08.09.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Endlich ist es so weit: Die neue Regular Season startet in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag! Dann wird auch wieder hitzig über die Quarterbacks der NFL diskutiert. Zum Start der neuen Saison sortiert Adrian Franke alle 32 Starter im großen Quarterback Ranking.

Der klare Favorit, um als Erster seinen Startplatz zu verlieren. Die Tatsache, dass Watson überhaupt zum Starter in Cleveland ernannt wurde, sorgte unmittelbar für Diskussionen und könnte gleichzeitig ein alarmierendes Statement über die Entwicklung von Shedeur Sanders sein. Es ist ein offenes Geheimnis, was die Fanbase über Watson denkt - und wenn das Argument für Watson tatsächlich sportlich so stark ist, ist das kein gutes Zeichen für die Quarterback-Alternativen in Cleveland.
Watson hat letztes Jahr infolge seines wiederholten Achillessehnenrisses gar nicht gespielt. Das letzte Mal, dass Watson über 270 Dropbacks in einer Saison hatte, war 2020 für die Texans - also noch vor seinem Mega-Trade und des anschließenden Skandals. Das war damals 2020 auch überhaupt das letzte Mal, dass Watson über einen längeren Zeitraum gut gespielt hat.
Das ist, außerhalb von den Verletzungen, das Thema der ganzen Watson-Browns-Geschichte. Der Spieler, der er einst in Houston war, dieser - rein sportlich gesprochen - aufregende junge Quarterback, der ein Team trägt und scheinbar auf dem Weg in das Elite-Tier war, der scheint nie in Cleveland angekommen zu sein. Und nach vier Jahren gibt es wenig Grund, zu erwarten, dass sich das noch ändert.
Wenn Watson der Favorit darauf ist, als Erster seinen Startplatz zu verlieren, ist Tua Tagovailoa in der Kategorie die Nummer 2. Der Hawaiianer, den das neue Regime als erste große Amtshandlung in der Offseason nach Atlanta geholt hatte, lief schon sehr akut Gefahr, das interne Quarterback-Duell gegen Michael Penix zu verlieren, noch bevor Penix überhaupt aktiv in dieses Duell eingestiegen war. Erst Anfang dieser Woche ernannten die Falcons Tua zum Starter.
Penix musste erst noch seine Reha nach dem Kreuzbandriss abschließen, doch Tuas Auftritte waren so wacklig, dass er diese Chance nicht nutzen konnte, um sich zumindest als klarer Starter vor dem Start der Saison zu etablieren.
Das ist eine bittere Erkenntnis. Gleichzeitig aber darf sie nach dem, was wir letztes Jahr von Tua in Miami gesehen haben, auch nicht wirklich überraschen. Seine besten Jahre kamen bei den Dolphins unter Mike McDaniel, als seine Qualitäten als Quick Game Passer bestmöglich maximiert wurden.

Das aber war immer in erster Linie ein Produkt des Schemes. Und je mehr Defenses diese Dolphins-Offenses in der Hinsicht attackieren konnten, desto mehr wurden Tuas Defizite deutlich. Letztes Jahr nicht zuletzt in Form von massiven Turnover-Problemen. Die Falcons haben gute Waffen und Kevin Stefanski als neuer Head Coach sollte eine Quarterback-freundliche Offense spielen lassen. Vielleicht geht das für einige Wochen gut. Ich erwarte selbst das nicht wirklich.
Talentierte Rookie-Quarterbacks, die in so offensichtlich desolate Situationen geworfen werden, sind vor Jahr 2 mit die größte Wundertüte auf der Position. Umso mehr, wenn sie im Kontext der schlechten Situation untergegangen sind. Und man sich fragen muss, wie sehr man den Quarterback dafür kritisieren muss. Klar ist: Die Umstände in Tennessee wurden signifikant besser, dementsprechend ist auch ein spürbarer Sprung in Wards Leistungen zu erwarten.
Durch die verbesserten Umstände bei den Titans sollten wir zumindest ein sehr viel klareres Bild in der Analyse von Cam Ward bekommen. Denn aktuell fehlen diesem Puzzle noch zu viele Teile. Es gab die Flashes, es gab die einzelnen Momente mit Ward letztes Jahr. Er hat einen guten Arm, er kann aggressiv in seinen Entscheidungen sein, er kann Armwinkel anpassen und aus unsauberer Plattform agieren.

Gleichzeitig sind seine Mechanics noch auffallend inkonstant, was zu Accuracy-Problemen führt. Und im Zuge seiner Aggressivität, kombiniert mit den schlechten Umständen, traf er als Rookie noch zu viele wilde Entscheidungen. Ball Security war ein Thema. Und diese Dinge setzten sich in der Preseason fort. Im Vergleich der Rookie-Quarterbacks war er weniger konstant aus der Pocket als Tyler Shough, und er ist nicht der mobile Playmaker, der Jaxson Dart sein kann.
All das macht Ward schwer greifbar. Machen sich die Investitionen der Titans in die Offense in einem Leistungssprung von Ward bemerkbar, wird er hier auch deutlich klettern. Stagniert er aber, wird in Tennessee nach der Saison und unter einem Regime, das Ward nicht gedraftet hat, anders über die Quarterback-Frage diskutiert werden.
Seit einigen Jahren befinden wir uns in einer sehr spezifischen Quarterback-Periode. Es ist eine Phase, in der man gut beraten ist, talentierte und deshalb einstmals hoch gedraftete Quarterbacks nicht abzuschreiben, selbst wenn die bisherige NFL-Karriere das nahelegen würde.
Geno Smith war ebenfalls einer dieser Quarterbacks, der aus dem Nichts seine Karriere um 180 Grad wenden und bei seinem vierten NFL-Team seine besten Leistungen abrufen konnte. Wer 2022 sicher war, dass der Neustart in Seattle eine Bauchlandung wird, wurde von Smith eines Besseren belehrt.
Doch hatte der nunmehr 35-Jährige diesen Turnaround bereits - und so lautet die Frage bei ihm: Kann er es noch einmal? Denn wer - so wie ich - nach sehr guten Leistungen 2022 bis 2024 in Seattle davon überzeugt war, dass die Raiders mit Smith zumindest einen gewissen Standard auf der Quarterback-Position bekommen, sah sich dieses Mal in negativer Hinsicht getäuscht.
In zugegebenermaßen verheerenden Umständen gelang es Smith nicht, die Offense zu tragen. Nachdem er auch in Seattle eindimensionale Units mit schlechten Offensive Lines mit seiner Aggressivität deutlich besser gemacht hatte, war er bei den Raiders in erster Linie ein Turnover-Magnet. Und das nicht nur, weil seine riskante Spielweise häufiger bestraft wurde. Smith warf auch haarsträubende Picks, bei denen er fast lustlos wirkte.
Welche Version bekommen wir jetzt zurück bei den Jets, die ihn einst gedraftet haben? Die Umstände sollten besser sein, aber Smith wird auch hier selbst viel tragen müssen. Im besten Fall bekommen die Jets den Gunslinger, den Seattle drei Jahre lang gehabt hat. Wenn die Raiders-Saison aber der Anfang vom Ende war, könnte es auch in New York sehr hässlich werden.
Natürlich wird von Anfang an das Narrativ über Cousins hängen, dass nach jedem wackeligen Auftritt die Rufe nach Top-Pick Fernando Mendoza lauter werden. Damit muss er leben - und im Gegensatz zu seiner glücklosen Falcons-Zeit wusste er hier, dass das höchstwahrscheinlich sein Schicksal sein wird, als er bei den Raiders unterschrieben hatte.

