack Martin, und je nachdem, wie sich Tyler Guyton entwickelt, könnte das auch Tyler Smith raus auf Left Tackle schieben. Die Defense dagegen bringt große Fragezeichen allen voran auf Linebacker und Cornerback. Vieles wird hier von Micah Parsons und Osa Odighizuwa abhängen.
Das erste Jahr des Harbaugh-Regimes brachte den erhofften schnellen Umbruch, mit einer Playoff-Teilnahme gleich in der ersten Saison. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kader noch ein gutes Stück von einem Contender-Kader entfernt ist, und diese Offseason hat das unterstrichen.
Die Chargers gingen mit zahlreichen Baustellen in die Free Agency und dann auch in den Draft - zu viele Baustellen, um sie alle in einer Offseason zu adressieren. Die größten übrigen Themen: Defensive Line, Interior Offensive Line, Tight End, Cornerback.
In der D-Line könnten die Rookies Jamaree Caldwell und Kyle Kennard früh auf Snaps kommen, in der Secondary hofft man, dass die beiden Vorjahres-Rookies Tarheeb Still und Cam Hart ihre Entwicklung fortsetzen können. Selbst dann aber wäre der dritte Cornerback-Spot offen, sollte Donte Jackson hier nicht sehr überraschen.
Mekhi Becton gibt der Interior Offensive Line mehr Physis und kommt aus einer guten Saison in Philadelphia. Aber reicht das, um Bradley Bozeman (oder Andre James) und Zion Johnson neben sich mit zu stabilisieren? Und kann Rookie-Receiver Tre Harris direkt einen Impact haben? Andernfalls wäre Outside Receiver abermals ein Problem.
Mit Herbert, McConkey, dem Tackle-Duo, Mack und Derwin James haben die Chargers einen hohen Floor. Und der Omarion-Hampton-Pick unterstreicht, dass das Run Game präsenter werden soll. Reicht das, um in Jahr 2 auch gleich den nächsten Schritt zu machen? Oder muss erst einmal der Status Quo bestätigt werden?
Die Cardinals gehen in das dritte Jahr unter dem aktuellen Regime, und das Roster Building spiegelt das wider. Arizona gab in dieser Free Agency zum ersten Mal seitdem Monti Ossenfort und Jonathan Gannon übernommen haben größere Verträge raus: Josh Sweat und Dalvin Tomlinson sollen die Front stabilisieren, gemeinsam mit "Heimkehrer" Calais Campbell, Erstrunden-Rookie Walter Nolen und Vorjahres-Erstrunden-Pick Darius Robinson, der verletzungsbedingt als Rookie lange nicht zum Einsatz kam.
Diese Investitionen in Kombination mit der Vertragsverlängerung für Baron Browning sowie der Rückkehr von BJ Ojulari, der die vergangene Saison komplett verletzt verpasst hat, könnte die rein was die individuelle Qualität angeht vielleicht schlechteste Defensive Line ligaweit zu einer Stärke machen. Kein Week-1-Starter aus dem letzten Jahr ist als Starter für 2025 vorgesehen. Die Secondary ist da deutlich gefestigter, Will Johnson ist hier die zentrale Veränderung.
Arizonas Defense schlug sich letztes Jahr, gemessen am Talentlevel, sogar noch halbwegs achtbar. Doch die Zeit für Achtungserfolge in Arizona ist vorbei. Jetzt soll Zählbares erreicht werden, und nirgends ist das deutlicher sichtbar, als im Rebuild der Defensive Line.
Die Starting-Offense dagegen ist fast komplett unverändert. Guard ist hier das größte Fragezeichen, hier könnte man über den Sommer noch aktiv werden. Und: Der Offense fehlt weiter ein explosives Speed-Element im Receiving Corps, nachdem die Cardinals im Draft fast ausschließlich in die Defense investiert haben.
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Eine der positiven Überraschungen der vergangenen Saison, mit einer klaren, daran anschließenden Ausgangsfrage für 2025: Wie stabil war das, was wir letztes Jahr von den Broncos gesehen haben, schon? Inwieweit können sie daran anknüpfen?
