28.04.2025
NFL Draft Grades von Adrian Franke
Wer den Draft "gewonnen" hat, wird erst nach einigen Jahren klar. Aber wessen Strategien haben überzeugt? Wer hat gute Trades gefunden, wer war sehr von seiner Analyse überzeugt? Exklusiv bei kicker präsentiert NFL-Experte Adrian Franke seine Draft Grades.

Nach monatelangen Analysen, Mock Drafts und Diskussionen über Spieler-Prognosen, Team-Fits und Quarterbacks haben wir Klarheit: Der NFL-Draft 2025 liegt hinter uns! Damit bietet sich die Gelegenheit für ein erstes Zwischenfazit.
Genau darum geht es bei Draft Grades wenige Tage nach dem Draft.
Eine rein sportliche Analyse ist erst nach drei, vier Jahren seriös möglich. Hier und heute soll es nicht darum gehen, jede Klasse im Detail auf die nächsten vier Jahre zu prognostizieren. Es geht nicht, zumindest nicht primär, darum, sich festzulegen, welcher Tag-3-Pick ein Star und welcher Top-10-Pick in einigen Jahren als "Bust" abgestempelt wird. Man kann dahingehend natürlich Prognosen abgeben, die Noten definieren sollte das aber nicht.
In erster Linie sollte es bei Draft Grades darum gehen, die Herangehensweise der Teams im Hier und Jetzt zu bewerten. Dabei fließen die eigenen Analysen der Prospects, sowie die Konsens-Sichtweise auf diese Spieler selbstredend mit ein. Fast interessanter ist allerdings die Frage danach, wie Teams den Draft aus strategischer Perspektive angegangen sind.
Wer hat das Board aus einer (Positional-)Value-Perspektive gut gespielt? Wer war smart mit seinen Trades - und wer eher nicht? Was wurde priorisiert? Welche Drafts könnten in drei Jahren negativer interpretiert werden, obwohl die gepickten Spieler vielleicht gar nicht das primäre Problem waren?
Draft Grades haben unmittelbar nach dem Draft ihre Daseinsberechtigung. Solange man sie als das auffasst, was sie tatsächlich bewerten sollen.
Die Picks: Safety Malaki Starks (1. Runde), Edge Mike Green (2. Runde), Tackle Emery Jones Jr. (3. Runde), Linebacker Teddy Buchanan (4. Runde), Guard Carson Vinson (5. Runde), Cornerback Bilhal Kone (6. Runde), Kicker Tyler Loop (6. Runde), Receiver LaJohntay Wester (6. Runde), Defensive Tackle Aeneas Peebles (6. Runde), Cornerback Robert Longerbeam (6. Runde), Guard Garrett Dellinger (7. Runde)
Die Analyse: Den allzu vertrauten "wie konnte dieser Spieler zu den Ravens fallen?!"-Pick gab es auch dieses Jahr. Und ja, Starks ist kein Elite-Athlet auf der Position, was erklärt, warum er spät in der ersten Runde noch zu haben war. Das Tape war für mich aber der klar beste Safety der Klasse, und das ist genau der Spieler, der Kyle Hamilton den Rücken freihalten kann, sodass Hamilton wieder überall eingesetzt wird. Starks wird die Ravens-Coverage stabilisieren und macht Hamiltons Rolle wieder besser.

Mike Green war sportlich ein Top-20-Spieler in dieser Klasse. Ein explosiver Pass-Rusher, der Sacks auflegen wird. Aber: Zwei Vorwürfe sexueller Übergriffe - einer aus der High School, einer bei Virginia, welcher dafür sorgte, dass er Virginia verlassen musste und zu Marshall wechselte - sind keine leichte Hypothek. Green war deshalb bei mehreren Teams überhaupt nicht auf dem Board, weshalb er ans Ende der zweiten Runde fiel.
Jones könnte den vakanten Starting-Guard-Spot übernehmen, auch wenn er als Tackle beim Draft verkündet wurde. Peebles ist einer der spannenderen Tag-3-Interior-Pass-Rusher dieser Klasse.
Der reine sportliche Value von Starks und Green ist herausragend. Bei Green würde ich mit weiteren Bewertungen noch ausdrücklich abwarten, aber für den Moment muss man die ersten beiden Picks hoch ranken. Danach haben die Ravens nicht mehr viel mit Value geglänzt.
Die Note: 2+
Die Picks: Edge Shemar Stewart (1. Runde), Linebacker Demetrius Knight (2. Runde), Guard Dylan Fairchild (3. Runde), Linebacker Barrett Carter (4. Runde), Tackle Jalen Rivers (5. Runde), Running Back Tahj Brooks (6. Runde)
Die Analyse: Auf kaum einer Position ist mir College-Production weniger wichtig als auf Edge. Das ist die Position, auf der physische und athletische Traits besonders stark ins Gewicht fallen sollten, und so bewertet auch die NFL Edge-Rusher weitestgehend.
Das Problem bei Stewart ist aber nicht die reine fehlende Production, mit 4,5 Sacks insgesamt in drei College-Jahren. Es ist mehr die Tatsache, dass er trotz all seiner Tools schlicht viel zu häufig nicht gewonnen hat. Deswegen hat er auch nicht die Zahlen aufgelegt, das hat weniger mit seiner Rolle oder einem merkwürdigen Scheme oder dergleichen zu tun. Die Bengals setzen darauf, dass sie das Potenzial aufs Feld bringen können.
Es ist ein Pick, der zu den Bengals passt, und es ist ein Draft, der zu den Bengals passt. Die ganz große Kreativität fehlt, es sind große Schulen und Need-Positionen. Sowohl Knight, als auch Fairchild gingen aber ganz klar am oberen Ende ihrer Range, wenn nicht darüber. Und Stewart hat natürlich Upside, ist aber auch eine große Projection und vielleicht erst einmal keine große Verstärkung, wenn es nicht gut läuft. Tahj Brooks könnte ergänzend zu ihrem Backfield ihr Short-Yardage-Spezialist werden.
Bei Knight bin ich aus den ersten drei Picks am optimistischsten, dass er einen Day-1-Impact haben wird.
Die Note: 3+
Die Picks: Defensive Tackle Mason Graham (1. Runde), Linebacker Carson Schwesinger (2. Runde), Running Back Quinshon Judkins (2. Runde), Tight End Harold Fannin Jr. (3. Runde), Quarterback Dillon Gabriel (3. Runde), Running Back Dylan Sampson (4. Runde), Quarterback Shedeur Sanders (5. Runde)
Die Analyse: Shedeur war für zweieinhalb Draft-Tage das große Thema - bis die Browns ihn schließlich erlösten. Es ist ein klarer Hinweis darauf, wie die Liga ihn sieht: Ein Fringe-Starter, vielleicht ein Backup. Und dafür ist das Theater drum herum zu groß. Einen klaren Starter gibt es bei den Browns nicht, wenngleich sie zwei Runden vorher bereits mit Dillon Gabriel einen Quarterback gedraftet hatte. Eine merkwürdige Entscheidung.
Zum Start in den Draft war der Unterschied im reinen Spieler-Vibe zwischen Travis Hunter - den bis einige Stunden vor dem Draft hier jeder, und vermutlich auch jeder Browns-Fan, erwartet hat - und einem guten, vielleicht sehr guten Defensive Tackle nicht von der Hand zu weisen. Hunter könnte ein Generational Spieler werden und wäre direkt der Nummer-1-Receiver für diese Offense gewesen. Graham ist ein guter Allrounder, ein explosiver Spieler, aber auch leicht und mit kurzen Armen, was Fragezeichen hinter sein NFL-Ceiling packt.
Es steht außer Frage, dass die Browns den in meinen Augen Stand heute vielleicht größten Impact-Spieler dieser Klasse für einen guten Spieler aufgegeben haben. Aber für diesen Preis ist das nachvollziehbar: Cleveland erhielt von den Jaguars die Picks 5, 36, 126 und Jacksonvilles Erstrunden-Pick nächstes Jahr, die Picks 104 und 200 gingen noch zurück zu den Jags. Das ist genau die Art Move, die ich von einem Front Office sehen will, das langfristig denkt. Das weiß, dass der Kader einen Umbruch braucht, dass man erst einmal aus dem Watson-Vertrag rauskommen muss und das für den Moment Draft-Kapital priorisiert. Ich hatte nicht erwartet, dass das Front Office der Browns so langfristig planen kann. Dass sie diesen Move gemacht haben, würde mir als Browns-Fan Zuversicht geben, weil hier die langfristige Perspektive priorisiert wurde.
Und Graham neben Myles Garrett ist eine spannende Kombination. Die Browns haben den ersten Tag gut gemanagt, an Tag 2 war ich gar kein Fan von der Priorisierung. Einen Off-Ball-Linebacker und einen Running Back hier sehr hoch zu picken, als ein Team, das viele Baustellen hat und langfristig denken muss, ist nicht ideal. Zumal sie mit Sampson noch einen zweiten Running Back an Tag 3 nachlegten - was unterstreicht, warum ich Judkins nicht so hoch gepickt hätte.
Schwesinger ist ein guter Cover-Linebacker, aber hat wenig Power in seinem Frame und Judkins halte ich für einen guten Allrounder, aber eher einen High-Floor- als einen High-Ceiling-Back. Fannin ist ein spannender Move-Tight-End, der auf niedrigerem Level sehr produktiv im College war. Gabriel ist ein klarer Backup-Quarterback. Die Idee, ihn zu picken, um dann später noch Sanders zu nehmen, erschließt sich mir nicht wirklich.
Der Trade an Tag 1 gibt dieser Grade einen Floor. Tag 2 verhindert aber ein höheres Ceiling, das nach der ersten Runde definitiv drin war. Denn wenn ich jetzt auf die Spieler schaue, die Cleveland gepickt hat, und das messe an den Picks, die die Browns hatten, ist das Gesamtergebnis nicht die Qualität und nicht der antizipierte Impact, den ich mir von diesem Browns-Draft erhofft hatte. Dafür war es zu Need-getrieben. Sanders ist natürlich die Wildcard, die Quarterback-Strategie aber wirkte chaotisch. Im gesamten Browns-Draft fehlte die klare Linie.
