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    GFL

    13.10.2026

    Professionalisierte Liga

    GFL 2035: Der Plan, mit dem American Football in Deutschland zur Nummer Fünf wird

    GFL 2035 heißt das Zukunftsprojekt der German Football League. Erste Ergebnisse sind für März 2027 angekündigt. Sprechen wir also darüber, wie American Football in Deutschland bis 2035 zur fünften großen Mannschaftssportart werden kann.

    Montigo Moss beim German Bowl gegen die Potsdam Royals in Dresden.
    Die GFL steht vor großen Plänen. IMAGO/PFA

    Über 25.000 Menschen im Rudolf-Harbig-Stadion. Ein 27:19 der Dresden Monarchs im GFL-Bowl, das die Ära der Potsdam Royals nach drei Titeln in Folge beendet hat. Ein besseres Saisonfinale hätte sich die GFL kaum ausdenken können.

    Auch die Bilanz, die einen Tag später auf der Mitgliederversammlung gezogen wurde, ist beachtlich: Über 3,7 Millionen Menschen Nettoreichweite auf DF1, ein Plus von 60 Prozent, 229.000 Live-Views beim Debüt auf Twitch und rund 50 Millionen Instagram-Aufrufe in neun Monaten stehen für eine so hohe Sichtbarkeit der GFL wie nie zuvor.

    Unter dem Arbeitstitel "GFL 2035" sollen nun ein gemeinsames Zielbild und eine Gesamtstrategie entstehen, von Marketing und Medien über Infrastruktur und Importregeln bis zur Jugendarbeit. Dieser Schritt ist richtig und überfällig. Denn die GFL hat vieles in den letzten Jahren aufgebaut, was eine Liga braucht: Namenssponsor, Free-TV, gemeinsames Ticketing und ein Lizenzstatut mit wirtschaftlichen Mindestanforderungen. Was fehlt, ist ein gemeinsames Ziel, an dem sich alle messen lassen.

    Die Winterpause ist lang. Grund genug, die Debatte um die neue Gesamtstrategie schon jetzt zu eröffnen. Auf den ersten Blick wird direkt klar. Die Vereinbarung auf gemeinsame Ziele wird kein leichter Gang.

    GFL 2035: Die wichtigsten Vorschläge auf einen Blick

    ? Zielbild: American Football wird bis 2035 die fünfte große Mannschaftssportart in Deutschland, jährliches Resumee.

    ? Ligastruktur: GFL mit zwölf, GFL2 mit 16 Teams ab 2028, Standorte in Deutschlands Metropolen gezielt fördern

    ? Standards: Harte, tragende und weiche Kriterien bis 2031, ein Pflicht-Sockel für Stadien, keine Ausnahmen mehr.

    ? Stadionerlebnis: Ein Eventspiel pro GFL-Verein und Saison.

    ? Spielerstatus: Ausbildungsorte und GFL Juniors stärken

    ? Medien: Alle Konferenzen im Free-TV, ein gebündeltes Rechtepaket mit nennenswerten Erlösen.

    Zielbild GFL 2035

    Ein Ziel muss groß genug sein, damit sich alle dahinter versammeln und es muss jedes Jahr überprüfbar sein. Das bereits ausformulierte Ziel von Geschäftsführer Torben Dill lautet deshalb: American Football ist 2035 die fünfte große Mannschaftssportart Deutschlands. Medial will man auf Augenhöhe mit Fußball, Handball, Eishockey und

    Basketball gelangen. Bei den Mitgliedern muss der Verband unter die Top 5 und als größte Sommer-Mannschaftssportart überhaupt seinen Platz etablieren.

    Das klingt nach Größenwahn? Dann lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Der American Football Verband Deutschland (AFVD) zählt laut DOSB-Bestandserhebung 73.410 Mitglieder, der Eishockey-Bund 26.431. Football hat also fast dreimal so viele Mitglieder. Trotzdem läuft die DEL selbstverständlich im Fernsehen, die GFL nicht. Mediale Relevanz hängt eben nicht an Mitgliedern, sondern an Professionalität, Bildern und Geschichten.

    Bei den Mitgliedern liegt Football unter den Mannschaftssportarten auf Rang Sechs. Direkt davor steht Hockey mit gut 90.000. Hinzu kommt der Sportkalender. Wenn die Bundesliga pausiert, die Handballer im Urlaub sind und die Eishockeyspieler im Kraftraum stehen, spielt die GFL. Diese Lücke im Sommer gilt es konsequent zu besetzen.

