15.10.2026
Talente für die Zukunft
Die Miami Dolphins sind mit einem eher enttäuschenden Record von 0-5 in die neue Saison gestartet. Doch mit einem Playoff-Run war bei dem Team und den großen Veränderungen ohnehin nicht zu rechnen. Daher lohnt sich ein Blick auf die Leistungen der Rookies, die das Fundament der neuen Ära bei dem Franchise bilden sollen.

Die Bye-Week ist ein guter Moment, um durchzuatmen und auf den Start der Ära von Jeff Hafley und Jon-Eric Sullivan zu schauen. Auf den ersten Blick stehen fünf Niederlagen und kein einziger Sieg in der Bilanz. Das ist kein besonders guter Beginn auf dem Papier, in der Realität war aber genau das erwartet worden. Die Dolphins sind auf dem Kurs eines Top-5-Picks im kommenden Draft, doch sollten wir einen Blick auf die diesjährigen Rookies werfen. Denn die sind das Fundament, auf dem das neue Team aufgebaut werden soll.
Mit fast 2200 Snaps haben die Rookies der Dolphins den mit Abstand größten Anteil. Auf Platz 2 folgen die Browns mit etwas unter 1500 Rookie-Snaps in den ersten fünf Wochen. Mit 13 Picks im Draft hat das Team von Sullivan viele Möglichkeiten, Rookies einzusetzen, und das macht er auch. Die schiere Masse ist dabei die eine Sache, die Entwicklung einiger Rookies aber eine, auf die wir schauen müssen.
Allen voran der Tackle-Leader der NFL: Jacob Rodriguez. In der zweiten Runde gedraftet, entwickelt er sich zum bisher größten Anwärter auf den Defensive Rookie-of-the-Year-Award. Und das zeigt er nicht nur durch seine Präsenz und Tackles. Er gibt die Playcalls unseres Head Coaches an das Team weiter und organisiert die Defense auf dem Feld. Es ist vor allem die Konsistenz, mit der er überzeugt. Die Interception gegen die Chiefs krönt die bisherigen Leistungen. Die Zukunftsaussichten als Anführer der Defense der Dolphins wirken nach dem Start extrem vielversprechend. Rodriguez ist bisher mehr, als sich viele Fans erhofft haben.
Auf dieser Seite des Balls haben sich die Dolphins in Runde eins mit Chris Johnson, dem Cornerback von San Diego State, verstärkt. Der sah in den ersten beiden Wochen, vor allem in der ersten, extrem wackelig aus. Johnson war nicht eng genug an seinen Gegenspielern und hatte auch mit dem härteren Spielstil der NFL zu kämpfen. In den letzten Spielen hat er jedoch kaum etwas zugelassen, und selbst gegen die Bengals konnte er mit einem der besten Wide-Receiver-Duos der NFL mithalten. Nach fünf Wochen zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung, und Johnson hat sich schnell zurechtfinden können. Das Niveau gilt es nach der Bye-Week zu bestätigen und dauerhaft zu halten. Damit hätten die Dolphins einen klaren CB1 gefunden, was dem Aufbau der Defense einen gewaltigen Push geben sollte.

Neben den beiden frühen Picks haben sich leider Kyle Louis und Trey Moore verletzt und sind aktuell auf der IR-Liste. Das hat Fünftrundenpick Michael Taaffe nutzen können, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Safety spielt sowohl in der Box als auch als Free Safety, und das als annehmbarer Rotationsspieler. Das Potenzial für einen Starter hat aufgeblitzt, aber dafür fehlt die Konstanz. Diese nach fünf Spielen von einem Rookie aus der fünften Runde zu erwarten, ist aber auch nicht fair für eine finale Bewertung.
Das Bild der Rookies auf der offensiven Seite des Balls sieht etwas anders aus, aber nicht viel weniger positiv. Insgesamt wurden die Picks für die Offense der Dolphins eher als Reach bezeichnet. Das bedeutet nicht, dass die Spieler keine Erfolgschancen hätten, aber sie wurden früher gepickt, als der Konsens es erwartet hätte.
Kadyn Proctor hat sich bisher auf Left Guard gut gemacht. Seine Stärke ist bisher das Run Blocking, aber auch im Pass Blocking hat er sich etabliert. Gegen die Bengals und damit Dexter Lawrence wurde Proctor extrem gefordert, und das hat man beobachten können. Aber er hat sich nicht aufgegeben und konnte im Duell mit dem All-Pro Defensive Tackle auch Siege erringen. Mit Patrick Paul, Aaron Brewer und Proctor haben die Dolphins eine sehr solide linke Seite. Das sieht besser aus als jede andere Kombination in den letzten sieben Jahren.
Caleb Douglas ist aktuell leider verletzt, nachdem der Saisonstart vielversprechend war. Dafür hat Chris Bell übernommen. Er ist noch nicht ganz bei 100 Prozent, weil er die Vorbereitung wegen seines Kreuzbandrisses verpasst hat. Die Performance von Willis hilft den Receivern auch nicht dabei, sich mehr ins Rampenlicht zu spielen. Das Route Running ist aber in jedem Fall auf einem guten Niveau. Mit dem, was die beiden Receiver haben aufblitzen lassen, könnten die Dolphins anfangen, ein solides WR-Corps aufzubauen. Ob einer der beiden ein Nummer-1-Receiver werden kann, würde ich aber als fraglich einstufen.
Zum Schluss möchte ich auch auf Will Kacmarek aufmerksam machen. Der junge Tight End spielt eine gute Rotationsrolle. Nach Greg Dulcich ist er der zweite TE im Roster. Im Passing Game ist er bisher kein großer Faktor. Das war zu erwarten, wenn wir uns seine Rolle im College anschauen. Da würde ich mir wünschen, dass er öfter eingesetzt wird. Ob das eine Möglichkeit sein wird, werden wir sehen.
Insgesamt stehen die Dolphins bei 0-5. Das stimmt mich nicht sehr positiv, aber mit dem Blick auf die Rookies und die Einstellung des Teams kann man sich eine bessere Zukunft vorstellen. Und das ist alles, worauf es in dieser Saison ankommt: die Evaluierung der jungen Spieler und die Hoffnung, dass der Kern des Teams in Teilen schon gefunden wurde.
Rico Harting