Die Offense war letztes Jahr auf Platz 16 in Expected Points Added pro Play, Platz 18 in Success Rate. Bo Nix brachte als Runner ein Playmaking-Element mit und Sean Payton zeigte, dass er noch immer seine Play-Caller-Asse im Ärmel hat. Diese Unit ist weitestgehend unverändert. Evan Engram bringt ein notwendiges Receiving-Element auf der Tight-End-Position mit, und im Backfield könnte Paytons Wunsch-Pick RJ Harvey die Führungsrolle übernehmen. Die Line ist gut, was bekommen wir von Nix in Jahr 2?
Die Defense war eine fast noch größere Überraschung: Das war auf die gesamte Regular Season betrachtet die Nummer-1-Defense nach Expected Points Added pro Play, Platz 2 in Success Rate. Und hier haben die Broncos investiert, mit Dre Greenlaw und Talanoa Hufanga in der Free Agency, sowie Jahdae Barron in der ersten Runde. Denver sollte eine starke Secondary haben, in Kombination mit der aggressiven Front, die viel Wert auf Explosivität und Pass-Rush-Qualität legt.
Insbesondere defensiv muss man eine gewisse Regression erwarten. Offensiv hängt viel davon ab, ob sich Nix weiter verbessert. Aber Denver sollte wieder zumindest lange im Playoff-Rennen dabei sein.
Spätestens mit der Free Agency wurde klar, dass die 49ers ein Übergangsjahr anpeilen. Die Abgänge von Aaron Banks, Charvarius Ward, Javon Hargrave, Talanoa Hufanga, Dre Greenlaw, Leonard Floyd, Maliek Collins und Deebo Samuel ließen einen Kader mit vielen Baustellen zurück. Und da sind wir noch gar nicht bei den offenen Fragen rund um die Stars, die noch da sind: Kommt Christian McCaffrey nochmal zurück? Erreicht Brandon Aiyuk nach dem Kreuzbandriss wieder seine 2023er Form? Trent Williams wird 37 im Sommer, wie viel hat er noch im Tank?
Mit Blick auf die Baustellen priorisierten die 49ers im Draft eindeutig die Defensive Front. Mykel Williams, CJ West und Alfred Collins sollen die Run-Defense wieder stabilisieren, in der Secondary haben sie mit Renardo Green, Malik Mustapha, Ji’Ayir Brown und Deommodore Lenoir ihren jungen Kern beisammen. Die Offensive Line wurde nicht adressiert; sind die Niners hier insbesondere in Dropback-Situationen gut genug?
All das klingt nicht nach einem Top-15-Team. Aber man sollte selbst in einem solchen Übergangsjahr nicht den Fehler machen, zu unterschätzen, welchen Floor Kyle Shanahan kreiert. Die 49ers hatten letztes Jahr noch immer eine Top-12-Offense, und das weitestgehend ohne McCaffrey und Aiyuk. Purdy spielt seine Rolle gut und wir wissen, dass er in besseren Umständen auch merklich bessere Stats auflegen wird. Und mit der Rückkehr von Robert Saleh sollte auch die Defense wieder eine andere Stabilität erhalten.
San Francisco mag in einem Übergangsjahr sein. Aber die Star-Qualität sowie das Coaching auf beiden Seiten ist selbst damit gut genug, dass die Niners ganz klar ein Playoff-Team sein können.
Vielleicht das ultimative High-Floor-Low-Ceiling-Team in der NFL. Und insbesondere "Low Ceiling" muss man hier richtig einordnen: Gemeint ist, dass es mich einerseits überraschen würde, wenn Tampa Bay weniger als neun Spiele gewinnen würde. Es würde mich aber auch überraschen, wenn es mehr als zehn wären - oder wenn sie mehr als ein Playoff-Spiel im Januar gewinnen würden.
Das erscheint mir als die realistischste Prognose für die kommende Bucs-Saison. Tampa Bay ist der Division-Favorit und sollte neun bis zehn Spiele gewinnen können. Ein tiefer Run in den NFC-Playoffs würde mich gleichzeitig aber wundern, dafür fehlt der herausragende Difference-Maker auf Quarterback und in der Defensive Front.