Die Note: 2-
Die Picks: Defensive Tackle Derrick Harmon (1. Runde), Running Back Kaleb Johnson (3. Runde), Edge Jack Sawyer (4. Runde), Defensive Tackle Yahya Black (5. Runde), Quarterback Will Howard (6. Runde), Linebacker Carson Bruener (7. Runde), Cornerback Donte Kent (7. Runde)
Die Analyse: Harmon ist ein absolut Steelers-prototypischer Pick. Die Defensive Line wird immer eine Priorität sein, und Harmon ist der Nachfolger für Cam Heyward, der nicht mehr ewig spielen wird. Ein großer Defensive Tackle mit langen Armen und einem breiten Pass-Rush-Arsenal, bei dem es spät im Draft-Prozess eine Medical-Flag gab. Dabei handelt es sich wohl um eine Schulterverletzung, wenn die in zwei Monaten keine Rolle mehr spielt, ist das ein sehr solider Pick hier.
Johnson ist ein logischer Fit für Arthur Smiths Offense: Ein Outside-Zone-Runner, der vermutlich nur in einer solchen Offense wirklich funktioniert, aber in eine solche kommt er eben in Pittsburgh auch. Running Back war ein Need, gleichzeitig ist es undankbar in der Bewertung, wenn ein Team mit nur zwei Top-120-Picks einen davon für einen Running Back verwendet, weil der Need so groß ist.
Mit Sawyer kommt ein High-Motor-Edge-Verteidiger dazu, der jede Menge Power mitbringt und der, genau wie Harmon in Runde 1, sich komplett auch wie ein Steelers-Pick anfühlt. Für mich war er in der Analyse idealerweise eine Nummer 3 für eine Edge-Rotation, genau das ist er in Pittsburgh.
Will Howard in Runde 6 könnte sich als Steal erweisen. Ein sehr guter Scheme-Fit für Pittsburgh, ich kann ihn mir im besten Fall in der Offense sogar als Starter vorstellen. Das wird er vermutlich dieses Jahr nicht müssen - ich denke, die Rolle kommt Aaron Rodgers zu - aber Howard hatte im Laufe der Saison für Ohio State gute gespielt und hat ohne Frage die Toughness für die Position.
Die Note: 2
Die Picks: Receiver Jayden Higgins (2. Runde), Tackle Aireontae Ersery (2. Runde), Receiver Jaylin Noel (3. Runde), Cornerback Jaylin Smith (3. Runde), Running Back Woody Marks (4. Runde), Safety Jaylen Reed (6. Runde), Quarterback Graham Mertz (6. Runde), Defensive Tackle Kyonte Hamilton (7. Runde), Tight End Luke Lachey (7. Runde)
Die Analyse: Der Downtrade mit den Giants war nicht ganz der Homerun, der den Rams einen Spot später im Trade mit Atlanta gelang. Aber er gab Houston unter anderem weitere Tag-3-Munition, sodass die Texans mit insgesamt fünf Picks in den zweiten Tag starteten. Nicht die schlechteste Strategie in einem Draft, der an Tag 2 vergleichsweise attraktiver daherkam.
Higgins hatte ich in Houston nicht auf dem Zettel, aber ich mag die Idee. Meine große Sorge in seiner Evaluation war die Frage, ob er wirklich X-Receiver in der NFL spielen kann. Bei den Texans muss er das nicht - das übernimmt Nico Collins. Als Nummer-2-Outside-Receiver sehe ich seine Rolle sehr viel klarer. Dass die Texans dann auch noch Higgins’ College-Teamkollegen Jaylin Noel drafteten, war so wohl nicht geplant. Houston hatte nicht damit gerechnet, dass er bis zu ihnen fallen würde und fanden dann den Value zu attraktiv. Mein NFL-Vergleich für Noel war Christian Kirk als vertikaler Slot-Receiver, den Houston in der Free Agency verpflichtet hatte - der aber nur für ein Jahr unter Vertrag steht.
Ersery sollte sich in Houstons Zone-Blocking-Offense ebenfalls wohlfühlen, und reiht sich ein in den großen O-Line-Umbruch, den die Texans in dieser Offseason eingeleitet haben. Gut möglich, dass er als Rookie noch nicht spielt, Houston war aber ein klarer O-Line-Kandidat für Tag 2 und hat jetzt einen vollen Line-Room, aus dem sich über den Sommer die beste Starting-Five herauskristallisieren soll.
Der Trade hoch an Tag 3 neutralisierte ein wenig den Downtrade in Runde 1, denn Houston gab hier einen Drittrunden-Pick 2026 ab, um Woody Marks, einen Receiving-Back, zu picken. Ich mochte Marks als High-Volume-Receiver aus dem Backfield, sowie als smoothen Runner. Der Preis war dennoch happig.
Die Note: 2
Die Picks: Tight End Tyler Warren (1. Runde), Edge JT Tuimoloau (2. Runde), Cornerback Justin Walley (3. Runde), Tackle Jalen Travis (4. Runde), Running Back DJ Giddens (5. Runde), Quarterback Riley Leonard (6. Runde), Defensive Tackle Tim Smith (6. Runde), Safety Hunter Wohler (7. Runde)
Die Analyse: Keine Überraschung in Runde 1, und Warren kann man sich mit sehr wenig Fantasie in der Offense von Shane Steichen vorstellen. Ein flexibler Spieler, der überall in der Formation eingesetzt werden kann, der auch mal im Backfield mit Anthony Richardson und Jonathan Taylor auftauchen wird. Ich halte sein In-Line-Blocking für ein wenig überschätzt, aber er sollte die Offense auf mehreren Ebenen besser machen können. Zumal er eine weitere gefährliche Yards-after-Catch-Option reinbringt.
Walley war gemessen am Consensus Board ein erheblicher Reach, aber der Cornerback ist ein Spieler, bei dem die Evaluationen deutlich auseinander gingen. Ein guter Zone-Corner mit Speed und starker College-Production, der gut in die Colts-Defense passen sollte.
Tuimoloau derweil passt wie die Faust aufs Auge mit Blick auf die Art und Weise, wie dieser Kader seit Jahren aufgebaut wird: Ein Edge mit hohem Floor und guter Power gegen den Run. Aber vermutlich kein echter Difference-Maker.
Die Note: 2-
Die Picks: Receiver/Cornerback Travis Hunter (1. Runde), Cornerback Caleb Ransaw (3. Runde), Guard Wyatt Milum (3. Runde), Running Back Bhayshul Tuten (4. Runde), Linebacker Jack Kiser (4. Runde), Edge Jalen McLeod (6. Runde), Safety Rayuan Lane (6. Runde), Center Jonah Monheim (7. Runde), Running Back LeQuint Allen (7. Runde)
Die Analyse: Bei keinem Team ist die Trennung von Spieler und Process so relevant. Denn: Travis Hunter ist ein toller Spieler. Ich denke, er hat Top-5-Receiver-Upside und mochte sein Receiver Tape schon jetzt sehr. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass er bis dato nur rudimentär auf Receiver ausgebildet wurde. Die Movement-Skills, die Athletik, die Qualität am Catch Point, all das ist herausragend.
Gleichzeitig ist es auch fair, zu hinterfragen, was genau Hunter in der NFL sein wird. Kann er hier wirklich auch beide Seiten des Balls spielen? Es sind viele Ungewissheiten, und rein als Corner oder rein als Receiver wäre das ein sehr hoher Pick. Der spannende Part ist natürlich, dass Hunter vielleicht beides sein kann.
Dennoch: Dass ein Team für einen Non-Quarterback in die Top-2 hoch geht, das haben wir seit mehreren Jahrzehnten nicht gesehen. Es ist ein sehr aggressiver Move im ersten Jahr eines neuen Regimes, das ganz offensichtlich einen Splash gesucht und gefunden hat. Hunter und Brian Thomas, das kann eine sensationelle Kombination werden, aber die Jaguars haben für diesen Pick essenziell einen Quarterback-Preis bezahlt. Das muss zumindest an dieser Stelle in die Evaluation einfließen.
Der Gegenwert dazu ist zumindest in Teilen der Trade mit den Lions in Runde 3, der Jacksonville zwei Drittrunden-Picks 2026 einbrachte. Hier sieht man die Rams-DNA des neuen GMs: Erstrunden-Picks weg zu traden wird gemacht, weil man sich Mid-Round-Munition in größeren Mengen dafür holt. Genau das hat Jacksonville hier geschafft, und das ist zumindest ein ganzheitlicher Ansatz, den man nachvollziehen kann. Auch wenn sie ein wenig Kapital wieder abgaben in einem kleinen Uptrade später in Runde 3.
Tuten ist ein Speed-Runner, eine explosive Ergänzung für die Offense, die mit diesem Draft signifikant dynamischer wurde. Dazu trägt auch Jacksonvilles letzter Pick bei: LeQuint Allen ist einer der besseren Receiving-Backs dieser Klasse. Ebenfalls erwähnenswert an Tag 3: Jonah Monheim, ein flexibler Offensive Lineman, der mit seinen Movement Skills auf Center irgendwann starten könnte.
Die Note: 2-
Die Picks: Quarterback Cam Ward (1. Runde), Edge Oluwafemi Oladejo (2. Runde), Safety Kevin Winston (3. Runde), Receiver Chimere Dike (4. Runde), Tight End Gunnar Helm (4. Runde), Receiver Elic Ayomanor (4. Runde), Guard Jackson Slater (5. Runde), Cornerback Marcus Harris (6. Runde), Running Back Kalel Mullings (6. Runde)
Die Analyse: Ward ist als Prospect nicht auf dem Level der Top-Quarterback-Prospects aus dem Vorjahr. Aber er ist gut genug, dass er problemlos einen Top-10-Pick rechtfertigt - und mit dem Quarterback-Bump ist das dann auch als Nummer-1-Pick zu verkaufen.

