21.07.2026
10. Spieltag
Nach der spielfreien Woche ist die GFL mit einem ereignisreichen Samstag in den Saisonendspurt gestartet. Drei Partien im Süden und eine Begegnung im Norden standen auf dem Programm.

GFL im Saisonendspurt. Im Mittelpunkt: der Südgipfel zwischen den Pforzheim Wilddogs und den Schwäbisch Hall Unicorns, der die hohen Erwartungen übertraf und sich als eines der Spiele der Saison entpuppte. Doch auch auf den anderen Plätzen gab es richtungsweisende Ergebnisse im Kampf um die Playoff-Plätze und Abstiegskonstellationen und damit die bestmöglichen Ausgangslagen. Wir blicken auf alle Samstagsspiele der Woche 11 in der GFL zurück.
Die Schwäbisch Hall Unicorns haben gegen die Pforzheim Wilddogs wohl den entscheidenden Schritt Richtung Südmeisterschaft gemacht. Nach frühem Rückstand, unter anderem auch durch ein Special Teams Big Play der Pforzheimer, drehte der Tabellenführer die Partie und setzte sich gegen den direkten Verfolger durch.
Der eigentliche Wert dieses Sieges liegt aber in den Umständen. Schwäbisch Hall musste weiterhin ohne Starting Quarterback Lars Heidrich antreten und zusätzlich auf Kelley Joiner Jr. verzichten, der wohl der wichtigste Skill Player der Unicorns-Offense ist. Trotzdem gewann man dieses Spiel gegen das Team, das im Süden aktuell am nächsten an ihnen dran ist.
Offensiv spielten die Unicorns mit nur einem Import und mussten ansonsten stark auf ihre deutschen Receiver setzen. Pforzheim hatte dabei einen klaren Ansatz: Das explosive Laufspiel der Unicorns sollte eliminiert werden. Das gelang auch. Mathis Harang kam lediglich auf 47 Yards am Boden. Damit lag die Verantwortung beim 22-jährigen Backup-Quarterback und der lieferte erneut.
Wie schon gegen Regensburg war Julius Klenk extrem effizient, brachte 81 Prozent seiner Pässe an und warf drei Touchdown-Pässe. Sein längster Touchdown über 60 Yards auf Fuchs hätte allerdings nicht zählen dürfen, weil der Ball zuvor den Boden berührt hatte. Dieser Kontext gehört bei der Bewertung dazu.
Die Defense erledigte parallel ihren Job in den entscheidenden Situationen. Drequan Harris fand nie wirklich seinen Rhythmus, die Unicorns machten wichtige Stops und Defensive Back Jordan Toles fing bereits seine dritte Interception der Saison.
Aktuell wirkt Schwäbisch Hall extrem stabil. Die Ausfälle fallen auf, aber sie verändern das Niveau des Teams kaum. Wenn die Saison heute vorbei wäre, wäre Felix Brenner für mich der klarste Kandidat für den GFL Coach of the Year.
Es hat sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet: Die Regensburg Phoenix sind besser als ihr zwischenzeitlicher 1-5-Record es vermuten lies.
Der Süden ist aktuell relativ klar geteilt: Vier Teams spielen um die Playoffs, drei Teams kämpfen gegen den Abstieg. Dazwischen sehe ich Regensburg. Der Aufsteiger sollte mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen.
Der größte Unterschied zu vielen Teams im Tabellenkeller ist die Stabilität auf Quarterback. Cameron Yowell gibt dieser Offense mit seinen Improvisationsfähigkeiten und dem Verständnis für die Offense eine gewisse Baseline. Er kennt das System mittlerweile gut und hat eine einwandreife Verbingung mit Nummer 1 Receiver Nicolas Hayes, das ist ein Luxus den viele Teams im Süden einfach aktuell nicht aufweisen könne.
Dazu kommt ausreichend Talent in beiden Lines, genau die Bereiche, in denen Aufsteiger normalerweise Probleme bekommen können. Nach den Vorbildern Hildesheim 2024 und Pforzheim 2025 machte man hier seine Hausaufgaben und das zeigt sich.
Gegen die Comets blieb die Partie lange eng, auch weil Gabe Quigley mit einigen spektakulären Plays immer wieder Antworten fand. Trotzdem war Regensburg über weite Strecken das bessere Team und gewann verdient.
Der Spielplan spielt ihnen dabei entgegen: Mit den Saarland Hurricanes und zwei Duellen gegen die Straubing Spiders warten noch Teams, die Regensburg schlagen kann und in meinen Augen schlagen wird. Wenn sie diese Spiele holen, ist eine zwischenzeitliche 5-5-Bilanz absolut realistisch und damit wäre man weit weg vom Abstiegskampf.
Nach dem 55:7 gegen die Berlin Rebels folgte für die Potsdam Royals am Samstag ein 60:0 Sieg gegen gegen die Hildesheim Invaders. Potsdam gab früh den Ton an, erzielte einen Touchdown im Opening-Drive und verlor danach keinen Schritt. Dieses Spiel war früh entschieden und spätestens nach der Verletzung von Quarterback Nelson Hughes war die Offense der Invaders praktisch abgemeldet.