Cousins hat letztes Jahr für die Falcons nur 269 Bälle geworfen, war aber selbst in diesem Zeitraum auffallend inkonstant. Nachdem er sich 2024 in seiner ersten Saison in Atlanta eine ganze Reihe übler Turnover und Beinahe-Turnover geleistet hatte.
Wir wissen nicht genau, was wir von einem 38-jährigen Cousins an diesem Punkt seiner Karriere bekommen, angesichts der Situation mit Mendoza dahinter tendiere ich dazu, ihn eher niedriger zu ranken. Aber dabei sollte nicht unter den Tisch fallen, dass Cousins ein guter Scheme Fit für Klint Kubiaks Offense ist und diese Offense deutlich besser zu ihm passen sollte.
Cousins hat die Aggressivität über die Mitte des Feldes und auch aus einer engen Pocket, mit der Kubiak in Person von Sam Darnold letztes Jahr in Seattle arbeiten konnte. Das erwarte ich hier auch. Und wenn Cousins das halbwegs konstant abrufen kann, wird es bis in die zweite Saisonhälfte dauern, ehe wir Mendoza sehen.
Man kann sehr direkt und sehr ehrlich sagen, mit welcher Art Starting Quarterback wir es bei den Cardinals zu tun haben: Jacoby Brissett ist ein guter Scheme Fit für das, was der neue Head Coach Mike LaFleur mutmaßlich machen will. Er hat letztes Jahr bereits gezeigt, dass er tough aus der Pocket spielen kann, dass er gegen Druck Downfield geht und dass er mit seinem Arm und seiner Statur in der Lage ist, auch die Mitte des Feldes zu öffnen. Er ist die klar beste Week-1-Option, die Arizona zur Verfügung hat.
Er ist auch ganz eindeutig nicht die langfristige Quarterback-Lösung.
Vielleicht wird das Carson Beck, sollte der Drittrunden-Rookie überraschen. Wahrscheinlicher ist, dass die Cardinals im kommenden Draft sehr hoch einen Quarterback auswählen werden.
Brissett ist eine Übergangslösung, ein klassischer Bridge-Quarterback, der aber nicht die Upside hat, die Sam Darnold oder Baker Mayfield oder Daniel Jones zu ihrem zweiten Karriere-Frühling verholfen hat. Aber Arizona hat gute Waffen - und Brissett hat bereits letztes Jahr gezeigt, dass er in seiner Rolle als klassischer Pocket Passer in der Lage ist, diese Waffen in Szene zu setzen. Selbst mit einer sehr hohen Workload.
Das ist der Grund dafür, dass er zum offensiven Floor beitragen kann. Und den braucht LaFleur im ersten Jahr, um anschließend darauf aufbauen zu können.
Die vielleicht größte Quarterback-Wild-Card dieser Saison. 209 Dropbacks hat Malik Willis in seinen vier NFL-Saisons angesammelt, ganze 47 waren es letztes Jahr. Die aber hatten maßgeblich dafür gesorgt, dass er als der interessanteste Quarterback dieser Free Agency auf den Markt kam.
Natürlich ist das Potenzial hier ein starkes Argument. Der 27-Jährige ist ein spektakulärer Runner, ein extrem explosiver Athlet, der jederzeit am Boden - oder auch mit seinem Arm durch die Luft - ein Big Play auflegen kann. Ein starkes Pfund, während so viele Teams derzeit händeringend nach Wegen suchen, offensive Explosivität wiederzufinden.
Aber spezifisch als Passer hat Willis bislang noch nicht viel gezeigt. Kann er ein konstanter Ballverteiler sein? Wie weit ist er nach vier Jahren in der NFL, was das Tempo seiner Progressions angeht? Wie konstant ist seine Accuracy?