Bei Baker Mayfield wird es spannend sein, zu sehen, wie er mit einem weiteren Coordinator-Wechsel klarkommt. Dave Canales holte 2023 unerwartet viel aus der Offense, Liam Coen toppte das sogar letztes Jahr. Beide verließen Tampa Bay, um woanders Head-Coach-Jobs anzunehmen. Josh Grizzard übernimmt, er war immerhin letztes Jahr als Pass Game Coordinator schon im Trainerstab.
Vielleicht können Haason Reddick und Rookie-Corner Benjamin Morrison die defensiven Unterschiedsspieler sein, die letztes Jahr in der absoluten Spitze außerhalb von Antoine Winfield gefehlt haben. Vielleicht knüpft die Offense, in die mit Emeka Egbuka ein weiterer Playmaker kommt, nahtlos an letztes Jahr an. Die Line ist gut, das Run Game sollte gut sein, Mike Evans ist noch immer ein Fixpunkt für das Passing Game. Die Division sollte nur über Tampa Bay gehen.

Eines der spannendsten Teams vor der kommenden Saison. Denn die Vikings haben ihre beiden größten Problemzonen aus dem Vorjahr aggressiv adressiert, und in beiden Fällen womöglich aus einer Schwäche eine Stärke gemacht: Das gilt für die Interior Offensive Line, die mit Will Fries, Ryan Kelly und Erstrunden-Pick Donovan Jackson generalüberholt wurde, aber auch für die Interior Defensive Line, in der Jonathan Allen und Javon Hargrave zumindest kurzfristig für deutlich mehr Stabilität sorgen werden.
Minnesota gewann letztes Jahr 14 Spiele und hat seine beiden größten Schwachstellen deutlich verbessert - und hat doch eine gigantische Unbekannte. Diese Unbekannte ist natürlich Quarterback J.J. McCarthy, den Minnesota letztes Jahr Top-10 gedraftet hat, der dann aber seine Rookie-Saison komplett verpasste. Das öffnete die Tür für Sam Darnolds unerwartete Renaissance-Saison.
Sollten die Vikings in McCarthys erster Saison Quarterback-Mittelfeld-Niveau bekommen, ist das wieder ein Playoff-Team. Und vielleicht sogar dann mit einem stabileren Floor. Ich war bei McCarthy Pre-Draft sehr hoch, aber er ist für den Moment eine Wildcard.
Doch das sollte nicht unter den Tisch fallen: McCarthy ist nicht das einzige Fragezeichen bei den Vikings: Denn während sie die beiden Lines eindrucksvoll adressiert haben, ist die Secondary eine mögliche Schwachstelle. Isaiah Rodgers und Mekhi Blackmon könnten die beiden Starting-Cornerbacks neben Byron Murphy sein, Theo Jackson und der mittlerweile 36-jährige Harrison Smith bilden wohl das Starting-Safety-Duo. Die Secondary zumindest auf dem Papier ist schlechter als letztes Jahr.
Mein zentraler Takeaway der vergangenen Packers-Saison war dieser: Das ist ein gutes bis sehr gutes Team, das aber Top-Tier-Difference-Maker braucht, um auch in den Playoffs für Furore sorgen zu können. Ganz konkret gilt das für den Pass-Rush und die Wide-Receiver-Gruppe. Diese beiden Units haben ein ähnliches Profil in Green Bay, die Packers haben viele Nummer-2- und Nummer-3-Receiver, sowie viele Nummer-2- und Nummer-3-Defensive-Linemen. Was fehlt ist jeweils die Nummer 1, die all das zusammenbringt.
Nun ist es sehr viel leichter gesagt als getan, wenn man einem Team die Offseason-Hausaufgabe mitgibt, einen Nummer-1-Edge und einen Nummer-1-Receiver zu finden.Im Pass-Rush ist nicht viel Nennenswertes passiert, aber Erstrunden-Rookie Matthew Golden könnte derjenige sein, der die Receiver-Gruppe auf ein neues Level hebt, weil er Jordan Love einen Separator auf allen drei Ebenen gibt.