Hier gibt es von mir kein Downgrade in irgendeiner Art und Weise, weil Ward selbst mit Positional Value nicht der Nummer-1-Spieler auf meinem Board war. Den, in meinen Augen, klar besten Quarterback der Klasse als Team ohne Quarterback mit dem ersten Pick zu wählen, ist nachvollziehbar. Weil Ward genug Talent hat, um ein Top-10-Ceiling auf der Position zu erreichen.
Danach schafften es die Titans, Pick 35 im Trade mit den Seahawks in 52 und 82 zu verwandeln, um den Tag-2-Pick zurück zu holen, der infolge des Sneed-Trades gefehlt hat. Und das nutzten sie für einen der interessanteren Tag-2-Edges in Oladejo, ein langer, explosiver Edge, sowie für Safety Kevin Winston. Winston kommt von einem Kreuzbandriss zurück, das Tape 2023 aber ist sehr gut. Winston bewegt sich trotz der Größe gut, wenn seine Play-Recognition noch konstanter wird, kann er ein Impact-Starter werden.
Ayomanor war auf meinem Board einer der Tag-3-Steals. Er ist noch etwas roh, er muss deutlich konstanter am Catch Point werden. Aber die Größe, die Physis, die Quickness für die Größe und die absolute Blocking-Bereitschaft sind schon jetzt sehr gut. Er könnte Tennessees Nummer 3 werden. Helm wird als Receiving Tight End ebenfalls früh eine Rolle haben.
Er ist hier nicht wirklich relevant in der Bewertung, aber Xavier Restrepo ist mein ganz klares Lieblings-UDFA-Signing. Restrepo hat ein Starting-Slot-Skillset, auch wenn er über 40 Yards langsam war. Dass er undrafted ging, halte ich für eine massive Overreaction darauf. Und dass er mit Cam Ward wiedervereint wird, macht die Sache umso besser.
Die Note: 2+
Die Picks: Cornerback Maxwell Hairston (1. Runde), Defensive Tackle T.J. Sanders (2. Runde), Edge Landon Jackson (3. Runde), Defensive Tackle Deone Walker (4. Runde), Safety Jordan Hancock (5. Runde), Tight End Jackson Hawes (5. Runde), Cornerback Dorian Strong (6. Runde), Tackle Chase Lundt (6. Runde), Receiver Kaden Prather (7. Runde)
Die Analyse: Ein Draft, mit dem ich nicht so wirklich warm werde. Hairston hat enormen Speed, aber ist klein, leicht und ich sehe seine Upside eher als Nummer-2-Corner. Das funktioniert in Buffalo mit Benford auf der anderen Seite, aber eher die Kategorie "solider Pick" in Runde 1.
Dass die Bills dann gleich zwei Mal für Defensive Tackles hoch gingen, hat mich angesichts der Tiefe der Klasse überrascht. Sanders ist explosiv als Interior-Rusher, aber ist das die richtige Ergänzung zu Ed Oliver? Oder eher Olivers Rotationspartner? Walker, für den sie auch hoch kamen, könnte in der Theorie als massiver Nose Tackle die Ergänzung sein. Aber er hat nicht die Power im Lower Body, die man sich wünschen würde, und so wird seine Größe ihm häufiger zum Nachteil.
Mein Lieblingspick aus der Klasse ist ganz klar Jackson. Ein großer, langer Edge-Rusher, der noch in seinen Frame rein wächst und jede Menge Upside hat. Würde mich nicht wundern, wenn er am Ende der größte Impact-Spieler aus dieser Bills-Klasse werden würde.
Die Note: 3+
Die Picks: Defensive Tackle Kenneth Grant (1. Runde), Guard Jonah Savaiinaea (2. Runde), Defensive Tackle Jordan Phillips (5. Runde), Cornerback Jason Marshall (5. Runde), Safety Dante Trader (5. Runde), Running Back Ollie Gordon (6. Runde), Quarterback Quinn Ewers (7. Runde), Defensive Tackle Zeek Biggers (7. Runde)
Die Analyse: Bei Grant muss ich mich zurücknehmen, um meine Analyse nicht zu sehr einfließen zu lassen. Denn das ist ein Spieler, den ich signifikant höher hatte als der Konsens.
Grant ist ein massiver Nose Tackle mit fantastischer Explosivität, der definitiv konstanter spielen muss, aber dann einer der größten Impact-Spieler dieser Defense-Klasse werden kann. Und Miami hatte einen gigantischen Need in der Interior Defensive Line.
Das galt auch für die Interior Offensive Line, und hier kam ein nicht unerheblicher Uptrade, um sich Savaiinaea zu sichern. Vorgestellt wurde er beim Draft als Guard, und hier wird er denke ich auch in Miami spielen. Ein Spieler mit Physis, aber auch Movement-Skills, der gut in die Offense passen sollte. Positiv, dass Miami diese Baustelle angeht, aber es war ein Uptrade für einen Spieler, der zumindest mal am oberen Ende seiner prognostizierten Range ging, und der Miami unter dem Strich einen Drittrunden-Pick kostete.
Der Downtrade mit den Texans hat Miami im Gegenzug früh an Tag 3 aus dem Rennen geworfen, aber die Dolphins nahmen dafür einen Drittrunden-Pick 2026 mit. Das war ein sehr guter Move mit mehr Weitsicht, als ich vom Dolphins-Regime in der aktuellen Situation erwartet hatte.
Das aber sorgt für wenige Picks in der Top 150 in dieser Klasse. Zwei Spieler stechen für mich an Tag 3 heraus: Ich war kein großer Quinn-Ewers-Fan, aber in Runde 7 als Backup-Quarterback mag ich nicht nur den Value, sondern auch den Fit in der Offense. Und Ollie Gordon war 2023 ein absolutes Monster, hatte dann eine sehr enttäuschende 2024er Saison. Er gibt den Dolphins eine komplett andere Physis im Backfield verglichen mit dem, was sie dort bisher hatten.
Die Note: 2-
Die Picks: Tackle Will Campbell (1. Runde), Running Back TreVeyon Henderson (2. Runde), Receiver Kyle Williams (3. Runde), Center Jared Wilson (3. Runde), Safety Craig Woodson (4. Runde), Defensive Tackle Joshua Farmer (4. Runde), Edge Bradyn Swinson (5. Runde), Kicker Andres Borregales (6. Runde), Tackle Marcus Bryant (7. Runde), Long Snapper Julian Ashby (7. Runde), Cornerback Kobee Minor (7. Runde)
Die Analyse: Vielleicht funktioniert Will Campbell wirklich auf Left Tackle in der NFL. Er hat immerhin drei Jahre lang in der SEC dort sehr gut funktioniert. Aber mit dieser extrem kurzen Wingspan wäre er ein massiver Outlier auf der Position, und während ich ihn für einen guten Run-Blocker halte, habe ich echte Zweifel daran, inwieweit er als Pass-Blocker außen in der NFL standhält.

Das Problem der Patriots vor diesem Draft war, dass sie so viele Baustellen hatten. Und das auf Premium-Positionen mit Wide Receiver und Tackle; Baustellen, die sie schließen mussten, um Drake Maye eine Chance zu geben. Und ich gehe zwar davon aus, dass sie Campbell wirklich mögen, aber natürlich prägte dieser Need auch die Bereitschaft, einen Outlier-Spieler Top 5 zu picken.
Die Patriots brauchten einen Left Tackle und sie brauchten dringend offensive Playmaker, die Explosivität und einen X-Faktor mit in die Offense bringen. Das war die Priorität an Tag 2: Henderson war mein Nummer-2-Back in diesem Draft, ein Big-Play-Runner, der zudem fantastisch in Pass Protection ist. Williams ist für mich der am meisten unterschätzte Receiver im Pre-Draft-Prozess. Ein explosiver Route Runner, der New England etwas gibt, das diesem Team dringend gefehlt hat: Ein Receiver, der Separation und Big Plays kreiert. Wilson war mein Nummer-1-Center, ein athletischer, mobiler Center, der der Week-1-Starter sein könnte und der auf vielen medialen Boards höher war.
Tag 3 waren dann in erster Linie Depth-Picks für die bis dato ignorierte Defense. Woodson ist ein großer, physischer Safety, Farmer ist ein Pass-Rusher, Swinson ging überraschend spät, ein athletischer Pass-Rusher mit guter Production in der SEC.
Ich bin nach wie vor skeptisch, was einen krassen physischen Outlier in der Top 4 angeht. Aber ich bin bei Campbell auch definitiv niedriger als der Konsens. Ich mochte die Strategie, die Patriots haben viel investiert, um dringend benötigte Upgrades um Drake Maye herum zu finden. Und die Spieler passen durch die Bank weg sehr gut rein.
Die Note: 1-
Die Picks: Tackle Armand Membou (1. Runde), Tight End Mason Taylor (2. Runde), Cornerback Azareye’h Thomas (3. Runde), Receiver Arian Smith (4. Runde), Safety Malachi Moore (4. Runde), Linebacker Francisco Mauigoa (5. Runde), Edge Tyler Baron (5. Runde)
Die Analyse: Wenige Spieler-Team-Fits in der Top 10 waren so logisch. Die Jets brauchten spezifisch einen Right Tackle, wo Membou seine gesamte College-Karriere gespielt hat. Sein athletisches Potenzial ist spektakulär, als Pass-Blocker hat er mir schon sehr gut gefallen und es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass er als Run-Blocker noch massive Upside hat. Gut möglich, dass die Jets in aufeinanderfolgenden Jahren mit Olu Fashanu und Armand Membou ihre Bookend-Tackles gedraftet haben. Das ist genau die Grundlage, von der Aaron Glenn in Detroit gesehen hat, dass sie funktioniert.
Hier kann man auch mit Taylor anknüpfen. Ein Tight End, der Glenn und Offensive Coordinator Tanner Engstrand, den Glenn aus Detroit mitbringt, an Sam LaPorta erinnern dürfte. Im Moment aber auch ein reiner Receiver.
