07.02.2026
Regelwerk sorgt für Diskussionen
Die umstrittene Nicht-Aufnahme von Bill Belichick in die Hall-of-Fame-Klasse 2026 hat Konsequenzen. Die Pro Football Hall of Fame denkt über Anpassungen am Wahlprozess nach und will künftig wieder in Präsenz abstimmen. Das bestätigte Hall-of-Fame-Präsident Jim Porter nach der Bekanntgabe der diesjährigen Klasse.

Porter stellte klar, dass mögliche Änderungen nicht ausschließlich auf den Fall Belichick zurückzuführen seien. Gleichzeitig habe die öffentliche Debatte trotzdem den Blick auf Schwächen im aktuellen Verfahren geschärft.
Konkret plant die Hall of Fame, die Abstimmungen des 50-köpfigen Auswahlgremiums wieder vor Ort durchzuführen. In den vergangenen Jahren war seit der Corona-Pandemie virtuell gewählt worden. Zudem soll der Wahltermin künftig zeitlich näher an die NFL Honors rücken, also an den Donnerstag vor dem Super Bowl. Damit will die Hall vor allem Informationslecks vermeiden.
Auch die mögliche Veröffentlichung von Stimmverteilungen oder einzelnen Wahlzetteln wird diskutiert, allerdings nicht rückwirkend für die Klasse 2026.
Porter kündigte zudem an, das Verhalten einzelner Wähler überprüfen zu lassen. Hintergrund sind öffentliche Aussagen über eigentlich vertrauliche Diskussionen sowie Stimmabgaben, die nicht dem Grundsatz folgten, stets den würdigsten Kandidaten zu wählen. "Wenn wir vorgeben würden, wer der Würdigste ist, bräuchten wir keine Wähler", sagte der Präsident. "Aber wir erwarten, dass die Regeln eingehalten werden."
Auslöser war unter anderem ein Kommentar von Vahe Gregorian (Kansas City Star), der offen erklärte, bei der Wahl bewusst sogenannte Senioren-Spieler bevorzugt zu haben, da diese möglicherweise keine weitere Chance bekämen - obwohl er Belichick grundsätzlich für eine sofortige Aufnahme würdig hielt. Genau dieses Vorgehen sei laut Porter nicht zulässig.
Auch außerhalb des Wahlgremiums sorgte das aktuelle System zuletzt für deutliche Kritik. Tom Brady hatte das Auswahlverfahren öffentlich als "komplett lächerlich" bezeichnet und bemängelt, dass Kandidaten, die ihren Platz in der Hall of Fame offensichtlich verdient hätten, dennoch außen vor blieben.
Belichick war in diesem Jahr gemeinsam mit Patriots-Besitzer Robert Kraft und drei Senioren-Spielern in einer Kategorie zusammengefasst. Statt einer Einzelabstimmung mussten die Wähler drei von fünf Kandidaten auswählen. Nur der Stimmenführer sowie Kandidaten über der 80-Prozent-Marke wurden aufgenommen - letztlich erfüllte dies nur Roger Craig.
Bereits im Vorjahr war mit Sterling Sharpe lediglich ein Kandidat aus dieser Gruppe gewählt worden, Trainer Mike Holmgren ging daraufhin leer aus. Damit wurde zum dritten Mal in Folge kein Coach in die Hall of Fame aufgenommen. Ein Umstand, der die Kritik am aktuellen System weiter verstärkte.
Trotz der Diskussionen zeigte sich Porter jedoch zurückhaltend, was eine Trennung von Trainern, Funktionären und Senioren-Spielern betrifft. Über Jahrzehnte hinweg seien diese Gruppen gemeinsam gewählt worden, erst vor rund zehn Jahren habe man separate Kategorien eingeführt. "Die Frage ist, warum es früher funktioniert hat und jetzt nicht mehr", sagte er. Man werde den Prozess prüfen und Gespräche führen, sehe aktuell aber keinen Anlass für eine grundlegende Reform.
Zum zweiten Mal in Folge wurden nun weniger als fünf Modern-Era-Kandidaten aufgenommen. In diesem Jahr schafften es Drew Brees, Larry Fitzgerald, Luke Kuechly und Adam Vinatieri, während Willie Anderson, Terrell Suggs und Marshal Yanda knapp scheiterten, aber automatisch für das kommende Jahr gesetzt sind.
Nach zwölf Jahren mit mindestens sieben Neuzugängen wurden in den vergangenen beiden Jahren lediglich vier beziehungsweise fünf Kandidaten aufgenommen. "Die Zahl war zuletzt sehr hoch", erklärte Porter mit Blick auf diese Entwicklung.
Die Hall of Fame zeigt sich also insgesamt offen für gezielte Anpassungen, will den Auswahlprozess aber nicht grundlegend umbauen. "Wir werden nachjustieren, wo es nötig ist", sagte Porter. "Unser Auftrag ist es, die Integrität der Hall of Fame und ihres Wahlverfahrens zu schützen."
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mhh