Das könnte Spieler wie Jayden Reed und Dontayvion Wicks ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Die Line sollte wieder gut sein, hier wurde mit Aaron Banks auch investiert. Defensiv haben die Packers eine gute Front Four, ein sehr gutes Safety-Duo und gute Downhill-Linebacker. Cornerback aber könnte auch mit der Verpflichtung von Nate Hobbs ein Problem werden; erst recht, wenn der Pass-Rush nicht verbessert auftritt.
Müsste ich eine übergreifende Frage zu den Commanders formulieren, es würde in diese Richtung gehen: Ist Washington letztes Jahr schon zu nah an der Sonne geflogen, und hat sich strategisch in der Folge darauf ein wenig verbrannt? Will sagen: Washington war die größte positive Überraschung der vergangenen Saison und investierte in der Folge aggressiv in ein Win-Now-Fenster. Ist das schon gerechtfertigt?
Die Trades für Deebo Samuel, Laremy Tunsil und Marshon Lattimore unterstreichen das. Alte Leistungsträger des Vorjahres wurden ebenfalls nochmal zurückgeholt, allen voran Bobby Wagner und Zach Ertz. Auch Austin Ekeler ist weiter Teil der Offense.
Aber ist Washington schon bereit dafür, "ganz oben" mitzuspielen? Dass es die Commanders letztes Jahr ins NFC Championship Game geschafft haben, könnte das nahelegen - ein Blick auf die Edge-Gruppe, die Receiver-Qualität hinter Terry McLaurin und die offenen Fragen in der Offensive Line würde dem widersprechen.
Washington ist ein hochspannendes Team für die kommende Saison. Vielleicht ist Jayden Daniels wirklich so gut, dass er das Team zu einem Contender macht, selbst mit einigen klaren Schwachstellen im Kader. Vielleicht ist Dan Quinn so gut, dass er wieder aus mehreren Tier-3- und Tier-4-Edge-Rushern einen produktiven Pass-Rush kreiert. Vielleicht gewinnt Washington wieder so viele enge Spiele, weil Daniels den entscheidenden Unterschied macht.
Ich denke, Washington wird wieder ein Playoff-Team sein. Aber können die Commanders auch den tiefen Playoff-Run wiederholen?
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Auf den Punkt gebracht hat Houston drei Argumente auf seiner Seite: Eine Top-5-Defense, C.J. Stroud und Nico Collins. Das ist das, womit die Texans Spiele gewinnen werden und vielleicht auch einen Playoff-Run hinlegen können.
Houston hatte bereits letztes Jahr eine Top-5-Defense, und während die Interior Defensive Line immer noch einige Fragezeichen mit sich bringt, wurde die Secondary mit C.J. Gardner-Johnson zusätzlich verstärkt. Auch Jalen Pitre ist wieder zurück, nachdem er das letzte Drittel der vergangenen Saison verletzt verpasst hat. Wenn die Defensive-Tackle-Rotation funktional ist, könnte Houston die beste Defense der NFL haben.
Offensiv gibt es da deutlich mehr Ungewissheiten. Ein neuer Offensive Coordinator und ein neuer Offensive-Line-Coach sollen eine Unit schematisch und in puncto Coaching stabilisieren, die in beiderlei Hinsicht letztes Jahr eine große Enttäuschung war. Wie genau die Offensive-Line-Kombination dafür aussehen wird, das ist völlig offen. Nachdem die Texans Laremy Tunsil abgegeben haben gibt es hier keinen wirklichen Fixpunkt mehr, diese Unit wird sich über den Sommer finden müssen.
Das gilt auch für die Starting-Receiver-Gruppe. Es ist davon auszugehen, dass Tank Dell nach seiner schweren Verletzung erst einmal gar keine Rolle spielt. Stefon Diggs ist weg, das heißt, hinter Nico Collins ist vieles offen. Christian Kirk kommt neu dazu, er könnte der vertikale Slot sein. Diese Rolle kann aber auch Rookie Jaylin Noel besetzen. Und Rookie-Kollege Jayden Higgins könnte den zweiten Outside-Spot spielen.
Die Offense steht nach der vergangenen Saison unter Zugzwang. Inklusive C.J. Stroud. Viel wird, für die Offense und für die Texans insgesamt, davon abhängen, ob Hoston eine bessere Line-Kombination findet.
