23.06.2026
Elite der Liga
Running Backs werden im Football gern unterschätzt. Während Quarterbacks Schlagzeilen schreiben und Wide Receiver Highlights generieren, erledigen die Männer im Backfield die Drecksarbeit und prägen am Ende oft genug den Spielverlauf. Wer sind aktuell die besten Rusher der Liga? Wo schlummert echtes Potenzial und wo steckt mehr drin, als der erste Blick auf den Stat Sheet verrät?

Wenn die Unicorns Kelley Joiner einsetzen, läuft es für das gesamte Team. 60 Carries, 632 Rushing Yards und ein starker Schnitt von 10,5 Yards pro Laufversuch führten bisher zu acht Touchdowns in fünf Spielen. Joiner ist der dominanteste Rusher der Liga. Mit seinem Home Run Speed kann er mit einem einzigen Play ein Spiel entscheiden. Als Receiver ist er praktisch kein Faktor. Dafür bewegt sich Joiner zwischen den Tackles der Haller ähnlich effizient wie im offenen Feld. Ein US-Import, der wirklich alle Erwartungen an einen Offensiv-Motor erfüllt.
Dresden gleitet durch die GFL Nord wie ein heißes Messer durch Butter (6-0) und Tofunmi Lala ist dabei weit mehr als ein Nebendarsteller. 348 Rushing Yards und fünf Rushing-Touchdowns stehen für den britischen Youngster zu Buche. Dazu kommen 15 Catches aus dem Backfield und fast keine fallen gelassenen Bälle. Lala ist weniger explosiv, aber dafür variabel und sehr zuverlässig. Er ist im Run- und im Pass-Game eingebunden und scheint immer das Richtige zu tun. Das sollte niemand in der GFL unterschätzen.
Matti Probst ist für mich der spannendste Name auf dieser Liste. Der Invader läuft mit 6,5 Yards per Carry sehr effizient und erzielte bereits zwei Rushing- und zwei Receiving Touchdowns über das Receiving-Game. Bei 10 Catches und 127 Yards, was einem starken Schnitt von 12,7 Yards entspricht, hat er die Rolle des nominellen Tight Ends längst verlassen. Denn der Allrounder lief bereits 44 Plays aus dem Backfield und liest Freiräume so gut, als würde er schon jahrelang die Rolle des Running Backs bekleiden. Hildesheim spielt mit 5-1 ganz oben mit. In seiner veränderten Rolle ist Probst die Neuentdeckung dieser Saison.
Maximilian Mayer ist nicht immer spektakulär, aber sehr effektiv. Aus dem Backfield erzielte der Running Back insgesamt 586 Yards Raumgewinn und sogar mehr als Receiver durch die Luft als am Boden. Mayer ist das Schweizer Taschenmesser der Cowboys-Offense und vor allem auch ein sehr wichtiger zusätzlicher Blocker für Quarterback Nicholas Semptimphelter. Leider muss Mayer immer wieder miterleben, wie er sein Team durch starke Plays in die Red Zone führt, um dann das Touchdown-Play auf Wideout Gabriel Boccella abzugeben. Da hat das Gesamtpaket noch Potential. Doch der Macher ordnet sich bisher mannschaftsdienlich mit seiner Rolle ein und ist vielleicht sogar der beste deutsche Running Back in der GFL.

Düsseldorf erlebt eine schwierige Saison (1-4), aber Gennadiy Adams sticht bei den Panthern heraus. Mit 43 Carries und 20 Receptions bringt es der erfahrene Running Back auf vielseitige 448 Total Yards. Doch leider ist sein Spiel, wie das der gesamten Düsseldorfer Offense, fehleranfällig. Wenn sie da sicherer werden, dürfte die Relegation kein Thema mehr für die Panther sein und Adams würde sich endgültig unter den besten Running Backs der Liga etablieren. Die Statistik stimmt zumindest erstmal. Nur das Endresultat noch nicht.
Abana hat erst vier Spiele absolviert und steht trotzdem bei 255 Rushing Yards und zwei Touchdowns. Kontinuität, wie bei Lala oder Mayer, fehlt dem Regensburger bisher. Aber die Explosivität ist spürbar und wird allmählich zur echten Gefahr für gegnerische Defenses. Wenn Abana sein Spiel zwischen den Tackles über die Saison entwickelt, kann Regensburg mit seiner Hilfe das untere Tabellendrittel verlassen.
Philipp Forstner