13.04.2026
Deutscher am College
Für Bruno Werner beginnt in diesem Sommer ein neues Kapitel. Der Offensive Tackle der NFL Academy wechselt an das Boston College und stellt sich dort der Herausforderung College Football auf höchstem Niveau.

Im exklusiven Interview mit football-world spricht der deutsche Lineman über seine Vorbereitung, den Schritt in die USA, seine Ziele - und warum er sich trotz mehrerer Angebote bewusst für Boston entschieden hat.
Die Monate nach der Saison bei der NFL Academy waren für Werner klar durchgetaktet. Der Fokus lag zunächst auf athletischer Entwicklung und dem jährlichen Combine der Academy.
"Wir hatten nach den Weihnachtsferien erst mal ein Speedcamp im Januar. Da haben wir uns auf einen Combine vorbereitet, den wir jedes Jahr im März haben", erklärt Werner. Besonders die Arbeit ohne Pads stand dabei im Mittelpunkt: "Wir hatten keine Pads an, nur Helme und haben viel in der Athletikhalle gemacht mit Sprinten - sonst haben wir nur an unserer Technik gearbeitet, positionsspezifisch."
Nach dem Combine ging es direkt zurück in den Football-Alltag. "Als der Springbreak losging im März, haben wir uns auf das Spiel gegen Schwäbisch Hall vorbereitet und dann ganz normal trainiert." Parallel dazu musste Werner bereits den Blick über den Sport hinaus richten: "Ich muss mich auf Prüfungen vorbereiten, die ich im Sommer bestehen muss, damit ich meinen Abschluss habe."
Eine spezielle Vorbereitung auf das College gibt es bei Werner nicht im klassischen Sinne. Stattdessen arbeitet er gezielt an seinen körperlichen Voraussetzungen. "Ich habe unseren Strength-Coach nach Workouts gefragt, wo ich mich bei Benchpress und Squats verbessern kann", sagt er.
Gerade diese Grundlagen sieht er als entscheidend für den nächsten Schritt. Gleichzeitig bereitet er sich auf die höhere Intensität vor: "Ich fange mit Ausdauertraining an, weil das Pensum am College wahrscheinlich viel höher wird." Sein Plan bleibt dabei klar strukturiert: "Nach den Ferien werde ich einfach an meiner Technik arbeiten und an meiner Strength."
Der Wechsel auf der O-Line-Coach-Position am Boston College hätte für Unruhe sorgen können. Werner geht offen mit der Situation um. "So gesehen hat mich ja jemand anders recruitet, der mit mir einen Plan hatte", erklärt er. Ein neuer Coach könne immer neue Voraussetzungen schaffen. "Wenn jetzt ein neuer O-Line- Coach reinkommt, der vielleicht einen anderen Plan hat, dann ist es so, als ob ich ein Jahr habe, mich zu beweisen."
Allerdings kennt Werner den neuen Coach bereits aus früherem Kontakt. "Das ist günstig für mich, weil er mich schon kennt und vielleicht auch einen Plan mit mir hat." Sein Ansatz bleibt ohnehin unverändert: "Ich werde sowieso alles geben wie immer und versuchen, so früh wie möglich zu starten."
Trotz mehrerer Angebote fiel die Wahl früh auf das Boston College. Ausschlaggebend war für Werner vor allem die langfristige Perspektive. "Boston war mein erstes Offer und eines der Colleges, die immer viel Interesse gezeigt haben", sagt er. Besonders der enge Austausch mit den Coaches spielte eine große Rolle: "Der O-Line-Coach hat mir oft geschrieben, mit meinen Eltern telefoniert - das war schon etwas Besonderes."

Neben der sportlichen Perspektive überzeugte ihn auch das Gesamtpaket. "Ich fand den Campus wunderschön, die ACC ist eine super Conference und ich finde, dass es eines der besten Angebote war, um als O-Liner entwickelt zu werden."
Werner geht mit ambitionierten, aber realistischen Erwartungen in seine Freshman-Saison. "Mein Ziel ist auf jeden Fall, mich im O-Line-Raum zu etablieren und in der Rangliste höher zu steigen", erklärt er. Gleichzeitig weiß er um die Konkurrenz: "Ich weiß nicht genau, wie die Competition sein wird. Die ersten Wochen werde ich das bestimmt zu spüren bekommen." Langfristig denkt er dennoch klar in Richtung Starting-Spot: "Natürlich ist es mein Ziel, zu starten - und zwar so früh wie möglich." Dafür sieht er vor allem in zwei Bereichen Entwicklungspotenzial: "Ich will stärker werden, vor allem bei Benchpress und Squat, und mich an den Gamespeed anpassen."
Auch über das College hinaus hat Werner seine Ziele klar definiert. Der Weg ist vorgezeichnet. "Ich will meinen Abschluss machen und mich für den NFL Draft empfehlen", sagt er. Sein Studienfach steht bereits fest: "Ich habe mich für Finance eingeschrieben." Der Traum von der NFL ist dabei allgegenwärtig. "Gedraftet zu werden, ist mein Ziel." Auch wenn ein Wunschteam existiert, bleibt er pragmatisch: "Egal, welches Team es ist - NFL ist NFL."
Als Orientierung dient ihm einer der besten Offensive Tackles der Welt: Trent Williams. "Für seine Maße bewegt er sich super athletisch und schnell", sagt Werner. Besonders beeindruckt ihn die Spielweise: "Ich finde es einfach super, wie aggressiv er spielt, wie stark er ist und wie er seine Gegner dominiert." Genau diese Attribute möchte Werner auch selbst auf den Platz bringen.
Der Umzug in die USA bringt nicht nur sportliche Chancen, sondern auch persönliche Veränderungen mit sich. Werner blickt mit gemischten Gefühlen darauf. "Ich freue mich auf das Essen und die Food Culture an der Ostküste", sagt er mit einem Lächeln. Gleichzeitig weiß er, was er zurücklässt: "Ich werde auf jeden Fall meine Familie und Freunde vermissen." Auch kleine Dinge werden ihm fehlen: "Vielleicht auch gutes Obst und Gemüse und einfach das Essen von Mama und Papa."
Den Grundstein für seinen Weg sieht Werner klar bei der NFL Academy. Dort habe er sich sowohl sportlich als auch mental enorm entwickelt. "Ich habe vorher noch nie O-Line gespielt", erzählt er. "Die Academy hat mir super geholfen, mich als O-Liner weiterzuentwickeln." Besonders hebt er die Detailarbeit hervor: "Wir achten extrem auf Details. Fünf Leute müssen denselben Gedanken haben bei jedem Spielzug." Für ihn ist klar: "Die Academy ist der beste Ort in Europa, um sich zu entwickeln und es ans College zu schaffen."
Zum Abschluss hat Werner noch klare Ratschläge für junge Spieler in Deutschland. "Sucht euch einen Ort, wo ihr gut entwickelt werdet", sagt er. Der zweite Punkt ist mindestens genauso wichtig: "Vergleicht euch mit den Besten und macht euch einen klaren Plan, wo ihr besser werden müsst." Ein Ansatz, der ihn selbst bis an ein Division-I-College geführt hat - und der nun in Boston seine nächste Bewährungsprobe findet.
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nkr