21.12.2020
Philadelphia steht vor großen Entscheidungen
Die Philadelphia Eagles stellen aktuell den teuersten Backup-Quarterback der NFL: Carson Wentz. Am Zug nämlich ist Rookie Jalen Hurts - und der neue Mann macht mächtig Eindruck. Das zieht zwangsläufig folgende Frage nach sich: Wie geht es mit Wentz weiter?

"Geld verbrannt": Wenn man hart sein will, kann man den Phildelphia Eagles diese Schlagzeile an den Kopf knallen. Sicher jedenfalls ist: Das NFL-Franchise aus der NFC East, das mit der aktuellen Bilanz von 4:9:1 nur noch leise Hoffnungen auf die Endrunde hat (Washington führt zwei Spieltage vor Schluss mit 6:8), stellt mit dem aussortierten Carson Wentz den teuersten Ersatzmann der gesamten Liga.
2019 hat Philly dem immer wieder auch von Verletzungen zurückgeworfenen Spielmacher einen neuen Vierjahresvertrag für 128 Millionen US-Dollar gegeben. 70 Millionen US-Dollar sind davon garantiert. Doch nicht nur das: Im Jahr 2021 wird Wentz stolze 35 Millionen US-Dollar vom verfügbaren Salary Cap veschlingen (zirka 17 Prozent des Gesamtvolumens) - wichtiger Handlungsspielraum für Transfers oder andere Vertragsverlängerungen ist damit akut eingeengt.
Die vermeintlich einfachste Lösung: Wentz vor die Tür setzen. Das geht aber auch nicht, weil das den Eagles gleich 59 Millionen US-Dollar "Dead Cap" verpassen würde. In den nächsten Jahren bis zu Wentz' Vertragsende nach 2023 sieht es nicht besser aus. So oder so steht demzufolge fest: Ob Wentz bleibt oder nicht, es sieht durchaus düster aus für den finanziellen Spielraum in Philadelphia.
Eines scheint jedenfalls klar: Wentz will nach US-Medien- und Insider-Informationen nicht auf der Bank bleiben. Er akzeptiere eine Backup-Rolle nicht, sondern sehe sich nach wie vor als Starter eines Teams - was notfalls eben auch einen Wechselwunsch des 27-Jährigen, der 2017/18 mit der Mannschaft den Super Bowl gegen die New England Patriots gewonnen hat (41:33, Nick Foles hat den damals verletzten Wentz allerdings wochenlang erfolgreich vertreten), nach sich ziehen könne.
Aus Aussagen nach dem damaligen Super-Bowl-Sieg, Philly sei wirklich "special" für Wentz und die Fans sollen sich schon einmal "an solche Erfolge" gewöhnen, ist aktuell wenig übrig. Der Quarterback soll verärgert darüber sein, wie sich die Dinge entwickelt haben ...

... und wie aktuell nur noch über Rookie Jalen Hurts (Zweitunden-Pick, 53. Stelle) geredet und vom seit zwei Partien zum Starter ausgerufenen Athleten geschwärmt würde. Doch damit muss sich Wentz (nur 16 Touchdowns an den ersten zwölf Spieltagen, 15 Interceptions, sechs Fumbles, 50 kassierte "Sacks") in diesen Wochen abfingen, denn Hurts macht wirklich Spaß. Der 22-Jährige hat in vielen brenzligen Situationen Antworten, wirft gut, läuft viel, weicht Tacklings aus und lässt sich nicht einfach von Abwehrspielern begraben, wie es Wentz zuletzt immer wieder widerfahren ist.
Außerdem stimmt - neben des neu entfachten Enthusiasmus' unter den Fans - auch der sportliche Ertrag: Hurts hat das Team zuletzt zu einem höchst überraschenden 24:21 gegen die starken New Orleans Saints geführt und an diesem Sonntag beim knappen 26:33 bei den Arizona Cardinals wirklich alles in die Waagschlale geworfen. 24 von 44 angekommene Pässe haben für 338 Yards sowie für drei Touchdown-Pässe gereicht, außerdem ist der erneut höchst agile Hurts (hat nach einem Fumble sogar den Ball wieder aufgenommen und nach vorn zu einem Receiver geworfen) einmal selbst in die Endzone gelaufen. Vier Quarterback-Touchdowns in einem Spiel? Das ist dem an die Seitenlinie verbannten Wentz zwischen 2018 und 2020 nicht ein einziges Mal gelungen.
Und auch wenn Eagles-Cheftrainer Doug Pederson noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat, so würde es doch sehr überraschen, wenn Hurts nicht auch weiterhin Starting Quarterback in Phildelphia bleiben würde. Dazu passt auch eine aktuelle Aussage von Pederson nach der Degradierung von Wentz, zitiert von "ESPN": "Carson hat das gemacht, was wir von ihm verlangt haben. Er ist ein Profi. Er zeigt sich weiterhin motiviert und er hilft Jalen. Und ich verstehe auch, dass es eine frustrierende Angelegenheit für ihn ist." Da stellt sich nur eben eine Frage: Wie geht es mit Wentz weiter?
mag