13.09.2026
Historische Aufholjagd
Drei Viertel lang lief für Arch Manning und die Texas Longhorns gegen Ohio State beinahe alles schief. Dann führte der Quarterback sein Team zu drei Touchdown-Drives und einem historischen 24:23-Erfolg über die Nummer eins des Landes.

Eine Interception, kaum Raumgewinn und 20 Punkte Rückstand: Bis zum Schlussviertel erlebte Arch Manning gegen Ohio State einen Abend zum Vergessen. Gut 15 Minuten später feierten die Texas-Fans ihren Quarterback inmitten eines der spektakulärsten Comebacks der jüngeren College-Football-Geschichte.
Die viertplatzierten Longhorns drehten vor 105.044 Zuschauern im Darrell K Royal-Texas Memorial Stadium ein 3:23 gegen die Nummer eins des Landes noch in einen 24:23-Erfolg. Alle 21 Punkte erzielte Texas im Schlussviertel.
Dabei deutete zunächst nichts auf einen großen Abend für Manning hin. Bereits beim ersten offensiven Spielzug verlor Raleek Brown nach einem kurzen Pass den Ball. Ohio State übernahm tief in der Hälfte der Longhorns und ging durch ein Field Goal in Führung.
Auch der zweite Drive endete mit einem Turnover - auf äußerst kuriose Weise. Manning legte einen tiefen Pass stark in den Lauf von Cam Coleman, doch der Receiver konnte den Ball nicht festhalten. Über Umwege landete er bei Ohio States Jaylen McClain, der die ungewöhnliche Interception einsammelte. Während die Buckeyes das Spiel kontrollierten, kam bei Texas auch offensiv alles zusammen.
Ein 37-Yard-Field-Goal von Gianni Spetic blieb bis zur Pause die einzige Ausbeute der Gastgeber. Ohio State legte dagegen ein weiteres Field Goal nach, ehe Julian Sayin zehn Sekunden vor der Halbzeit Jeremiah Smith zum 19-Yard-Touchdown fand. Mit einem 3:20 ging Texas in die Kabine.
Als Connor Hawkins im dritten Viertel aus 48 Yards das nächste Field Goal kickte, schien die Partie beim Stand von 23:3 entschieden. Texas hatte bis dahin noch keinen Touchdown erzielt und musste in seinem nächsten Ballbesitz nach nur drei Spielzügen erneut punten.
Dann aber fand Manning endlich seinen Rhythmus. Von der eigenen Neun-Yard-Linie führte er die Longhorns über 91 Yards bis in die Endzone. Besonders wichtig war sein Pass zu Emaree Winston bei Fourth Down und neun Yards. Zum Beginn des Schlussviertels bediente Manning Ryan Wingo dann aus drei Yards zum ersten Texas-Touchdown des Abends.
Die Defense zwang Ohio State anschließend zu einem schnellen Punt. Manning nutzte auch diese Gelegenheit und hielt den nächsten langen Drive mit einem Zwölf-Yard-Pass zu Emmett Mosley V bei Fourth Down und sechs am Leben. Hollywood Smothers vollendete die Serie mit einem kurzen Lauf zum 17:23.

Ohio State hätte die Aufholjagd in der Folge eigentlich noch stoppen können. Die Buckeyes bewegten den Ball bis an die 27-Yard-Linie der Longhorns, doch Hawkins setzte seinen Field-Goal-Versuch aus 45 Yards vorbei. So bekam Texas den Ball vier Minuten vor dem Ende zurück - und benötigte nun einen Touchdown.
Manning brachte zunächst zwei Pässe zu Mosley an. Raleek Brown und Smothers hielten den Drive anschließend am Boden am Leben, ehe Mosley nach einem kurzen Pass bis an die Ein-Yard-Linie vorstieß. Dort brauchte Texas drei Versuche. Mit noch 25 Sekunden auf der Uhr drückte sich Smothers schließlich in die Endzone. Spetics Extrapunkt bescherte den Longhorns ihre erste Führung des Abends.
Ohio States letzter Verzweiflungsversuch endete mit einer Interception durch Graceson Littleton. Nach zwei Niederlagen gegen die Buckeyes in den vergangenen beiden Spielzeiten war für Manning damit auch eine persönliche Rechnung beglichen. "Wir durften nicht noch einmal gegen sie verlieren", sagte er nach dem Spiel bei ESPN. "Ich hatte wegen des Spiels im vergangenen Jahr Albträume."
Texas stellte mit der Aufholjagd mehrere bemerkenswerte Marken auf. Seit 2004 hatten Teams auf Platz eins der AP Top 25 alle 197 Spiele gewonnen, in denen sie im vierten Viertel mit mindestens 20 Punkten führten. Die Longhorns durchbrachen diese Serie mit drei Touchdown-Drives über insgesamt 236 Yards und 40 Spielzüge.
Für Texas war es das zweitgrößte Comeback innerhalb eines vierten Viertels in der eigenen Geschichte. Zuletzt hatten die Longhorns 2007 gegen Oklahoma State einen entsprechenden Rückstand gedreht. Gleichzeitig besiegten sie erstmals seit 1950 wieder ein Team auf Platz eins der AP-Rangliste.
Mannings Gesamtstatistik spiegelte die Qualität seines Auftritts nur teilweise wider. Er brachte 23 von 37 Pässen für 195 Yards und einen Touchdown und eine Interception an. Im Schlussviertel komplettierte er acht von elf Versuchen für 83 Yards und einen Touchdown. Zusätzlich erlief er insgesamt 24 Yards.
"Er war bereit, die kurzen Pässe zu nehmen und seine Beine einzusetzen", lobte Head Coach Steve Sarkisian seinen Quarterback nach dem Spiel. Vor allem Mannings Kampfgeist habe das Comeback ausgelöst. Danach habe der Quarterback wieder darauf vertraut, dass seine Mitspieler die entscheidenden Plays machen würden.
Julian Sayin beendete die Partie mit 17 erfolgreichen Pässen bei 32 Versuchen für 278 Yards, einen Touchdown und eine Interception. Jeremiah Smith fing acht Pässe für 164 Yards und einen Touchdown. Nach der Pause brachte Ohio State allerdings nur noch drei Punkte zustande.
Auch mit Blick auf den NFL Draft 2027 dürfte Mannings Leistung Aufmerksamkeit erzeugen: Weniger seine nüchternen Zahlen als der Umgang mit Rückschlägen und Druck könnte bei den Scouts Eindruck hinterlassen haben.
Texas empfängt am 19. September UTSA und könnte nach dem Sieg gegen Ohio State an die Spitze der AP Top 25 springen. Die Buckeyes treffen am selben Tag auf Kent State.