13.12.2025
Statement oder Revanche?
Ein absolutes Topspiel am frühen Sonntagabend: Die New England Patriots empfangen die Buffalo Bills in einem Duell, das weit über die AFC East hinaus Strahlkraft besitzt. New England führt die Division mit 11-2 an, Buffalo folgt mit 9-4, hält damit aber dennoch einen der heiß begehrten Playoff-Plätze. Beide Teams haben den Anspruch, ganz oben in der AFC mitzuspielen - und genau das macht dieses Aufeinandertreffen so brisant.

Das Hinspiel in Week 5 markierte den Wendepunkt der Patriots-Saison. Mit dem 23:20-Sieg gegen Buffalo holte sich New England den ersten echten Statement-Erfolg der Saison und ist nun seit zehn Spielen in Folge ungeschlagen. Kritiker verweisen zwar weiterhin auf einen vermeintlich leichten Spielplan, doch ein weiterer Sieg gegen die Bills würde dieses Argument endgültig entkräften. Im Mittelpunkt steht dabei ein Quarterback-Duell der Extraklasse: Der amtierende MVP Josh Allen trifft auf Drake Maye, der sich in dieser Saison bis ganz nach oben in den Kreis der MVP-Kandidaten gespielt hat. Ein Blick auf das Spiel mithilfe von Next Gen Stats zeigt, wie besonders dieses Duell werden kann.
Dieses Spiel ist in vielerlei Hinsicht historisch. Zum erst zweiten Mal in den vergangenen 50 NFL-Saisons treffen die Bills und Patriots aufeinander, während beide Teams mehr als fünf Spiele über .500 stehen. Das letzte Mal war 2019, als Tom Brady die Patriots gegen einen jungen Josh Allen zum Sieg führte.
Sportlich steht enorm viel auf dem Spiel. Die Patriots liegen mit 11-2 auf Platz 2 der AFC, direkt hinter Denver, das bei gleichem Record den Tiebreaker hält. Buffalo hingegen kämpft als Sechster der Conference um die bestmögliche Ausgangslage für die Playoffs. Für New England wäre ein Sieg nicht nur der letzte Schritt Richtung Division-Titel, sondern auch der endgültige Beweis, dass dieses Team nicht nur profitiert, sondern dominiert. Für die Bills ist es die Chance, das Machtgefüge in der AFC East wieder ins Wanken zu bringen.
Im Hinspiel hatte Josh Allen auffällig viel Zeit - zumindest auf dem Papier. Seine durchschnittliche Time to Throw lag bei 3,27 Sekunden, dem zweithöchsten Wert eines Spiels in dieser Saison. Das bedeutet, dass Allen den Ball lange hielt, bevor er warf - entweder, weil er tatsächlich Zeit hatte, oder weil er improvisieren musste und sich so zusätzliche Sekunden erkaufte. Viele seiner erfolgreichen Plays entstanden genau dann, wenn er das Spiel mit seinen Beinen verlängerte: Bei Pässen mit einer Abwurfzeit von über 2,5 Sekunden brachte er 16 von 22 Würfen für 219 Yards an, allerdings inklusive einer Interception.
Noch auffälliger war sein Laufverhalten. Allen scramblete - also verließ die Pocket, um selbst zu laufen - auf 25,6 Prozent seiner Dropbacks und erzielte dabei sieben Läufe für 50 Yards. Das war sein zweithöchster Wert in dieser Saison.
Ein weiterer Trend zeichnet sich beim amtierenden MVP ab: Er wirft den Ball im Schnitt nicht mehr so tief, wie man es von ihm gewohnt ist. Seine 7,2 Air Yards pro Passversuch sind in dieser Saison der niedrigste Wert seiner Karriere. Nur drei Quarterbacks in der NFL werfen prozentual noch häufiger den Ball hinter die Line of Scrimmage zu ihren Receivern.
Genau hier wird es für Buffalo diesmal schwerer. Die Patriots lassen bei sehr kurzen Pässen hinter der Line of Scrimmage - also bei Screens oder schnellen Checkdowns - nur 4,1 Yards pro Versuch zu und erlauben dabei deutlich seltener First Downs als der Ligadurchschnitt. New England ist darauf vorbereitet, Allens Sicherheitsoptionen einzuschränken und ihn zu riskanteren Entscheidungen zu zwingen.