Arian Smith ist der Boom-or-Bust-Receiver dieser Klasse. Ein Speedster, ein echter Deep Threat. Smith hatte zehn Touchdowns in seiner College-Karriere, die im Schnitt für 36,5 Yards gingen. Er hatte aber auch eine Drop Rate von über 17 Prozent letztes Jahr. Wenn Smith das fixen kann, kann er eine Big-Play-Waffe werden. Um im Thema zu bleiben: Ein wenig das, was Jameson Williams früh in seiner Lions-Karriere war.
Moore ist das krasse Gegenteil vom Smith-Pick: Wenig flashy, aber ein sehr solider Safety, der in der NFL starten kann.
Die Note: 2
Die Picks: Cornerback Jahdae Barron (1. Runde), Running Back RJ Harvey (2. Runde), Receiver Pat Bryant (3. Runde), Edge Sai’vion Jones (3. Runde), Edge Quandarrius Robinson (4. Runde), Punter Jeremy Crawshaw (6. Runde), Tight End Caleb Lohner (7. Runde)
Die Analyse: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Barron auch nur ein Mal in einem Mock bei den Broncos gesehen hätte. Und es ist auf den ersten Blick auch ein kurioser Fit, als Zone-Corner in einer sehr Man-heavy Defense. Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass die Broncos ein wenig anders spielen wollen. Vielleicht sehen sie ihn als Man-Spieler exklusiv im Slot, mit ein wenig Safety-Flexibilität. Es ist ein spannender Pick und ein guter Spieler, ich will hier noch abwarten, wie er in die Defense passt.

Bei Harvey bin ich eine ganze Ecke skeptischer. Ich sehe die Idee, wie er als Role Player in Sean Paytons Offense funktioniert. Aber er ist eben genau das, ein Role Player, bei dem ich Zweifel hinsichtlich seiner Vision für die NFL habe. Pick 60 war hoch für ihn, selbst wenn man ihm eine etwas größere Rolle zutraut.
Pat Bryant war einer der wenigen übrigen X-Receiver und könnte in einem Jahr Courtland Sutton beerben, ging aber ebenfalls hoch. Für Jones, ein flexibler Power-Rusher, ging Denver dann zusätzlich hoch und schickte die Picks 111, 130 und 191 nach Philly für 101 und 134. Der Robinson-Pick, gut 30 Spots später, als zusätzlicher explosiver Rusher für Denvers aggressive Front, hat mir da besser gefallen.
Es ist ein Draft, auf den ich für den Moment eher abwartend schaue. In Teilen - aber eben nicht überall! - sehe ich die Vision, doch es war ein aggressiver Ansatz, um diese Vision zu realisieren.
Die Note: 2-
Die Picks: Tackle Josh Simmons (1. Runde), Defensive Tackle Omarr Norman-Lott (2. Runde), Edge Ashton Gillotte (3. Runde), Cornerback Nohl Williams (3. Runde), Receiver Jalen Royals (4. Runde), Linebacker Jeffrey Bassa (5. Runde), Running Back Brashard Smith (7. Runde)
Die Analyse: Natürlich gibt es Gründe dafür, dass ein Spieler wie Josh Simmons am Ende der ersten Runde noch zu haben war. In einem Draft, in dem uns die Liga einmal mehr gezeigt hat, wie viel Wert sie auf Offensive Linemen legt. Simmons hatte einen Patellasehnenriss, und während die ersten Checks wohl gut waren und er auch beim Pro Day einige Übungen machen konnte, müssen wir abwarten, inwieweit ihn das nachhaltig beeinträchtigen könnte.
Das reine Tape für mich war der beste Tackle der Klasse. Und er muss in Kansas City nicht direkt starten, sollte das medizinisch nicht der beste Weg sein. Aber die Chiefs hatten hier die sehr seltene Chance, ganz am Ende der ersten Runde einen potenziellen Franchise Left Tackle auszuwählen. Das könnte im Rückblick in drei Jahren ein Franchise-verändernder Pick sein, für ein Team, das hier seit Jahren eine langfristige Lösung sucht und dabei viele Ressourcen verbrannt hat.
Mit Norman-Lott legten die Chiefs an Tag 2 mit einem der gefährlichsten Interior-Pass-Rusher nach. Ich will erst sehen, dass Norman-Lott mehr als ein situativer Pass-Rusher sein kann, aber allein in der Rolle ist er brandgefährlich und ein Impact-Spieler. Das gilt auch für Gillotte, der ein Pass-Rush-Spezialist ist und einen anderes Element mitbringt verglichen mit einigen der Power-Rusher, die Kansas City schon hat. Williams ist ein Ballhawk und ein Scheme-Fit in Kansas City, Royals ist ein flexibel einsetzbarer Receiver, der eine weitere Yards-after-Catch-Waffe darstellt und in Kansas City in eine gute Rolle rutschen sollte. Smith, ein ehemaliger Receiver, könnte als Receiving-Back eine Co-Starter-Rolle einnehmen.
Das waren Premium-Positionen ohne Reaches durch die Bank weg mit den ersten fünf Picks, mit der Chance auf immensen Value insbesondere mit Simmons. Ein kleines Downgrade gibt es für den 2026er Viertrunden-Pick, der im Zuge des Uptrades für Williams nach New England abgegeben wurde. Im Gegenzug aber hatten sie einen Fünftrunden-Pick im Downtrade mit den Eagles in Runde 1 mitgenommen. Bei Simmons muss man die Medicals im Hinterkopf behalten, aber wirkliche Kritik habe ich an diesem Draft nicht. Die Chiefs haben sich als einziges Team die Bestnote verdient.
Die Note: 1
Die Picks: Running Back Ashton Jeanty (1. Runde), Receiver Jack Bech (2. Runde), Cornerback Darien Porter (3. Runde), Guard Caleb Rogers (3. Runde), Tackle Charles Grant (3. Runde), Receiver Dont’e Thornton (4. Runde), Defensive Tackle Tonka Hemingway (4. Runde), Defensive Tackle JJ Pegues (6. Runde), Quarterback/Receiver Tommy Mellott (6. Runde), Quarterback Cam Miller (6. Runde), Linebacker Cody Lindenberg (7. Runde)
Die Analyse: Ich verstehe nicht nur viele Offseason-Moves der Raiders dieses Jahr, ich sehe sie sogar sehr positiv. Ich verstehe es, dass eine Franchise, die so lange so schlecht war, unter Pete Carroll Moves macht, um erst einmal kompetitiv zu werden. Und weniger mit der radikaleren Idee im Hinterkopf, wie sie in drei Jahren ein Super-Bowl-Contender sein können.
Damit kann man auch den einen oder anderen kurzfristigeren Move rechtfertigen. Aber nicht den Running Back Top 10. Jeanty ist ein sehr gutes Prospect, aber die Idee, dass ein sehr guter Running Back ein schlechtes Run Game rettet, wurde über die letzten Jahre so häufig widerlegt. Die Raiders haben noch viele Baustellen, Right Tackle oder Outside Receiver allen voran waren zwei Spots, die man mit diesem Pick hätte adressieren können.

Jeanty Top 10 zu picken macht ihn direkt zu einem der teuersten Running Backs in der NFL, und das in einem Team, dem definitiv nicht nur noch der Running Back als finales Puzzleteil fehlt. Hier haben die Raiders für mich den "wir wollen jetzt kompetitiv sein"-Bogen überspannt.
Umso mehr mochte ich die Strategie an Tag 2. Die Raiders gingen gleich zwei Mal runter und sammelten jede Menge Kapital ein, um dann mit ihrem ersten Pick an Tag 2 Jack Bech zu picken: Ein physischer Power-Receiver, der Räume gegen Zone Coverage findet, nach dem Catch Yards auflegen und ohne Frage blocken wird, und den ich mir sehr gut in Las Vegas vorstellen kann. Receiver war ein klarer Need.
Das gilt auch für Cornerback, und hier ist klar, wer diesen Pick gemacht hat: Darien Porter ist ein Pete-Carroll-Corner aus dem Bilderbuch.
Ein großer, ultra-athletischer Corner mit Receiver-Background, der noch relativ jung auf der Position ist. Da wird Carroll Abhilfe schaffen können. Thornton ist ein sehr großer, vertikaler Outside-Receiver, der gut mit Geno Smith funktionieren sollte. Pegues in Runde 6 ist ein möglicher Steal als Interior Pass-Rusher.
Ich bin definitiv kein Fan von Jeanty in der Top 10 und erst recht nicht mit Blick darauf, wo das Team steht. Aber danach haben die Raiders in meinen Augen sowohl strategisch als auch in ihren Picks vieles richtig gemacht. Dieses Team wird Spaß machen.
Die Note: 2
Die Picks: Running Back Omarion Hampton (1. Runde), Receiver Tre Harris (2. Runde), Defensive Tackle Jamaree Caldwell (3. Runde), Edge Kyle Kennard (4. Runde), Receiver KeAndre Lambert-Smith (5. Runde), Tight End Oronde Gadsden (5. Runde), Offensive Tackle Branson Taylor (6. Runde), Safety R.J. Mickens (6. Runde), Safety Trikweze Bridges (7. Runde)
Die Analyse: Ich kann den Fit mit Hampton in der Offense definitiv sehen. Ein physischer, explosiver Power Runner, das passt zu Harbaugh. Aber die Strategie ist das, was mir hier überhaupt nicht gefällt. Hampton war für mich ein Luxuspick, und das unabhängig davon, dass ich ihn - entgegen dem Konsens - als Spieler signifikant tiefer gerankt hatte. Und die Chargers sind weit weg davon, sich Luxuspicks leisten zu können.
Nicht mit so klaren Needs wie Defensive Tackle, Outside Receiver, und auch Interior Offensive Line, wo ich klar argumentieren würde, dass die Liga uns über die letzten Jahre gezeigt hat, dass diese Position eine größere Premium-Position ist. Hier wird viel mehr Geld investiert, sehr gute Starting Running Backs findet man an Tag 2, an Tag 3, oder auch, je nach Jahr, in der Free Agency. Henry und Barkley, die beiden besten Running Backs der letzten Saison, waren als Free Agents zu haben. Wie häufig kann man das über Outside Receiver und selbst über Top-Tier-Guards sagen?
