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    NFL

    17.10.2026

    Showdown in London

    Letzte Chance für Houston: Warum Week 6 bereits zum Playoff-Spiel wird

    Die Houston Texans reisen als 1:4-Team nach London und trotzdem könnte kein Spiel der bisherigen Saison wichtiger sein als dieses. Gegen die division-führenden Jacksonville Jaguars (4:1) geht es für die Texans bereits jetzt um nichts weniger als die eigene Playoff-Zukunft.

    Houston Texans Defensive End Will Anderson Jr. (51) klatscht beim Einlaufen auf das Spielfeld vor dem NFL-Spiel gegen die Dallas Cowboys am 4. Oktober 2026 im Reliant Stadium in Houston, Texas, mit seinen Teamkollegen ab.
    Die Texans brauchen gegen Jacksonville dringend einen Sieg um die Playoff-Hoffnungen am Leben zu halten. IMAGO/Icon Sportswire

    Für viele Experten galten die Texans vor der Saison als Dark-Horse-Kandidat auf den Super Bowl. Head Coach DeMeco Ryans hatte mit seinem Team drei Jahre in Folge die Divisional Round erreicht, dort aber stets gegen den späteren Gewinner verloren. 2026 sollte das Jahr werden, in dem Houston den nächsten Schritt macht - stattdessen steht die Franchise nach vier Niederlagen zum Auftakt bei 1:4, nachdem erst der 26:3-Sieg gegen die sieglosen Tennessee Titans in Week 5 die erste Erleichterung brachte.

    Historische Ausgangslage

    Sollte Houston die Saison noch drehen und die Playoffs erreichen, wäre es das erste Team seit den San Diego Chargers 1992, dem das nach einem 0:4-Start gelingt. Bereits in der Vorsaison hatte Houston nach einem 0:3-Start noch den Turnaround geschafft - gegen Jacksonville bietet sich nun die Gelegenheit, den nächsten entscheidenden Schritt zu machen. Bemerkenswert dabei: Beide AFC-South-Rivalen trafen bereits einmal zuvor in London aufeinander, 2019 gewann Houston seinerzeit deutlich mit 26:3.

    Harrison-Debüt als Hoffnungsschimmer

    Für zusätzliches Aufsehen sorgt das Texans-Debüt von Marvin Harrison Jr., den Houston kurz vor der Trade Deadline von den Arizona Cardinals verpflichtete, um ihn mit seinem einstigen College-Quarterback C.J. Stroud wiederzuvereinen. Harrisons bisherige NFL-Karriere blieb trotz seines Status als Top-Vier-Pick des Drafts 2024 deutlich hinter den Erwartungen zurück - seit seinem Einstieg in die Liga fing er nur 53,5 Prozent seiner Targets, ligaweit der zweitschlechteste Wert unter allen Receivern mit mindestens 200 Targets in diesem Zeitraum. Head Coach Ryans bestätigte bereits vorab, dass Harrison gegen Jacksonville definitiv zum Einsatz kommen wird - sein Gegenüber, Jaguars-Head-Coach Liam Coen, bereitet sein Team derweil bewusst auf das "Unbekannte" vor, das Harrison in die Texans-Offense bringen könnte.

    Stroud-Kritik bleibt hartnäckig

    Bei einem 1:4-Start wird oftmals der Quarterback zunehmend infrage gestellt - dabei spielt Stroud nach den nackten Zahlen aktuell eine der besten Saisons seiner Karriere. Nach einer schwierigen Playoff-Partie mit vier Interceptions gegen die Patriots und gescheiterten Vertragsverhandlungen im Sommer hatten viele Beobachter bereits Zweifel an seiner langfristigen Zukunft in Houston angemeldet. Die Statistik zeichnet jedoch ein anderes Bild: 1402 Yards, sieben Touchdowns und keine einzige Interception nach fünf Spielen. Laut PFF führt Stroud die gesamte Liga mit elf "Big-Time Throws" an, seine nur zwei Turnover-Worthy Plays sind der zweitniedrigste Wert aller Quarterbacks mit mindestens fünf Starts - nur Jared Goff schneidet noch besser ab. Mit einer durchschnittlichen Zieltiefe von 10,6 Yards (ligaweit Rang zwei hinter Lamar Jackson) kombiniert er Aggressivität mit einer ebenfalls ligaweit zweitbesten Completion-Percentage-over-Expected.

