23.03.2026
Vom Underdog zum Fan-Liebling
Wenn es eine Geschichte gibt, die die eines Underdogs am besten erzählt, dann ist es die von Mr. Irrelevant. Der Quarterback der San Francisco 49ers wurde von allen unterschätzt und ist trotzdem groß rausgekommen.

Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einem Blitz getroffen zu werden, liegt bei 1 zu 20 Millionen. Damit ist dieses Szenario wahrscheinlicher als der Fall, dass ein Talent, welches im NFL-Draft nach der Stelle 250 ausgewählt wird, es bis in den Super Bowl schafft. Diese liegt laut Berechnungen von CBS bei 1 zu 24 Millionen. Dieser eine war 2024 Brock Purdy.
Purdy spielte während seiner High-School-Zeit mehr als erfolgreich Football. Durch seine dortigen Leistungen bekam er einige Stipendien angeboten und entschied sich für die Iowa State University. Doch schon bei den Iowa State Cyclones setzten sie nicht von Anfang an auf ihn: "Meine ganze Geschichte geht darum nicht gesehen zu werden, nicht gut genug zu sein", erzählt der Spielmacher in einem späteren Interview. Erst an Spieltag fünf durfte er für die Cyclones spielen, nachdem er zuvor nur Quarterback Nummer drei war - also ziemlich irrelevant.
Als Starter brach er über die ersten beiden Spielzeiten mehrere Rekorde. Aufgrund dessen galt er lange Zeit als möglicher Erstrundenpick. Doch in den kommenden zwei Saisons konnte er nicht an seine Leistungen anknüpfen und rutschte so im Ranking ab. Im Draft 2022 wurde er an letzter Stelle von den 49ers ausgewählt und wurde damit "Mr. Irrelevant". Diesen Titel gibt es in jedem Jahr für den letzten Pick im Draft, da man diesem Spieler meistens keine Karriere in der NFL zutraut. Die meisten Spieler werden noch vor Saisonbeginn wieder entlassen.
Nicht aber Purdy. Er schaffte es nach dem Draft in den 53-Mann-Kader der 49ers und war dort zunächst wieder nur der dritte Quarterback, hinter Trey Lance und Jimmy Garoppolo. Doch er musste sich nur wenige Wochen gedulden und seine Chance sollte kommen: In Week 7 durfte Purdy ran und er wurde zum ersten Mr. Irrelevant, der einen Pass anbrachte. Zuvor kam unter allen sieben Quarterbacks, die als letztes gewählt wurden, nur einer zum Einsatz - und das auch nur für den Kneel Down. Und sein Glück sollte nicht abreißen: Ab Spieltag 13 war er aufgrund einer Verletzung von Garoppolo plötzlich gesetzt und brachte die 49ers bis in die Playoffs.
Damit war sein Durchbruch besiegelt. In der nächsten Saison wurde Purdy als Starting Quarterback eingesetzt. Sein neuer Ersatz war kein geringerer als der diesjährige Super Bowl-Sieger Sam Darnold. In der Saison 2023/24 brach er einen Vereinsrekord mit 4280 Yards Raumgewinn. Kein Wunder also, dass der Quarterback sein Team in diesem Jahr sogar bis in den Super Bowl führte.

Wenn auch viele an Purdys Fähigkeiten gezweifelt haben, einer wusste von Anfang an, was er an ihm hatte - Coach Kyle Shanahan. Kurz vor dem Super Bowl im Jahr 2024 erzählte der CEO der 49ers, Jed York, von einem Gespräch mit der San Francisco Trainer-Legende: "Ich denke, unser dritter Quarterback ist unser bester Quarterback", prognostizierte Shanahan dem CEO. Und er sollte Recht behalten. 2025 unterschrieb Purdy einen neuen Vertrag bei den 49ers, der über fünf Jahre geht und einen Wert von 265 Millionen US-Dollar hat. Das macht ihn zu einem der bestbezahlten Spieler der NFL. All das, obwohl kaum einer an ihn geglaubt hatte: "Alle diese Menschen haben mir gesagt, dass ich nicht gut genug sei. Ich dachte mir die ganze Zeit nur: Wartet nur ab, bis mir eine wahre Chance gegeben wird, mich zu beweisen", rekapituliert der heute 26-Jährige in einem Gespräch im Build 4 More Podcast.
Trotz seines jetzigen Erfolgs scheint der NFL-Star auf dem Boden geblieben zu sein. Häufig ist er nur in Jeans und T-Shirt unterwegs, geht gerne campen und auch die Leute um ihn herum schwärmen von ihm: "Wenn du sein Herz anschaust und siehst, was er alles macht und wie er kämpft, dann siehst du: Er glaubt so stark an sich - er ist eine wahnsinnig bodenständige Person", schwärmt Jed York bei der UP and Adams Show. Das zeichnet ihn wohl am meisten aus. Nicht seine Rekorde, nicht seine geworfenen Pässe und nicht sein großer Vertrag. Sondern der Mensch, der er geblieben ist und der nie an sich gezweifelt hat. Allen Widerständen zum Trotz.
lgr