Und, all das zusammengeführt: Wie spezifisch muss die Offense sein, die die Dolphins entwerfen, damit sie mit Willis funktioniert? Simple Reads zu kreieren, weil der Quarterback ein zentraler Faktor im Run Game ist, ist schön und gut. Aber darauf werden Defenses sich schnell einstellen.
Willis hat von allen Quarterbacks auf dieser Liste die größte Bandbreite, was eine mögliche Platzierung nach der Saison angeht. Vielleicht wird klar, dass er nicht die Antwort für Miami sein kann und er findet sich auf einem der hinteren zwei, drei Plätze wieder. Vielleicht zeigt er, dass er nach seinen guten Eindrücken als Jordan-Love-Ersatz bei den Green Bay Packers ein legitimer Starting Quarterback ist, trägt dieses Dolphins-Team zu fünf, sechs Siegen und ist am Ende ein Top-18-Quarterback. Beides ist realistisch denkbar.
In seinen besten Momenten sah Jaxson Dart letztes Jahr wie ein Quarterback aus, der eine Offense in den Rucksack packen und über die Ziellinie tragen kann. Manchmal fast im wahrsten Sinne des Wortes, waren es doch seine Playmaker-Qualitäten, die immer wieder aufgefallen waren. Dart ist ein athletischer Quarterback, der Plays außerhalb der Pocket, sowie auch als Runner machen kann.
Das ist gut, diese Momente sind das, was Giants-Fans Hoffnung geben darf. Aber zwei wichtige Punkte sind für den vollen Kontext notwendig: Kein Quarterback ist mittel- oder gar langfristig erfolgreich, wenn er in erster Linie auf diese Art gewinnt. Und Dart spezifisch hat nicht die physischen Tools von Ausnahme-Quarterbacks in der Hinsicht - man denke an Cam Newton oder den früheren Josh Allen - um auf diese Art und Weise weiterzumachen.
Das führt unmittelbar zum wichtigsten Punkt und dem, was Dart in seiner zweiten Saison zeigen muss: Seine Mechanics müssen deutlich konstanter werden, er muss viel geradliniger in seinem Dropback und als Passer aus der Pocket werden. Dieses verlässliche Ballverteilen, das unspektakulär, aber notwendig ist, um eine Offense im richtigen Rhythmus zu halten, das fehlt seinem Spiel bislang.
Und das ist nicht allzu überraschend, immerhin kam Dart aus einer sehr simplen College Offense und wurde dann vom ehemaligen Giants-Cheftrainer Brian Daboll (inzwischen OC der Titans) in entsprechend einfache Strukturen gepackt, damit der Übergang in die NFL gelingt. Jetzt muss er eine neue Offense lernen und wird unter einem neuen Head Coach - John Harbaugh - arbeiten. Darts Entwicklung kann 2026 komplett in zwei Richtungen gehen.
Es ist Teil von Bryce Youngs NFL-Geschichte, wie beachtlich er sich zurückgekämpft hat. Wie er es geschafft hat, seine verkorkste Rookie-Saison und den Verlust seines Startplatzes in Jahr zwei zu überwinden und die Panthers im Vorjahr in die Playoffs (31:34 in der Wild Card Round gegen die Rams) zu führen.
Und diese Formulierung würde ich ihm so geben. Young ist zwar nach wie vor viel zu inkonstant und man weiß Woche für Woche nicht, was man von ihm bekommt. Aber mit einer immer noch schwachen Defense und einem überschaubaren Run Game waren es die einzelnen exzellenten Auftritte von Young vor allem in der zweiten Saisonhälfte - gegen die Rams, gegen die Bucs, gegen die Falcons unter anderem -, die maßgeblich dazu beigetragen hatten, dass es Carolina in die Playoffs schaffte.
Damit ist man auch schon in dem Part der Analyse, warum Young auch vor seiner vierten Saison ein Quarterback ist, den man genauso wenig abschreiben kann, wie dass man ihn als langfristigen Franchise-Quarterback bezeichnen würde. Denn auf jedes spektakuläre Spiel kommen zwei bis drei unauffällige, oder schlichtweg schlechte Partien. In zwölf von 16 Regular-Season-Spielen blieb Young letztes Jahr unter 200 Passing Yards.
Er hat offensichtliche Limitationen was Größe, Robustheit in der Pocket und Armstärke angeht. Defenses, die ihn dazu zwingen, den Ball schnell konstant über die Mitte zu verteilen, stellen ihn meist vor große Probleme.
Die Frage bei Young vor der kommenden Saison ist nicht, ob er das Zeug zum Top-10-Quarterback hat. Die Frage ist, ob er in die Jared-Goff-/Brock-Purdy-Gruppe klettern kann. Denn nach drei Jahren ist er noch eindeutig außerhalb dieses Tiers.
Tyler Shough hatte als Prospect nie die Upside, die seine Draft-Kollegen Dart (Giants) und Ward (Titans) mitbrachten. Das würde ich auch nach der Rookie-Saison der drei weiterhin sagen. Aber Shough hatte die beste Rookie-Saison aus diesem Trio - und das auf eine Art, die die Prognose sehr viel klarer macht.

Denn wo bei Ward und Dart die Frage danach im Raum steht, ob die beiden das Level als Konstanz als Passer entwickeln können, das es braucht, um in der NFL längerfristig zu starten, war das die große Stärke in Shoughs Spiel bis dato. Shough war der beste Quick Game Passer unter den Vorjahres-Rookies, er war ein verlässlicher Ballverteiler und hatte sogar einige Big Plays. Nicht so spektakulär wie insbesondere Dart, aber die Downfield-Aggressivität war mehr als ausreichend.
Seine Schwachstellen sind das, was man auch vor dem Draft bereits erwarten konnte. Er neigt dazu, Pässe auch mal fälschlicherweise zum ersten Read zu feuern, oder, anders formuliert, sich nicht von seinem Read zu lösen. Dieses Thema hatte er bereits im College. Auch sein Pocket Management muss noch sicherer werden.
Shough wird vermutlich nie ein Top-5-Quarterback. Aber er ist derjenige außerhalb der Top-22-Kandidaten, der in der kommenden Saison am ehesten den Sprung in die Top-16 schaffen könnte.
Wie viel Vintage-Aaron-Rodgers hat der 42-Jährige noch im Tank? Das ist die große Frage vor seiner finalen NFL-Saison. Denn im Vorjahr warf er den Ball kürzer als jeder andere Starting Quarterback und er wurde ihn schneller los als fast jeder andere, nur Goff und Tua konnten ihn hier noch unterbieten.
Der Großteil der Steelers Passing Offense sah so aus: Rodgers in der Shotgun, ein kurzer Dropback, ein schneller Pass. Vielleicht tief mit Antizipation auf DK Metcalf, häufiger aber kurz zum Running Back oder Tight End.

Das machte die Offense extrem träge, berechenbar und auch ineffizient. Rodgers absolvierte inklusive Playoffs letztes Jahr 17 Spiele, in sechs davon blieb er unter 175 Passing Yards. "A-Rod" hatte neun Spiele mit weniger als 6,5 Yards pro Pass und bei Plays, bei denen der Quarterback den Ball mindestens 2,5 Sekunden lang hielt, hatte nur Joe Flacco weniger Yards pro Pass als Rodgers. Also auch die Big Plays später im Down waren rar gesät.
Inwieweit ändert sich das nach der Wiedervereinigung mit Mike McCarthy sowie den deutlichen Verbesserungen in der Wide-Receiver-Gruppe? Ist das etwas, das Rodgers "auf Knopfdruck" nochmals umstellen kann? Dann wäre das eine interessante Steelers Offense, die deutlich mehr Feuerkraft haben könnte als im Vorjahr.
Vielleicht ist der langjährige Packers-Star mit 42 Jahren aber auch einfach ein Quarterback, der nur noch mit diesem eingeschränkten Skillset operieren kann.
Wir wissen schlicht nicht, welche Version wir nach dem Achillessehnenriss bekommen. Die letzten beiden Quarterbacks, die wir nach dieser Verletzung gesehen haben - Rodgers und Cousins - haben eine Weile gebraucht, ehe sie wieder näher an ihre Vorjahres-Form herankamen. Und Jones' Spiel ist noch mehr auf Mobilität ausgelegt.
Das für sich betrachtet, würde schon genügend Unsicherheit in der Prognose mitbringen. Doch zusätzlich dazu hatte Jones 2025 seine beste Saison seit seiner überraschenden 2022er Giants-Saison, was unweigerlich die Frage mit sich bringt, ob er das bestätigen kann.
Das führt zum eigentlichen Kern der Analyse, nämlich dem Versuch, Jones’ Leistungen zu isolieren und daraus eine Prognose zu basteln. Innerhalb der Colts-Offense konnte Jones letztes Jahr häufiger als jeder andere Quarterback den Ball direkt zum ersten Read werfen, er profitierte sehr von Play Action und dem, in der ersten Hälfte der Saison, besten Run Game der NFL.
Dafür braucht es immer noch einen Quarterback, der tough aus der Pocket spielt und der entschlossen in seinen Reads ist und sich auch nicht vor engen Fenstern fürchtet. All das war Jones, und das erwarte ich auch in der kommenden Saison von ihm.
Aber auch letztes Jahr sahen wir, dass seine Accuracy hier und da etwas mehr wackelt als bei anderen Quarterbacks. Dass sein Pocket Management, wenn er nicht zum ersten Read geht, inkonstant sein kann. Dass dann auch die Turnover wieder mehr kommen können. All das muss man ebenfalls in der kommenden Saison erwarten, umso mehr, wenn Defenses, wie bereits im Vorjahr, besser darin sind, die Offense der Colts schematisch zu entschlüsseln.
Ich bin sehr gespannt darauf, was wir von Murray in dieser Saison bekommen. Wie viel seiner inkonstanten Leistungen in Arizona kann man mit den schlechten Umständen erklären? Ist er nach dem Kreuzbandriss 2022 und der Fußverletzung im Vorjahr noch der dynamische Runner, der er einst war? Ist sein Deep Ball noch das, was er früh in seiner NFL-Karriere war?