Backup Hendrik Scharnbacher musste gegen die beste Defense in der GFL übernehmen und hatte zu allem Überfluss in dieser Saison noch keine Spielpraxis sammeln können. Scharnbacher teilte sich das Backfield in diesem Spiel über weite Teile mit dem 38-Jähirgen GFL All-Time-Leading-Rusher David McCants, der zuletzt im Coaching Staff der Invaders gearbeitet hatte. Ein einfaches Comeback sieht definitiv
anders aus. Potsdam hatte auf diese Version der Invaders Offensiv mehr als genug Antworten.
In der eigenen Offense schafften man es Star Defensive Lineman Kyle Kitchens zu kontrollieren, die Defensive Line der Invaders konnte nicht wie gewohnt Einfluss nehmen und die Royals waren auf den Skill-Positionen schlicht maßlos überlegen. Quarterback Bullock sorgte mit seinen Läufen für Probleme, während vor allem Milan Spiller immer wieder zeigten, warum Potsdam offensiv kaum Matchup-Probleme hat.
Die Diskussion, ob Hildesheim eine echte dritte Kraft im Norden sein kann, dürfte damit beendet sein. Im letzten Jahr waren es die Berlin Rebels, die zeitweise in diese Kategorie gerutscht sind, dieses Jahr sind es die Invaders. Das bedeutet aber nicht, dass Hildesheim enttäuscht. Es ist weiterhin ein junges Team mit viel Talent und definitiv ein Team, das in einem Playoff-Spiel gefährlich werden kann. Nur der Abstand zur absoluten Spitze ist aktuell noch deutlich sichtbar.
Auch mit Gabriel Cunningham, dem bereits dritten Starting-Quarterback der Saison nach Norman Douglas und Jaylen Tregle, fanden die Hurricanes kein Mittel gegen die Munich Cowboys.

Dass Cunningham ohne nennenswerte Spielpraxis direkt ins kalte Wasser geworfen wurde, war dabei für mich deutlich zu erkennen: Hektisches Footwork, überhastete Scrambles und fehlendes Timing prägten seinen Auftritt.
Auf der Gegenseite zeigte Cowboys-Quarterback Septimpehlter wie gewohnt eine deutlich reifere und kontrolliertere Leistung, ein Unterschied wie Tag und Nacht. München tat sich zunächst schwer, Top-Receiver Gabe Boccella ins Passspiel einzubinden. Der Playmaker nahm das Heft schließlich selbst in die Hand und sorgte mit einem Punt-Return-Touchdown noch vor der Pause für die Vorentscheidung.
Trotz des klaren Erfolgs wartet auf die Cowboys nun der Härtetest: Vier der letzten fünf Partien gehen gegen die Monarchs, Wilddogs, Razorbacks und Royals. Wollen die Münchner den ganz schweren Playoff-Weg über Potsdam und Dresden vermeiden, müssen sie in diesem Saisonendspurt über sich hinauswachsen.
Maurice Stolka