06.12.2020
NFL, Week 13: Schlägerei und Rauswürfe bei Miami vs. Cincinnati
Die Cleveland Browns entschieden das Topspiel bei den Tennessee Titans trotz später Nachlässigkeiten in beeindruckender Manier für sich und ließen die ersehnte Play-off-Teilnahme näherrücken. Siegreich waren zudem die Saints und die Raiders, die gegen die weiter sieglosen Jets aber einen extrem langen Atem benötigten.

Die Schlagzeilen vor dem Week-13-Hit zwischen Tennessee und Cleveland, die jeweils mit der starken Bilanz von 8:3 Siegen ins Duell gegangen waren, hatten einzig und allein den beiden bärenstarken Rushing Offenses gehört: Titans-Abrissbirne Derrick Henry (Rang 1 mit 1257 Rushing Yards) hier, das Browns-Gespann Nick Chubb und Kareem Hunt (zusammen 1775 Yards) dort.
Nach 60 Minuten Football überraschte der Blick auf die Statistik allerdings gewaltig: Henry kam nur auf überschaubare 15 Läufe für 60 Yards (kein Touchdown). Die Abwehr Clevelands hatte die Walzmaschine über weite Strecken abgemeldet. Und weil auch Quarterback Ryan Tannehill (am Ende immerhin 389 Yards, drei Touchdowns) lange Zeit nichts gelang, ihm sogar einen Interception unterlief, standen nach zwei Quartern nur sieben Punkte auf der Habenseite. Browns-Quarterback Baker Mayfield lieferte dagegen überragend ab, kam auf 334 Yards und stolze vier Touchdown-Würfe - was zu einer zwischenzeitlichen 38:7-Führung führte. So konnten sich die nun bei 9:3 stehenden Browns, die seit 2002 nicht mehr in den Play-offs gesehen wurden, auch Nachlässigkeiten erlauben, die Titans (8:4) kamen trotz später Anstrengungen letztlich nur noch zu einem 35:41.
0:11 nach elf Spieltagen? "Na und", dachten sich offensichtlich die motiviert ins Heimspiel mit den Las Vegas Raiders gehenden und seit langer Zeit von akuter Erfolgslosigkeit verfolgten New York Jets. Quarterback Sam Darnold warf im ersten Quarter direkt mal einen Touchdown-Pass auf Jamison Crowder (sieben Yards), ehe der Spielmacher zu Beginn des zweiten Viertels erneut den Receiver für dieses Mal sechs Yards fand - 13:7 stand es somit und N.Y. durfte ernsthaft daran glauben, die drohende Shutout-Season mit 0:16 (bislang nur von den Detroit Lions 2008 und den Cleveland Browns 2017 "erreicht") an diesem Sonntag abzuwehren.
Und dieses Gefühl hielt sehr lange an, auch wenn die Raiders um Spielmacher Derek Carr (381 Yards, drei Touchdowns, eine Interception) zwischenzeitlich wieder aufholten und sogar auf 24:13 stellten. Denn Quarterback Darnold (186 Yards, drei Total TDs, eine Int., zwei Fumbles) lief selbst zum 19:24, schloss auch die anschließende Two-Point-Conversion erfolgreich ab (21:24) - und bejubelte noch den 1-Yard-Rush von Ty Johnson zur 28:24-Führung. Fünf Minuten vor Schluss war der erste Saisonsieg also zum Greifen nah - und dann auch fünf Sekunden vor Schluss, nachdem die Jets-Abwehr trotz einer unnötigen Strafe bei 4th&8 standhielt. Doch dann das: Mit seinem letzten Verzweiflungswurf traf Raiders-Anführer Carr New York ins Mark, fand Receiver Henry Ruggs für 46 Yards - und verzeichnete mit diesem Touchdown das 31:28. Mit dem sofort zum "Miracle in the Meadowlands" getauften Spielzug verbesserte sich Las Vegas auf 7:5, N.Y. sank auf 0:12.

