10.01.2026
Steelers starten mit einem Heimspiel
Die Pittsburgh Steelers haben sich auf hochdramatische Weise für die Playoffs der NFL qualifiziert - und gehen nun mit dem ältesten Quarterback ins Rennen. Doch genau dieser Umstand birgt auch Grund zur Hoffnung.

Allein ein Blick aufs Alter der in diesem Jahr an den Playoffs teilnehmenden Quarterbacks verrät schon einiges. Auf der einen, der sehr erfahrenen Seite stehen lediglich die jeweils einmal im Super Bowl erfolgreichen Aaron Rodgers mit seinen 42 Jahren (Titel 2010/11 mit den Green Bay Packers) und Matthew Stafford mit seinen 37 Jahren (Titel 2021/22 mit den Los Angeles Rams).
Anders gesagt: Als "A-Rod" mit seiner langen Liebe "The Pack" - dort spielte der Erstrunden-Pick des Jahres 2005 bis 2022) - im Jahr 2010 erstmals in der NFL-Endrunde vertreten war, waren andere Spielmacher wie Josh Allen (Buffalo Bills), Travor Lawrence (Jacksonville Jaguars) oder Drake Maye (New England Patriots) erst blutjunge 13, zehn oder gar sieben Jahre alt.
Insgesamt bringt der nun schon zum 13. Mal in der K.-o.-Runde stehende Rodgers für das Wild Card Game gegen die Houston Texans den Erfahrungsschatz von 21 Playoff-Partien mit (elf Siege, zehn Niederlagen) - auch das ist mit großem Abstand die Bestmarke unter allen 14 Quarterbacks in der diesjährigen Endrunde.
Die Hoffnungen seiner Pittsburgh Steelers, zu denen der Oldie erst in der Offseason nach längerer Warterei gekommen war und die erst zum Abschluss der Regular Season mit einem Thriller-Sieg gegen die Baltimore Ravens (26:24) das Ticket für die diesjährige Endrunde gelöst hatten, ruhen genau hierauf - auf der massiven Erfahrung des künftigen Hall of Famers. Doch noch ein paar mehr Gründe existieren, die Team und Fans aus der "Steel City" von einem Sieg in der Nacht von Montag auf Dienstag (2.15 Uhr MEZ) und zugleich von mehr Erfolgserlebnissen träumen lassen.
Da wäre zum Beispiel der weiterhin bärenstarke Arm des Rechtshänders, der weiterhin unglaublich enge, manchmal für das ungeübte Auge gar nicht existierende Fenster trifft. Ein Pass auf den 35-jährigen Receiver Adam Thielen beim Duell mit den Ravens lässt grüßen.
Dazu gesellt sich das Wissen und das Spielverständnis des gebürtigen Kaliforniers. Rodgers kann binnen Sekunden gegnerische Defense-Formationen oder -Vorhaben lesen, erkennen und den eigenen Spielzug kurzerhand abändern. So geschehen ebenfalls beim Spiel gegen Baltimore, als er die Route seines Passempfänger Calvin Austin im Huddle änderte und genau dorthin Sekunden später den spielentscheidenden Touchdown-Pass warf.
Und wer Rodgers' Karriere verfolgt hat, dem dürfte auch dieser Fakt nicht wundern: Mit 232 Würfen ohne Interception hält der "Quarterback-Opa" aktuell die längste fehlerlose Serie der NFL am Leben - die nächstbeste liegt im Bereich unter 150. Schon immer weiß die Packers-Legende den Ball zu beschützen, so stehen in seiner gesamten Regular-Season-Karriere bei 8743 Pässen neben 527 Touchdowns nur 123 Interceptions zu Buche. Auf erst über vier Scores folgt somit ein Pick - eine famose Statistik im Vergleich zu allen aktiven und ehemaligen Ikonen dieses Sports.
Genauso die Umstände, dass Rodgers bereits 45 TD-Würfe bei fast 6000 Yards in der Postseason erreicht hat - Platz 3 zusammen mit 49ers-Legende Joe Montana und nur knapp hinter dem in diesem Jahr mit den Chiefs fehlenden Patrick Mahomes (46). Vorn liegt natürlich der siebenmalige Super-Bowl-Kölnig Tom Brady (88). Und vor seinen 5894 Passing Yards in den Playoffs liegen lediglich das langjährige Steelers-Aushängeschild und der zweimalige Champion Ben Roethlisberger (5972 Yards) sowie NFL-Ikone Peyton Manning (7339 Yards) und wieder Brady (13.400).

Um beim Duell mit den Texans in diesen Kategorien deutlich draufzusatteln, stehen die Vorzeichen besser als zuletzt. Denn mit der Rückkehr von DK Metcalf nach dessen Clinch mit einem Lions-Fan samt anschließender Zwei-Spiele-Sperre verfügt Pittsburgh wieder über einen echten Top-Receiver, der seine Qualitäten diese Saison phasenweise unter Beweis gestellt hat (850 Yards, sechs TDs).
Es existieren aber auch Fragezeichen für "A-Rod" und seine Unit: Denn eben abgesehen von Metcalf und dem flexibel einsetzbaren Running Back Kenneth Gainwell (über 1000 Total Yards, acht Total Scores) gibt es nicht viel Material auf höchstem Niveau. Receiver Thielen ist in die Jahre gekommen, der schon aus Packers-Zeiten bekannte Marquez Valdes-Scantling (31) nicht mehr so explosiv wie einst. Zudem hält die manchmal nur ordentliche Offensive Line nicht immer stand, weswegen stets schnell auf Läufer und Tight Ends wie Pat Freiermuth geworfen werden muss. Der Raumgewinn hält sich dabei in Grenzen, die Drives ziehen sich in die Länge.
Das greift immer wieder pro Spiel auch die Laune des Altmeisters an, der nach Fehlern seiner Mitspieler und notwendigen Punts stets genervt ist. Zudem kann Rodgers in seinem hohen Alter Druck von gegnerischen Defenses nicht mehr ausweichen wie einst, was gerade jetzt ungemein schwierig wird.
Schließlich kommt mit Houston und den brachial gefährlichen Pass Rushern Will Anderson sowie Danielle Hunter (zusammen 27 Sacks) die vielleicht beste Defense der Regular Season in die "Steel City". Vor dieser hat auch Head Coach Mike Tomlin schon gewarnt: "Die versohlen einem den Hintern." Und wenn er sich mit seinen Trainer und dem Team nicht stets etwas Besonderes einfallen lässt, "dann werden wir gewaltige Probleme bekommen. Das ist die Realität." Auch für Rodgers mit seiner Erfahrung.
Dieser genießt im Großen und Ganzen seine Zeit in Pittsburgh - und hat sich im Vorfeld seiner bevorstehenden Playoff-Aufgabe auch eine Breitseite gegen Ex-Team New York Jets gegönnt. Gegenüber US-Reportern sagte der Spielmacher: "Eines, was ich wirklich toll finde - und das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, wo ich zuvor gewesen bin - ist, dass es absolut keine Probleme gibt. Eine Saison wie diese zu erleben und sich voll und ganz auf Football konzentrieren zu können, ohne sich mit anderem Mist herumschlagen zu müssen, das war wirklich schön."
Könnte es so vielleicht doch noch zu einer weiteren Saison in Pittsburgh kommen? Rodgers hatte in der Vergangenheit sein nahendes Karriereende zwar angedeutet, eine explizite Entscheidung aber offen gelassen. Ab jetzt - das weiß auch er - könnte jedes Spiel sein letztes sein.
mag