    Damit das Ziel nicht nur auf Folien gut aussieht, braucht es ein jährliches schriftliches Resumee. Kennzahlen werden jedes Jahr ungeschönt veröffentlicht: Zuschauerschnitt, kleinster Standort, Bowl-Besucher, Liga- und Medienerlöse, Reichweite, Anteil in Deutschland ausgebildeter Spieler, Mitglieder, usw. Die Basketball-Bundesliga hat das 2015 vorgemacht. Dort waren vor elf Jahren, wie aktuell in der GFL, einige wenige Vereine bereits bei den Zielvorgaben angekommen. Der Rest der Liga war aber noch lange nicht am Ziel.

    GFL-Ligastruktur ab 2028

    Ab 2028 spielt die GFL mit zwölf Teams, die GFL2 mit 16. Das ist die richtige Größe und sie sollte nicht erneut zur Diskussion gestellt werden. Entscheidender ist, ob die Standorte für stabile zwölf Teams reichen. Werfen wir doch mal einen Blick auf die Landkarte: Hamburg, Stuttgart, Köln, Hannover, allesamt Metropolregionen ohne Erstligist. In Hamburg wurden die Blue Devils einst Deutscher Meister und füllten in den Neunzigern große Stadien. Heute spielt dort niemand erstklassig. Die Liga sollte Vereine mit Aufstiegspotenzial in diesen Regionen deshalb aktiv ansprechen.

    Lizenzstatut und Stadion-Standard

    Die GFL hat viele Regeln, das Problem ist die Durchsetzung. Vielen Zuschauern ist das in den Livestreams sicher schon aufgefallen: Die Hauptkamera soll laut Handbuch auf die Haupttribüne filmen. In der Praxis gibt es Ausnahmegenehmigungen und so zeigen manche Übertragungen leere Bereiche, obwohl über tausend Menschen im Stadion sind. Für das Fernsehbild ist das fatal. Die Liga ist an dieser Stelle schlicht zu nachsichtig.

    Feuerwerk beim German Bowl in Dresden.
    Feuerwerk beim German Bowl im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden. IMAGO/PFA

    Sinnvoll wäre es, Lizenzstatut, Infrastrukturplan und Mindeststandards nach drei Kriterien zu unterscheiden:

    ? Harte Kriterien für die Lizenz.

    ? Tragende Kriterien mit empfindlichen Sanktionen.

    ? Weiche Kriterien zur Verbesserung der Qualität.

    Jeder Verein weiß dann künftig, was auf ihn zukommt. Im Gegenzug gibt es keine Ausnahmen mehr. Denn wer investiert hat, darf am Ende nicht der Dumme sein, der sich an Regeln hält, die von anderen Vereinen aufgeweicht werden. Wer ein hartes Kriterium

    verfehlt, erhält keine Lizenz. Wer auf der zweiten Stufe sanktioniert wird, sollte immer mehr zahlen, als was er sich durch die Nichteinhaltung gespart hat. Die Erfüllung von Kriterien muss immer günstiger sein, als die Strafgebühr.

    Beim Infrastrukturplan gehören verpflichtende Elemente einbezogen. Ein Punktesystem ist aber klug, weil es Schwächen durch Stärken ausgleicht. Mit einer hohen Zahl an Sitzplätzen, LED-Banden und anderen Features lassen sich Punkte sammeln, um andere Defizite am Standort auszugleichen.

    Bestimmte Anforderungen müssen aber gegeben sein und sind nicht verhandelbar: Kameraposition, Upload-Leitung, überdachte Haupttribüne, Mindestkapazität und Flutlicht. Gerade das Flutlicht wird unterschätzt, denn die Sommer werden heißer und Spiele, wie in diesem Jahr bereits geschehen, wandern in den Abend.

    Eventspiele für die GFL

    Volle Tribünen, Atmosphäre und gute Bilder sind die Voraussetzung dafür, dass Reichweite in Erlöse umschlägt. Das Potenzial ist enorm. Die Rostock Griffins zogen in der GFL2 bei ihrem Eventspiel im Ostseestadion 2025 über 11.000 Zuschauer und ein Vielfaches ihres normalen Schnitts an. Kein anderer deutscher Mannschaftssport kennt eine solche Spreizung zwischen Alltag und Event. Deshalb sollte jeder GFL-Verein ab 2028 mindestens ein Eventspiel pro Saison austragen, in einem größeren Stadion oder mit besonderem Rahmen am aktuellen Standort. Die Liga platziert diese Spiele gezielt in den Free-TV-Konferenzen.

