09.10.2026
Im Interview
Markus Kuhn will beim Aufbau der EFA aus den Fehlern früherer europäischer Football-Projekte lernen. Im exklusiven Interview mit football-world kritisiert der neue EFA-Präsident vor allem das schnelle Wachstum der European League of Football und deren Expansion in Märkte ohne ausreichende Fanbasis.

Für seine eigene Liga verfolgt der ehemalige NFL-Profi deshalb einen anderen Ansatz. Statt möglichst schnell möglichst viele Franchises aufzunehmen, will Kuhn die EFA langfristig aufbauen. Selbst zehn Teams könnten seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit vollkommen ausreichen.
Die ELF expandierte innerhalb weniger Jahre stark und war zeitweise mit 16 Teams in zahlreichen europäischen Märkten vertreten.
Für Kuhn ging diese Entwicklung zu schnell. "Ich glaube, die ELF hatte am Ende sogar 16 Teams. Das halte ich für komplett wild, weil Football in Europa noch gar nicht an dem Punkt ist, an dem eine solche Größe sinnvoll wäre."
Ein entscheidendes Problem sieht er in den enormen Kosten einer paneuropäischen Football-Liga. Große Kader und regelmäßige Reisen quer durch Europa machen den Spielbetrieb aufwendig.
Dafür brauche es Märkte, die eine Franchise wirtschaftlich überhaupt tragen können. "Man darf nicht vergessen: Im Sport kann man nur einigermaßen wirtschaftlich arbeiten, wenn man im eigenen Markt eine entsprechende Fanbase besitzt."
Kuhn verdeutlicht das Problem anhand der teilweise erheblichen Unterschiede zwischen den einzelnen Standorten.
Während etablierte Football-Märkte mehrere Tausend Zuschauer mobilisieren können, funktioniere dieses Modell nicht automatisch in jedem Land und jeder Stadt. "Es bringt nichts, wenn man bei Frankfurt Galaxy oder damals bei Rhein Fire mehrere Tausend oder vielleicht sogar 10.000 Zuschauer hat, in einem anderen Markt aber gerade einmal 500 Menschen ins Stadion kommen."
Für die EFA soll deshalb nicht entscheidend sein, möglichst viele Länder auf der eigenen Landkarte abzudecken. "Wir wollen deshalb in Märkte gehen, die für Football in Europa bereits attraktiv sind und in denen eine entsprechende Fanbase vorhanden ist."
Gleichzeitig will der 40-Jährige einen weiteren Konflikt vermeiden, der den europäischen Football in den vergangenen Jahren begleitet hat.
Die EFA soll sich langfristig zwar oberhalb der nationalen Wettbewerbe positionieren, diese nach Kuhns Vorstellung aber nicht verdrängen. "Das Letzte, was wir wollen, ist der direkte Kampf mit den etablierten nationalen Ligen in Europa."
Der Anspruch der EFA sei dennoch eindeutig: bessere Strukturen und langfristig auch ein höheres sportliches Niveau. Bevor die Liga diesen Status für sich beanspruchen könne, müsse sie ihn allerdings erst erreichen.
Kuhn räumt sogar ein, dass die EFA einigen etablierten europäischen Organisationen derzeit noch hinterherläuft. "Bei manchen Top-Franchises sind wir aktuell vielleicht sogar noch einen kleinen Schritt dahinter. Aber wir stehen auch erst am Anfang."
Anstatt den nationalen Wettbewerben Spieler und Marktanteile wegzunehmen, soll die Zusammenarbeit gestärkt werden. Kuhn nennt dabei unter anderem die Ausbildung von Spielern und die Unterstützung von Coaches. "Es soll eher ein Miteinander als ein Gegeneinander sein."
Die entscheidende Lehre aus der Vergangenheit ist für Kuhn deshalb eine kontrollierte Expansion. Eine europäische Liga müsse nicht allein deshalb wachsen, um möglichst schnell möglichst groß zu erscheinen. "Es bringt nichts, unnatürlich schnell und groß zu wachsen, nur damit man sagen kann: Wir haben jetzt eine europäische Liga."
Kuhn stellt deshalb grundsätzliche Fragen an eine solche Strategie. "Welche Märkte ergeben überhaupt Sinn? Warum braucht man plötzlich 16 Teams? Was ist der Grund für dieses schnelle Wachstum?"
Auch die wirtschaftlichen Motive hinter einer Liga müssten aus seiner Sicht klar definiert sein. "Will man die Liga möglichst schnell verkaufen und vielleicht einen Exit machen? Das ist nicht mein Ziel."
Kuhns Gegenentwurf ist auf einen deutlich längeren Zeitraum ausgelegt. Statt kurzfristig möglichst viele Franchises aufzubauen, soll die EFA über Jahre hinweg stabile Strukturen entwickeln. "Ich würde die Liga am liebsten langfristig als Institution über die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus aufbauen und am Ende einfach eine sehr gute europäische Profiliga haben."
Dafür müsse die EFA möglicherweise niemals die Dimensionen erreichen, die andere europäische Wettbewerbe angestrebt haben. "Ich weiß gar nicht, ob das Ziel langfristig überhaupt 15 oder 16 Teams sein muss."
Aktuell sieht der Wahlamerikaner bereits eine deutlich kleinere Größenordnung als mögliche Basis für eine funktionierende Liga. "Wenn wir von sieben mittelfristig vielleicht auf zehn Mannschaften wachsen, sind wir aus meiner Sicht in einer sehr guten Position."
Für den neuen EFA-Präsidenten ist damit nicht die Anzahl der Franchises der entscheidende Maßstab. Entscheidend soll sein, ob die einzelnen Standorte sportlich und wirtschaftlich funktionieren. Die EFA soll wachsen - aber nur dort, wo der europäische Football bereits die Voraussetzungen dafür bietet.
nkr