    Dass Stroud trotz dieser Zahlen kaum als Teil der Lösung, sondern eher als Mitverantwortlicher der Krise wahrgenommen wird, liegt vor allem am Gesamtbild des Teams. Houstons Laufspiel zählt mit nur 3,4 Yards pro Lauf zu den schwächsten der Liga (Rang 30), bei der Success Rate an First Downs liegt das Team sogar nur auf dem drittletzten Platz der gesamten NFL - Stroud wird dadurch in nahezu jeder Situation zum alleinigen Lastenträger der Offense. Ausgerechnet gegen Jacksonville - ligaweit beste Run-Defense mit nur 63,8 zugelassenen Rushing-Yards pro Spiel und lediglich fünf zugelassenen Läufen über zehn Yards in der gesamten Saison - dürfte sich daran wenig ändern, zumal mit David Montgomery (Leiste) der Starting Running Back zusätzlich ausfällt. Woody Marks muss daher übernehmen, kommt selbst aber nur auf 3,5 Yards pro Lauf.

    Defense: Licht und Schatten

    Auf der anderen Seite des Balls bleibt die Houston-Defense ein zweischneidiges Schwert. Will Anderson Jr. gilt weiterhin als klarer Favorit auf die Auszeichnung zum Defensive Player of the Year, dennoch zeigte die Einheit gegen starke Quarterbacks wie Dak Prescott und Josh Allen deutliche Schwächen in der Tiefe. Verschärft wird die Lage durch den Ausfall von Nickel-Cornerback Jalen Pitre (Schulter). Immerhin: Houston rangiert weiterhin unter den Top Ten sowohl bei EPA pro Play als auch bei EPA pro zugelassenem Lauf.

    Gegen Jaguars-Quarterback Trevor Lawrence, der seinerseits die bislang beste Saison seiner Karriere spielt (Rang sechs der Liga bei EPA pro Dropback, zehn Touchdowns bei nur drei Interceptions), wartet dennoch eine echte Herausforderung. Besonders bei Pässen über zehn Yards tiefe zeigt sich Lawrence' Stärke: 34 von 57 Versuchen für 623 Yards und sieben Touchdowns, dazu seine aufblühende Verbindung mit Receiver Parker Washington. Zum Vergleich: In den bisherigen Saisonspielen ließ die Texans-Defense bei vergleichbaren tiefen Pässen bereits Allen (11 von 16, 286 Yards, zwei Touchdowns in Week 1) sowie Prescott (sieben von zehn, 159 Yards, ein Touchdown in Week 4) gefährlich werden - genau dieses Duell zwischen Lawrence und der Houston-Secondary dürfte am Ende über den Spielausgang entscheiden.

    Warum Houston-Fans dennoch optimistisch bleiben können

    Selbst bei einer möglichen Niederlage und einem Rutsch auf 1:5 gibt es Gründe für Zuversicht. Der bisherige Spielplan der Texans gehörte zu den schwersten der gesamten Liga: Mit Allen, Joe Burrow, Prescott und Lawrence traf Houston bereits auf vier der sieben oder acht besten Quarterbacks der Liga. Der folgende Spielplan - Giants, Bye Week, auswärts bei den Chargers, auswärts bei den Browns, dann die Colts - verspricht dagegen deutlich machbarere Gegner. Bei einem positiven Lauf wäre eine 5:5-Bilanz vor dem Week-12-Duell mit den Baltimore Ravens durchaus realistisch - und Houston wieder mittendrin im Playoff-Rennen.

    Die nächsten fünf Spiele nach Week 6

    Für den Moment zählt jedoch nur der Sonntag in London: Ein Sieg würde Houston zurück in die Division-Diskussion katapultieren, eine Niederlage den ohnehin schon steinigen Weg zurück in die Playoffs noch einmal deutlich erschweren.

    Houston Texans at Jacksonville Jaguars: RTL, Sky Sport 18.10., Kickoff: 15:30 Uhr

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