Hier passen für mich Positional Value, Spieleranalyse und Roster-Situation des Teams überhaupt nicht. Das macht Hampton strategisch und in der Analyse des Spielers für mich zum größten Reach der ersten Runde.
Der Harris-Pick trifft viele dieser Dinge deutlich besser. Outside Receiver war ein großer Need, und während vertikaler Speed noch immer ein Thema ist, bringt Harris ansonsten sehr viel mit. Größe, Qualitäten mit dem Ball in der Hand, scharfe Bewegungen trotz der Länge. Ich kann ihn mir gut mit Justin Herbert vorstellen.
Caldwell ist ihr Ersatz für Poona Ford, Kennard kann eine Nummer 3 für eine Edge-Rotation werden. Mickens ist der spannendste Tag-3-Pick, der Safety hat eine echte Chance, als Sechstrunden-Pick zu starten. Hier wirkte die Strategie schlüssiger.
Die Note: 3+
Die Picks: Tight End Colston Loveland (1. Runde), Receiver Luther Burden (2. Runde), Tackle Ozzy Trapilo (2. Runde), Defensive Tackle Shemar Turner (2. Runde), Linebacker Ruben Hyppolite (4. Runde), Cornerback Zah Frazier (5. Runde), Guard Luke Newman (6. Runde), Running Back Kyle Monangai (7. Runde)
Die Analyse: Für mich war Loveland der beste Tight End im Draft, weil er eine unheimliche Dynamik als Receiver mitbringt, während er gleichzeitig die Größe und Länge hat, um sich auch als Blocker und Contested Catch Receiver zu steigern. Dass die Bears Loveland über Tyler Warren auf ihrem Board hatten, ergibt in diesem Gedankengang auch Sinn: Loveland wird in Ben Johnsons Offense die Rolle von Sam LaPorta spielen, und er gibt den Bears noch eine explosive Receiving-Option über die Mitte, wo die Keenan-Allen-Targets der Vorsaison offen sind.
Und die Bears legten zum Start in Tag 2 nochmal nach: Burden ist ein explosiver Slot-Receiver, der auch vertikal gewinnen und eine Gadget-Rolle einnehmen kann. Der Plan hier ist offensichtlich: Mit Loveland und Burden hat Chicago ganz klar Dynamik für die Offense priorisiert, das ist auf dem Papier jetzt eine hochspannende Offense.
Bei Trapilo bin ich gespannt, was genau sie mit ihm planen. Ein großer Offensive Tackle, der in seinen Movement Skills limitiert ist, der aber vor allem Right Tackle gespielt hat. Sehen die Bears ihn als ihren perspektivischen Left Tackle?
Ich mag die Explosivität für die Offense. Turner hat Upside und ist flexibel einsetzbar in einer Defensive Line, die definitiv noch nicht fertig gebaut ist. Frazier ist ein riesiger Corner, ein spannender Fit in Dennis Allens Defense. Und Kyle Monangai bringt einen hohen Floor als Runner mit, und ist einer der besten Pass-Protecting-Backs in diesem Draft. Der Siebtrunden-Pick kann eine Rolle in der Backfield-Rotation spielen.
Die Note: 2
Die Picks: Defensive Tackle Tyleik Williams (1. Runde), Guard Tate Ratledge (2. Runde), Receiver Isaac TeSlaa (3. Runde), Guard Miles Frazier (5. Runde), Edge Ahmed Hassanein (6. Runde), Safety Dan Jackson (7. Runde), Receiver Dominic Lovett (7. Runde)
Die Analyse: Die Schocker der ersten Runde waren mehr die Trades als die ausgewählten Spieler. Es war ein Draft, in dem es kein allzu großes Geheimnis war, welche Spieler in Runde 1 gehen würden; Tyleik Williams war hier die wohl größte Ausnahme. Williams tauchte in so gut wie keinem Mock Draft auf, was aber keine qualitative Bewertung sein muss. Ich mochte sein Tape, ein physischer Nose Tackle, der die Pocket pushen und einen Anker gegen den Run setzen kann. Ich hatte das nicht als primären Need für Detroit auf dem Zettel, insofern war diese Wahl doppelt überraschend.

Aber Williams ist ein "Lions-Spieler", genau wie Ratledge. Physische Spieler an der Line of Scrimmage, das ist die Identität der Dan-Campbell-Ära. Ratledge ist genau das, ein High-Floor-Spieler mit guter Athletik, der direkt auf Guard starten sollte. Ein guter Allrounder.
Mein Problem mit Detroit ist und bleibt die Draft-Strategie. Wie auch schon in den letzten Jahren sind die Lions ein absolutes "Get our Guy"-Team, das heißt, sie traden regelmäßig aggressiv hoch und investieren dafür viel Kapital. Für Ratledge waren sie bereits drei Spots hoch gegangen, für TeSlaa dann machten sie einen gewaltigen Sprung in Runde 3, und schickten dafür zwei (!) Drittrunden-Picks 2026 nach Jacksonville.
TeSlaa ist ein spannender Receiver, ein Big Slot mit Speed, aber ist er letztlich, vereinfacht dargestellt, drei Drittrunden-Picks wert? Ein Spieler, den die Lions gut 100 Spots über seinem Konsens-Ranking pickten? Ich denke nicht, Detroit aber beantwortete diese Frage für sich mal wieder mit Ja. Genau wie letztes Jahr, als Detroit einen 2025er Drittrunden-Pick weg tradete, um sich Giovanni Manu in Runde 4 zu sichern und nochmal hoch ging, um Sione Vaki zu picken.
Es ist ein weiterer Draft, in dem die Lions Positional Value kaum beachteten und aggressiv in ihren Trades nach oben sind, inklusive Reaches gemessen am Konsens Big Board. Detroit muss aufpassen, dass ihnen dieser Ansatz nicht zeitnah auf die Füße fällt.
Die Note: 4+
Die Picks: Receiver Matthew Golden (1. Runde), Tackle Anthony Belton (2. Runde), Receiver Savion Williams (3. Runde), Edge Barryn Sorrell (4. Runde), Edge Collin Oliver (5. Runde), Defensive Tackle Warren Brinson (6. Runde), Cornerback Micah Robinson (7. Runde), Tackle John Williams (7. Runde)
Die Analyse: Golden ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen medialen Draft Boards und dem, was Teams für ihre spezifischen Needs basteln. Denn während ich bei Golden im Vakuum betrachtet etwas niedriger war, ist er für Green Bay spezifisch der ideale Fit aus dieser Receiver-Draft-Klasse. Nicht weil ich hier plötzlich die Nummer 1 sehe, die Green Bay braucht und die ich in Goldens Profil im Vakuum nicht analysiert habe. Sondern weil er ein Skillset hat, das in Green Bay kein anderer Receiver hat.

Die Packers haben stilistisch einen X-Receiver mit Romeo Doubs. Sie haben einen Straight-Line-Speedster mit Christian Watson. Sie haben einen Slot-Receiver mit Jayden Reed, sowie einen Big Slot in Dontayvion Wicks. Was sie bisher nicht hatten, ist ein dynamischer Outside-Playmaker, der als Route Runner auf allen drei Ebenen des Feldes gewinnen kann. Das ist Golden. Ein Route Runner, der es Defenses nicht erlaubt, die Packers in Man Coverage zu neutralisieren, ist ohne Frage etwas, das dieser Offense letztes Jahr gefehlt hat. Golden kann ihnen das geben.
Nach der ersten Runde einer meiner Lieblingsdrafts, doch das hat sich über Tag 2 und 3 nicht gehalten. Die Packers verdienen bei Offensive Linemen gewisse Vorschusslorbeeren, dennoch ging Belton hoch. Bei Williams kann ich mir gut vorstellen, dass Matt LaFleur einen Plan für ihn hat, und er könnte als Returner spielen. Aber das ist noch ein Gadget-Receiver für einen vollen Receiver-Room, der schon mehrere Gadget-Waffen hat. Sorrell und Oliver bringen gute Athletik mit in die Edge-Rotation. Aber hat dieser Draft mehr als einen Impact-Starter?
Die Note: 2-
Die Picks: Guard Donovan Jackson (1. Runde), Receiver Tai Felton (3. Runde), Defensive Tackle Tyrion Ingram-Dawkins (5. Runde), Linebacker Kobe King (6. Runde), Tight End Gavin Bartholomew (6. Runde)
Die Analyse: Es gibt keine Luftsprünge, wenn ein Team mit zwei Picks in der Top 130 und vier Picks insgesamt seinen einen Top-95-Pick in einen Guard investiert. Wäre hier nicht auch ein Downtrade möglich gewesen? Das werden wir wohl nie erfahren, aber angesichts der Tatsache, dass die beiden (!) Picks unmittelbar nach den Vikings getradet wurden, liegt die Vermutung nahe.
Jackson für sich ist ein sehr solider Pick. Minnesotas Left-Guard-Spot war nach den beiden großen Interior-Line-Moves in der Free Agency noch offen, Jackson hat einen unheimlich hohen Floor, bringt athletisch und physisch alles mit, und hat letztes Jahr gezeigt, dass er im Notfall auch auf Tackle raus rücken kann. Die Vikings bauen eine sehr gute Offense und Jackson ist so etwas wie das finale Puzzleteil für das Starting-Lineup.
Draft Grades für Teams mit so wenig Munition sind immer schwierig, und unter dem Strich hätte ich strategisch gerne gesehen, dass Minnesota den Draft anders angegangen wäre. Jackson ist ein solider Pick, Felton Ende Runde 3 ebenfalls. Primär ein Slot-Receiver mit Speed, aber wenig Physis in seinem Frame, womit er limitiert ist. Aber als Nummer 3 wird er in der Rotation sein.
Kein Team hatte so wenig Draft-Kapital. Umso mehr hatte ich gedacht, dass das Sammeln von mehr Munition Priorität hat. Die Vikings priorisierten stattdessen ihre Needs.
