vor 11 Stunden
Vorschau auf den zweiten Spieltag
Der Auftakt war vielversprechend. Die effect® ENERGY German Football League hat in ihrer ersten Woche abgeliefert. Dominante Auftritte, knappe Derbys, Überraschungen und ein Schlussviertel in Berlin, das einem die Luft abschnürte. Am 16. Mai folgt Woche 2 und fünf Partien, die den weiteren Saisonverlauf schon früh in Form gießen können.

Im Mittelpunkt steht dabei ein Interconference-Duell in der KRAMSKI-Arena. Die Pforzheim Wilddogs aus der Süd-Staffel empfangen die Berlin Rebels aus der Nord-Gruppe. Zwei Teams mit unterschiedlichen Gefühlslagen nach Woche 1, die hungrig darauf sind, sich zu beweisen.
Pforzheim ist im Oberhaus angekommen. Nach dem Aufstieg in die GFL 2024 und der Playoff-Teilnahme in der Premierensaison gehen die Wilddogs 2026 mit klaren Ambitionen in ihre zweite GFL-Spielzeit und haben diese gleich beim Auftakt unterstrichen. Das 31:0 bei den Regensburg Phoenix war keine knappe Angelegenheit, sondern ein Statement.
Quarterback Drequan „Dre" Harris, der nun in seine zweite GFL-Saison geht, hat sich als verlässlicher Leistungsträger in der Liga etabliert. In seiner ersten Saison warf er für 3067 Yards und 32 Touchdowns. Solche Zahlen verdienen in der GFL Respekt. Um ihn herum hat Pforzheim Stabilität aufgebaut. Center Nico Friedrich und Guard Tobias Pai blieben, Linebacker Jeremy Conley, einer der besten Tackler der Liga, sowie Defensive Back Martin Körber wurden ebenfalls gehalten. Die Wilddogs sind kein Neuling mehr, der sich erst orientieren muss. Sie wissen, wo sie hinwollen.
Berlin hingegen musste in Woche 1 eine knappe Niederlage hinnehmen. Doch das 14:15 gegen den amtierenden Meister Potsdam Royals schmerzt weniger, als das Ergebnis vermuten lässt. Die Rebels lagen lange vorne, das Spiel war bis zum Schluss offen. Das macht Hoffnung für die weitere Saison.
Doch eine Niederlage zum Auftakt erhöht den Druck für das erste Auswärtsspiel der Saison erheblich. Die Mannschaft vertraut in diesem Jahr auf Quarterback Tyquell Fields, der nun in seine dritte Saison bei den Rebellen aus Charlottenburg geht. Fields ist kein klassischer Pocket Passer. Seine Variabilität, sein Zug zum First Down und seine Führungsqualitäten machen ihn zu einem Spielmacher, gegen den sich gegnerische Defensive Coordinator auf alles vorbereiten müssen.
Mit neuen Waffen wie Wide Receiver Nate Stewart, dem ehemaligen Royals-Spieler mit 567 Yards und 7 Touchdowns in der Vorsaison, haben die Rebels ihren Kader gezielt aufgewertet. Auch im Backfield stehen mit Nazar Bombata, Jessey Darby und Emir Ülker kraftvolle Läufer bereit, die das Run Game tragen können, wenn der Pass Rush viel Druck aufbaut.
Kann Pforzheim sein dominantes Auftreten aus dem Phoenix-Spiel in der Heimarena bestätigen oder schlägt Berlin mit der Energie des Underdog-Auftritts aus Woche 1 zurück? Harris gegen Fields ist ein Duell zweier vielseitiger explosiver Playmaker. Die Wilddogs wissen, dass eine 2-0-Bilanz nach zwei Wochen die eigenen Ambitionen in Richtung Playoffs in aller Deutlichkeit untermauern würden. Für Berlin hingegen gilt, wer nach einer Niederlage zum Auftakt sofort zurückschlägt, kann über einen verlorenen Spieltag hinwegsehen. Wer das nicht schafft und dann daheim Schwäbisch Hall empfängt, beginnt zu grübeln.
Braunschweig feiert seinen Heimauftakt unter neuem, altem Namen. Zum ersten Mal seit 2010 laufen die Lions wieder als „Braunschweig Lions" auf, was allein schon ein emotionaler Moment sein wird. Sportlich haben Head Coach Brayden McCombs und sein Team an die klare 8:47 Niederlage gegen Dresden in Woche 1 einen Haken gemacht und wollen zu Hause zeigen, wofür man steht.