Noch interessanter ist aber die schematische Ebene. Murray hatte 2024 in Arizona in einer schematisch ähnlichen Offense eine seiner besten NFL-Saisons als Passer. Insgesamt aber war das Spielen Under Center, das Spielen aus einer engen Pocket, das Ballverteilen über die Mitte des Feldes, all das waren noch nie Stärken von Murray.
Murray ist ein Quarterback, der am besten ist, wenn er Dinge kreieren kann. Als Runner und als Passer. Das heißt nicht automatisch, dass er außerhalb der Play-Struktur spielen muss, am besten ist das in die Struktur der Offense eingebaut. Aber dieser Teil seines Spiels ist das, was ihn ausmacht.
In der aktuellen NFL aber sehen wir, sehr viel mehr als noch vor fünf, sechs Jahren, dass Schemes und Strukturen wieder mehr im Vordergrund stehen. Dass viele Teams in erster Linie Quarterbacks suchen, die verlässlich aus der Pocket spielen. Das hat Sam Darnold oder eben auch Daniel Jones zum verspäteten Karriere-Hoch verholfen.
Murray ist ein anderer Spielertyp. Kevin O'Connells Offense aber ist, zumindest bislang, am besten, wenn sie einen solchen Quarterback hat. Die letzte Saison mit Cousins hat das genauso gezeigt, wie das Jahr mit Darnold. Wie funktioniert seine Offense mit einem zum Starter ernannten Quarterback wie Murray? Kann es vielleicht sogar eine neue Tür im aktuellen Offense-Diskurs öffnen? Oder scheitert dieser Versuch?
Gerade bei Quarterbacks ist es essenziell, in der Analyse nicht zu lange an der eigenen Pre-Draft-Einschätzung zu kleben. Quarterbacks kommen in der NFL häufig in gänzlich andere Umstände verglichen mit dem, was sie im College hatten, und können dementsprechend auch ein anderes Gesicht zeigen. Mal im positiven, mal im negativen Sinne. Individuelle Entwicklungen verlaufen so gut wie nie linear.
C.J. Stroud ist jetzt seit drei Jahren in der NFL - und bei ihm fällt es mir schwer, diesen "Absprung" in der Analyse zu schaffen. Auch wenn es zugegebenermaßen nach seiner Rookie-Saison so aussah, als müsste man ihn hochstufen, steht nach drei Jahren stattdessen ein Quarterback, der gezeigt hat, dass er sehr gute Zahlen auflegen kann, wenn die Umstände passen. Aber der spürbare Probleme bekommt, wenn er Schwachstellen kompensieren muss.
Stroud erinnert mich nach drei Jahren, genau wie vor dem Draft, an Goff zu seinen Rams-Zeiten. Und das ist keineswegs als reine Kritik gemeint, denn wir haben mehrere Top-5-Rams-Offenses mit Goff gesehen. Aber in den Jahren, in denen die Line nicht gut war, brach die Offense verlässlich ein. Diesen Effekt sehen wir bislang auch bei ihm. Stroud ist gut aus der Pocket, er hat einen guten Arm, er feuert Bälle über die Mitte in enge Fenster. Wenn die Dinge ineinander greifen, macht es Spaß, ihm zuzuschauen, weil er ein sehr sauberer Passer ist.
Um in dem Goff-Vergleich zu bleiben: Stroud wird nie der Playmaker sein, der andere Quarterbacks sind. Der nächste Schritt 2026 sollte sein, dass er der Offense mehr Stabilität als Passer gibt, und das bedeutet ganz konkret: Sein Quick Game muss konstanter werden, und er muss, vor allem eben wenn die Dinge nicht wie geplant laufen, die negativen Plays runter schrauben. Letzteres ist als bitterer Beigeschmack bei ihm insbesondere aus den vergangenen Playoffs hängengeblieben.
Bo Nix ist bereits letztes Jahr ein Quarterback gewesen, der die Gemüter spaltet. Weil die größte Konstante seine Inkonstanz ist, wodurch seine Leistungen enorme Ausschläge nach oben und nach unten haben und man sich argumentativ auf beides stürzen kann.
Dabei hatte er regelmäßig seine besten Momente spät im Spiel. Häufig war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Broncos spät noch eine Partie drehten oder verhalf Denver anderweitig zu einem Last-Minute-Sieg. Das ist eine Eigenschaft, die sich jede Fanbase von ihrem Quarterback wünscht. Gleichzeitig ist die logische Folgefrage: Warum musste er überhaupt Spiele so oft spät drehen oder spät gewinnen, mit einer Top-3-Defense auf seiner Seite?
Das lag nicht zuletzt daran, dass Nix selbst noch viel zu häufig für drei Viertel abtauchte. Und manchmal konnte er dann den Schalter noch umlegen, andere Male, auch spät in der Saison, wie etwa gegen die Raiders oder die Jaguars, gelang ihm das nicht.
Die Sample Size mit Nix ist noch immer relativ klein, die Umstände gut bis sehr gut, seine Leistungen waren inkonstant - aber letztes Jahr häufig von Erfolg gekrönt. Das ist nicht nur eine schwierige Diskussionsgrundlage, es führt auch zu einer schwierigen Prognose.
Mit Jaylen Waddle jetzt noch an Bord gehe ich davon aus, dass Denvers Passing Game zusätzlich an Konstanz gewinnen wird. Dazu muss auch Nix beitragen, indem er disziplinierter aus der Pocket spielt und weniger offene Würfe verfehlt. Nix sollte dieses Jahr einen spürbaren nächsten Schritt machen, den man in der Betrachtung auch klar von den Umständen isolieren kann. Dann ist er ein Top-15-Kandidat.
Hurts geht in seine siebte NFL-Saison und ist dennoch eine der größten Wild Cards auf der Position dieses Jahr. Denn mit dem großen schematischen Umbau der Eagles-Offense geht unweigerlich die Frage einher: Wie limitiert ist eine Offense, wenn Jalen Hurts der Quarterback ist? Ist er der zentrale Grund dafür, dass Philadelphia über die letzten Jahre so eine isolierte, statische Offense gespielt hat? Oder überrascht er uns, indem er unter Beweis stellt, dass auch er in einer Shanahan-/McVay-Offense als Passer funktioniert?