Während Allen im Hinspiel viel improvisierte, zeigte auch Drake Maye genau dort eine seiner größten Stärken. Gegen Buffalo warf er so oft wie nie zuvor in seiner Karriere aus der Bewegung: zwölf Pässe "on the run", sieben davon kamen an, für insgesamt 87 Yards. Auch über die Saison hinweg ist das kein Zufall: 16,8 Prozent seiner Passversuche erfolgen aus dem Lauf heraus - ein klares Zeichen dafür, wie sicher Maye auch außerhalb der Pocket agiert.
Noch gefährlicher ist er jedoch bei tiefen Bällen. Über 36 Prozent seiner Pässe fliegen mehr als zehn Yards durch die Luft - einer der höchsten Werte der NFL. Und diese Würfe kommen nicht nur häufig, sondern auch extrem präzise an: Mit einer Completion Percentage von 62,4 Prozent bei tiefen Pässen gehört Maye historisch zu den effizientesten Quarterbacks seit Beginn der Datenerfassung von Next Gen Stats im Jahr 2016. Im Hinspiel gegen Buffalo brachte er acht von zehn solcher Würfe für 149 Yards an.
Der große Profiteur war Stefon Diggs. In seinem ersten Spiel gegen sein Ex-Team in Buffalo fing er zehn Pässe für 146 Yards, gegen sieben verschiedene Bills-Verteidiger. Buffalo wird alles daran setzen, eine Wiederholung dieses Szenarios zu verhindern. Doch Diggs spielt eine herausragend sichere Saison: Über 81 Prozent seiner Targets fängt er - selbst bei Würfen mit eigentlich geringer Erfolgswahrscheinlichkeit. Das ist die höchste Catch-Rate aller Wide Receiver der NFL. Für die Bills ist klar: Wenn Diggs wieder dominiert, wird es extrem schwer, dieses Spiel zu gewinnen.

Defensiv haben die Patriots im Vergleich zur Vorsaison einen klaren Kurswechsel vollzogen. Während sie 2024 noch häufig in Man Coverage spielten, setzen sie 2025 deutlich stärker auf Zone. Der Grund ist simpel: In Man Coverage kassierten sie bislang viele Touchdowns bei kaum Interceptions, während ihre Zone Coverage deutlich stabiler ist und dazu noch Turnover produziert. Diese Anpassung könnte besonders gegen Buffalo entscheidend sein, da die Bills mit ihren Tight Ends - allen voran Dalton Kincaid - enorm effizient sind.
Kincaid erzielt pro gelaufene Route mehr Yards als jeder andere Tight End der Liga und rangiert sogar unter allen Passempfängern der NFL auf einem absoluten Spitzenplatz. Die einzigen Spieler mit noch mehr Yards pro Route sind Jaxon Smith-Njigba und Puka Nacua. Auch nach dem Catch gehört Kincaid zu den gefährlichsten Spielern auf seiner Position.
Gleichzeitig sind beide Quarterbacks erstaunlich ähnlich unterwegs, wenn es um den Umgang mit Druck geht. Sowohl Allen als auch Maye wurden in dieser Saison über 30 Mal gesackt - und gehören trotzdem zu den wenigen Quarterbacks mit einem Passer Rating von über 100. Das zeigt, wie hochklassig dieses Duell ist: Sacks allein reichen nicht, um diese Quarterbacks zu stoppen. Es braucht konstanten Druck - und vor allem Druck im richtigen Moment.
Genau hier setzt die Patriots-Defense an. Obwohl sie im Ligavergleich nicht besonders häufig blitzt, also fünf oder mehr Spieler auf Quarterback-Jagd schickt, generiert sie bei Blitzen in rund 50 Prozent der Snaps Druck auf den Quarterback. Das ist der dritthöchste Wert der gesamten NFL.
Dieses Spiel fühlt sich nicht wie ein normales Week-15-Duell an. Es ist ein Kräftemessen zweier Teams, die realistische Ambitionen auf den Super Bowl haben. Die Patriots können mit einem weiteren Sieg endgültig beweisen, dass sie zur absoluten Spitze der NFL gehören. Die Bills hingegen brauchen diesen Erfolg, um im engen AFC-Rennen nicht an Boden zu verlieren.
Mit Josh Allen gegen Drake Maye, Diggs gegen sein altes Team und zwei Defenses, die sich taktisch immer weiter anpassen, ist alles angerichtet für eines der besten Spiele dieser NFL-Saison. Es ist nicht übertrieben zu sagen: Wer dieses Duell gewinnt, verschafft sich nicht nur einen Vorteil in der AFC, sondern auch ein enormes psychologisches Polster für die Playoffs.
val