28.09.2026
Erinnerung an letzte Saison?
Die Houston Texans stecken nach dem 17:19 bei den Indianapolis Colts tief in der Krise. Erneut lief in der Offense kaum etwas zusammen, und selbst Head Coach DeMeco Ryans räumte ein, dass der schwache Start bei ihm selbst beginnt. Zum zweiten Mal in Folge starten die Texans mit drei Niederlagen in die Saison.

Trotz enormen Druck und Fehlstart standen die Vorzeichen für die Texans vor der Partie gar nicht schlecht: Die Colts gingen ohne Star-Receiver Alec Pierce ins Spiel, und Indianapolis stellt die schwächste Defense der Liga. Am Ende reichte es trotzdem nicht. Spencer Shrader traf kurz vor Schluss aus 53 Yards zum 19:17, nachdem Houston zuvor im Schlussviertel erstmals in Führung gegangen war.
Die erste Halbzeit lieferte ein Bild, das sich seit Wochen wiederholt. Die Texans-Offense leistete sich drei Punts und drei Sacks gegen Quarterback C.J. Stroud. Dazu kam ein Fourth-and-short, den Houston mit einem Lauf über die rechte Seite der Offensive Line versuchte und verlor. DeForest Buckner und Camryn Bynum stoppten den Versuch, die Colts erhielten ein kurzes Feld. Zur Pause stand es 7:13.
Auch danach fand die Offense nicht zurück. Stroud kam auf 16 von 27 Pässen für 167 Yards und einen Touchdown. Houston spielte 20 Snaps weniger als Indianapolis und hatte den Ball zehn Minuten kürzer. "Wir können nicht einfach konservativ spielen", sagte Stroud. "Wir müssen aggressiv sein, angreifen und nicht 'der Angegriffene' sein."
Besonders auffällig bleibt das Laufspiel. David Montgomery kam auf elf Läufe für 33 Yards, Woody Marks auf fünf für 15 Yards. Die Offensive Line schaffte kaum Räume, Offensive Coordinator Nick Caley entwarf sogar Läufe für Receiver wie Jaylin Noel und Xavier Hutchinson.
Locked On Texans-Host John Hickman fordert sogar harte Konsequenzen. Caley solle sofort die Play-Calling-Aufgaben verlieren, General Manager Nick Caserio sei aus seiner Sicht für die kommende Saison nicht mehr tragbar. Er kritisiert eine zu konservative Offense ohne klare Identität und stellt in Frage, ob Zone-Blocking zur aktuellen Line passt. Namentlich nannte er Guard Wyatt Teller und Tackle Trent Brown. Auch der deutsche Rookie-Tight-End Marlin Klein bekam nur vier Offensive Snaps. Caserios Umbau an Offensive Line und Tight-End-Gruppe habe bislang weder ein funktionierendes Laufspiel noch verlässlichen Schutz gebracht.
Dabei hatte die Defense ihren Teil geleistet. Will Anderson Jr. verbuchte 2,5 Sacks, unter anderem mit einem Strip-Sack im Schlussviertel, Jonathan Taylor kam auf nur 23 Läufe für 68 Yards, und die Texans erzwangen drei Turnover. Die Offense leistete sich keinen einzigen Ballverlust, verwertete aber nur einen der Takeaways zu Punkten. Colts-Quarterback Daniel Jones warf nur einen Touchdown-Pass auf Keenan Allen, dennoch bekam Shrader vier Field-Goal-Chancen und verwandelte alle.
Im Fokus steht auch Ryans selbst. Sein Clock Management und seine Entscheidungen im Spielverlauf wurden nach der Partie in der Pressekonferenz hinterfragt. "Es ist, wo wir gerade sind. Der einzige Weg, etwas dagegen zu tun, ist, da durchzugehen", sagte Ryans. "Wenn ich besser coache, finden wir uns auf der Siegerseite wieder."
Immerhin hat die Franchise Erfahrung mit solchen Startschwierigkeiten. 2025 wurden die Texans zum siebten Team der NFL-Geschichte, das nach einem 0:3-Start noch die Playoffs erreichte, gewannen die Division und standen zum dritten Mal in Folge in der Divisional Round. Schafft Houston das erneut, wäre es das erste Team der Geschichte, dem dieses Kunststück in zwei Spielzeiten hintereinander gelingt. Vor den Texans von 2025 schaffte das zuletzt die Houston-Mannschaft von 2018 und davor die Buffalo Bills von 1998. Nur die San Diego Chargers erreichten 1992 nach einem 0:4-Start noch die Playoffs, was das Heimspiel gegen die Dallas Cowboys in Week 4 umso wichtiger macht.
Stroud gibt sich weiter zuversichtlich: "Wir waren schon einmal hier. Wir bekommen das wieder hin. Wir sind nicht weit weg, aber es fühlt sich nicht so an, weil wir 0:3 stehen."
mgs