    Gleichzeitig darf die Liga seine Vereine an dieser Stelle nicht allein lassen und nur Forderungen stellen. Ein Handbuch mit allen Infos und Erfahrungen, um Fans bei einem Event ins Stadion zu ziehen, sowie Beratung und Austausch, damit vor allem jüngere Generationen immer mehr an der GFL partizipieren können, sind hilfreiche Elemente. Wichtig ist dabei auch Kontinuität. Eine gelungene Halbzeitshow, die beim nächsten Eventspiel wieder fehlt, schadet mehr, als sie nützt. Kein Format sollte starten, wenn nicht mindestens zwei Jahre Fortführung gesichert sind.

    So entsteht eine Marke, wie wir es aus dem College Football kennen. Ähnlich dem europäischen Football gibt es dort eine gewisse Fluktuation, weshalb sich Fans nur selten mit Spielern über einen langen Zeitraum identifizieren können. Im Gegensatz zur NFL hebt der College Football daher seine Teams hervor, kleidet Spieler sogar bewusst in Trikots mit Nummern und ohne Spielernamen auf dem Jersey ein und hat, teils erst in den letzten Jahren, Traditionen beim Tailgating, vor dem Kickoff oder in einer bestimmten Quarter-Pause etabliert.

    Ausländerregel und GFL Juniors

    Nun wird es heikel. Die aktuelle Ausländerregel definiert Importspieler allein über die Staatsangehörigkeit. Wer einen EU-Pass besitzt, zählt nicht als Ausländer. Auch dann nicht, wenn er in den USA aufgewachsen ist und College Football gespielt hat. Das Ergebnis lässt sich in den letzten Endspielen beobachten: Startformationen voller Importspieler, die auf

    dem Papier keine sind. Da kann man den Vereinen keinen Vorwurf machen. Aber diese Regel gehört geändert.

    Ausbildungsstandorte müssen von ihrer Spielerentwicklung profitieren und nicht dafür bestraft werden, dass sie junge eigene Talente einem Import vorziehen. Es gibt mittlerweile zahlreiche gute Beispiele dafür, dass gut ausgebildete deutsche oder europäische Spieler im Vergleich zu "Dual-Passport-Importen" nicht weniger Qualität aufweisen. Paul Terjung, Julius Klenk, Michael Grünes, Tim Müller, Chrisman Kyei und die Liste kann noch weiter fortgesetzt werden.

    An US-Colleges spielen über alle Divisions der NCAA verteilt mittlerweile rund 100 Talente, die in Deutschland ausgebildet wurden. Es gibt also ein großes Kontingent an hochwertigen Spielern und wer sich um diese bemüht, auch während ihrer College-Zeit, sollte davon später profitieren. Das ist nur fair und belohnt genau die Vereine, die Nachwuchsarbeit leisten.

    Wegen laufender Verträge und aufgrund fehlender Breite auf Positionen in den Trenches braucht es einen weichen Übergang und eine schrittweise Verschärfung, bevor eine gerechtere Importregelung festgeschrieben wird. Gleichzeitig braucht es einen Ausbildungsfonds und eine Ausbildungsentschädigung für ausbildende Vereine, um weitere Anreize für Spieler-Entwicklung zu schaffen. Es bleibt dabei, wer substanziell investiert, darf am Ende nicht der Dumme sein.

    Eines muss jedoch klar sein. Importstars sind Publikumsmagneten und für Fans zählt Leistung mehr als Herkunft. Eine Anzahl an US-Imports braucht die GFL und diese darf sogar steigen, wenn ein gewisser Fokus von allen GFL-Vereinen auf die Nachwuchsförderung gerichtet wird. Schließlich muss das Produkt auf dem Platz stimmen, um Fans zu begeistern.