Bisher ging es unter Dan Campbell Jahr für Jahr aufwärts. Drei Siege im ersten Jahr, neun im zweiten, zwölf im dritten und schließlich 15 in der vergangenen Saison. Detroit ist das aktuelle Musterbeispiel für einen erfolgreichen Rebuild, jetzt aber stehen die Lions vor einer fast noch schwierigeren Herausforderung: Das hohe Level der letzten beiden Jahre zu konservieren und sich als jährliches Topteam zu etablieren.
Und das mit einem stark veränderten Coaching Staff. Offensive Coordinator Ben Johnson und Defensive Coordinator Aaron Glenn wurden als Head Coaches abgeworben. Unter anderem die Position Coaches Terrell Williams (Defensive Line/Run Game Coordinator), Cameron Davis (Assistant Defensive Line Coach), Antwaan Randle El (Receiver), Steve Heiden (Tight Ends) und J.T. Barrett (Assistant Quarterbacks Coach) haben Detroit in dieser Offseason ebenfalls verlassen. Das ist ein gewaltiger Aderlass, bei dem Stand heute unmöglich ist, abzuschätzen, wie groß der sportliche Effekt sein wird.
Die gute Nachricht: Die sportliche Qualität im Kader ist immer noch sehr hoch. Die Offensive Line sollte abermals eine der besten ligaweit sein, Amon-Ra St. Brown, Jahmyr Gibbs und Sam LaPorta sind die offensiven Fixpunkte. Aidan Hutchinson kommt zurück von seiner Verletzung, D.J. Reed gibt der Secondary mehr Stabilität.
Der Floor sollte immer noch sehr hoch sein. Und ich halte es auch für gerechtfertigt, die Lions als Division-Favorit einzustufen. Aber es ist gut möglich, dass Detroit im Vergleich zum Vorjahr in dieser Offseason ein wenig die Tuchfühlung zur NFC-Spitze verloren hat.

Das zugegebenermaßen nicht sehr analytische Argument bei den Bengals ist: So schlecht wie letztes Jahr kann die Defense kaum noch einmal sein.
Das platte, aber gerechtfertigte Gegenargument dazu könnte sein: Warum nicht?
Denn die Bengals haben, zumindest was die Spielerqualität angeht, nicht viel gemacht. Shemar Stewart ist hier der große X-Faktor, der aber auch einschlagen muss, damit die Defense rein mit Blick auf die individuelle Qualität einen Schritt nach vorne macht. Und Stewart ist einer der Boom-or-Bust-Spieler dieser Draft-Klasse.
Die größte Veränderung findet an der Seitenlinie statt: Al Golden ersetzt Lou Anarumo als neuer Defensive Coordinator. Golden kommt mit der Empfehlung einer starken Notre-Dame-Defense, die er über die letzten Jahre maßgeblich mitgeprägt hat. Und er kennt die Franchise: Golden war Cincinnatis Linebackers Coach 2020 und 2021.
An ihm wird es liegen, eine Defense zu formen, die kein Klotz am Bein der eigenen Offense ist. Cincinnatis Defense wird keine Down-für-Down Top-10-Unit sein, dafür haben die Bengals nicht die Qualität. Aber wenn sie mit mehr Aggressivität auf Big Plays gehen und ihre Run-Defense stabilisieren können, ist das vielleicht als Ergänzung zur eigenen Offense schon genug, um wieder in den Playoffs Alarm zu machen.
Und die Offense sollte wieder sehr gut sein. Das war sie auch letztes Jahr, und die Bengals haben ihr "großes Trio" bestehend aus Joe Burrow, Ja’Marr Chase und Tee Higgins zusammengehalten. Die Offensive Line hat im Draft Alternativen bekommen, insbesondere für die Guard-Spots, und bei Amarius Mims ist die Hoffnung, dass er fit bleibt und dann auch einen Schritt nach vorne macht.
Ich erwarte unter dem Strich nach einem Jahr Postseason-Abstinenz wieder ein Playoff-Team, das auch in der Postseason Spiele gewinnen kann.
