08.10.2026
GFL-Kolumne
Bereits im vergangenen Jahr erlebten wir in Dresden einen spektakulären GFL Bowl. Vor wenigen Tagen gelang es den Veranstaltern, das damalige Endspiel mit 25.016 Zuschauern und einem beeindruckenden Event noch einmal zu übertreffen. Das enge Duell auf Augenhöhe zwischen den Dresden Monarchs und den Potsdam Royals, das der Gastgeber letztlich für sich entschied, zeigte eindrucksvoll, wo der Football in Europa derzeit wirklich stattfindet.

Bereits im letzten Jahr erlebten wir einen spektakulären GFL Bowl in Dresden. Vor wenigen Tagen ist es den Veranstaltern gelungen, mit 25.016 Zuschauern und einem atemberaubenden Event das letzte Endspiel nochmal zu toppen. Das enge Spiel auf Augenhöhe zwischen den Dresden Monarchs und den Potsdam Royals mit dem Gastgeber als Finalsieger hat bewiesen, wo Football in Europa gerade wirklich stattfindet.
Als Gast in Dresden hat man ja mittlerweile so seine Vorurteile. Doch wer am Wochenende nach Sachsen zum GFL-Bowl gefahren ist, wurde sehr gastfreundlich begrüßt. In Dresden ist man Dynamo-, Eislöwen- und Monarchs-Fan zugleich. Die Landeshauptstadt liebt seine Teams und sportliche Großevents. An jeder Ecke war der GFL-Bowl spürbar und lange vor und nach dem Abpfiff haben in Dresden alle mitbekommen, dass die Effect Energy GFL zu Besuch war.
Dann ist da dieses Gefühl, das sich schwer beschreiben lässt. Der GFL Bowl ist inzwischen das große Familientreffen des deutschen Footballs. Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Coaches, Medienleute, Maskottchen, Menschen, mit denen du das ganze Jahr in Kontakt bist, stehen plötzlich vor dir. Die GFL und der AFVD schaffen so ein wundervolles Event. Beginnend mit den GFL Honors am Freitagabend, um Spieler und Coaches für ihre verdienten Leistungen zu ehren.
Sportlich war es ein Finale, über das man noch lange reden wird. Potsdam ist mit einem klaren Plan angereist: Laufen, Uhr melken und den besten Quarterback Europas so lange wie möglich vom Feld halten. Denn genau das ist Rocky Lombardi. Einer der wenigen in Europa, die das Spiel mit dem Kopf spielen und nicht nur mit Arm und Athletik.
Doch Dresden konnte den Plan vereiteln. Die Monarchs haben zuerst den Lauf weggenommen. Runningback Chrisman Kyei kam nie wirklich ins Spiel. Resultierend daraus, musste es Royals-Quarterback Bay Harvey richten, der dann drei Interceptions warf und von der Dresdner Defense geschlagen wurde.
Was wirklich überraschte, war, wie konservativ der Serienmeister Potsdam aufgetreten ist. Der Druck lag eigentlich komplett bei Dresden. Zwei verlorene Finals, dazu eine hohe Erwartungshaltung der Fans und vom Vorstand. Doch plötzlich trug Potsdam die schwere Last auf den Schultern.
Lombardi dagegen hat seine Hausaufgaben gemacht. Potsdam hat diese Playoff-Blitzpakete. Versteckt, schwer zu lesen, ein bisschen Brian Flores. Weil er die auf Tape erkannte, zog er Blocker rüber, gewann die nötige halbe Sekunde und warf dann tief auf Montigo Moss. Genau deshalb wurde Rocky Lombardi auch verdient zum MVP des Endspiels gekürt. Moss hat währenddessen in der Manier seines Hall-of-Fame-Vaters Randy seine Gegner "ge-Moss-ed" und für einen der spielerischen Momente des Abends gesorgt.

Dann erlebte Royals-Coach Michael Vogt seinen persönlichen Pete-Carroll-Moment. Es waren noch zwei Yards im vierten Versuch zu gehen, bei noch zehn Sekunden auf der Uhr. Die Spannung war förmlich greifbar. Wirfst du in dieser Situation den Ball auf eine Slant Route oder gibst du deinem Power Back Heiko Bals den Ball?
Über Jahre war Bals dein First-Down-Magnet. In so einer kritischen Phase hätte Bals den Ball unter seinem Pad verschluckt und erst in der Endzone wieder ausgespuckt. Doch Potsdams Bay Harvey warf den Ball auf den kurz einlaufenden Key’Shawn Smith und Chris Noack bedankte sich mit der entscheidenden Interception des Tages.
Victory Formation. Die Monarchs knien ab und sind Deutscher Meister. Ihre Trenches haben das Spiel dominiert und sie waren mutiger in ihren Entscheidungen. Sie haben viel investiert in diese Kampagne und der ganze Druck entlud sich bei der abschließenden Siegesfeier im tosenden Feuerwerk unter dem lautstarken Beifall vieler Monarchs-Anhänger, die ihre Spieler und Coaches über das ganze Spiel unterstützten
Zum Abschluss der Saison, sei mir als Kolumnist noch eine persönliche Note erlaubt. Ich war Fan der Idee der European League of Football und habe die Entstehung einer paneuropäischen Liga als den nötigen Tritt in den Hintern für die GFL und den AFVD gesehen.
Die Liga hat sich in den letzten Jahren auf sich besinnt und ihre Hausaufgaben gemacht. Wer zukünftig in Europa ein Finale vor über 25.000 Zuschauern spielen will, bekommt diese Chance nicht in der AFLE oder der EFA, sondern in der German Football League. Geschäftsführer Torben Dill will die Liga langfristig zu einer der fünf großen Ligen Deutschlands machen und nach diesem Finale würde ich nicht mehr dagegen wetten. Jeder kann sich gern selbst ein Bild davon machen und nächstes Jahr am 25. September zum GFL Bowl nach Dresden kommen. Alle sind herzlich eingeladen zum großen Treffen des American Footballs in Deutschland.
Philipp Forstner