28.02.2026
Kölner Junge mit NFL-Traum
Marlin Klein steht dort, wovon viele nur träumen. Der Kölner Tight End hat sich über einen langen und ungewöhnlichen Weg in den Fokus der NFL gespielt und kämpft beim Combine um seinen Traum, in der erfolgreichsten Sportliga der Welt zu spielen. Im zweiten Teil des Interviews erklärt Klein, wie seine Reise von Köln in die USA begann und was es ihm bedeuten würde, als NFL-Spieler in Deutschland zu spielen.

Er ist in Köln-Niehl aufgewachsen, hat lange Fußball gespielt und wollte eigentlich Profi auf dem Rasen des 1. FC Köln im RheinEnergieSTADION werden. In den vergangenen Jahren trug er jedoch nicht das FC-Trikot, sondern das der Michigan Wolverines, gewann auf diesem Weg einen Titel als National Champion und präsentierte sich nun beim NFL Combine den Scouts aller 32 Teams. Der Weg dorthin war lang, hart und alles andere als selbstverständlich. Genau diese Geschichte macht Marlin Klein zu einer der spannendsten deutschen Draft-Hoffnungen.
Der Grundstein für alles wurde in der Heimat gelegt. Sein Vater brachte ihn zum Football, zu den Cologne Crocodiles. RTL-Experte Jan Weinreich gehörte dort zu seinen ersten Coaches. Dort lernte er die Basics, und dort wurde aus dem Fußballer ein Football-Spieler. Klein spricht mit großem Respekt über seine ersten Trainer. Von ihnen habe er viel gelernt und man spürt, wie wichtig diese Phase für ihn war.
Über ein Programm namens 'Gridiron Imports', bei dem RTL-Experte Björn Werner eine wichtige Rolle spielt, bekam er schließlich die Chance, in die USA zu gehen. 2019, mit gerade einmal 15 Jahren, zog er nach Rabun Gap an eine Highschool. Ein Kulturschock.
"Ich musste ein neues Leben anfangen, musste selber meine Unterwäsche waschen, selber aufwachen, um in die Schule zu gehen, selber zum Training kommen und einfach selber leben", erzählt er.
Das Schwierigste sei aber etwas anderes gewesen. "Ich konnte kein Englisch, als ich hingezogen bin. Das war wahrscheinlich das Schwierigste und das musste ich als Erstes lernen." Ein Teenager aus Köln, allein in einem fremden Land mit Sprachbarriere - viel größer kann der Sprung kaum sein.
Sportlich zahlte sich der Mut aber schnell aus. Klein spielte an der Highschool stark auf und sammelte zahlreiche Division-One-Angebote. Seine Favoriten waren Michigan und Georgia. Viele in seinem Umfeld hätten ihn lieber in Georgia gesehen, doch Klein entschied sich für Michigan.
Heute weiß er, dass es die richtige Wahl war. Er hat seinen Abschluss gemacht, war Team-Captain, gewann mehrere Big Ten Championships und schließlich die National Championship. "Eigentlich alles erreicht, was ich erreichen wollte", sagt er. Ein Satz, der nicht überheblich klingt, sondern zufrieden.
Einer der emotionalsten Momente seiner College-Karriere kam in der vergangenen Saison. Direkt im ersten Spiel fing er seinen ersten Touchdown - ausgerechnet im "Big House" in Michigan vor mehr als 100.000 Fans.
"Surreal. Das kann man mit Worten nicht beschreiben", sagt Klein. Seine Mutter war im Stadion, seine Freundin, sein Highschool-Coach. "Das war einer der schönsten Momente meines Lebens und wirklich ein Zeichen, dass sich die ganze harte Arbeit über die letzten Jahre ausgezahlt hat. Den Moment werde ich niemals vergessen."
Es ist genau diese Mischung aus harter Arbeit und Dankbarkeit, die ihn auszeichnet.
Auf dem Feld musste er sich als Michigan-Spieler regelmäßig mit absoluten Top-Talenten messen. Die Wolverines gelten seit Jahrzenten als eines der besten Football-Programme in Amerika, bei dem unter anderem auch NFL-Legende Tom Brady seine College-Zeit verbrachte.
Ein Duell im Spielplan ist dabei immer besonders hitzig und gleichzeitig eine der größten Rivalitäten im College Football: das Aufeinandertreffen mit Ohio State. Da die Buckeyes ebenfalls zu den Top-Teams gehören, konnte Klein sich im wohl intensivsten Umfeld des College Football mehrfach mit absoluten Spitzentalenten messen, unter anderem mit den Ohio-State-Prospects Sonny Styles und Arvell Reese, die im April womöglich in den ersten fünf Picks des NFL Drafts 2026 ausgewählt werden.
Über Styles sagt er: "Was Sonny ausmacht, ist, wie schlau er ist. Er weiß, was für ein Spielzug kommt, bevor der Spielzug startet." Das habe er schon in den ersten Snaps gemerkt. Reese beschreibt er als Spielertyp, der über Physis kommt. "Er spielt quasi so wie ich. 'Ich bin größer und stärker als du und ich habe keine Angst vor dir.'"
Dass beide wohl Top-Picks im Draft werden könnten, erkennt Klein ohne Zögern an - auch wenn es ihm nicht leichtfällt, Rivalen zu loben. "Auch wenn ich es hasse, den Jungs Komplimente zu geben, aber das muss man auch manchmal machen."
Während er sich nun beim Combine präsentiert hat, denkt Klein auch an die Heimat. Der Football-Boom in Deutschland begeistert ihn. "Ich liebe es", sagt er. Er habe mit Amon-Ra St. Brown und anderen deutschen Spielern darüber gesprochen. Alle fänden es überragend, wie sehr der Sport in Deutschland wachse. St. Brown werde dieses Jahr in München spielen - und man merkt, dass ihn das motiviert.
"Hoffentlich kann ich das eines Tages auch erreichen. Es wäre schon geil, ein Homegame in Deutschland zu haben, wo meine ganze Familie kommen kann. Oma, Opa, Cousins, alle Leute, die nicht einfach mal nach Amerika rüberfliegen können."
Es ist dieser Traum, der über allem steht. Vom Jungen aus Köln-Niehl zum NFL-Profi mit Heimspiel in Deutschland. Der Combine war nur die nächste Etappe in einer hoffentlich langen und erfolgreichen NFL-Karriere. Allein die Tatsache, dass Klein gerade dort steht, ist bemerkenswert. Doch wenn man ihm zuhört, hat man das Gefühl, dass seine Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist - und dass eine große Zukunft auf ihn wartet.
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red