vor 14 Stunden
Unglaubliche Zahlen
Jaxon Smith-Njigba spielt eine außergewöhnliche NFL-Saison. Der Wide Receiver der Seattle Seahawks steht nach sieben Spielen bei 867 Receiving Yards und acht Touchdowns. Damit befindet sich der 24-Jährige auf Kurs, den bisherigen NFL-Rekord von Calvin Johnson zu brechen und als erster Spieler überhaupt die Marke von 2.000 Receiving Yards in einer Regular Season zu erreichen. Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte der gesamten Passing Yards der Seahawks gehen auf sein Konto.

Die Seattle Seahawks dürfen weiterhin von einer historischen Saison ihres Star-Receivers Jaxon Smith-Njigba träumen. Mit 58 Receptions für 867 Yards und acht Touchdowns nach sieben Spielen steuert der amtierende Offensive Player of the Year auf eine statistische Bestmarke zu. Bei gleichbleibendem Schnitt würde er die Saison mit 2.106 Receiving Yards abschließen. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit der Seahawks von ihrem wichtigsten Passempfänger enorm: Smith-Njigba hat bislang mehr Receiving Yards gesammelt als alle seine Teamkollegen zusammen.
Mit seinem jüngsten Auftritt gegen die Kansas City Chiefs hat Jaxon Smith-Njigba seine außergewöhnliche Saison fortgesetzt. Beim 20:3-Erfolg der Seattle Seahawks fing der Wide Receiver neun Pässe für 150 Yards und einen Touchdown. Es war bereits sein sechstes Spiel mit mindestens 100 Receiving Yards in dieser Saison.
Nach sieben Partien steht Smith-Njigba bei 867 Receiving Yards. Das entspricht einem Schnitt von 123,9 Yards pro Spiel. Hochgerechnet auf die gesamte Regular Season mit 17 Begegnungen würde er damit 2.106 Yards erreichen.
Der bisherige NFL-Rekord stammt aus dem Jahr 2012. Damals erzielte Calvin Johnson für die Detroit Lions insgesamt 1.964 Receiving Yards und stellte damit eine Bestmarke auf, die bis heute Bestand hat.
Smith-Njigba liegt aktuell sogar über dem Tempo des ehemaligen Lions-Stars. Würde er seinen bisherigen Durchschnitt über 16 Spiele halten, käme er bereits auf 1.982 Receiving Yards und würde Johnsons Rekord damit innerhalb derselben Anzahl an Spielen übertreffen.
Noch bemerkenswerter wäre allerdings das Überschreiten der 2.000-Yards-Marke. In der Geschichte der NFL ist es bislang keinem Wide Receiver gelungen, diese Grenze innerhalb einer Regular Season zu knacken.
Auch bei den Touchdowns befindet sich Smith-Njigba auf einem außergewöhnlichen Kurs. Seine bisherigen acht Receiving Touchdowns entsprechen einer Hochrechnung von rund 19 Touchdowns über 17 Spiele.
Allerdings handelt es sich dabei ausschließlich um mathematische Hochrechnungen. Ob der Seahawks-Star seine bisherige Produktion über die gesamte Saison aufrechterhalten kann, bleibt offen.
Schon jetzt hat Smith-Njigba einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern der NFL erreicht. Er ist der erste Spieler der Super-Bowl-Ära, der in den ersten sieben Saisonspielen mindestens 850 Receiving Yards und acht Receiving Touchdowns verbuchen konnte.
Zwar gab es bereits Receiver, die nach sieben Begegnungen mehr Raumgewinn vorweisen konnten. Tyreek Hill kam 2023 auf 902 Receiving Yards, Lance Alworth erreichte 1968 insgesamt 871 Yards. Die Kombination aus mindestens 850 Yards und acht Touchdowns gelang in der Super-Bowl-Ära allerdings erstmals Smith-Njigba.