Davon hängt nicht nur die Prognose der Eagles-Saison ab, sondern auch die Art und Weise, wie Hurts gesehen wird. Niemand bestreitet, dass er in einigen der größten Spiele der Franchise in den letzten fünf Jahren seine besten Auftritte hatte. Er hat einen Super Bowl gewonnen, all das ist wahr.
Gleichzeitig gelang das in Umständen, von denen nahezu jeder andere Quarterback nur träumen kann. Eine Elite-Line, Top-5-Playmaker, ein sehr gutes Run Game. Und Hurts hat gerade an Letzterem auch seinen Anteil, doch dass er es überhaupt in diese großen Spiele schaffte, wurde stark davon begünstigt, dass das Team um ihn herum so gut war.
Das macht die kommende Saison so faszinierend. Wir werden deutlich mehr darüber erfahren, wie flexibel Hurts ist und was seine Range als Passer umfasst. Hurts ist ein Power-Runner auf der Position, mit einem guten Deep Ball und guter Ball Security. 2026 wird Aufschluss darüber geben, wie viel mehr er sein kann.
Baker Mayfield ist ein Gunslinger, letztes Jahr hat man die gute und die schlechte Version davon gesehen. Ersteres zum Start der Saison, als er den Bucs in den ersten Wochen der Saison mehrfach zu Siegen verholfen hatte. Letzteres im Laufe der Saison, als seine Turnover-Risiken deutlich häufiger bestraft wurden.
Diese Boom-or-Bust-Spielweise muss man auch in der kommenden Saison erwarten. Vielleicht kann der neue Offensive Coordinator Zac Robinson das wieder besser in verlässlich positive Dinge auf dem Platz ummünzen. Aber wenn wir versuchen, die Leistungen des Quarterbacks im Vakuum zu analysieren, vermute ich, dass sich Tom-Brady-Nachfolger Mayfield in dieser 17-bis-20-Range fest einsortieren wird.
Mayfield wird immer bereit sein, sportlich auf einem schmalen Grat zu balancieren. Er hat den Arm dafür, hat aber auch die Tendenz, mit Scheuklappen zu spielen. Niemand wird je seinen Einsatz und seine Playmaking-Qualitäten in Frage stellen. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass Mayfield mit Wut im Bauch in die Saison geht. Und selbst das könnte einen positiven wie auch negativen Effekt haben.

Caleb Williams hatte einen klaren Sprung in Jahr zwei, und ein weiterer Sprung in seiner dritten NFL-Saison sowie seiner zweiten Saison unter Ben Johnson ist eine realistische Prognose. Kommt der, wird Williams hier auch deutlich klettern.
Aber dafür muss er in erster Linie zeigen, dass er die Konstanz als Passer entwickeln kann, die ihm bisher noch fehlt. Williams' Highlights sind sensationell, und vielleicht kein Quarterback hatte letztes Jahr so viele denkwürdige Highlight-Würfe. Das Armtalent steht bei Williams sowieso außer Frage, letztes Jahr waren seine Aggressivität und seine Playmaking-Qualitäten auf eine Art und Weise Teil der Bears-Offensive, wie es mit den meisten Quarterbacks der Kategorie "Game Manager" oftmals gar nicht möglich ist.
Das ist sehr positiv und unterstreicht Williams' sehr hohes Potenzial. Im nächsten Schritt geht es darum, die Baseline zu stabilisieren. Denn um die volle Feuerkraft von Johnsons Offense zu entfesseln, muss Williams’ Accuracy sicherer werden, genau wie seine Entscheidungen vor allem im Quick Game.
Wenn das passiert, und dann die spektakulären Plays als Highlights noch dazu kommen, sprechen wir über einen Top 10 Quarterback.
Die Konstanz als Passer ist Jared Goffs stärkstes Argument, das ist eine Qualität, die ich über die Jahre mehr zu schätzen gelernt habe. Mit Goff hat man mehr oder weniger eine Garantie, dass in guten Umständen auch eine gute bis sehr gute und zudem eben sehr konstante Offense auf dem Platz stehen wird.
Goffs Limitationen sind dabei kein Geheimnis. Er kreiert weniger als andere Quarterbacks, er ist zwar tough aus der Pocket und sehr gut darin, die Mitte des Feldes für eine Offense zu öffnen, gleichzeitig wird er auch immer von guten Yards-after-Catch-Waffen abhängig sein, damit sein Stil über eine Saison funktioniert.
Goff ist der Prototyp eines Ballverteiler-Pocket-Passer-Quarterbacks. Und während er noch immer kein Quarterback ist, der unvorteilhafte Pockets und viel Druck sonderlich kreativ löst, hat er selbst hier sein Spiel über die Jahre deutlich stabilisiert. Er ist mittlerweile besser auch aus einer engen Pocket, was die Offense zusätzlich robuster macht.
Floor und Ceiling sind bei Goff individuell sehr nah beieinander. Aber das eben auf einem hohen Level.

