18.08.2022
Browns-Quarterback fehlt elf statt sechs Spiele
Der Name Deshaun Watson bestimmt in dieser Offseason die Schlagzeilen. Nun setzt die Liga vorerst einen Schlussstrich: Die NFL um Commissioner Roger Goodell hat die Sperre für den am öffentlichen Pranger stehenden Quarterback Deshaun Watson von ursprünglich sechs auf nunmehr elf Spiele erhöht. Satte Geldstrafe inklusive.

Sechs Spiele: So lautete das Urteil Anfang August im Fall von Deshaun Watson. Der für teures Geld gekommene und top-bezahlte Star-Quarterback der Cleveland Browns wurde dazu von der früheren Richterin Sue L. Robinson, die von NFL und Spielerverband NFLPA als Gutachterin ernannt worden war, verurteilt.
Hintergrund: Im März 2021 hatten viele Frauen Watson sexuelle Übergriffe vorgeworfen und Klage eingereicht. Dabei handelte es sich meist um Masseurinnen, mit denen der Athlet noch zu seiner Zeit bei den Houston Texans (2017 bis 2021) zusammengearbeitet hatte. Watson bestritt die Vorwürfe. Von den 24 Zivilklagen gegen den Quarterback - eine 25. war nach der Auflage, Klägerinnen müssten in der Anklageschrift ihren Namen nennen, fallengelassen worden - konnte dieser 23 bereits außergerichtlich beilegen. Auch Watsons Ex-Team aus Texas einigte sich außergerichtlich mit 30 Frauen, die gegen das Franchise vorgehen wollten, weil dieses von den Vorwürfen gewusst und Watson gedeckt habe. Die Aufnahme eines Strafverfahrens wurde schließlich im März 2022 durch eine Geschworenenjury abgelehnt.
Abseits des Zivilrechts war allerdings seither immer eine sportliche Strafe im Raum gestanden, was eben zu den eingangs erwähnten sechs Spielen Sperre durch die eingesetzte Gutachterin geführt hatte. Für viele ein viel zu geringes Strafmaß - offenbar auch für die National Football League um deren Chef Roger Goodell höchstselbst, die damals Anfang August auch direkt Berufung eingelegt hatte.
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NFL-Insider hatten diesbezüglich zuletzt immer wieder davon berichtet, dass die Liga den Spielmacher für die komplette kommende Saison sperren wollte - und die Spielerorganisation deshalb auf einen Kompromiss ausgewesen sei.
Dieser Kompromiss wurde am frühen Donnerstagabend (MESZ) publik - und ist zugleich rechtlich bindend, also gültig und von Watson sowie den Cleveland Browns nicht mehr anfechtbar: Der Quarterback, der sportlich auf dem Feld von seinem Ersatzmann Jacoby Brissett vertreten werden wird, wurde von der NFL für weitere fünf Spiele gesperrt, wird damit elf der insgesamt 17 Regular-Season-Spiele fehlen - und währenddessen kein Geld erhalten. Die Disziplinarstrafe umfasst zudem noch eine Geldstrafe von fünf Millionen US-Dollar - und darüber hinaus eine professionelle Bewertung durch Verhaltensexperten, deren Behandlungsprogramm der 26-Jährige absolvieren muss.
Mit Watsons Geldstrafe und Beiträgen der NFL sowie der Browns in Höhe von jeweils einer Million US-Dollar wird ein Fonds in Höhe von sieben Millionen US-Dollar eingerichtet. Dieser Fonds wird die Arbeit von gemeinnützigen Organisationen im ganzen Land unterstützen, die junge Menschen über gesunde Beziehungen aufklären, Prävention von sexuellem Fehlverhalten anstreben und Übergriffe in Form von sexualisierter Gewalt ablehnen.

"Ich bin dankbar, dass das Disziplinarverfahren beendet ist - und sehr dankbar für die enorme Unterstützung, die ich während meiner kurzen Zeit bei der Browns-Organisation erhalten habe", wird der ab 30. August und dann bis 28. November gesperrte Watson in einer von Cleveland veröffentlichten Erklärung zitiert. "Ich entschuldige mich noch einmal für alle durch diese Situation entstandenen Schmerzen. Ich übernehme die volle Verantwortung für die Entscheidungen, die ich getroffen habe. Mein Fokus liegt in Zukunft darauf, daran zu arbeiten, auf und neben dem Platz die beste Version meiner selbst zu werden und meine Teamkollegen so gut es geht zu unterstützen, während ich nicht im Team bin. Ich bin gespannt, was die Zukunft in Cleveland für mich bereithält."
"Deshaun hat sich verpflichtet, die harte Arbeit an sich selbst zu leisten, die für seine Rückkehr in die NFL notwendig ist", erklärte derweil NFL-Commissioner Goodell über den Profi, der in Week 13 ausgerechnet gegen sein ehemaliges Team aus Houston zurückkommen könnte. "Dieser Vergleich erfordert die Einhaltung eines professionellen Bewertungs- und Behandlungsplans, eine beträchtliche Geldstrafe und eine längere Suspendierung. Wir sind Richter Robinson und Peter Harvey dankbar für ihre Bemühungen, diese Angelegenheiten zu klären, die die Grundlage für diese Einigung bildeten."
mag