05.09.2019
NFL 2019: Bleibt Mahomes der MVP? Kommt Gordon zurück?
Warum sollte der MVP nur ein bisschen nachlassen? Warum gibt Melvin Gordon nicht einfach nach? Und was macht eigentlich Antonio Brown? Die Vorschau zur AFC West.

Technisch gesehen war Patrick Mahomes kein Rookie, er hatte in der Vorvorsaison nämlich am letzten Spieltag sein NFL-Debüt gefeiert. Aber das, was der MVP in seinem ersten richtigen Jahr 2018 ablieferte, war... der MVP eben. Man darf deshalb nicht erwarten, dass der nach wie vor erst 23-Jährige erneut 50 Touchdown-Pässe und über 5000 Yards wirft, aber warum sollte sich an seinem erfrischend unbekümmerten No-Look-Spiel irgendetwas ändern? Das Receiving-Corps ist nach der gnädigen Liga-Entscheidung zugunsten von Tyreek Hill sogar noch besser - im Draft zogen die Chiefs Speedster Mecole Hardman -, Mahomes kann sich weiterhin auf Sammy Watkins, Demarcus Robinson und Tight End Travis Kelce verlassen. Einzig die O-Line verlor mit Center Mitch Morse einen zentralen Baustein, den Platz übernimmt Austin River (viertes NFL-Jahr).
Für Kansas City und Head Coach Andy Reid ging es in der Offseason vielmehr darum, die Defense zu verbessern und umzustellen (KC ließ mit 6488 die zweitmeisten Yards der Liga zu). Der neue Coordinator Steve Spagnuolo darf sich auf Pass Rusher Frank Clark (via Trade aus Seattle) und Safety Tyrann Mathieu (als Free Agent aus Houston) freuen, End Chris Jones hatte in der Vorsaison still und heimlich sein Breakout-Jahr mit 15,5 Sacks. So elektrisierend wie Mahomes & Co. 2018 draufwaren, sind die Chiefs mit den Patriots wieder der ganz große Favorit in der AFC.

Jedes Team hat seine Probleme, aber dieses ist aus Chargers-Sicht einfach nur unnötig: Melvin Gordon kam in der vergangenen Saison in zwölf Einsätzen auf über 1300 Srimmage-Yards und 14 Touchdowns. Das nahm der 26-Jährige vor wenigen Wochen zum Anlass, eine Forderung an das Franchise aus Los Angeles zu stellen: Entweder, ihr gebt mir einen neuen Vertrag, oder ich will getradet werden. Nichts von beidem ist passiert, die Chargers sollen Gordon sogar mitgeteilt haben, dass Gespräche über eine Verlängerung erst nach der Saison wieder aufgenommen werden. Heißt: Such uns einen Trade-Partner und du kannst gehen. Als Alternativen haben sich Austin Ekeler und Justin Jackson schon letztes Jahr empfohlen.
Bitter für L.A. ist die Verletzung von Safety-Sensation Derwin James, der mit einer Stressfraktur im rechten Fuß lange ausfällt. James hatte sich in seiner Rookie-Saison 2018 direkt eine Pro-Bowl- und All-Pro-Nominierung verdient. Darauf hoffen in dieser Saison stattdessen die Rookies Jerry Tillery (Defensive Tackle) oder Nasir Adderley (Safety), der direkt für James einspringen kann. Ansonsten bleibt der Kader der Chargers einer der besten der AFC; mit Quarterback-Urgestein Philip Rivers, dem Receiving-Corps aus Keenan Allen, Mike Williams und dem wiedergenesenen Tight End Hunter Henry auf offensiver und Joey Bosa sowie Melvin Ingram oder Casey Hayward auf defensiver Seite. Das Team von Head Coach Anthony Lynn muss erneut den Super Bowl anvisieren - es könnte vielleicht der letzte Anlauf für Rivers sein.

Weil es Denver ist, gilt der erste Blick der Defense - und der lohnt sich. Die Defense der Broncos wird mit ziemlicher Sicherheit auch 2019 zur Elite gehören, denn jetzt werden Von Miller, Bradley Chubb & Co. auch noch von Head Coach Vic Fangio betreut. Der 61-Jährige hat sich als Defensive Coordinator der Chicago Bears einen Namen gemacht. Kürzlich erst wurden Sean McVay und Bill Belichick gefragt, gegen welche Defense sie überhaupt nicht gerne spielen würden: Beide nannten sofort Fangios Namen.
Ganz anders gestaltet sich das Bild auf der offensiven Seite: Joe Flacco wurde in Baltimore nicht mehr gebraucht und nach Denver getradet - wie viel hat der 36-jährige Super-Bowl-Sieger von 2013 noch im Tank? Rookie Drew Lock, den die Broncos in der zweiten Draft-Runde an Land gezogen hatten, hat in der Preseason gezeigt, dass er noch Zeit braucht, um sich ans NFL-Niveau zu gewöhnen. Seit Peyton Manning seine Karriere nach dem Super-Bowl-Triumph 2016 beendet hat, haben die Broncos nicht nur dreimal die Play-offs verpasst, sondern auch keinen adäquaten Nachfolger auf der wichtigsten Position gefunden. Ob Rich Scangarello den Laden in seiner ersten Saison als Offensive Coordinator wieder in Ordnung bringt?

Wenn Melvin Gordon für die Chargers ein Problem ist (oder auch keins mehr), was ist dann Antonio Brown für die Raiders? Für den Moment scheint es so, als wäre die absolut alberne Helm-Posse tatsächlich beendet und alle können sich darauf fokussieren, Oakland nach einer desaströsen ersten Saison unter Head Coach Jon Gruden wieder auf Kurs zu bringen. Im nächsten Jahr ziehen die Raiders nach Las Vegas um, und bis dahin soll der Umbruch möglichst vollzogen sein. Der (relativ günstige) Trade für Brown an sich hilft dabei, der Receiver bekam einen Dreijahresvertrag über 50 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Raiders viel Geld in Tackle Trent Brown (Vier Jahre, 66 Millionen Dollar) und Receiver Tyrell Williams (Vier Jahre, 44 Millionen Dollar) investiert.
Gruden sagt, die Raiders seien besser geworden. Das mag stimmen, aber es bleiben auch Fragen. Was passiert, wenn die Diva Brown nicht genügend Bälle erhält und mal wieder unzufrieden ist? Was, wenn Quarterback Derek Carr wieder so unterdurchschnittlich spielt wie im Vorjahr? Oakland/Las Vegas wird kaum an den Chargers und den Chiefs vorbeikommen, deshalb ist ein Play-off-Platz erneut alles andere als wahrscheinlich.
mkr