Nach dem überraschenden Karriere-Turnaround-Jahr in Minnesota, gefolgt vom Super-Bowl-Triumph mit den Seahawks (29:13 gegen die New England Patriots), ist es nicht schwer, zusammenzufassen, welche Art Quarterback Sam Darnold an diesem Punkt seiner Karriere ist.
Die frühen Jets-Jahre und die fast noch schlechteren Panthers-Jahre kann man mittlerweile getrost ausklammern. Darnold ist nicht mehr der Quarterback, der Geister in der Pocket sieht und hat gelernt, wie er sein Armtalent verlässlicher in Zählbares verwandeln kann.
Das heißt nicht, dass sein Spiel plötzlich ohne Löcher oder in der Prognose ohne Fragezeichen daherkommt. Die Turnover-Risiken gingen letztes Jahr in der zweiten Saisonhälfte etwa deutlich hoch - und als Defenses sich besser auf die Big Plays eingestellt hatten, kamen auch die seltener. Hier gab es gewisse Parallelen zu Darnolds Vorsaison in Minnesota
Wenn das Scheme aber die Shots kreiert, hat Darnold gezeigt, dass er die auch verlässlich trifft. Er ist tough in der Pocket, er attackiert enge Fenster über die Mitte. Solange die strukturellen Grundpfeiler stimmen, wird eine Offense mit Darnold explosiv sein, und das ist in der heutigen NFL ein starkes Argument.
Darnold hat sich über die letzten beiden Jahre in der Top-15 etabliert.
Die kommende Saison könnte sich als ein wegweisendes Jahr für Jayden Daniels erweisen. 2024 ist er auf die NFL-Bühne, wobei mir zwei Dinge besonders in Erinnerung bleiben: die spektakuläre Athletik, die natürlich als eines seiner stärksten Argumente als Prospect keine Überraschung gewesen ist. Daniels ist in seiner ersten Regular Season für 891 Yards gelaufen.
Der andere Aspekt ist, was er als Quick Passer gezeigt hat. Wie konstant er den Ball verteilt, wie verlässlich er über die Mitte des Feldes attackiert hat. Das in Kombination mit seinen Qualitäten als Runner gab der Offense damals einen beachtlich hohen Floor. Und Daniels' Fähigkeit, Big Plays zu kreieren, sorgte für das Ceiling.
2024 war so gesehen der Best Case dessen, was man sich vor dem Draft von Daniels erhoffen konnte. 2025 bestätigte dann eher die Skeptiker: Daniels schlug sich während der Saison mit mehreren Verletzungen herum (Knie, Oberschenkel, Ellbogen) und absolvierte nur sieben Spiele. In vier dieser sieben Spiele kam er auf nicht mehr als 200 Passing Yards. Seine Accuracy war schlechter als im Jahr davor, seine Playmaking-Qualitäten blitzten nur vereinzelt auf. Defenses fanden auch strukturell einen besseren Zugriff.
Washington hat jetzt seinen Offensive Coordinator ausgetauscht und versucht, sich von der sehr spezifischen Kliff-Kingsbury-Offense zu entfernen. Funktioniert Daniels in dieser Offense? Kingsburys Offense hat klare Limitationen, aber sein Scheme war exzellent auf einen mobilen Quarterback zugeschnitten. Wie gut passt das jetzt? Bleibt Daniels fit? Kann er eine löchrige Offense wieder tragen?
Der 25-Jährige kann sich 2026 in der Gruppe der Franchise-Quarterbacks festspielen. Um das aber so auszudrücken, muss er erst zeigen, dass er seine Rookie-Saison bestätigen kann.
Nur neun Spiele absolvierte Purdy in der vergangenen Regular Season, was 2025 zu einer Saison machte, die zwei Dinge unterstrich: Head Coach Kyle Shanahan und das Scheme tragen einen beträchtlichen Teil, sodass die Offense mit Mac Jones ebenfalls produktiv sein konnte. San Francisco gewann fünf von Jones' acht Starts, in fünf von acht Spielen knackte Jones die 250 Passing Yards - das trotz weiterer Ausfälle um ihn herum.
Gleichzeitig aber wurde ebenfalls durch diese zerstückelte Saison deutlich, was Purdy individuell der Offense gibt. Die Aggressivität als Downfield-Passer, das Playmaking als Scrambler und als ein Quarterback, der komfortabel damit ist, außerhalb der Pocket zu arbeiten, Plays zu verlängern und das Big Play zu suchen.
Purdy ist nach wie vor ein Quarterback, der spezifisch in dieser Offense häufiger noch den einfachen Pass verlässlicher nehmen könnte. Das ist das, was mit Mac Jones mitunter besser funktionierte und was mehr Baseline geben kann. Doch steht das in keinem Verhältnis zu dem, was Purdy darüber hinaus bietet und der Art und Weise, wie er Probleme lösen kann. Das macht ihn so wertvoll im Gesamtkonstrukt einer Offense, deren Floor fast unabhängig vom Quarterback hoch sein wird.

Es besteht eine reelle Chance, dass die vergangene zweite Saisonhälfte der Breakout von Trevor Lawrence war. Lawrence war als Starter nie schlecht, aber er war auch nie konstant auf dem Level, das man sich Pre-Draft erhofft hatte. Am ehesten noch 2022, im ersten Jahr unter Doug Pederson, doch danach stagnierte er und seine Leistungen glichen zu häufig der sprichwörtlichen Achterbahnfahrt.
Das war auch das Thema früh in der vergangenen Saison. In den ersten Spielen unter Liam Coen hatte Lawrence einige wilde Auftritte. Doch der Trend passte mehr und mehr: Lawrence wurde komfortabler in der Offense, die Jaguars fanden ihren Rhythmus auch was die Receiver-Zusammensetzung angeht, und Lawrence individuell spielte deutlich besser.
Jetzt gilt es natürlich, darauf aufzubauen. Die eigene Aggressivität richtig zu dosieren, ohne zu sehr die Big Playsrunterzuschraubenn. Das Playmaking als Runner beizubehalten. Sein Pocket-Verhalten war schon immer eine Stärke, auch das sah in der zweiten Saisonhälfte besser aus und daran muss er anknüpfen.
Lawrence hat uns jetzt in verschiedenen Jahren unter verschiedenen Coaches gezeigt, dass er ein gefährlicher Passer aus der Pocket innerhalb der Struktur der Offense sein kann und dass er als Scrambler und als Playmaker außerhalb der Pocket kreieren kann. Kann er es dieses Mal im Folgejahr bestätigen?
Wenige Quarterbacks haben in diesem Ranking einen so klar definierbaren Platz. Dak Prescott ist definitiv außerhalb der Top 6 und mit dem Aufstieg von Drake Maye für mich auch klar außerhalb der Top 7. Er ist aber ganz eindeutig vor dem Tier dahinter, sodass wir hier im Endeffekt über Platz 8 oder Platz 9 sprechen. Das ist seine aktuelle Range.
Dieses klare Einsortieren liegt einerseits an der Quarterback-Landschaft um Prescott herum. Es liegt andererseits aber auch daran, dass wir sehr klar wissen, was Prescott ist. Ein sehr guter Pocket Passer mit einer guten Dosis Aggressivität, der an diesem Punkt seiner Karriere verlässlich Probleme auch aus der Pocket lösen kann. Gleichzeitig sind viele seiner physischen Tools eher der Marke "okay" und während er sehr gut als Processor aus der Pocket ist, setzt er sich auch hier nicht von den Elite-Quarterbacks ab. Ein sehr guter, ein klarer Franchise Quarterback. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
All das in Kombination mit den Umständen in Dallas könnte zu Prescotts produktivster Saison bis dato führen. Selbst die Marke von 5000 Passing Yards sind hier denkbar.

