08.07.2026
Schwacher Saisonstart
Mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen befinden sich die Berlin Rebels punktgleich mit den Kiel Baltic Hurricanes kurz vor der Relegation. Der Playoffanwärter weiß, dass er einen knallharten Schedule in den ersten Wochen zu absolvieren hatte und vertraut auf die Qualität des Kaders. Von nun an müssen Siege her, wenn es mit dem Viertelfinale in der GFL-Postseason noch etwas werden soll.

Zweimal Potsdam, Dresden, Schwäbisch Hall und Pforzheim hießen die bisherigen Gegner der Rebels. Immerhin gab es dank eines knappen Sieges auswärts in Baden bei den Wilddogs den ersten und bisher einzigen Erfolg dieser Saison. Ansonsten gingen alle Partien gegen echte Titelkandidaten, wenn auch oft knapp, allesamt verloren.
Nach einem Spielausfall steht der Hauptstadtclub daher fast auf einem Relegationsplatz und bereits zwei Siege hinter Platz Vier, der zu den Playoffs berechtigt. Doch wer die Rebels kennt, weiß, dass sie nicht aufstecken werden. Erst recht nicht, wenn sie nach einem toughen Saisonstart auf die nächsten Spiele blicken.
Sofern das Nachholspiel gegen die Hildesheim Invaders nicht in die Sommerpause fällt, haben die Rebels nun zwei spielfreie Wochen, ehe man zur Aufholjagd bläst. Auswärts geht es dann zuerst nach Braunschweig und später nach Kiel. Beide sind für die Berliner Pflichtsiege, um den Anschluss an die Playoffs nicht zu verlieren.
Obwohl man vor der Saison Physis und Laufspiel in den Fokus nahm und mit Dual-Threat-Quarterback Tyquell Fields einen weiteren starken Runner im Backfield aufstellte, will das Run Game noch nicht in die Gänge kommen. Zwar spielen die Rebels betont lauflastig, doch die Ausbeute ist bisher mager.
Im letzten Jahr erzielte Runningback Nazar Bombata bei etwa 15 Laufversuchen pro Spiel im Schnitt 6,2 Yards pro Lauf. Dieses Jahr ist sein Average auf magere 1,9 Yards gesunken und aufgrund der Anwesenheit von Tyquell Fields erhält Bombata nur noch achtmal pro Spiel den Ball. Zwangsläufig wird die fehlende Präsenz des Star-Runningbacks irgendwann auch zu Unmut im Kader sorgen.
Wo letztes Jahr die Zermürbungstaktik durch den starken Arm von Connor Kaegi und das physische Run Game von Bombata sehr gut aufging, erleben Fans der Rebels die betonte Physis nun vorwiegend auf dem Strafen-Konto. Denn über 76 Penalty Yards pro Spiel sind viel zu viel und machen genau den Raumgewinn aus, der am Ende für eine knappe Niederlage statt für einen engen Sieg sorgt.

Hauptverantwortlich für die Schwächen im Run Game und die fehlende Disziplin ist Head Coach Lee Rowland. Der erfahrene Hauptübungsleiter kennt den europäischen Football aus dem Effeff und versteht, dass der Druck auf ihn wächst. Nachdem er jedoch erst kurz vorm Saisonstart das Team als Cheftrainer übernahm, musste man Rowland und seinem neu formierten Angriff noch etwas Eingewöhnungszeit gewähren.
Die ist nun aber abgelaufen. Wenn sich jetzt keine Erfolge einstellen, wird es eng mit den gesteckten Zielen. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Die Braunschweig Lions müssen kaum Strafen einstecken und führen unter Quarterback Ryon Thomas eines der besten Laufspiele der Liga ins Feld. Die Düsseldorf Panther haben gerade erst den Quarterback gewechselt und den US-Amerikaner Dawson Herl vom schwedischen Vizemeister Stockholm Mean Machine verpflichtet.
Berlin braucht schnell Antworten und die finden sich vor allem in ihren ureigenen Tugenden und der bevorzugten Spielweise ihres Head Coaches Rowland. Physis im Run Game zeigen, statt im undisziplinierten Spiel. Das ist ein schmaler Grat, aber wenn dieser gelingt, schaffen die Rebels im Endspurt die Playoffs und können dort ein unangenehmer Gegner werden.
Philipp Forstner