Hinzu kommt seine außergewöhnliche Konstanz. In sechs seiner ersten sieben Saisonspiele knackte er die Marke von 100 Receiving Yards. Zuvor hatten dies in der Super-Bowl-Ära lediglich Michael Irvin 1995, Marvin Harrison 2000 und Adam Thielen 2018 geschafft.
Sein bislang schwächstes Spiel absolvierte Smith-Njigba gegen die Los Angeles Chargers. Selbst dort kam er noch auf fünf Receptions für 76 Yards.
Gegen die Arizona Cardinals erzielte er dagegen 155 Receiving Yards und drei Touchdowns. Auch gegen die Washington Commanders, New England Patriots, San Francisco 49ers und Denver Broncos durchbrach er die 100-Yard-Marke.
Die Zahlen zeigen, dass seine bisherige Saison nicht auf einzelnen Ausreißern beruht. Smith-Njigba produziert Woche für Woche auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.
Noch eindrucksvoller als die reine Rekordjagd ist allerdings die Bedeutung Smith-Njigbas für die gesamte Offensive der Seattle Seahawks. Nach sieben Spielen hat Seattle insgesamt 1.726 Passing Yards erzielt. Allein 867 davon gehen auf das Konto des Wide Receivers.
Damit ist Smith-Njigba für 50,2 Prozent der gesamten Passing Yards seiner Mannschaft verantwortlich. Anders ausgedrückt: Alle anderen Passempfänger der Seahawks kommen zusammengerechnet auf lediglich 859 Receiving Yards. Smith-Njigba hat damit acht Yards mehr gesammelt als sämtliche Teamkollegen zusammen.
Besonders deutlich wird dieser Unterschied beim Blick auf die weiteren Receiver. Cooper Kupp steht nach sieben Spielen bei 199 Receiving Yards, Tight End AJ Barner bei 180 und Rashid Shaheed bei 163.
Smith-Njigba hat damit 668 Yards mehr erzielt als Kupp, der zweitproduktivste Passempfänger seiner Mannschaft.
Auch gegen Kansas City zeigte sich diese außergewöhnliche Verteilung. Von den 257 Passing Yards der Seahawks entfielen allein 150 auf Smith-Njigba. Das entspricht einem Anteil von 58,4 Prozent.
Während andere NFL-Offenses ihre Produktion auf mehrere Leistungsträger verteilen, konzentriert sich das Passspiel der Seahawks in einem bemerkenswerten Ausmaß auf einen einzigen Spieler.
Die besondere Rolle Smith-Njigbas zeigt sich nicht nur bei den Receiving Yards, sondern auch bei seiner Einbindung in das offensive System.
In den ersten sieben Begegnungen wurde der Wide Receiver insgesamt 78-mal angeworfen. Daraus resultierten 58 Receptions, was einer Catch-Quote von 74,4 Prozent entspricht.
Bei insgesamt 226 Passversuchen der Seahawks ergibt sich für Smith-Njigba ein rechnerischer Target-Anteil von rund 34,5 Prozent. Damit geht mehr als jeder dritte Passversuch der Seahawks in seine Richtung.
Quarterback Sam Darnold sucht seine Nummer 11 regelmäßig als erste Anspielstation. Smith-Njigba übernimmt dabei unterschiedliche Aufgaben. Er wird sowohl bei kurzen und mittleren Pässen eingesetzt als auch bei tiefen Würfen, mit denen Seattle große Raumgewinne erzielen kann.

Seine Vielseitigkeit erschwert es gegnerischen Defenses, sich auf einzelne Spielzüge oder Routen einzustellen. Head Coach Mike Macdonald machte nach dem Sieg gegen die Chiefs deutlich, wie wichtig der Receiver für das offensive Konzept seiner Mannschaft ist.
Es wäre töricht, Smith-Njigba nicht bei möglichst vielen Spielzugkonzepten als primäre Anspielstation einzuplanen, erklärte Macdonald sinngemäß.
Die Aussage unterstreicht, dass die enorme Belastung des Receivers kein Zufall ist. Seattle versucht bewusst, seinen wichtigsten Offensivspieler möglichst häufig in aussichtsreiche Situationen zu bringen.
Dass Smith-Njigba regelmäßig im Mittelpunkt des gegnerischen Gameplans steht, macht seine Leistungen umso bemerkenswerter. Defenses wissen, dass ein erheblicher Teil des Passspiels der Seahawks über ihn läuft. Entsprechend häufig versuchen sie, seine Möglichkeiten durch zusätzliche Absicherung einzuschränken.
Doch selbst gegen Double Coverage und unterschiedliche Zonenverteidigungen findet der Wide Receiver regelmäßig Wege, sich freizulaufen.
Seahawks-Safety Nick Emmanwori beschrieb die Schwierigkeiten, seinen Teamkollegen zu verteidigen, nach dem Spiel gegen Kansas City besonders deutlich. "Er ist praktisch nicht zu verteidigen. Sie doppeln ihn, sie spielen Cloud Coverages auf seiner Seite, und trotzdem macht er seine Plays. Das ist kaum zu glauben", erklärte Emmanwori.
Ein wesentlicher Faktor ist Smith-Njigbas Route Running. Der Receiver kann mit schnellen Richtungswechseln und präzisen Bewegungen Separation erzeugen, ohne ausschließlich auf seine Geschwindigkeit angewiesen zu sein.
Hinzu kommen seine sicheren Hände und die Fähigkeit, auch nach dem Catch zusätzliche Yards zu gewinnen. Damit ist Smith-Njigba nicht nur eine zuverlässige Anspielstation bei wichtigen Third Downs, sondern gleichzeitig eine ständige Gefahr für explosive Spielzüge.
Smith-Njigbas Leistungen kommen nicht völlig überraschend. Bereits in der vergangenen Saison gehörte der Wide Receiver zu den herausragenden Offensivspielern der NFL.
Nach dem Gewinn des Super Bowl LX mit den Seahawks wurde er als Offensive Player of the Year ausgezeichnet. In seiner vierten NFL-Saison scheint er seine Leistungen nun noch einmal steigern zu können.
Seine bisherigen Zahlen bringen ihn nicht nur für eine erneute Auszeichnung als bester Offensivspieler ins Gespräch. Auch die Frage nach einer möglichen MVP-Kandidatur lässt sich angesichts seiner Bedeutung für Seattle diskutieren.
Historisch betrachtet wäre eine solche Auszeichnung allerdings eine Besonderheit. Noch nie wurde ein reiner Wide Receiver zum NFL Most Valuable Player gewählt. Die Auszeichnung wird traditionell von Quarterbacks dominiert.
Smith-Njigbas Chancen würden deshalb nicht allein von seinen individuellen Statistiken abhängen, sondern auch von der weiteren Entwicklung der Seahawks und den Leistungen der Quarterbacks in der Liga.
Dass er derzeit einen der größten individuellen Anteile an der offensiven Produktion seines Teams trägt, ist allerdings kaum zu bestreiten.
Autor: Niklas Kreuzer