Verletzungen prägten zumindest in Phasen auch letztes Jahr Jordan Loves Saison - nur so hatte sich Willis ins Schaufenster der Miami Dolphins spielen können. Dennoch wirkt "J-Love" heute noch mehr greifbarer als vor einem Jahr. Einer der aggressivsten Pocket Passer, dessen Accuracy sich schrittweise stabilisiert und der zudem realisiert hat, dass er als Scrambler auch Schaden anrichten kann.
Das macht Love zu einem klaren Top-10-Quarterback und im Gesamtpaket zu einem der zehn gefährlichsten Spieler auf der Position.
Dabei hat Love noch immer die negativen Momente. Mal ist es Ball Security, mal ist es ein zu hohes Maß an Aggressivität. Aber er hat die Balance deutlich besser gefunden und ich bin gespannt, was wir von ihm bekommen, wenn er sich jetzt mit einer klar definierten Playmaker-Gruppe einspielen kann.
Das Passing Game in Green Bay hat mehrere potenzielle Breakout-Kandidaten. Das liegt auch daran, dass Love sich unter Quarterbacks in diesem zweiten Tier fest etabliert hat. Die vermutlich größte Herausforderung für ihn wird darin bestehen, die voraussichtlich schwächste Offensive Line seiner Packers-Ära zu kaschieren. Seine Aggressivität gerade auch gegen Druck könnte ein wichtiges Thema in dieser Packers-Saison werden.
Die auch in ihrer wöchentlichen Regelmäßigkeit schönsten Downfield-Pässe in der NFL gingen letztes Jahr auf das Konto von Drake Maye. Das war umso beachtlicher, da er mit einem unterdurchschnittlichen Waffenarsenal operierte, und einem Spieler wie Kayshon Boutte zum unerwarteten Breakout verhalf.
Zumindest in der Regular Season. Und das ist die Skepsis, die die Patriots als Team in dieser Saison widerlegen müssen: Dass nicht nur ein einfacher Schedule der Grund für die unerwartet erfolgreiche Saison war, und man in den Playoffs trotz des Einzugs in den Super Bowls gesehen hat, wie fragil dieses Konstrukt noch ist.
Das betrifft auch Maye individuell, der in den Playoffs gegen die Elite-Defenses der AFC nicht an seine herausragende Regular Season anknüpfen konnte. Doch war es Maye individuell, der die Patriots-Offense maßgeblich trug. Sein spektakulärer Deep Ball, seine Fähigkeiten als Scrambler, seine Accuracy und sein sauberes Lesen einer Defense, das er bereits als Rookie in noch schlechteren Umständen gezeigt hat. All das war keine Mirage und kein Produkt eines vorteilhaften Schedules.
Die Patriots haben in dieser Offseason investiert, um Maye zu entlasten. Die Offensive Line ist besser, A.J. Brown und Romeo Doubs werden Maye mehr Spielraum geben. Wenn Maye das Level hält, das er in der vergangenen Regular Season hatte, könnte er sich dieses Jahr auch schon dauerhaft in der Elite etablieren, mit der er letztes Jahr bereits zumindest mal geflirtet hat.
Verletzungen haben sich leider als treuer Begleiter der bisherigen Karriere von Joe Burrow etabliert. In bis dato sechs Jahren kommt er nur dreimal auf über 500 Regular Season Dropbacks, immer wieder hatte er mit kleineren und auch größeren Blessuren zu kämpfen. 2025 war da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil.

Wenn Burrow auf dem Platz steht, ist er der konstanteste Pocket Passer der letzten fünf Jahre. Ein herausragender Ballverteiler, der bisweilen zu viele unnötige Sacks kassiert, weil er Plays verlängert und nicht die athletischen Tools anderer Quarterbacks hat und der spezifisch in einem nicht unbedingt zeitgemäßen Scheme leben will - aber der umgekehrt dafür sorgt, dass dieses Scheme funktioniert.
Indem er seine Playmaker immer und immer wieder in Szene setzt, indem er aggressiv ist in jener Rolle als Ballverteiler. Burrow will große Autonomie an der Line of Scrimmage und will, dass er alle Fäden in der Hand hält und dass viel mentale Last auf seinen Schultern liegt. Aber er kann eben auch so spielen. Das ist seine große Stärke.
Die kommende Saison ist ein wichtiges Jahr für die Bengals insgesamt. Die Defense sollte endlich besser sein, nach drei Jahren Playoff-Durststrecke muss das Erreichen der Postseason das absolute Mindestziel sein. Offensiv hat sich die Line klar stabilisiert, und Burrow hat noch immer ein Top-3-Waffenarsenal zur Verfügung. Bleibt er fit, ist der 29-Jährige ein Mitfavorit darauf, die Liga in Passing-Yards und Touchdowns anzuführen.
Mit seinen nunmehr 38 Jahren und einer ausgeprägten Vorgeschichte, insbesondere zuletzt was Rückenprobleme angeht, gibt es eigentlich nur eine relevante Frage: Bleibt Matt Stafford auch 2026 so fit, wie er es dann nach all den Offseason-Ungewissheiten letztes Jahr war?
Denn wenn ihm das gelingt, ist fest davon auszugehen, dass die Rams abermals eine der besten Offenses in der NFL haben. Dieses Level an Vorschusslorbeeren hat sich Stafford spätestens mit der vergangenen Saison verdient, als er McVays Offense auf spektakuläre Art und Weise umsetzte und MVP wurde.
Das ist in meinen Augen auch das korrekte Framing. Die Umstände waren exzellent, mit einem Top-3-Run-Game, einer sehr guten Offensive Line, einem herausragenden Receiver-Duo und einem Play-Caller und Offense-Architekten in McVay, der sich einmal mehr an der vordersten Speerspitze der Offense-Trends bewegte.
Gleichzeitig gab Stafford ihm dann den Quarterback, der eine Aggressivität in die Offense brachte, die alles erst so richtig öffnete. Sein Downfield-Playmaking, sein Armtalent, seine Toughness in der Pocket, seine Qualitäten aus einer engen Pocket heraus, all das lässt die Offense erst zu dem werden, was sie letztes Jahr war.

Stafford als rein individueller Playmaker hat nicht ganz die Möglichkeiten, die die vier Quarterbacks vor ihm haben. Gerade was das Kreieren gegen direkten Druck angeht, ist Stafford mehr davon abhängig, dass Scheme und Playmaker gewinnen. Und die Kombination aus Alter und Verletzungsvorgeschichte bringt ein wenig mehr Ungewissheit in die kommende Saison mit.
Aber kein Quarterback, abgesehen von vielleicht Maye, war letztes Jahr besser darin, Woche für Woche schwierige, aggressive Pässe aus der Pocket rauszufeuern. Stafford hat den Standard für 2026 hoch gesetzt.
Die vergangene Saison war eine gute Mini-Kosmos-Erklärung dafür, dass Herbert mittlerweile ein so polarisierender Quarterback ist. Der Gesamt-Output der Offense war nicht der einer Top-10-Offense und in den Playoffs hatte Herbert sein eindeutig schlechtestes Saisonspiel. Nach wie vor hat Herbert kein Playoff-Spiel gewonnen, und bis sich das ändert, wird das immer wieder als Kritikpunkt gegen ihn angebracht werden.
Nie war das berechtigter als nach der vergangenen Saison, angesichts seiner individuellen Leistung in der Postseason. Doch dem gegenüber steht die Tatsache, dass die Chargers überhaupt in die Playoffs gekommen sind. Obwohl Herbert die halbe Saison nach einem Bruch in der Hand gespielt hat, obwohl er hinter einer der schlechtesten Offensive Lines mit der höchsten Pressure Rate aller Starting Quarterbacks gespielt hat. Und das in einer Greg-Roman-Offense, die ihm schematisch nicht viel weiterhalf. Herbert kreierte mehr als in früheren Jahren, er ist unter Head Coach Jim Harbaugh ohnehin ein aggressiverer Scrambler geworden.
Diese Dinge gegeneinander zu rechnen, ist die Herausforderung in seiner Analyse. Herbert hatte in den letzten Jahren nicht die Total Stats, die andere Quarterbacks hatten. Und das Ausbleiben von jeglichem Postseason-Erfolg nach sechs Jahren wird irgendwann auch zurecht dem Star-Quarterback negativ angerechnet. Gleichzeitig hat er in diesem Zeitraum mehrfach löchrige Offenses überhaupt erst kompetitiv gemacht und so mit in die Postseason getragen.
Herbert ist ein exzellenter Processor, ein Quarterback, der die Dinge schnell liest, der athletisch und in puncto Armtalent Elite-Tools mitbringt. Der Plays aus der Pocket und außerhalb der Pocket machen kann, und der einige der ligaweit absurdesten Würfe über die letzten Jahre hatte.
2026 ist das Jahr, in dem es keine Ausreden geben darf. Jetzt hat er den Top-Level-Playcaller, die Offensive Tackles sind zurück, die Playmaker sind nicht herausragend, aber gut genug. Es muss die Saison sein, in der Herbert auch mit dem statistischen Output und in den Playoffs das bestätigt, was er in den letzten Jahren auf Tape schon regelmäßig gezeigt hat.