Die Note: 2-
Die Picks: Edge Jalon Walker (1. Runde), Edge James Pearce Jr. (1. Runde), Safety Xavier Watts (3. Runde), Safety Billy Bowman (4. Runde), Tackle Jack Nelson (7. Runde)
Die Analyse: Strategisch ist diese erste Runde kaum zu verteidigen. Dabei fing es erst einmal gut an: Nachdem die Panthers sich doch gegen Jalon Walker entschieden, war der dynamische Linebacker-Edge-Hybrid noch da - und damit auch der logische Pick für Atlanta. Ich mochte Walkers Tape, ich sehe ihn in erster Linie als Edge-Rusher, der bisweilen als QB-Spy und Blitzer Off-the-Ball spielen kann. Und rein als Edge war er trotz seiner Hybrid-Rolle weiter entwickelt, als ich das erwartet hatte. Ich bin hoch bei ihm, wichtig ist allerdings zu erwähnen, dass er mit seiner Größe ein Outlier für einen NFL-Edge-Verteidiger ist.
Das danach ist aber eher das Problem. Um nochmal zurück in die erste Runde zu kommen haben die Falcons ihren First Rounder 2026 abgegeben. Sie erhielten zusätzlich einen späten Drittrunden-Pick dieses Jahr, was ihnen dringend benötigte Tag-2-Munition gab.
Aber wenn wir neutral davon ausgehen, dass Atlanta nächstes Jahr an 16 Overall pickt, dann haben die Falcons die Picks 46 und 16 für 26 und einen Drittrunden-Pick investiert. Und sicher, der 2026er First Rounder könnte niedriger sein - es könnte aber auch ein Top-10-Pick sein! Es hätte ein signifikanter Building-Block-Pick in einem potenziell stärkeren Erstrunden-Draft sein können. Vielleicht ein Quarterback-Pick, wenn sich Penix nicht wie erhofft entwickelt!
Das ist ein Team, das noch versucht, herauszufinden, was sie in Michael Penix haben. Das war ein teurer Trade in einer Klasse, in der das große Thema ist, dass Tag 2 tief, Tag 1 aber nicht ganz so stark ist. Es ist ein absurder Preis, den Atlanta hier bezahlt hat und es ist desolates Roster-Building-Management.
Atlanta fiel letztes Jahr bereits mit einem teuren Tag-2-Uptrade auf, insofern passt das in das Ressourcen-Management-Muster dieses Front Offices. Und das trägt auch dazu bei, dass die Falcons wenig Kapital überhaupt zum Start in dieses Jahr hatten. Das wird sich jetzt auf das nächste Jahr übertragen, und strategisch ist das schwer zu erklären. Zumal ich, um noch etwas zu dem Spieler zu sagen, nach Walker einen anderen Edge-Typ gesucht hätte, wenn ich schon zwei Mal auf Edge gehe. Pearce ist ein Speed-Rusher der relativ stiff ist, und bei dem ich größere Bedenken in der Run-Defense habe. Wenn Walker und Pearce das Starting-Edge-Duo werden sollen, hätte Atlanta jetzt auf beiden Seiten kleine und/oder leichte Spieler. Vor allem aber waren sie hier ohne Frage über die Maßen von ihrer Analyse überzeugt, bei einem Spieler, den der Rest der Liga bis dahin fallen ließ.
Und sie legten sogar nochmal nach: Um von 101 auf 96 hoch zu gehen, schickte Atlanta einen 2026er Fünftrunden-Pick nach Philadelphia. Xavier Watts ist ein gutes Safety-Prospect, ich mochte ihn am meisten als tiefen Safety, wo er den Ballhawk spielen kann. Mit Bowman folgte ein weiterer Safety-Pick direkt danach, ein Playmaker, der bisweilen zu wild wird.
Die Spieler, die Atlanta gepickt hat, sind weniger das Problem. Aber die Strategie ist viel zu riskant.
Die Note: 4
Die Picks: Receiver Tetairoa McMillan (1. Runde), Edge Nic Scourton (2. Runde), Edge Princely Umanmielen (3. Runde), Running Back Trevor Etienne (4. Runde), Safety Lathan Ransom (4. Runde), Defensive Tackle Cam’Ron Jackson (5. Runde), Tight End Mitchell Evans (5. Runde), Receiver Jimmy Horn (6. Runde)
Die Analyse: Es wirkte nach der ersten Runde fast ein wenig so, als gäbe es in Panthers-Fan-Kreisen eine gehörige Portion Frust über den ersten Pick, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich schätze, die Defense war so schlecht letztes Jahr, dass alle Fans den Edge-Pick sehen wollten. Aber Carolina hat sehr viel Geld in die Defense investiert, die gesamte Free Agency war darauf ausgerichtet: Bobby Brown, Tershawn Warton, Tre’von Moehrig, Patrick Jones, dazu Jaycee Horn bezahlt und Derrick Brown, der 2024 quasi nicht gespielt hat, kommt zurück.
Worauf ich hinaus will: Ich sehe einen echten Case dafür, dass Receiver sogar die größere Baustelle war. Adam Thielen ist eine reine Kurzzeitlösung und seine Rolle wird kleiner werden. Jalen Coker ist eine gute Geschichte, aber kein Nummer-1-Receiver. Und Xavier Legette sehe ich nach wie vor besser in einer Nummer-2-Rolle inklusive Gadget-Plays aufgehoben.

McMillan kann der X-Receiver sein, und mit seiner Größe ist er ein fantastisches Target für das, was Bryce Young braucht. Für mich war das nicht nur kein Reach auf meinem Board, sondern eine gute Mischung aus Need, Positional Value, Spieler-Team-Fit und genereller Selbsteinschätzung des eigenen Kaders.
Die Pass-Rusher kamen dann an Tag 2, und hier mochte ich nicht nur den jeweiligen Spieler-Value, sondern auch die Kombination: Scourton ist mehr der High-Motor-Power-Rusher, während Umanmielen, für den Carolina im Trade-Up einen seiner drei Fünftrunden-Picks abgab, es versteht, mit Pass-Rush-Moves, Länge und Agilität zu gewinnen.
Den Running-Back-Pick habe ich nicht verstanden. Nicht nur weil ich Etienne noch niedriger auf dem Board hatte, sondern weil das nun wirklich kein Need in Carolina ist, und an Pick 114 noch gute Spieler zu haben waren. Carolinas Strategie ging insgesamt aber voll auf. Den besten Big-Body-Receiver der Klasse zu priorisieren, machte sich bezahlt, weil man die Tiefe der Edge-Klasse zu seinem Vorteil nutzen konnte. Carolina war aggressiv, hielt die Trades aber im Rahmen und hat zu Beginn drei Impact-Spieler gepickt.
Die Note: 2+
Die Picks: Offensive Tackle Kelvin Banks (1. Runde), Quarterback Tyler Shough (2. Runde), Defensive Tackle Vernon Broughton (3. Runde), Safety Jonas Sanker (3. Runde), Linebacker Danny Stutsman (4. Runde), Cornerback Quincy Riley (4. Runde), Running Back Devin Neal (6. Runde), Tight End Moliki Matavao (7. Runde), Edge Fadil Diggs (7. Runde)
Die Analyse: Banks zum Start war ein angenehm disziplinierter Saints-Pick. Ein gutes, etabliertes Prospect auf einer Premium-Position, das dazu beitragen kann, dem Team eine Identität zu geben. Dabei gibt es verschiedene Varianten, wie sich die Line nächstes Jahr zusammensetzt - Banks könnte auf Left Guard beginnen -, für 2026 könnte ich mir Banks auf Left Tackle und Taliese Fuaga auf Right Tackle vorstellen, was seine eigentliche Position ist.
Und vielleicht blockt diese Line bald für einen Rookie-Quarterback. Bei Derek Carr ist weiter offen, was genau mit der Schulter passiert, und ob er 2025 überhaupt spielen kann. Gut möglich also, dass Tyler Shough schnell startet. Shough war lange im College, er war in der gleichen Recruiting-Klasse wie Trevor Lawrence und wird im Herbst 26 Jahre alt.
Er hat einen starken Arm und spielt mit gutem Timing in seinen Reads, aber Shough hat eine längere Verletztenakte und ist mitunter zu viel Gunslinger. Ich hatte ihn eine volle Runde später auf dem Zettel, als ein Quarterback, der ein guter Backup werden und vielleicht irgendwann starten kann. In New Orleans könnte seine Timeline sehr anders aussehen und ich habe Zweifel daran, dass er dafür bereit ist. Für mich ein später Tag-2-Pick im besten Falle. Ich sehe ihn schlicht nicht als realistischen NFL-Starter.
Broughton gibt den Saints Power gegen den Run, auf Neals Rolle bin ich gespannt. Für mich einer der sichersten Runner dieser Klasse, auch wenn er keine Elite-Tools hat.
Die Note: 2-
Die Picks: Receiver Emeka Egbuka (1. Runde), Cornerback Benjamin Morrison (2. Runde), Cornerback Jacob Parrish (3. Runde), Edge David Walker (4. Runde), Edge Elijah Roberts (5. Runde), Receiver Tez Johnson (7. Runde)
Die Analyse: Mein Pre-Draft-Vergleich für Egbuka war Chris Godwin. Insofern ist es keine wahnsinnig große Überraschung, dass die Bucs ihn mögen, zumal Egbuka von jedem Insider als der Nummer-1-Coach-Favorit angepriesen wurde. Jetzt haben die Bucs allerdings auch zumindest kurzfristig ein echte Receiver-Überangebot, nachdem sie Godwin in der Free Agency nochmal bezahlt haben. Aber man draftet auch nicht für ein Jahr, und dass Egbuka in Tampa eine produktive Karriere haben wird, ist nun wirklich keine Bold Prediction.
Morrison ist ein mindestens genauso logischer Fit für die Bucs-Defense. Ein Man-Outside-Corner, der phasenweise Top-20-Pick-Tape im College hatte. Aber der eben auch mit der Hypothek von zwei Hüftoperationen in die NFL kommt. Keine Kleinigkeit, erst recht nicht auf dieser Position. Bleibt er fit, ist Morrison aber ein möglicher Tag-2-Steal. Parrish ist ein explosiver, physischer Slot Corner, den ich für diesen Bereich des Drafts sehr mochte.