Viel hat nicht gefehlt, und die Rams hätten sich in einer komplett anderen Timeline wiederfinden können. Hätten sie nicht den Run in der zweiten Saisonhälfte hingelegt und stattdessen die Playoffs verpasst, vielleicht wäre der selbst so sehr konkrete Matt-Stafford-Trade Realität geworden. Dann hätten die Rams sich wohl kaum um Davante Adams bemüht. Die ganze Offseason-Strategie hätte anders ausgesehen.
Doch das ist nicht die Realität. Stafford und die Rams einigten sich und Adams ersetzt Cooper Kupp, was ich für ein enormes Upgrade halte. Nicht nur, weil Adams der individuell bessere Receiver ist, sondern auch, weil er ihnen einen "klassischeren" Nummer-1-Receiver gibt, was Puka Nacua mehr Räume öffnen sollte. Die Line sollte gut sein, das Run Game sollte gut sein, abgesehen von einem Stafford-Dropoff sehe ich nicht, warum das keine Top-10-Offense sein sollte.
Auf der defensiven Seite wurde der Umbruch zuletzt schon mit mehreren guten Draft-Picks nach vorne katapultiert. Hier bereitet die Cornerback-Gruppe am ehesten Bauchschmerzen: Darious Williams und Ahkello Witherspoon als potenzielles Outside-Corner-Duo? Mich würde es nicht wundern, wenn die Rams hier noch einen Win-Now-Move machen. Jalen Ramsey soll ja zu haben sein.
Die Bills sind so nah dran. Das allerdings gilt schon seit Jahren, und damit rückt weniger die Frage in den Vordergrund, ob die Bills "gut" sein werden. Wir wissen, dass das ein gutes Team sein wird, ein Playoff-Team, ein Championship-Kaliber-Team. Was wir Jahr für Jahr nicht wissen, ist, ob Buffalo genug gemacht hat, um die letzten Prozentpunkte auch in den Playoffs herauszukitzeln. Bisher war die Antwort Nein und ich weiß nicht, ob die Antwort nach dieser Offseason Ja sein könnte?
Die großen Moves dieser Bills-Offseason waren es, Von Miller mit Joey Bosa zu ersetzen und Maxwell Hairston in der ersten Runde zu draften. Bosa statt Miller halte ich für einen neutralen Move. Vielleicht gibt Hairston ihnen nicht nur das Speed-Element, das dieser Secondary letztes Jahr gefehlt hat, sondern auch den verlässlichen Nummer-2-Corner gegenüber von Christian Benford. Der hat letztes Jahr schmerzlich gefehlt, und erst recht, nachdem Benford im Championship Game gegen die Chiefs verletzt raus musste.
Der Floor ist so unheimlich hoch. Mit Josh Allen, mit einer sehr runden Skill-Player-Gruppe, und natürlich mit Josh Allen. Auch hier würde ich gerne einen Star-Outside-Receiver geben, der eben ein Spiel an sich reißen kann, wenn die Strategie, den Ball zu verteilen, nicht greift. Aber vielleicht kann Keon Coleman das auch werden.
Das Problem letztes Jahr war die Defense. Konkret in den Playoffs war es die Corner-Tiefe, aber auch auf die Saison gesehen hatte Buffalo eine Mittelmaß-Defense. Hier muss es den Bills gelingen, einen Schritt nach vorne zu machen. Dann könnte das Gesamtpaket gut genug sein.
Die Chiefs-Offense letztes Jahr wirkte häufig wie ein Schatten ihrer selbst. Oft lag es viel zu sehr an Patrick Mahomes, die Unit zu tragen und mit hoher Konstanz den Ball schnell Underneath zu verteilen. Denn auch vom Run Game kam nicht viel Hilfe.
Aber, so fair muss man sein: Verletzungen waren ein Teil davon. Rashee Rice, Marquise Brown, Isiah Pacheco - hier fehlten wichtige Spieler. Und die Left-Tackle-Position war das ganze Jahr über ein Problem, jetzt könnten sie mit Jaylon Moore vorübergehend und dann vor allem Josh Simmons hier Lösung gefunden haben.
