09.08.2026
Die Entstehungsgeschichte
Die Houston Texans entstanden vor gut zwei Jahrzehnten buchstäblich aus dem Nichts. Nun schlägt die Rückkehr von Jadeveon Clowney die Brücke zwischen den schwierigen Anfangsjahren und einem Team, das heute vom Super Bowl träumt.

Als die Houston Oilers 1997 nach Tennessee umzogen, verlor Houston nicht nur seine NFL-Mannschaft, sondern auch ein Stück Identität. Football gehört in Texas zur Kultur, entsprechend groß war die Enttäuschung der Fans. Doch die Stadt wollte sich nicht damit abfinden, dauerhaft ohne NFL-Team zu bleiben.
Angeführt vom Unternehmer Bob McNair begann so der Kampf um ein neues Franchise. Mit Erfolg: Im Oktober 1999 vergab die NFL ihr 32. Franchise an Houston. McNair zahlte rund 700 Millionen Dollar - damals die höchste Summe, die je für ein sogenanntes "Expansion Franchise" gezahlt wurde. Ein Jahr später wurde der Name "Houston Texans" vorgestellt und zugleich der Grundstein für ein völlig neues Kapitel gelegt.
Mit der Vergabe des Franchise begann dann die eigentliche Herausforderung. Anders als bei einem normalen Neuaufbau gab es in Houston schlichtweg nichts Verbliebenes. Kein Team, keinen Trainerstab, keine Scouts und keine eingespielten Abläufe. Innerhalb von knapp drei Jahren musste eine komplette NFL-Organisation entstehen.
Als ersten General Manager verpflichteten die Texans Charley Casserly, der bereits Erfahrung im Aufbau erfolgreicher Teams mitbrachte. Wenig später folgte Dom Capers als erster Head Coach. Dieser galt als die ideale Besetzung, denn er hatte bereits die Carolina Panthers als Expansion Team aufgebaut - und wusste genau, welche Aufgaben auf Houston warteten.
Doch ein Head Coach und General Manager allein reichen nicht. Die Texans mussten Hunderte Mitarbeiter einstellen - von Assistenztrainern über Scouts und Athletic Trainern bis hin zu Ärzten, Equipment Managern, Videoanalysten und Mitarbeitern für die Spielorganisation. Parallel entstand mit dem heutigen NRG Stadium eine moderne Heimat für das neue Franchise.
Auch der Spielerkader musste natürlich komplett neu aufgebaut werden. Den ersten Grundstock bildete in Zuge dessen der "Expansion Draft 2002". Dabei durfte jedes bestehende NFL-Franchise einen Teil des Kaders schützen. Alle übrigen Spieler standen den Texans frei zur Auswahl. Houston entschied sich schließlich bewusst für erfahrene Profis wie Aaron Glenn, Tony Banks oder Ryan Young, die dem jungen Team Stabilität und Führungsqualitäten geben sollten.
Anschließend verstärkten zudem zahlreiche Free Agents den Kader. Viele Spieler reizte die Chance, von Beginn an Teil eines neuen Franchise zu sein und Geschichte zu schreiben. Erst danach richtete sich der Blick auf den NFL Draft.
Mit dem ersten Pick des NFL Drafts 2002 wählten die Texans Quarterback David Carr von der Fresno State University - den ersten Draftpick der Franchise-Geschichte.

Carr sollte das Gesicht der neuen Organisation werden. Doch der Start verlief alles andere als einfach. Hinter einer überforderten Offensive Line stand er permanent unter Druck und stellte bereits in seiner Rookie-Saison einen damals historischen Negativrekord bei den zugelassenen Sacks auf. Sein Talent war unbestritten, doch die jungen Texans konnten ihren Quarterback nicht ausreichend schützen.
Trotz aller Schwierig- und Widrigkeiten gelang dem Franchise ein Traumstart. Im ersten NFL-Spiel ihrer Geschichte besiegten die Texans ausgerechnet die Dallas Cowboys mit 19:10 - ein Sieg, der den Fans sofort Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft machte.
Bis heute durften die Texans dreimal an erster Stelle des NFL Drafts auswählen:
2002 - David Carr (Quarterback): Der erste Spieler der Franchise-Geschichte wurde zum Symbol des Neuanfangs, konnte die hohen Erwartungen jedoch nie vollständig erfüllen.
2006 - Mario Williams (Defensive End): Houston überraschte viele Experten und entschied sich gegen Reggie Bush und Vince Young. Die Wahl zahlte sich aus: Williams entwickelte sich zu einem mehrfachen Pro Bowler und gehörte jahrelang zu den besten Pass Rushern der Liga.
2014 - Jadeveon Clowney (Outside Linebacker) : Clowney galt als eines der größten Talente seiner Generation. Verletzungen verhinderten zwar eine noch größere Karriere, dennoch bildete er gemeinsam mit J.J. Watt eines der gefährlichsten Pass-Rush-Duos der NFL.
Mehr als zehn Jahre nach seiner Auswahl kehrt Jadeveon Clowney nun nach Houston zurück. Seine Rückkehr ist weit mehr als eine gewöhnliche Verpflichtung. Sie verbindet zwei völlig unterschiedliche Epochen des Franchise.

Damals war Clowney Teil eines Teams, das noch nach seiner Identität suchte. Heute trifft er auf eine Organisation, die unter Head Coach DeMeco Ryans zu den spannendsten Mannschaften der AFC geworden ist. Mit jungen Leistungsträgern wie C.J. Stroud, Will Anderson Jr. und Derek Stingley Jr. besitzt Houston einen talentierten Kern, der um Titel kämpfen möchte.
Clowney ist dabei aber bei weitem nicht mehr der Hoffnungsträger der Defense, sondern gibt dem gefährlichsten Pass-Rush Duo der Liga eine dritte Option und macht aus dem Zweiköpfigen Monster Anderson/Hunter ein Dreiköpfiges Ungeheuer. Seine Erfahrung und Führungsqualitäten sollen einer ohnehin starken Defense zusätzliche Stabilität verleihen - und gleichzeitig die Brücke zwischen der Vergangenheit und der neuen, erfolgreichen Generation der Texans schlagen.
Die Geschichte der Houston Texans ist im Vergleich zu vielen NFL-Franchises noch jung. Doch kaum ein Team musste seinen Weg unter schwierigeren Voraussetzungen beginnen. Aus einer Organisation, die buchstäblich bei null startete, ist innerhalb von gut zwei Jahrzehnten ein ernstzunehmender Titelkandidat geworden. Genau deshalb ist die Rückkehr von Jadeveon Clowney mehr als nur eine Personalie - sie erinnert daran, wie weit die Texans seit ihrer Gründung gekommen sind.
Konstantin Thüroff