Walker war unheimlich produktiv auf niedrigerem Level, ein High-Motor-Rusher der die Rotation in Tampa knacken kann. Johnson ist extrem leicht, aber als Gadget-Waffe bin ich gespannt, ob er einen Platz in der NFL findet.
Egbuka ging am oberen Ende seiner Range und ist mehr "solide" in Runde 1, dafür bringt Morrison ein Boom-or-Bust-Element mit. Es ist ein rundum guter Draft der Bucs, aus dem ich, wenn auch vielleicht keinen Star-Level-Spieler, aber doch mehrere Starter erwarte. Und das ist ehrlicherweise das, was man mittlerweile von Tampa Bay gewohnt ist.
Die Note: 2+
Die Picks: Guard Tyler Booker (1. Runde), Edge Donovan Ezeiruaku (2. Runde), Cornerback Shavon Revel (3. Runde), Running Back Jaydon Blue (5. Runde), Linebacker Shemar James (5. Runde), Offensive Tackle Ajani Cornelius (6. Runde), Defensive Tackle Jay Toia (7. Runde), Running Back Phil Mafah (7. Runde), Defensive Tackle Tommy Akingbesote (7. Runde)
Die Analyse: Dass die Cowboys Offensive Linemen - auch Interior Offensive Linemen - hoch picken, darf niemanden überraschen. Das ist ihre DNA, das ist ihr Fokus, und unter Brian Schottenheimer wird der Ball sicher nicht weniger gelaufen. Und Booker ist absolut kein schlechter Spieler, das Tape zeigt einen guten Interior-Pass-Blocker, einen Mauler auf engem Raum im Run Game.
Aber er ist limitiert. Er ist athletisch signifikant und damit in seiner Range limitiert, er funktioniert nicht in jedem Konzept, und auch wenn die Liga Guards über die letzten Jahre merklich höher gewichtet: Guard ist keine Premium-Position. Einen limitierten Spieler auf einer Non-Premium-Position Top 12 zu picken ist auch in einer qualitativ überschaubaren Klasse mal wenigstens skeptisch zu betrachten.
In der zweiten Runde sackten die Cowboys aber dann mit Nachdruck einiges des mit Booker "verlorenen" Big-Board-Values wieder ein, indem sie den Drop von Donovan Ezeiruaku beendeten. Ezeiruaku hat nicht die Elite-Traits, aber er hat lange Arme, er hat ein riesiges Pass-Rush-Arsenal und er versteht es, wie man zum Quarterback kommt. Er war für mich ein klares First-Round-Talent und auch im Konsens ein Top-30-Spieler.
Und Dallas knüpfte mit Shavon Revel hier an. Revel kommt von einem Kreuzbandriss zurück, das ist sicher ein Grund dafür, dass er hier noch zu haben war. Aber das Tape ist exzellent: Ein sehr großer, langer Corner, der trotzdem Movement-Skills hat, der tough nach innen verteidigt. Corner war ein Need und Revel könnte auch als Rookie ein Impact-Starter sein, sofern die Medicals in Ordnung sind.
Blue gibt der Offense dringend benötigte Explosivität, ein wenig sogar auch im Passing Game. Ich mochte den Draft letztlich wesentlich mehr, als ich das nach dem Booker-Pick erwartet hatte.
Die Note: 2+
Die Picks: Edge Abdul Carter (1. Runde), Quarterback Jaxson Dart (1. Runde), Defensive Tackle Darius Alexander (3. Runde), Running Back Cam Skattebo (4. Runde), Guard Marcus Mbow (5. Runde), Tight End Thomas Fidone (7. Runde), Cornerback Korie Black (7. Runde)
Die Analyse: Ich mochte die Disziplin zum Start in den Draft. Kein Reach mit dem Nummer-3-Pick - auch wenn es in einer perfekten Welt hier vielleicht viel Kapital für einen Downtrade hätte geben können, wenn das Regime diese langfristige Perspektive hätte einnehmen können -, sondern der beste Pass-Rusher der Klasse.
Auch danach haben sie abgewartet und kamen erst auf 25 wieder hoch, zu einem moderaten Preis, um sich Jaxson Dart zu sichern. Ich war nicht der größte Fan von Dart und halte ihn für ein Prospect, das Zeit brauchen wird, und das dann auch nicht die Elite-Upside hat. Er ist roh in seiner Footwork, roh was Reads und Antizipation angeht, und er hat keinen Top-Tier-Arm, keine Top-Tier-Athletik. Geduld ist hier gefordert, und selbst dann sehe ich ihn eher als Mid-Tier-Quarterback.
Und natürlich laufen die Giants hier Gefahr, in eine altbekannte Falle zu tappen: Ein angezähltes Regime wurde gehalten, wackelt aber deutlich. Der Quarterback-Pick ist insofern ein Stück weit auch als Argument notwendig, wenn der aber nicht schnell funktioniert, werden die handelnden Akteure womöglich dennoch nach einem Jahr gefeuert. Und das nächste Regime sieht dann den jungen Quarterback eher, wie der Liga-Konsens auch, skeptischer. Das spielt hier nicht in die Note rein, ist aber ein realistisches Szenario hinter diesem Pick.
Alexander ist ein älteres Prospect und ein Late-Career-Breakout, was immer etwas mit Vorsicht zu betrachten ist. Insbesondere wenn es um Spieler geht, die mit Power gewinnen. Hier bleibt abzuwarten, wie viel von seiner starken 2024er Saison sich auf die NFL auch wirklich überträgt, aber ich halte ihn zumindest für eine gute Nummer 2 innen. Mehr muss er in New York nicht sein, und Brian Burns, Dexter Lawrence, Darius Alexander und Abdul Carter? Das kann sich sehen lassen!
Skattebo ist ein Tone-Setter für eine Offense. Ein physischer Back, ein Contact-Runner, der gleichzeitig aber eine große Rolle im Passing Game hatte. Und einer der spaßigsten Spieler dieser Klasse! Mbow hat eine Chance, auf Guard zu starten.
Carter ist ein sofortiger Impact-Spieler. Dart hatte ich eine klare Runde tiefer, und auch wenn die Giants nicht Haus und Hof verkauft haben, lag der Druck auf GM und Head Coach doch spürbar über diesem Draft. Es bleibt abzuwarten, ob sich das auszahlt.
Die Note: 2+
Die Picks: Linebacker Jihaad Campbell (1. Runde), Safety Andrew Mukuba (2. Runde), Defensive Tackle Ty Robinson (4. Runde), Cornerback Mac McWilliams (5. Runde), Linebacker Smael Mondon (5. Runde), Center Drew Kendall (5. Runde), Quarterback Kyle McCord (6. Runde), Guard Myles Hinton (6. Runde), Tackle Cameron Williams (6. Runde), Edge Antwaun Powell-Ryland (6. Runde)
Die Analyse: Wir haben häufig gehört, dass Campbell für viele Teams ein Top-10-Spieler in dieser Klasse ist. Ich bin tendenziell niedriger bei Off-Ball-Linebackern, aber auch für mich war er ein Top-25-Spieler. Campbell war zum Ende der ersten Runde zu haben, weil er erhebliche medizinische Fragezeichen mitbringt.
Offensichtlich waren die Eagles, die Berichten zufolge versucht haben, einen Trade mit den Chargers einzufädeln und für Campbell noch höher zu klettern, hier positiv. Selbst damit ist es ein überraschender Pick für eine Franchise, die Linebacker bis dato über Jahre nicht priorisiert hat, dann aber erst vor einigen Wochen Zack Baun nach dessen herausragender Saison bezahlte. Baun und Campbell haben auch einige ähnliche Qualitäten und ich bin sehr gespannt, wie sie die beiden zusammen einsetzen.
An Tag 2 sammelte Philly mal wieder mit einem Downtrade Draft Kapital ein und pickte zudem den vielleicht unterhaltsamsten Playmaking-Safety der Klasse: Mukuba ist ein Safety der im Raum und angesichts des Mangels an Physis weniger in der Box funktioniert. Aber er bewegt sich unheimlich gut, ist explosiv, und ist ein Ballhawk.
Robinson ist ein älteres Prospect mit einem Late-Career-Breakout in seiner sechsten College-Saison, hat da aber Pass-Rush-Upside gezeigt.
Erwähnenswert an Tag 3 noch: Cameron Williams. Offensive Tackles mit seinen Maßen und Tools gehen normalerweise höher. Williams war in Runde 6 noch zu haben, jetzt kann er unter Jeff Stoutland und hinter Lane Johnson lernen. Der ideale Spot für ihn.
Es ist ein weiterer Eagles-Draft, aus dem ein bis zwei Starter und mehrere Impact-Rotationsspieler hervorgehen könnten.
Die Note: 2+
Die Picks: Offensive Tackle Josh Conerly Jr. (1. Runde), Cornerback Trey Amos (2. Runde), Receiver Jaylin Lane (4. Runde), Linebacker Kain Medrano (6. Runde), Running Back Jacory Croskey-Merritt (7. Runde)
Die Analyse: Needs adressiert, Premium-Positionen priorisiert, und Spieler an guten Spots bekommen - so lässt sich dieser Draft mit überschaubarem Kapital der Commanders zusammenfassen.
Es bleibt abzuwarten, wie sie die Offensive Line jetzt sortieren. Conerly könnte als Tackle auf die rechte Seite wechseln, vielleicht planen sie auch mit ihm auf Guard. Amos ist ein klarer Outside Starting Corner, dessen Länge und Physis in Kombination mit gutem Speed ihn potenziell zu einer High-End-Nummer-2 machen. Und zu einem exzellenten Fit in Dan Quinns Defense.
Mit nur einem Pick in den Runden 3 bis 5 machen diese ersten beiden Picks den Großteil der relevanten Klasse aus. Ich mag Lane als Speed-Element für die Offense, sollte Croskey-Merritt es in den Kader schaffen, ist er der ähnlich physische Backup für Brian Robinson.