Das würde die Line so viel stabiler machen und die Offense wieder mehr öffnen. Und ein Waffenarsenal bestehend aus Worthy, Rice, Brown und Travis Kelce gibt Kansas City auch eine andere Dynamik, wenn alle fit sind. Die Chiefs hatten letztes Jahr trotz allem immer noch die Nummer-8-Offense nach Success Rate und die Nummer-9-Offense nach Expected Points Added pro Play. Das lag maßgeblich an Mahomes. Ich erwarte wieder eine explosivere, gefährlichere Offense.
In der Defense bin ich auf den Impact von Omarr Norman-Lott gespannt. Vielleicht wird er nie ein 3-Down-Spieler - das war er auch im College nie -, aber als Interior Pass-Rusher könnte er in kritischen Momenten kritischer Spiele ein entscheidender Faktor neben Chris Jones sein. Dahinter haben die Chiefs investiert, um eine bessere Nummer-2-Outside-Corner-Lösung zu finden. Das könnte Kristian Fulton zunächst sein, perspektivisch vielleicht Rookie Nohl Williams. Ich sehe ein in Summe spürbar stärkeres Team als letztes Jahr.
Die beste Offense der vergangenen Saison, und ich erwarte hier keinen größeren Dropoff. Im Gegenteil, mit der Verpflichtung von DeAndre Hopkins könnte Baltimore zumindest kurzfristig den dritten Receiver-Spot merklich verbessert haben. Und Hopkins gibt ihnen einen X-Receiver, das könnte Rashod Bateman bessere Matchups ermöglichen und den Ravens insgesamt mehr Matchup-Freiheiten geben. Zumal der lange kolportierte Mark-Andrews-Trade bisher nicht passiert ist.
Der Left-Guard-Spot ist nach dem Abgang von Patrick Mekari noch offen, dafür gibt es hier mit Joe Noteboom jetzt Tackle-Tiefe. Und auch Rookie Emery Jones könnte ein flexibler Swing-Lineman sein.
Baltimore sollte mit dem Run Game, mit Lamar Jackson, Derrick Henry und Zay Flowers allen voran auch nächstes Jahr wieder eine der besten Offenses der Liga stellen. Und defensiv kann ich mir sogar noch einen Sprung vorstellen.
Malaki Starks ist genau der Spieler, den Baltimore gebraucht hat, um Kyle Hamilton wieder zu entfesseln. Mike Green könnte das Edge-Rush-Problem lösen. Chidobe Awuzie ist ein solider Nummer-3-Corner. Auf der Seite des Balls sehe ich keine echte Schwachstelle.
Die beste Offensive Line, ein Top-3-Receiver-Duo, der beste Running Back, eine Top-5-Defensive-Front und eine Top-5-Secondary. Kein anderes Team ist annähernd so komplett.
Der Titelverteidiger hat zwar Qualität verloren, allen voran Milton Williams, Josh Sweat, Darius Slay und Mekhi Becton. Aber für mehrere dieser Spieler gibt es bereits direkte Nachfolger. Jihaad Campbell könnte zudem ein Linebacker-Upgrade neben Zack Baun darstellen. Und Kenyon Green ist genau der Spielertyp, der in Philadelphias Ökosystem doch noch aufblühen und ein guter Starting-Guard werden könnte.
Im Moment kommt kein Team so komplett daher. Die Eagles werden mit Jalen Hurts vielleicht nie das absolute Elite-Passing-Game haben, aber wie die vergangene Saison gezeigt hat, brauchen sie das auch nicht. Das Run Game, in dem Hurts wieder ein merklich wichtigerer Bestandteil war, ist der Herzschlag der Offense. Daran dürfte sich auch unter dem neuen Offensive Coordinator Kevin Patullo nichts ändern, der nach dem Abgang von Kellen Moore intern befördert wurde.
Und das ist Teil des Gesamtblicks auf dieses Team. Mit einer Elite-Defense und einem Elite-Run-Game wird man auch 2025 viele Spiele gewinnen. Und dann haben sie die individuelle Qualität, um Spiele, wenn nötig, im Passing Game an sich zu reißen. Inklusive Hurts, der im Championship Game und im Super Bowl seine besten Leistungen ablieferte.
Adrian Franke