25.02.2026
Franchises, Vermarktung, etc.
Für Europa undenkbar, in Amerika Normalität. Das Franchise-System dominiert die Sportligen der USA und somit auch die der NFL. Ein für uns erstmal ungewöhnliches System, bringt den Teams jedoch viele Möglichkeiten.

Die Seahawks stehen zum Verkauf. Das ist nun Realität. Für den ein oder anderen wirft diese Nachricht aber bestimmt viele Fragezeichen auf, denn in Europas Topligen gehört das nicht zum Alltagsgeschäft. Wieso kann ein Team einfach verkauft werden? Und was ist so besonders am System der NFL? Viele Fragen, auf die es viele Antworten gibt.
Angefangen beim Begriff Franchise, der wohl einigen nicht gerade aus dem Sportkontext geläufig ist. Ein Franchise im alltäglichen Sinne ist ein Vertriebssystem, welches auf wirtschaftlicher und rechtlicher Selbstständigkeit basiert. Es gibt einen Franchisegeber, der dem Franchisenehmer das Geschäftskonzept und die Rechte überlässt, das Produkt weiter auszubauen und zu vermarkten. Franchises werden unter anderem in der Systemgastronomie häufig verwendet, wie beispielsweise bei zahlreichen Fastfood-Ketten.
Die NFL besteht aus insgesamt 32 Franchises, die in zwei Conferences - die NFC und die AFC - aufgeteilt sind. Im sportlichen Kontext werden Franchises als Teil einer größeren kommerziellen Struktur angesehen, die über eine professionelle Liga organisiert ist. Einfach gesagt: Die Franchises sind die Teams der NFL. Diese sind an die Liga gebunden und der sportliche Wettkampf wird als gewerbliches Unternehmen behandelt. Der Fokus liegt also auf den Einnahmen der Teams.
Die Sportligen in den USA sind ebenfalls auf eine bestimmte Teilnehmerzahl beschränkt. Diese kann nur verändert werden, wenn alle Teilnehmer dem zustimmen. Wenn das passiert, dann können sich Investoren anbieten, die Interesse am Aufbau eines neuen Franchises hätten. Das ist in der NFL zum letzten Mal im Jahr 2002 vorgekommen, als die Houston Texans als bis dato letztes Franchise in die NFL aufgenommen wurden. Die Liga entscheidet dann, wer den Zuschlag bekommt. Somit hat jedes Team einen Besitzer oder gehört einem Unternehmen. Diese haben zusätzlich auch die Möglichkeit, das Franchise wieder zu verkaufen - wie jetzt die Seahawks - oder sie umzusiedeln. So ähnlich wird das jetzt wohl bei den Chicago Bears passieren, die ein neues Stadion in einem anderen Bundesstaat planen. Doch in der Vergangenheit gab es bereits Franchises, die ihren Standort komplett gewechselt haben und auch ihren Namen angepasst haben.
Für den ein oder anderen Fan des europäischen Sports hört sich das bis jetzt wohl furchtbar an: Kommerzialisierung statt Sportromantik? Doch die NFL hat viel zu bieten, was positive Auswirkungen auf die Teams und ihren Spielbetrieb hat.

Die NFL und ihre Teams basieren auf dem Prinzip der Zentralvermarktung. Die Liga sieht sich als eine Einheit. Das bedeutet, dass Einnahmen aus Medienrechten, Sponsoring und Merchandising zentral vermarktet werden - also gerecht auf alle Franchises aufgeteilt werden. Damit wollen sie sichergehen, dass keine monopolisierte Machtstellung von einem einzelnen Team ausgehen kann. Durch den neuen TV-Rechte-Vertrag, der von 2023 bis 2033 gilt, fließen allein dadurch insgesamt 110 Milliarden US-Dollar in die Liga.
Eine weitere Besonderheit im Franchise-Betrieb ist der Draft. Auch hier liegt der Fokus auf Chancengleichheit - Ausgeglichenheit statt Dominanz. Hier werden die vielversprechendsten Kandidaten aus dem College-Football ausgewählt. Der erste Pick gebührt dabei immer dem Team, das in der vergangenen Saison am schlechtesten abschnitt. Damit sollen sie eine Chance auf den wohl besten neuen Spieler haben. Im Draft 2026 werden dieses Recht die Las Vegas Raiders haben, die wahrscheinlich Quarterback-Juwel Fernando Mendoza draften werden.
Ebenfalls ein Unterschied zum europäischen Ligabetrieb ist, dass es in der NFL den Franchises nicht möglich ist abzusteigen. Das dürfte wiederum einigen Fans besser gefallen. Außerdem ist die NFL ein geschlossenes Ligasystem. Das bedeutet, Jugend- und Nachwuchsmannschaften gibt es hier nicht.
Das Franchise-System NFL legt also ihren Kern auf die kommerzielle Vermarktung. Das kann positive und negative Aspekte hervorbringen. Dennoch ist anzumerken, dass sie Chancengleichheit, Stabilität und Wettbewerbsbalance begünstigen können. Die NFL ist auch aufgrund dieses Systems jedes Jahr erneut spannend und jeder kann der neue Super Bowl Champion werden.
lgr