Die Note: 2
Die Picks: Defensive Tackle Walter Nolen (1. Runde), Cornerback Will Johnson (2. Runde), Edge Jordan Burch (3. Runde), Linebacker Cody Simon (4. Runde), Cornerback Denzel Burke (5. Runde), Guard Hayden Conner (6. Runde), Safety Kitan Crawford (7. Runde)
Die Analyse: Kurz zusammengefasst: Keine spektakulären Moves - nur ein Tag-3-Downtrade -, aber ein rundum guter Draft ohne Reaches - im Gegenteil -, und mit Fokus auf eine Mischung auf Needs und Premium-Positionen.
Nolen ist ein sehr explosiver Rusher mit viel Power, stark gegen den Run und einem schnellen ersten Schritt. Eines der großen berichteten Pre-Draft-Fragezeichen bei ihm war, ob er immer komplett 100 Prozent gibt - in Arizona kann er von Calais Campbell lernen, was es heißt, ein Profi zu sein. Sollten diese Bedenken also begründet sein, hat Arizona die Infrastruktur, um das aufzufangen. Die Cardinals brauchten Difference Maker in der Defensive Line, Nolen kann das werden.

Will Johnson war ein Top-20-Talent in diesem Draft. Ein großer Outside Corner mit hohem Spielverständnis und herausragender Antizipation. Dass er in Runde 2 noch da war, hatte rein medizinische Gründe: Eine Zehverletzung kostete ihn Teile der vergangenen Saison, dazu hat er wohl eine Knieproblematik, die nicht kurz-, aber langfristig ein Thema werden könnte. Wenn er fit bleibt, ist das ein großartiger Pick für Arizona und ein idealer Scheme-Fit: In der Zone-lastigen Defense der Cardinals wird Johnson auf Turnover-Jagd gehen können.
Burch ist ein explosiver, athletischer, langer Pass-Rusher mit Power und guter College-Production, der noch etwas roh ist, aber auch erst einmal in der Rotation spielt. Und der letztes Jahr in einer starken Oregon-Front mehr als nur geflasht hat. Auch ihn pickte Arizona zwölf Spots nach seinem Konsens-Board-Ranking.
Simon als Downhill-Linebacker könnte eher früher als später zumindest situativ Snaps bekommen. Es war ein sehr defensiv geprägter Draft, für ein Team, das in dieser Offseason die Defense priorisieren musste.
Dieser Draft hat ein gewisses Boom-or-Bust-Element, und wer ein stärkeres Downgrade für Johnsons langfristige medizinische Bedenken geben will, landet hier vielleicht eher bei einer guten 2er Grade. Aber Arizona brauchte defensive Difference Maker, und könnte genau die mit seinen ersten drei Picks getroffen haben.
Die Note: 1-
Die Picks: Tight End Terrance Ferguson (2. Runde), Edge Josiah Stewart (3. Runde), Running Back Jarquez Hunter (4. Runde), Defensive Tackle Ty Hamilton (5. Runde), Linebacker Chris Paul (5. Runde), Receiver Konata Mumpfield (7. Runde)
Die Analyse: Der Downtrade mit den Falcons war ein absolut fantastischer Move. Der First Rounder für 2026 könnte ein weiterer Impact-Spieler werden. Es könnte auch Munition werden, um den Stafford-Nachfolger zu finden. Und das in einem Bereich des Drafts dieses Jahr, wo ich keinen allzu großen qualitativen Unterschied zwischen den Spielern Ende der ersten und Mitte der zweiten Runde gesehen habe. Ein absoluter Homerun.
Das hat die Rams in Position für eine der absoluten Top-Grades gebracht, dafür aber war Tag 2 dann zu wenig. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Rams schon seit einer Weile einen Receiving Tight End suchen - und ich gehe davon aus, dass sie großes Interesse an Colston Loveland hatten, der aber nie in ihre Range kam. Ferguson ist so etwas wie die Tag-2-Version von Loveland, bei dem die Rams aber auch gereached haben, um "ihren" Tight End schließlich zu bekommen.
Generell war der Value nach dem tollen Trade zum Start eher überschaubar. Ferguson ging früh, mit ihrem dritten Pick wählten die Rams einen Running Back für die Rotation mit Blake Corum und Kyren Williams. Chris Paul Ende der fünften Runde könnte sich als Value-Pick entpuppen: Ein kleiner Linebacker mit aber viel Range in Coverage, der für die Rams sogar starten könnte.
Der Trade in Runde 1 war ein No-Brainer angesichts des Angebots der Falcons. Dieser Trade alleine machte die Rams zu einem frühen Gewinner und wird sich nächstes Jahr bemerkbar machen. An Tag 3 gingen die Rams zwei Mal mit kleineren Moves hoch und schickten unter anderem einen 2026er Viertrunden-Pick nach Chicago.
Die Note: 2
Die Picks: Edge Mykel Williams (1. Runde), Defensive Tackle Alfred Collins (2. Runde), Linebacker Nickolas Martin (3. Runde), Safety Upton Stout (3. Runde), Defensive Tackle CJ West (4. Runde), Receiver Jordan Watkins (4. Runde), Running Back Jordan James (5. Runde), Safety Marques Sigle (5. Runde), Quarterback Kurtis Rourke (7. Runde), Guard Connor Colby (7. Runde), Receiver Junior Bergen (7. Runde)

Die Analyse: Defensive Line musste die Priorität sein, und genau so gingen die Niners diesen Draft an - inklusive der Spielertypen, die ich hier als sehr passend sehe. Williams hat Gardemaße für die Position, ein großer, schwerer Edge mit langen Armen, der als Pass-Rusher noch weiterentwickelt werden muss - und Williams ist sehr jung -, aber der sofort ein Impact-Defender gegen den Run ist. Niners-Fans dürften sich nur mit Grauen an die Run-Defense der vergangenen Saison zurückerinnern. Dazu kommt für mich in der individuellen Analyse, dass ich Williams genau hier auch auf meinem Board hatte, während er also für manche einen Reach darstellte, ist das bei mir nicht der Fall.
Das änderte sich an Tag 2. Ich verstehe die Idee mit Collins, um die Run-Defense zu reparieren, und da wird er auch seinen größten Impact haben. Aber sowohl Collins als auch dann erst recht Martin und Stout gingen sehr früh. Und auch wenn man die defensive Vision erkennen kann - mehr Physis gegen den Run, mehr Speed auf dem zweiten und dritten Level - denke ich nicht, dass die Niners das Maximum aus ihrem Tag-2-Kapital rausgeholt haben.
Zusätzlich zu Collins kam CJ West in Runde 4, was die Strategie nochmal untermauerte: Der Ansatz war ganz klar, so viel Qualität gegen den Run rein zu bekommen, wie möglich. Dieser Draft hat den Stempel von Robert Saleh - und vom Trauma der Run-Defense letztes Jahr.
Der obligatorische Running-Back-Pick darf natürlich nicht fehlen, Jordan James in Runde 5 gefällt mir aber sogar gut. Ein in meinen Augen klar unterschätzter Runner in diesem Draft Process, der einen unheimlich hohen Floor mitbringt.
Die Note: 2-
Die Picks: Guard Grey Zabel (1. Runde), Safety Nick Emmanwori (2. Runde), Tight End Elijah Arroyo (2. Runde), Quarterback Jalen Milroe (3. Runde), Defensive Tackle Rylie Mills (5. Runde), Receiver Tory Horton (5. Runde), Tight End Robbie Ouzts (5. Runde), Tackle Bryce Cabeldue (6. Runde), Running Back Damien Martinez (7. Runde), Tackle Mason Richman (7. Runde), Receiver Ricky White (7. Runde)
Die Analyse: GM John Schneider hat nach der ersten Runde zugegeben, dass sie ein wenig gezittert haben, als Tyler Booker bereits mit dem zwölften Pick zu den Cowboys ging, was den Guard-Run früher hätte starten können. Und das ist genau das Dilemma, in dem sich Seattle befand: Man war mit sehr klaren Needs in diesen Draft gekommen, und während Seattle zwar viel Munition an Tag 2 hatte, musste man schnell davon ausgehen, dass die Starting-Guards nicht bis in die 50er Picks kommen würden. Das machte den Zabel-Pick fast alternativlos. Aber er ist ein klarer Scheme-Fit und ein Day-1-Starter.
Emmanwori ist der athletische Freak dieser Safety-Klasse, und ich kann mir gut vorstellen, dass Mike Macdonald einen klaren Plan für ihn hat. Es gab nicht umsonst auch Erstrunden-Gerüchte mit ihm und Seattle. Dafür investierten sie jedoch auch an Tag 2 zusätzliches Kapital im Uptrade mit den Titans, was Seattle Pick 82 kostete.
Arroyo ist ein spannender Receiving-Tight-End, aber der Milroe-Pick war am Ende von Tag 2 der größte Seahawks-Headliner. Milroe ist roh und wird als Passer Zeit brauchen, aber der Speed, die Athletik, all das ist sensationell. Als Runner ist sein Floor beachtlich hoch. Seattle kommt aus dem Darnold-Deal nach einem Jahr raus, wenn sie das wollen. Spätestens nach Jahr 2 wird hier eine Entscheidung fallen. Dann könnte Milroe im Idealfall übernehmen. Schlägt er ein, hat Seattle diesen Draft gewonnen.
Zwei Picks an Tag 3 haben mir besonders gut gefallen: Tory Horton war mein Kandidat für den "diesjährigen Puka Nacua". Ein toller Scheme Fit, der Seattles Nummer-3-Receiver werden kann. Und: Running Back Damien Martinez! Ein Scheme-flexibler Back mit Power und guter Downhill-Beschleunigung. Er könnte eine größere Rolle im Backfield einnehmen.
Seattle hatte einen guten Draft. Mehr nicht unbedingt, dafür sind Positional Value mit den ersten drei Picks inklusive dem Uptrade für einen Safety, der Seattle einen seiner Tag-2-Picks kostete, in der Gesamtbetrachtung nicht stark genug. Aber die ersten drei Picks könnten sofortige Starter sein. Und mit Milroe gibt es die ultimative Upside.
Die Note: 2+
Adrian Franke