Wir sind bei Patrick Mahomes an einem interessanten Punkt angekommen. Nicht in dem Sinne von, dass Grundsatzdiskussionen über den Spieler geführt werden sollten. Und wenn es darum geht, mit welchem Quarterback man spezifisch in den Playoffs an den Start gehen will, dürfte die Antwort der meisten nach wie vor Mahomes sein. Da schließe ich mich selbst ganz klar mit ein.
Doch wenn man seine gesamte Arbeit über die letzten beiden Jahre betrachtet, kann man Mahomes nicht als den besten Quarterback der NFL ranken. Letztes Jahr waren unter anderem Stafford und Maye ohne Frage besser. Über den Zeitraum der letzten drei Jahre gefasst waren Josh Allen und Lamar Jackson besser.
Und natürlich ist der Kontext hier essenziell. Alle diese Quarterbacks - vielleicht Maye im Vorjahr ausgeschlossen - spielen in besseren Umständen, als Mahomes sie zuletzt hatte. Er musste hier mehr tragen, das hat sich auf seinen Spielstil ausgewirkt. Letztes Jahr wurde das unter anderem mit den Scrambles deutlich. Er war noch immer ein Top 10 Quarterback nach EPA pro Play und Success Rate - etwas, das unter anderem Darnold, Goff, Herbert, Lawrence, Nix und Hurts im Vorjahr nicht von sich sagen können.
Mahomes war noch immer der Grund dafür, dass die Chiefs eine Top-12-Offense hatten. Aber auch bei ihm schlichen sich Defizite ein. Der tiefe Ball kommt schon seit einigen Jahren nicht mehr so wie früher. Aber auch seine Accuracy insgesamt war letztes Jahr schlechter.
Jetzt kommt Mahomes von einem Kreuzbandriss zurück, und einiges deutet darauf hin, dass die Chiefs ihre Offense endlich modernisieren und etwas Last von Mahomes' Schultern nehmen. Vielleicht wird das dazu beitragen, dass wir auch vor den Playoffs wieder mehr den Patrick Mahomes der frühen 2020er Jahre sehen.
Über zwei Jahre war Lamar Jackson der beste Quarterback in der NFL. Dann kam die vergangene Spielzeit, die zwar von Verletzungen geprägt war, aber auch bevor Jackson ausfiel, war er nicht gut.
Woran lag das? Und wie ändert sich das in einer neuen Offense und mit einem neuen Play-Caller? Das ist das größte Fragezeichen in der Prognose für Jackson, und wer hier skeptischer ist, kann den 29-Jährigen auch einige Plätze runter stufen.
Drei Punkte halten ihn für mich hier oben: Die Sample Size über die letzten drei Jahre in Summe, selbst mit 2025 einberechnet, übertrifft nur Josh Allen. Andere hatten mehr Playoff-Erfolg, das ist eine berechtigte Kritik, aber Woche für Woche, Down für Down, gemessen an der individuellen Performance und dem individuellen Impact auf die Offense, würde ich nur Allen über Jackson setzen.
Das geht über in den zweiten Punkt: Der individuelle Impact auf die Offense. Hier ist mein Take zu Jackson unverändert, kein Quarterback hatte durch seine Mobilität und seine Rushing-Qualitäten und Rolle im Run Game über die letzten Jahre einen größeren Impact auf seine Offense, den man so direkt nicht im Boxscore sieht.
Und Punkt 3: Jackson als Passer halte ich nach wie vor für unterschätzt. Gerade die Mitte des Feldes und den Intermediate-Bereich öffnet er auf eine Art und Weise, wie es nicht allzu viele Quarterbacks in der NFL können.
Es wird sehr spannend sein zu sehen, wie er in einer neuen Offense funktioniert, die vermutlich sehr anders aussehen wird. Mehr Under Center, vielleicht weniger Read Plays im Run Game, mehr klassisches Play Action Passing Game. Aber eben vielleicht auch mehr Entlastung für den Quarterback.
Kein Quarterback derzeit in der NFL ist eine solche Naturgewalt. Josh Allen ist noch immer das größte Risiko in der Bewertung junger College-Quarterbacks, weil man sich bei jedem Trey Lance, Anthony Richardson und Justin Fields vor Augen führen muss, dass diese Entwicklung, die Allen hingelegt hat, eben nicht das ist, was man erwarten kann.

Spezifisch die Art und Weise, wie Allen seine Accuracy verbessert hat, nachdem er als ein so roher und wilder Quarterback in die NFL gekommen war. Für Allen kam der Sprung in Jahr 3 - und mittlerweile ist er der kompletteste Quarterback. Ein Passer, der eine Quick Game Offense genauso ausführen kann wie eine vertikale Big Play Offense. Der ein Dreh- und Angelpunkt im Run Game ist und der "kaputte" Plays retten kann wie kaum ein anderer.
D.J. Moore ist die neue Waffe in der Bills-Offense und soll das sein, was zuletzt gefehlt hat: ein echter Eins-gegen-Eins-Playmaker. Es gab zu viele Spiele gegen Top Defenses in den letzten Jahren, in denen Allen Spiele gewinnen musste. Das kann er, doch die Turnover-Gefahr steigt in diesem Setup nach wie vor.
Nach seinem MVP-Titel vor zwei Jahren wird es eine außergewöhnliche Saison von Allen brauchen, um abermals diese Auszeichnung zu gewinnen. Dass Buffalo aber einmal mehr die produktivste Offense in der NFL hat, ist keineswegs eine unrealistische Prognose. Und das liegt maßgeblich am derzeit komplettesten QB.
Adrian Franke