Die Gäste aus Kiel hatten spielfrei und werden zum ersten Mal in dieser Saison ihren Kader und Quarterback P.J. Settles entfesseln, der für viele Beobachter im letzten Jahr als heimlicher MVP ausgemacht wurde. Er führt eine Offense an, die auch im Laufspiel mit Lorenz Rotermund (rund 800 Yards und 9 Touchdowns in der Vorsaison) eine echte Waffe besitzt. Defensiv bringen C.J. Davis und Robert Revels Erfahrung auf hohem GFL-Niveau mit. Braunschweig braucht die Heimatmosphäre im Eintracht-Stadion und Kiel stellt früh in der Saison einen wichtigen Test im Abstiegskampf dar.
Schwäbisch Hall hat in Woche 1 mächtig Eindruck hinterlassen. Das 52:27 bei den Munich Cowboys war deutlich. Besonders die Defense ließ mit drei Touchdowns, darunter zwei Pick Sixes von Monteze Latimore, aufhorchen. Dazu kam Runningback Kelley Joiner auf 150 Yards und zwei Scores. Die Unicorns sind nun ein ernsthafter Titelkandidat.
Straubing dagegen bestreitet sein erstes Saisonspiel und befindet sich in einem echten Umbruch. Mit US-Quarterback David Perkins, zuletzt bei den Prague Lions in der ELF, startet eine neue Ära in Niederbayern. Wide Receiver Jordan Pouncey, der 2025 noch in Paderborn sechs Touchdowns als Receiver und Running Back erzielte, soll Perkins auf verschiedenen Wegen entlasten.
Head Coach Bence Lukacs setzt auf einen kampfbetonten Auftritt. Ein kleiner taktischer Vorteil könnte darin liegen, dass Straubing seinen Gegner bereits scouten konnte, ohne selbst in Woche 1 Filmmaterial geliefert zu haben. Dass es trotzdem ein hartes Stück Arbeit wird, ist den Spiders bewusst.
Interconference-Football in Bayern. Die Hildesheim Invaders reisen nach einem beeindruckenden 58:6-Auftaktsieg gegen die Allgäu Comets zur längsten Auswärtsfahrt der Saison. Die Niedersachsen übernachten bereits am Freitag in Fürth, um bestmöglich vorbereitet anzureisen. Quarterback Nelson Hughes III führt eine tiefe, explosiv besetzte Offense an, mit Spezialisten in allen Bereichen. Defensiv ist Pass-Rusher Kyle Kitchens, eines der renommiertesten Aushängeschilder.
Regensburg hingegen startete mit einem 0:31 gegen Pforzheim in die erste GFL-Saison der Vereinsgeschichte, aber der Kader der Phoenix ist qualitativ besser als das Ergebnis aus Woche 1 vermuten lässt. Quarterback Cameron James Yowell und seine Receiver liefern echtes Gefahrenpotenzial. Für Hildesheim gilt daher, die Effizienz aus dem Heimspiel auch auf fremdem Rasen und nach langer Anreise abzurufen.
Diese Partie ist kein Interconference-Duell, mutet bei einer siebenstündigen Anreise aber wie eines an und ist ein Test für die Ambitionen beider Seiten. Dresden startete mit einem dominant herausgespielten 47:8 gegen Braunschweig in die Saison und unterstrich, dass der Vizemeister aus dem Vorjahr wieder nach dem Titel um die Deutsche Meisterschaft jagt.
Düsseldorf startet erst in die Saison, kennt den Gegner aber gut. Die Panther müssen zeigen, wie viel Qualität in einem Kader steckt, der von manchen Beobachtern sogar zu den besten der GFL gezählt wird. Für die Monarchs gilt es, den Schwung aus dem letzten Spiel mitzunehmen, wenn auswärts nach einer langen Anreise ein Spiel unter völlig neuen Voraussetzungen erfolgt, als in der Vorwoche.
Alle Spiele der Effect Energy GFL Woche 2 sind am 16. Mai ab 15:30 Uhr live auf Twitch und Sporteurope.TV in der Konferenz zu sehen.
Philipp Forstner