19.07.2026
Pro Bowl als Beispiel
Am Samstagabend gewann England gegen Frankreich im Spiel um Platz 3 bei der Weltmeisterschaft mit 6:4. Während die NFL viel wert auf eine wachsende Anzahl an Spielen legt, ist ein Spiel um Platz 3 in der NFL aber extrem unwahrscheinlich.

Am späten Samstagabend spielte England gegen Frankreich im Spiel um Platz 3 bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Obwohl sich die Begeisterung beider Mannschaften vor dem Spiel in Grenzen hielt, lieferten die beiden Teams den Fans ein letztes Spektakel vor dem großen Finale. Die Briten siegten letztendlich mit einem grandiosen 6:4. Diese Entwicklung dürfte auch die NFL genau verfolgt haben.
Ein weiteres Spiel bringt für die Liga im Normalfall einige positive Effekte mit sich, vor allem weitere enorme Einnahmen durch Fernsehgelder. Dennoch wird es ein Spiel um Platz 3 in der NFL vermutlich erstmal nicht geben.
Die Erhöhung von 16 auf 17 Regular Season Spiele sorgte bei Spielern bereits für viel Wirbel, normalisierte sich aber mit der Zeit. Mehr Spiele bedeuten für die Athleten immer eine noch höhere Belastung, durch die das Verletzungsrisiko noch einmal stark steigt. Gerade Free Agents haben kurz vor dem Start der Phase kein großes Interesse ihre Gesundheit für eine unbedeutende Partie aufs Spiel zu setzen. In einer Liga, in der es gerade für die Stars um dreistellige Millionenbeträge geht, werden weitere Verletzungsrisiken so gut es geht vermieden.
Ein klassisches Beispiel für diese Entwicklung ist der Pro Bowl. Während im All-Star Game der NFL über Jahre hinweg die besten Spieler des Jahres noch einmal harten Football gegeneinander spielten, ist das Spiel in den letzten Jahren mehr zu einer Show als zum körperbetonten Sport geworden. Die Entwicklung von harten Tackles zu einem Two-Hand-Touch-System führte soweit, dass der Spielmodus verändert wurde und die Teams der AFC und der NFC mittlerweile Flag Football gegeneinander spielen. Keiner der Athleten wollte kurz vor der Offseason seine Gesundheit gefährden und damit einhergehend die nächste Saison oder einen hochdotierten Vertrag in der Free Agency.
Dabei gab es in der NFL tatsächlich bereits eine ähnliche Idee. Von 1960 bis 1969 veranstaltete die Liga den sogenannten "Playoff Bowl", in dem die Verlierer der beiden Conference-Finals gegeneinander antraten. Das Spiel wurde damals unter anderem eingeführt, um in einer Zeit des Konkurrenzkampfes mit der aufstrebenden AFL ein weiteres attraktives NFL-Duell anzubieten. Gespielt wurde in der Woche zwischen den Meisterschaftsspielen der NFL und AFL sowie dem jeweiligen Finale.
Mit der Fusion von NFL und AFL verschwand der Playoff Bowl jedoch wieder von der Bildfläche. Seitdem gab es keine ernsthaften Bestrebungen, das Konzept zurückzubringen. Neben den wirtschaftlichen und organisatorischen Hürden dürfte vor allem die NFL-Spielergewerkschaft einem zusätzlichen Pflichtspiel ohne echte sportliche Bedeutung kritisch gegenüberstehen. Selbst wenn ein Spiel um Platz 3 eingeführt würde, befürchten viele Beobachter, dass die Intensität ähnlich gering ausfallen würde wie zuletzt beim Pro Bowl - und damit kaum den gewünschten sportlichen Mehrwert liefern könnte.
nhu