17.06.2026
GFL-Kolumne
Zum Touchdown braucht es neben dem Quarterback auch jemanden, der den Pass fängt. In dieser GFL-Saison 2026 stechen sechs Wide Receiver auf ihre Art und Weise heraus. Fünf US-Imports mit eindrucksvollen Lebensläufen, aber auch ein deutsches Eigengewächs, das jede Woche beweist, wie sehr das Niveau im deutschen Oberhaus über die letzten Jahre gestiegen ist.

Fangen wir mit dem deutschen Spieler an, über den vor dem Sommeranfang wohl am meisten geredet wird. Paul Terjung ist das neue Gesicht der Hildesheimer Offense. Bereits zum Saisonauftakt gegen die Allgäu Comets fing Terjung einen 90-Yard-Touchdown-Pass von Quarterback Nelson Hughes und erzielte ein Big Play, das die Zuschauer von ihren Sitzen riss.
Über die letzten Wochen brachte es der junge Playmaker auf insgesamt 34 Catches für 489 Yards und fünf Touchdowns. Vor allem seine sehr geringe Drop-Rate macht Terjung aber zur wichtigsten Anspielstation seines Quarterbacks, weil er auch auf tiefen Routen gefährlich bleibt und an seinen Fähigkeiten kontinuierlich arbeitet.
Eigenschaften, die ihn so besonders machen, sind der hohe Speed und die Agilität, die zu vielen Yards after Catch führen. Gleichzeitig hat er mit seinem Head Coach Marcus Herford, einem ehemaligen Power-Five-College-Receiver, energisch an seinem Ballverhalten gearbeitet, womit sein Potential immer mehr ausgeschöpft wird. Wenn der 20-jährige weiter sein Route Running definiert und Defenses konstant schlägt, kann er zukünftig sogar alle US-Receiver dieser Liga in den Schatten stellen. Die Frage ist dabei weniger, ob das passieren wird, sondern wann Paul Terjung den nächsten Sprung auf der Entwicklungsleiter nimmt.
Wer Gabriel Boccella nicht kennt, hat die letzten Jahre in der GFL verpasst. Allein in der Saison 2025 verbuchte der US-Amerikaner neun von insgesamt 23 Cowboys-Touchdowns und damit fast 40 Prozent der Gesamtproduktion seiner Offense. Boccella ist damit die stärkste Waffe im Arsenal von Head Coach Christos Lambropoulos.
Boccella ist der Typ Receiver, der keine langen Erklärungen braucht. Er startet meistens von außen und zieht dann über vertikale Routen auf. Sein Quarterback Nicholas Semptimphelter findet seine Anspielstation mit gutem Timing und sicheren Fanghänden in diesem Jahr bereits für 701 Yards bei 41 Catches und elf Touchdowns.
Doch Vorsicht! Teams schießen sich immer mehr auf Boccella als alleinigen Playmaker der Cowboys ein und nehmen ihn in Doppel-Deckung, wo sie nur können. Allein ist er nicht zu stoppen, doch das letzte Spiel gegen die Schwäbisch Hall Unicorns hat offenbart, dass es Boccella im Route Running fehlt und er sich gegen Sonderbewacher nicht mehr so leicht durchsetzt.
Jedoch ist das leichter gesagt als getan, denn selbst in diesem Spiel konnte der Ausnahmespieler weder von der Endzone ferngehalten, noch von neun Catches gelöst werden. Doch es wäre nicht vorstellbar, wie gefährlich die Cowboys-Offense agieren könnte, wenn Boccella einen weiteren gefährlichen Receiver im Tandem an seiner Seite wüsste.

