25.02.2026
NFL prüft Regeländerung
Die NFL diskutiert einen sensiblen Eingriff in das Schiedsrichterwesen: Künftig könnten Replay-Offizielle bei klaren Unsportlichkeiten selbst Flaggen werfen. Auslöser sind ungeahndete Szenen - unter anderem im Super Bowl LX.

Das Competition Committee diskutiert derzeit, ob Replay-Offizielle künftig berechtigt sein sollen, bei bestimmten Vergehen selbst eine Flagge zu werfen - unabhängig von den Schiedsrichtern auf dem Feld.
Wie NFL-Football-Operations-Chef Troy Vincent laut ESPN am Rande der Sitzungen erklärte, gehe es dabei ausdrücklich nicht um eine umfassende Ausweitung der Videoüberprüfung, sondern um klar definierte Ausnahmen. Im Fokus stehen sogenannte "Non-Football Acts". Also Handlungen, die nichts mit dem eigentlichen Spielzug zu tun haben, etwa Schläge oder Tritte nach dem Abpfiff.
Vincent nannte dabei zwei konkrete Beispiele aus der Saison 2025. Eines ereignete sich im vierten Viertel des Super Bowl LX, als Patriots-Receiver Stefon Diggs und Seahawks-Cornerback Josh Jobe an der Seitenlinie aneinandergerieten.
Beide griffen sich an die Facemask, Jobe schlug Diggs anschließend mit der Faust gegen den Helm - ohne dass eine Flagge fiel. Nach der aktuell diskutierten Regel hätte der Replay-Offizielle eingreifen und womöglich sogar eine Disqualifikation aussprechen können.
Ein weiteres Beispiel betrifft Derick Hall, der in Woche 16 gegen die Rams auf das Bein von Kevin Dotson trat. Auch hier blieb eine Strafe auf dem Feld aus, die Liga reagierte erst im Nachhinein mit einer Sperre.
Noch deutlicher wurde die Grauzone in einem Vorfall um DK Metcalf im vergangenen Dezember. Beim richtungsweisenden Aufeinandertreffen zwischen den Detroit Lions und den Pittsburgh Steelers verließ der Receiver während des Spiels die Seitenlinie, ging gezielt auf einen Lions-Fan zu und schlug diesem ins Gesicht.
Die Szene war sowohl im Stadion als auch in der TV-Übertragung klar zu sehen - blieb für die Unparteiischen auf dem Feld jedoch folgenlos. Metcalf durfte weiterspielen und wurde erst im Nachgang von der Liga gesperrt. Der betroffene Fan reagierte später mit einer Klage in Höhe von 100 Millionen US-Dollar.
Trotz der konkreten Vorfälle zeigte sich Vincent insgesamt zurückhaltend. Die Sorge: Eine Flagge aus dem Off - womöglich erst Sekunden nach Spielende eines Snaps - könnte für Unruhe sorgen, insbesondere in Zeiten vom legalisierten Sportwettenmarkt. "Man will keine Büchse der Pandora öffnen", sagte der Operations Chef via ESPN, deutete aber an, dass eine sehr eng gefasste Regelung ein möglicher erster Schritt sein könnte.
Ob und in welcher Form die Replay-Offiziellen künftig mehr Einfluss erhalten, ist aktuell noch offen. Klar ist jedoch: Die NFL tastet sich vorsichtig an eine Reform heran, die das Spiel fairer machen soll - ohne das Vertrauen in die Schiedsrichter auf dem Feld zu untergraben.
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mhh