    Damit kommen wir zu den GFL Juniors, die aktuell noch komplett unter dem AFVD laufen. Die U20-Liga ist für den deutschen Football alternativlos, doch sie bröckelt. Zuletzt haben mehrere Vereine Mannschaften zurückgezogen. Hier braucht es ebenfalls einen Plan für die Zukunft, für den Vorschläge so aussehen könnten:

    ? Zunächst eine enge Kooperation mit dem AFVD: Gemeinsamer Spielplan, Juniors-Spiele als Vorspiele an GFL-Spieltagen

    ? Danach ein Juniors-Team als Lizenzkriterium für GFL-Vereine, gern als Spielgemeinschaft

    ? Eine Verkleinerung auf zwölf Teams. Zehn Spiele, Halbfinale, Finale

    ? Langfristig das Juniors-Finale beim GFL Bowl und ein Juniors All-Star Game

    GFL Junior Bowl Game zwischen den Schwäbisch Hall Unicorns und den Düsseldorf Panthers.
    Der GFL Junior Bowl wird ebenso wie der German Bowl jährlich ausgetragen. IMAGO/Zoonar

    Die besten U20-Spieler des Landes im All-Star-Game auf einem Feld mit Talentsuchern amerikanischer Colleges auf der Tribüne. Ein fester Termin für alle, die sich für die Stars von Morgen interessieren, vergleichbar mit "All-American-Bowls" im High School Football und eingebunden in das GFL-Bowl-Wochenende.

    Doch das wird Geld kosten. Hauptamtliche Nachwuchstrainer, Reisekosten usw. können vielleicht durch Zuschüsse finanziert werden. Landessportbünde und Kommunen, sowie

    eigene Sponsoren können die Nachwuchsarbeit unterstützen, wenn es mit verknüpften GFL-Spieltagen mehr Sichtbarkeit für die Juniors gibt.

    GFL im TV und Livestream

    Wer aufmerksam liest, findet nun immer mehr Anforderungen für Vereine in der GFL, die ohne Finanzierung die hohen Ziele für eine weitere Professionalisierung nicht einhalten können. Nachdem in den letzten Jahren eine qualitative und quantitative Präsenz im TV und über Livestreams aufgebaut wurde, bei denen alle Vereine praktisch in Vorleistung gegangen sind, muss die GFL nun nennenswerte Erlöse aus Medienrechten generieren. Nur mit einer Berichterstattung, die von Medienplattformen bezahlt wird, können GFL-Vereine die nächsten Schritte mit der Liga gemeinsam gehen.

    Klinkenputzen ist daher angesagt. Die GFL-Konferenz ist gut. Nun geht es um feste Sendezeiten im TV für höhere Reichweite und Sichtbarkeit. Entscheidend ist dabei die Platzierung. Mit SportEuropeTV und DF1 gibt es Anbieter, mit denen das Produkt zuletzt reifte und sichtbarer wurde. Jetzt sollte es in die Kontakte zu stärkeren Sendern gehen, immer mit der Maßgabe, dass diese für ein Rechtepaket auch zahlen. Vor einigen Jahren wäre allein das Ausschreiben des letzten Satzes undenkbar gewesen. Doch die Liga hat sich etabliert und muss sich nicht weiter in der Nische verstecken.

    Bei Social Media gilt es, klar am bisher eingeschlagenen Weg festzuhalten und diesen weiterzuentwickeln: Instagram und TikTok als Wachstumsmotoren, Twitch als Live-Kanal und YouTube zur Vertiefung. Die Fans wünschen sich bessere Highlights, mehr Einblicke hinter die Kulissen und mehr Spielerinterviews. Die Förderung der Gen Z bei der Gestaltung eigener Formate bezieht Fans direkt mit ein.

    German Football League mit Alleinstellungsmerkmal

    Kommen wir zur Abgrenzung gegenüber aufkommender paneuropäischer Ligen. Ein Beispiel: Die Braunschweig Lions haben zwölf Titel gesammelt. Trotzdem kennen sie außerhalb Niedersachsens nur wenige. Der Begriff "Deutscher Meister" ist eine Marke, die sich nur die GFL in Europa zuschreiben kann und gehört deshalb in jede Kommunikation. Mit Trophäe, Meister-Patch in der Folgesaison und einem Hall-of-Fame-Abend beim Bowl, der stolz auf eine mittlerweile 47 Jahre lange Geschichte der German Football League blickt, machen die Sache rund. Besondere Aufmerksamkeit muss in wenigen Jahren die 50. Spielzeit nach dem Vorbild der NFL erhalten.

    Ein Spiel in der GFL im Jahr 2007.
    Die GFL kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken. IMAGO

    Erfreulich ist, dass Fans die GFL längst mit den Werten beschreiben, die eine Marke braucht. Regionalität, Gemeinschaft, Nachwuchsarbeit, Authentizität. Echt und nahbar, ohne den überpolierten Charakter größerer Ligen. Genau darin liegt auch der Unterschied zu jeder privatwirtschaftlichen Liga.

