10.05.2026
Nach dem Draft ist vor dem Draft
Kaum ist der NFL Draft 2026 abgeschlossen, richtet sich der Blick bereits auf das kommende Jahr. Die Vergabe der sogenannten Kompensations-Picks für den Draft 2027 sorgt schon jetzt für intensive Diskussionen in der Liga.

Auf Grundlage von Daten von Over the Cap analysieren Draft-Experten, welche Teams aktuell besonders gute Chancen auf zusätzliche Picks haben. Hinter den Prognosen steht eine komplizierte Formel der NFL, die Faktoren wie Gehalt, Einsatzzeit und individuelle Auszeichnungen berücksichtigt und damit die Bewegungen auf dem Free-Agent-Markt widerspiegelt.
Die endgültige Vergabe der Kompensations-Picks erfolgt erst nach Abschluss der Saison 2026 durch den NFL Management Council gemäß dem geltenden Tarifvertrag. Grundsätzlich gilt, dass Teams belohnt werden, wenn sie mehr oder wertvollere sogenannte Compensatory Free Agents verlieren als sie verpflichten. Selbst bei einer ausgeglichenen Anzahl kann ein Team einen Pick erhalten, sofern der Wert der verlorenen Spieler den der Neuzugänge übersteigt. Die Anzahl ist jedoch begrenzt: Mehr als vier zusätzliche Picks kann kein Team in einem Jahr erhalten.
Die Picks werden jeweils am Ende der Runden drei bis sieben verteilt. Maßgeblich für die Bewertung sind unter anderem das durchschnittliche Jahresgehalt der Spieler, deren Einsatzzeit sowie individuelle Auszeichnungen. Berücksichtigt werden nur Spieler, die als Unrestricted Free Agents vor dem 27. April unterschrieben haben. Spieler, die von ihren Teams entlassen wurden, fallen hingegen aus der Berechnung heraus.
Eine besondere Regelung betrifft die Pittsburgh Steelers, die Quarterback Aaron Rodgers mit einem speziellen Free-Agent-Angebot belegt haben. Sollte er noch vor Beginn des Trainingscamps bei einem anderen Team unterschreiben, könnte Pittsburgh daraus zusätzlichen Nutzen ziehen. Unabhängig davon vergibt die Liga zudem zwei spezielle Drittrunden-Picks an Teams, die Minderheiten-Mitarbeiter an andere Klubs als Head Coaches oder leitende Football-Manager verlieren.
In NFL-Kreisen ist die Erwartung an den Draft-Jahrgang 2027 besonders hoch. Das erklärt auch, warum viele Teams im Draft 2026 äußerst zurückhaltend mit ihren zukünftigen Picks umgingen. Weder Erst- noch Zweitrunden-Picks für 2027 wurden gehandelt.
Besonders gut positioniert sind aktuell die Green Bay Packers. Sie könnten die maximale Anzahl von vier Kompensations-Picks erhalten, verteilt auf die Runden drei bis sechs. Ausschlaggebend sind mehrere hoch dotierte Abgänge, allen voran Quarterback Malik Willis, der bei den Miami Dolphins unterschrieben hat. Sollte er dort eine komplette Saison als Starter absolvieren, ist ein Pick in der dritten Runde realistisch. Verletzungen oder ein Verlust des Stammplatzes könnten diesen jedoch abwerten. Auch die Verträge von Romeo Doubs, Quay Walker und Kingsley Enagbare tragen maßgeblich zur starken Ausgangslage der Packers bei.
Eine ähnliche Anzahl an Picks wird den Seattle Seahawks prognostiziert, allerdings auf etwas niedrigerem Niveau. Nach dem Gewinn des Super Bowls mussten sie mehrere Leistungsträger ziehen lassen, darunter Boye Mafe, Kenneth Walker III, Coby Bryant und Riq Woolen. Da gleichzeitig kaum relevante Neuzugänge verpflichtet wurden, befinden sich die Seahawks in einer hervorragenden Position, um mehrere Kompensations-Picks zu erhalten.
Zu den Teams mit ebenfalls vielversprechenden Aussichten zählen die Baltimore Ravens, die Jacksonville Jaguars und die Kansas City Chiefs. Besonders bemerkenswert ist dabei die Konstanz der Ravens, die seit 1994 ligaweit die meisten Kompensations-Picks gesammelt haben. Auch diesmal profitieren sie von einem geschickten Umgang mit Abgängen und Verpflichtungen, wobei sich einige große Transfers gegenseitig aufheben. Dennoch bleiben mehrere Picks wahrscheinlich, und selbst ein zusätzlicher vierter erscheint nicht ausgeschlossen.
Die Jaguars profitieren vor allem davon, dass sie keine relevanten Free Agents verpflichtet haben und somit ihre Verluste vollständig in Kompensations-Picks umgewandelt werden könnten. Bei den Chiefs hingegen gleichen mehrere Verpflichtungen einen Teil der Abgänge aus, sodass neben einem sicheren Pick in Runde vier vor allem späte Picks realistisch erscheinen.
Mehrere Teams bewegen sich im Mittelfeld der Prognosen und könnten jeweils zwei Kompensations-Picks erhalten. Dazu zählen die Atlanta Falcons, die Denver Broncos, die Detroit Lions und die Indianapolis Colts. In diesen Fällen hängt die genaue Verteilung stark davon ab, wie sich einzelne Spieler bei ihren neuen Teams entwickeln und wie viele Einsatzzeiten sie tatsächlich erhalten. Hoch dotierte Verträge spielen zwar eine wichtige Rolle, verlieren aber an Gewicht, wenn Spieler nicht regelmäßig auf dem Feld stehen.
Eine größere Gruppe von Teams darf sich zumindest Hoffnungen auf jeweils einen Kompensations-Pick machen. Dazu gehören die Buffalo Bills, Cincinnati Bengals, Los Angeles Chargers, Miami Dolphins, Minnesota Vikings, New York Giants und die Philadelphia Eagles.
In vielen dieser Fälle entscheiden Details über den Ausschlag, etwa die tatsächliche Rolle eines Spielers im neuen Team oder seine Einsatzzeit über die Saison hinweg. Besonders hervorzuheben sind hoch dotierte Verträge wie die von Trey Hendrickson oder Jaelan Phillips, die ihren ehemaligen Teams wertvolle Picks einbringen könnten.
Für eine Reihe von Teams sieht die aktuelle Prognose hingegen keine Kompensations-Picks vor. Dazu gehören die Arizona Cardinals, Carolina Panthers, Chicago Bears, Cleveland Browns, Dallas Cowboys, Houston Texans, Las Vegas Raiders, Los Angeles Rams, New England Patriots, New Orleans Saints, New York Jets, Pittsburgh Steelers, San Francisco 49ers, Tampa Bay Buccaneers, Tennessee Titans und Washington Commanders. Sie haben entweder zu viele Free Agents verpflichtet oder ihre Abgänge wiegen im Vergleich nicht schwer genug, um zusätzliche Draftrechte zu generieren.
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nkr