Wenn der amtierende Deutsche Meister jemanden als direkten Ersatz für einen Schlüsselspieler verpflichtet, sollte man aufhorchen. Maximilian McLeod stammt aus Seattle, ist 1,87 Meter groß und wusste während seiner College-Karriere zu beeindrucken. Von 2019 bis 2024 spielte er für die Colorado School of Mines in der NCAA Division II und verzeichnete in 56 Spielen 290 Receptions für 4.688 Yards und 54 Touchdowns. Damit rangiert er auf Platz Vier der All-Time-Receiving-Yards-Liste seiner Division.
In Potsdam hat er in diesem Frühjahr sofort geliefert und machte sogar den zeitweiligen Verlust von Milan Spiller wett. Bereits im ersten Heimspiel der Royals gegen die Braunschweig Lions fing McLeod früh im ersten Quarter einen Touchdown-Pass von Quarterback Xeaiver Bullock und half dabei mit, in jedem Spiel den Score in die Höhe zu treiben.
Was mich bei McLeod begeistert, sind nicht die athletischen Attribute. Er verschafft sich Platz durch Technik, Spielverständnis und Verhalten am Catch Point. Sein Quarterback Bullock bekommt von ihm alles, was er braucht, um zu dominieren. Denn neben seinen 29 Catches für 422 Yards und fünf Touchdowns verhält sich McLeod auch äußerst mannschaftsdienlich im Blocking zur Unterstützung des Run Games. Außerdem ist er ein ganz anderer Spielertyp als Rückkehrer Spiller, was die Passing Offense nur schwer ausrechenbar macht.
Joshua Youngblood ist ein Spieler, der einen Tick zu gut für sein Umfeld ist. Als Freshman an der Kansas State verdiente er sich mit drei Kickoff-Return-Touchdowns die First Team All-Big 12-Auszeichnung sowie den Titel des Conference Special Teams Player of the Year. Danach schlug der vielseitige Playmaker über Rutgers, Delaware und ein Jahr in Finnland aber einen ungewöhnlichen Weg ein.
Bereits in Woche 1 der GFL-Saison führte Youngblood das Feld bei den Receiving Yards an und setzte bei seinem Debüt ein klares Statement. Youngblood zeigte mehrfach seine Klasse als Receiver und definierter Route Runner mit hervorragenden Ball Skills und großer Gefahr für Yards after Catch. Für die Special Teams gibt er seinem Team zusätzlich einen Schub.
Doch Saarland hat als Team insgesamt noch Luft nach oben. Er wird die Hurricanes nicht alleine retten. So wechselte man nun vor der Saison-Halbzeit Quarterback Norman Douglas aus und verpflichtete Jaylen Tregle, der mehr Rhythmus in den Angriff bringen soll, damit Youngblood sich frei entfalten kann. Er erzielt bereits jetzt die meisten Yards after Catch (210) in der gesamten Liga und könnte der wichtige Baustein zum Klassenerhalt sein.
Fünf Spiele, fünf Siege. Dresden marschiert durch die Saison. Dabei ist Montigo Moss eine zentrale Figur dieser Offense. Der 23-jährige US-Amerikaner aus Charlotte absolvierte fünf Jahre für die Black Bears der University of Maine und kam dort auf 143 Receptions, 1.692 Yards und 16 Touchdowns in 46 Spielen. In seiner Abschluss-Saison führte er sein Team in allen Receiving-Kategorien an. Die Zahlen sprechen für sich und so erhielt Moss als Rookie sogar eine Einladung zum NFL-Minicamp der Minnesota Vikings.
In Dresden sollte Moss in den ersten Wochen die Fußstapfen von Tyler Hudson füllen, der in der Vorsaison 24 Touchdowns erzielte. Große Erwartungen an Moss, die er bisher erfüllen kann. Im Spiel gegen die Berlin Rebels fing er gleich drei Touchdowns und es schien, als hätte die gegnerische Defense keine Idee, wie sie den Sohn eines Pro Football Hall of Famers verteidigen soll.
Was Moss nämlich von vielen Receivern unterscheidet, ist seine Qualität im Aufspüren von Lücken in der gegnerischen Abwehr. Er gewinnt Duelle in den Schnittstellen und bei Jump Balls nah an der Seitenlinie oder in der Red Zone. Seine Physis und sein Wille führten ihn in diesem Jahr bereits zu sieben Scores in der Endzone, obwohl er den Antritt und Speed anderer Playmaker in der GFL vermissen lässt.

Dann wäre da abschließend noch der Mann aus Chicago, der vergangene Saison die erste Süd-Meisterschaft der Vereinsgeschichte für die ifm Razorbacks Ravensburg mitgeprägt hat. Anthony Harris Jr. liebt es, für die Razorbacks zu spielen und formulierte das vor der neuen Saison bei seiner Rückkehr klar: „Wir haben hier nicht nur ein Team aufgebaut, sondern eine wahre Bruderschaft."
Auf dem Feld ist er einer der vielseitigsten Spieler der Liga als Receiver, Returner und notfalls auch Backfield-Option bei Wild-Cat-Formationen. Beim Heimspiel gegen die Allgäu Comets in Woche 2 war Harris Jr. mit drei Touchdowns mitverantwortlich für ein 65:20-Schützenfest.
Harris beweist vor allem dann Qualität, wenn sein Team sie am dringendsten benötigt und ist aufgrund seiner soliden Zahlen wahrscheinlich der unterschätzteste Receiver in der gesamten GFL. Weniger Lärm und weniger Glamour, dafür der entscheidende Punch im richtigen Moment.
Philipp Forstner