Bereits das dritte Match in Serie musste New Orleans in dieser Week 13 ohne den schwer an den Rippen und der Lunge verletzten Star-Quarterback Drew Brees auskommen - und wie schon beim 24:9 gegen Atlanta als auch beim 31:3 gegen die spielmacher-losen Denver Broncos genoss erneut das "Schweizer Taschenmesser Taysom Hill das Vertrauen. Und abermals lieferte der 30-Jährige ab, dieses Mal in der Fremde bei NFC-South-Rivale Atlanta (4:8): Hill (drei Fumbles, einen davon an den Gegner verloren) erreichte 232 Passing Yards, zwei Touchdowns, leistete sich keine Interception und rannte selbst für 83 Yards. Gepaart mit einer lange Zeit schier unüberwindbaren Defense reichte das zu einem 21:16-Sieg, auch wenn sich die Falcons um "Matty Ice" Ryan (273 Yards, ein TD, ein Fumble) spät nochmals streckten.
Mit der jetzigen Bilanz von 10:2 sind die New Orleans Saints zudem als erstes Team fix in der NFL-Endrunde vertreten.
Beim Vergleich zwischen Miami und Cincinnati hatte zwischenzeitlich eine wilde Rauferei für die größten Schlagzeilen gesorgt: Kurz vor der Halbzeitpause waren Dolphins-Cornerback Xavien Howard und Bengals-Receiver Tyler Boyd aneinandergeraten, hatten Schläge ausgeteilt und waren beide hernach vom Feld verwiesen worden. Außerdem gab es spät noch einem üblen Hit von Cincys Mike Thomas gegen Miamis Returner Jakeem Grant (das überharte Tackle kam vor dem Catch, was verboten ist). Diese üble Aktion zog ebenfalls eine mächtige Rudelbildung, eine längere Verletzungspause sowie weitere "Rote Karten" nach sich. Alles in allem boten sich bei diesem Duell reichlich unschöne Bilder, bei denen auch ein sichtlich angesäuerter Fins-Trainer Brian Flores mitmischte.
Das rein Sportliche geriet so in den Hintergrund, soll aber nicht unerwähnt bleiben: Nach Daumenverletzung kehrte Fins-Quarterback Tua Tagovailoa für den zuletzt eingesetzten Routinier Ryan Fitzpatrick zurück ins Aufgebot und führte seine Mannschaft nach frühem 0:7-Rückstand noch mit 296 Passing Yards und einem Touchdown (keine Interception) zum 19:7. Den Rest erledigte Kicker Jason Sanders mit gleich vier verwandelten Schüssen aus 25, 48, 23 und 19 Yards - und sorgte zugleich dafür, dass die Dolphins fortan bei 8:4 stehen und die Bengals (2:9:1) mathematisch nichts mehr mit den Play-offs zu tun haben.
Was war sonst noch los? Bei den Minnesota Vikings gaben die Gäste aus Jacksonville nicht nach, kamen Sekunden vor Abschluss der regulären Zeit noch zum 24:24 und zwangen den heimischen Favoriten so in die Overtime. Dort kam der Gastgeber zwar anfangs nicht weit und musste punten, verbuchte bei Ballbesitz der Jaguars aber schnell wieder eine Interception - und so konnte Kicker Dan Bailey, der zuvor ein wichtiges Field Goal samt zweier Extrapunkte verschossen hatte, aus 23 Yards zum 27:24-Sieg für Minnesota (6:6) vollenden und doch noch zum Matchwinner aufsteigen. Für die Jags (1:11) bedeutete das die elfte Niederlage in Serie.
Komplett wild derweil auch die Schlussphase in der "Windy City" Chicago (5:7), als beim NFC-North-Duell mit Detroit alles lange, lange Zeit nach einem Heimsieg aussah (Führungen von 9:0, 16:6, 23:13 und 30:20). Doch innerhalb der letzten Minuten fand Lions-Spielmacher Matthew Stafford (402 Yards, drei TDs, eine Int.) erst seinen Passempfänger Marvin Jones zum 27:30, ehe Bears-Quarterback Mitchell Trubisky (267 Yards, ein TD, keine Int.) nahe der eigenen Endzone (!) ein fataler Fumble unterlief. Der nimmermüde und bereits 35-jährige Running Back Adrian Peterson bedankte sich im Anschluss mit seinem zweiten Touchdown-Lauf des Tages und ermöglichte den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg Detroits (5:7).
Auf 8:4 verbesserten sich zudem die Indianapolis Colts, die mit 26:20 bei den Houston Texans (4:8) gewannen - und dies neben Philip Rivers (285 Yards, zwei TDs) auch einem späten Safety sowie einem späten Fumble von Deshaun Watson (341 Yards, kein TD, eine Int.) zu verdanken hatten.
mag