    Eine Profiliga braucht Profis

    Ein Punkt, der momentan zu wenig Beachtung erhält, ist die Liga-Geschäftsstelle, die personell eher einem Start-up als der Zentrale einer Liga mit professionellem Anspruch ähnelt. Die Forderung nach mehr Hauptamtlichkeit in den Vereinen stand schon 2024 in

    dieser Kolumne. Inzwischen verlangt das Lizenzstatut hauptamtliches Personal bei den Erstligisten. Doch dasselbe gilt für die Liga selbst. Zentrale Vermarktung, Bowl, Juniors, Kontrolle der Standards, ohne Personal wird jedes dieser Ziele scheitern.

    Gemeint ist kein Wasserkopf. Neben der Geschäftsführung braucht es einen Head of Media, einen Head of Sales und einen Head of Marketing, dazu Werkstudierende. Jede Stelle wird natürlich erst besetzt, wenn der nötige Meilenstein zur Finanzierung erreicht ist. Erst das Geld, dann die Stelle.

    GFL, EFA und AFLE: Die Heimat des American Football in Deutschland

    Nach dem Aus der European League of Football kämpfen European Football Alliance und American Football League Europe mit Geld- oder Zuschauersorgen. Für die GFL ist das die beste Gelegenheit seit Jahren, sich als verlässliche Heimat des deutschen Footballs zu positionieren. Dazu gehören verbindliche Abmachungen: Spielerfreigaben außerhalb der Saison ja, Doppelstarts oder das Abwerben von Spielern ohne Ausbildungsentschädigung nein

    Was "GFL 2035" die Vereine kostet

    Bis hierhin klingt vieles nach Wunschzettel. Deshalb kommt jetzt der unangenehme Teil. Die Vereine tragen den größten Teil der Last. Kaufmännisches Personal, Marketing, Nachwuchsstellen, Stadion-Standards, Eventspiele. Das summiert sich schnell auf eine sechsstellige Summe pro Jahr. Für einen Verein mit einer Viertelmillion Budget ist das nicht aus dem Bestand zu stemmen.

    Funktionieren kann es nur über Wachstum. Ein Rechenbeispiel: 1.000 zusätzliche Zuschauer pro Heimspiel bringen bei fünf, sechs Heimspielen und 12 bis 15 Euro Nettoerlös pro Karte schnell 60.000 bis 90.000 Euro. Der Business Case ist also plausibel. Aber er funktioniert nicht automatisch.

    Deshalb muss die Liga liefern. Ein Werkzeugkasten mit Musterstellenprofilen und Förderwegweisern, eine Begleitung der schwächsten Standorte und eine echte Ausschüttung an Erlösen. Die teuersten Ziele werden erst zur Pflicht, wenn Zuschauerschnitt und Ausschüttung das hergeben. Denn Standards ohne Basis durch Erlöse sind für die Hälfte der Standorte nicht tragbar. Erlöse ohne Standards aber auch nicht erreichbar.

    GFL 2035 als Chance für den American Football in Deutschland

    Würde die Liga mit diesem Strategiepapier zu viel von den Vereinen verlangen? Vielleicht. Aber genau darum geht es bei einem Zielbild. Die GFL will bis 2035 die fünfte größte Mannschaftssportart in Deutschland werden und zu Basketball, Eishockey und Handball aufschließen. Selbst wenn das große Ziel am Ende knapp verfehlt wird, wäre der Plan "GFL 2035" deshalb nicht gescheitert.

    Für die GFL entscheiden drei Dinge über alles. Ein messbares Ziel, das jedes Jahr öffentlich überprüft wird. Standards, die Jahre vorher angekündigt und dann ohne Ausnahme

    durchgesetzt werden und eine Struktur, in der die Liga die Hoheit über ihr eigenes Produkt hat.

    Bis März 2027 haben die Verantwortlichen Zeit für erste Ergebnisse. Wir dürfen gespannt sein, was die einzelnen Arbeitsgruppen vorstellen und wie sich die Diskussion entwickelt. Wenn die GFL den Mut aufbringt, sich von einer Randsportart zur fünften großen Mannschaftssportart in Deutschland zu entwickeln, wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür.

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    Philipp Forstner

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