04.12.2019
Philadelphia verliert in Miami und vergibt große Chance
Die NFC East ist schon ein Fall für sich. Dominieren in anderen Divisionen teils mehrere Teams, so hangeln sich hier die Dallas Cowboys (6:6) und die Philadelphia Eagles (5:7) in Richtung Play-offs. Einer der beiden Teams wird das Rennen dabei definitiv machen. Und es sieht nicht nach Philly aus, das sich am Sonntag sogar von einem Spieler auslachen lassen musste.

Obwohl die Eagles an Thanksgiving nicht im Einsatz waren, war doch alles für das Team aus Philadelphia für ein Fest vorbereitet: Denn weil NFC-East-Kontrahent Dallas (6:6) das Feiertagsheimspiel gegen die Buffalo Bills (9:3) verloren und eine deutliche Negativserie damit ausgebaut hatte, ergab sich für Philly die große Chance. Mit einem Erfolg bei den bereits wenig überraschend ausgeschiedenen Dolphins (3:9) hätte man mit den Cowboys auf 6:6 gleichziehen können. Hätte!
Denn stattdessen setzte es für das Team um Quarterback Carson Wentz (28/46, 310 Yards, drei TDs, eine Int.) eine eindrucksvolle 31:37-Pleite. Und so rutschten die Eagles auf 5:7 ab, müssen Stand jetzt weiterhin zwei Spiele auf Dallas (direkter Gegner in Week 16) aufholen. Denn klar ist: In dieser Division wird nur der Erste in die NFL-Endrunde einziehen - und hier in der anstehenden Wild Card Round sogar ein Heimspiel haben.
"Wir sind immer noch ein gutes Football-Team", sagte Phillys Head Coach Doug Pederson zwar im Anschluss an diese Niederlage, gab aber auch zu, dass er mit seinem Trainerstab für Aufmunterung im Team sorgen muss. Der Grund liegt auf der Hand: Für diese dritte Niederlage in Folge war in erster Linie die anfällige Defense der Eagles, die sich gegen ein nicht gerade qualitativ stark aufgestelltes Team aus Miami 37 Punkten eingefangen hatte, verantwortlich.
Die Hauptschuld für diese Niederlage schob allerdings Pederson auf sich selbst: "Ich bin empört, ich bin wütend und ich bin sauer - und wahrscheinlich am meisten auf mich selbst. Unsere mangelnde Disziplin auf dem Feld (zehn Strafen für minus 91 Yards; Anm.d.Red.), unsere fehlende Konsequenz bei entscheidenden Spielzügen... Das alles liegt am Ende bei mir. Und deshalb bin ich enttäuscht. Am Ende hat der Gegner den Sieg etwas mehr gewollt als wir, sie haben die Plays gemacht, wir nicht."
Damit traf der Trainer den Nagel auf den Kopf, denn in der Tat lieferten die mutigen Dolphins teils tolle Plays ab - und nach einem davon wurde die gesamte Abwehr der Eagles sogar von Miamis Defensive Tackle Christian Wilkins noch auf dem Feld verhöhnt und ausgelacht. Was passiert war? Einer der vielleicht größten Trickspielzüge der Geschichte.
Beim Stand von 7:13 schickte Dolphins-Trainer Brian Flores, zwischen 2004 und 2018 lange Zeit im Stab der New England Patriots, seine Field-Goal-Unit aufs Feld. Doch diese schoss gar kein Field Goal, sondern stellte sich plötzlich in einer kuriosen Formation auf: fünf Teamkameraden weit links (darunter Kicker Jason Sanders), vier Spieler weit rechts - und in der Mitte, wo der Ball lag und auch der Spielzug schließlich eröffnet wurde, fand sich nur ein Center (Daniel Kilgore) und der eigentliche Field-Goal-Holder Matt Haack als "Quarterback-Imitat" wider.
Es folgte etwas, was den bereits im vergangenen Jahr mit einem tollen Spielzug auffälligen Dolphins ("Miami Miracle" gegen die Patriots) massig Lob von Medien, Fans und über Social Media einbrachte: Holder Haack bekam den Snap, Kicker Sanders rannte von links außen in die Mitte der Endzone, bekam einen Shuffle Pass, fing sicher, verbuchte damit einen Touchdown und verpasste den Eagles einen heftigen Nackenschlag. "Respekt an den Stab von Miami dafür, wie sie diese Dolphins trainieren", sagte Pederson im Anschluss. Und Holder Haack ergänzte das, was das Ganze in der Folge noch beeindruckender machte: "Wir haben das genauso geplant - und es hat genauso funktioniert. Das ist wirklich cool!"
Miami selbst schrieb auf Twitter zu diesem verrückten Play, das "Mountaineer Shot" genannt wird, nur: "Retweet, falls wir dich reingelegt haben." Zwinker-Smiley, Zwinker-Smiley. NFL-Experten wie die Crew von "Good Morning Football" sprechen bereits vom Spielzug des Jahres - und der frühere und für seinen Humor bekannte Punter und wirklich auch als Stand-up-Comedian arbeitende Pat McAfee (ehemals Indianapolis Colts, inzwischen angestellt bei "ESPN") schreibt einfach nur: "Wir alle sind Zeuge vom besten Play in der Geschichte des Footballs. Ich habe mir das jetzt schon 100-mal angesehen... und es ist einfach nur schön."

Erstaunliches zum Abschluss: Philadelphia erholte sich von diesem kuriosen Touchdown zum 13:14-Rückstand sogar, führte im dritten Quarter mit 28:14 - und verlor dennoch, weil allen voran Miamis Quarterback Ryan Fitzpatrick nicht mehr aufzuhalten war und sein "Fitzmagic" versprühte. Der 37-jährige Harvard-Absolvent sollte am Ende auf 365 Yards sowie drei TDs kommen bei einer Interception und sein Team zum 37:31 führen.
Der einzige Nachteil nun für die Fins: Mit einer Bilanz von 3:9 (drei von den letzten fünf Spielen gewonnen) wird es schwer, sich noch den First-Overall-Pick für einen potenziellen College-Quarterback der Zukunft zu sichern. Hier haben die Cincinnati Bengals aktuell mit 1:11 die Nase vorn. Doch wer weiß? Vielleicht darf ja auch der nimmermüde und vor Freude strahlende Fitzpatrick in seine 15. NFL-Saison starten.
mag