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    NFL

    19.07.2026

    Der Kampf um sein Leben

    NFL-Comeback statt Beinverlust: Alex Smiths unglaublicher Weg

    Die NFL hat schon viele schlimme Unfälle gesehen, doch selten fordern diese beinahe das Leben eines Spielers. Alex Smith musste 2018 wohl eine der schlimmsten Verletzungen durchleben, die die Liga jemals gesehen hat. Doch die Horror-Geschichte hat ein Happy End.

    Kansas City Chiefs Alex Smith rolls out of the pocket in the first half against the New York Jets in week 13 of the NFL American Football Herren USA at MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey on December 3, 2017. The Jets defeated the Chiefs 38-31. PUBLICATIONxNOTxINxUSA NYP20171203117 JOHNxANGELILLO
    Nach seiner Horror-Verletzung sah es lange Zeit nicht so aus, als würde Alex Smith es noch einmal auf den Rasen schaffen. Doch die Geschichte hatte ein gutes Ende für ihn. imago/UPI Photo

    Eine Operation und zwei Tage im Krankenhaus. Das war die erste Prognose der Ärzte, als Smith am 18. November 2018 ins Inova Fairfax Hospital eingeliefert wurde. Die Leidensgeschichte, die den Quarterback der damaligen Washington Redskins noch erwarten würde, konnte keiner voraussehen.

    Der Anfang

    Dabei begann alles so schön für Smith. 2005 wurde der damals 20-Jährige als Gesamterster des Drafts von den San Francisco 49ers gepickt. Dort setzte er sich unter anderem gegen Aaron Rodgers durch, der ebenfalls als erster Pick gehandelt wurde. In seinen ersten Saisons gab es viele Höhen und Tiefen. Er erlitt 2007 eine schwere Schulterverletzung, weswegen die Saison früh für ihn beendet war. Trotzdem entwickelte er sich in den Folgejahren zu einer wahren Größe im Team.

    2013 wurde er zu den Chiefs getradet. Diese führte er in seiner ersten Saison in die Playoffs und er wurde in den Pro Bowl berufen. Später wurde Smith der Mentor von Patrick Mahomes, bis dieser ihn im Jahr 2018 als Starting Quarterback ablöste. Danach ging es für Smith zu den Washington Redskins. Dort schlug er sofort ein und brachte sie bis zum 11. Spieltag auf Platz eins ihrer Division. Er hatte Pläne. Die Redskins hatten Pläne, doch das Leben hatte andere Pläne für den Spielmacher.

    Der Unfall

    Es war ein Spiel gegen die Houston Texans als es passierte. Smith wurde während eines Spielzugs von zwei Gegenspielern gesackt und brach sich dabei das Schien- und Wadenbein. „Das ist eine herkömmliche Operation. Vielleicht bleibt er zwei Tage im Krankenhaus, macht ein wenig Reha und dann geht alles seinen Gang", sagte der operierende Arzt zu Smiths Frau Elizabeth. Doch es kam alles anders.

    Smith verkraftete die OP gut, doch über die nächsten vier Tage bekam er schleichend Fieber. Die Ärzte waren in Aufruhr, denn keiner wusste so wirklich, wo das Fieber herkam. Sie schauten sich erneut sein Bein an und der Anblick muss nichts für schwache Nerven gewesen sein. Das Bein hatte sich entzündet und war größtenteils schwarz. Smith hatte sich eine Blutvergiftung zugezogen von Bakterien, die in die Wunde gekommen waren. Nach weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich um nekrotisierende Fasziitis handelte - eine Infektionskrankheit, die Haut und Gewebe zerstört und nach kurzer Zeit zum Tod führen kann.

    Das hieß: Alarmstufe rot. "Oberste Priorität ist, sein Leben zu retten. Dann versuchen wir unser Bestes, sein Bein zu retten. Alles, was danach kommt, ist ein Wunder.", sagten die Ärzte zu Smiths Frau. Immer öfter mussten sie operieren, bis es nur noch zwei Optionen gab: Entweder sie amputieren den Unterschenkel, oder sie transplantieren gesundes Gewebe von seinem linken Bein. Zweiteres sei die gefährlichere Variante, betonten Smiths Ärzte, da sie sich nicht sicher sein konnten, ob das Bein das Gewebe annimmt. Smith entschied sich aber trotz ärztlichen Rats gegen eine Amputation: "Das geht nicht. Ich brauche das Bein zum Werfen", betonte Smith im Krankenbett.

    NFL, American Football Herren, USA 2018: Texans vs Redskins NOV 18 November 18, 2018: Washington Redskins quarterback Alex Smith (11) is injured during the second half of the NFL game between the Houston Texans and the Washington Redskins at FedExField in Landover, Maryland. Scott Taetsch CSM Landover MD USA EDITORIAL USE ONLY Copyright: xx ZUMA-20181118_zaf_c04_443.jpg ScottxTaetschx csmphototwo462978
    Alex Smith verletzte sich schwer im Spiel gegen die Texans. IMAGO/Newscom World

    Die Genesung

    Er hatte Glück. Nach ganzen 17 Operationen wurde er entlassen und durfte wieder nach Hause. Doch damit war sein Weg noch lange nicht vorbei. Sein Unterschenkel wurde von drei Stahlplatten und 20 Schrauben und Nägeln zusammengehalten. So begann er schleichend seine Reha. Es ging ihm körperlich immer besser und gelegentlich sprach er vor verwundeten Soldaten, die ähnliche Situationen durchmachen mussten.

    Langsam entwickelte sich sein Körper wieder zu seiner Verfassung vor dem Unfall. Er trainierte mittlerweile bis zu sechs Mal in der Woche auf dem Trainingsgelände des Franchises, das ihn in seiner Genesung unterstützte. Ob er je wieder spielen könnte, war noch lange nicht klar. Noch im Februar 2020 sagten die Ärzte zu ihm. "Lassen Sie mich klarstellen. Ich bin immer noch nicht überzeugt davon, dass Alex Smith je wieder bei einem regulären Wettkampf in der NFL auf dem Feld stehen wird. Wenn ich wetten müsste, würde ich dagegen wetten." Doch solche Aussagen befeuerten ihn nur noch mehr.

    Die Rückkehr

    Im Juli 2020 erteilten ihm die Teamärzte dann die Erlaubnis, wieder Football spielen zu dürfen. Er schaffte es auch zurück ins Team, aber erst einmal nur noch als dritter Quarterback. Doch seine Vorgänger schwächelten, was ihm im Oktober 2020 seinen ersten kurzen Einsatz brachte. Nur vier Wochen später verletzte sich der Starting Quarterback der Redskins Kyle Allen, wodurch Smith wieder von Beginn an spielen durfte. In diesem Jahr führt er sein Team sogar bis in die Playoffs. Knapp zwei Jahre, 17 Operationen und viel Leiden in der Reha, doch er gab nie auf und hatte sein Ziel klar vor Augen: Noch einmal auf dem Rasen stehen.

    2021 gab er dann sein Karriereende bekannt. Mit seiner Geschichte hat er nicht nur sich bewiesen, dass man alles schaffen kann, sondern ist zum Vorbild für viele da draußen geworden, die ähnliches erleben mussten.

    Seine Geschichte kann man über die Dokumentation Project 11, die von ESPN produziert wurde, rekapitulieren. Den verlängerten Trailer gibt es auf YouTube zu sehen, aber: Es wird nichts beschönigt und die Bilder sind teilweise erdrückend - also nichts für schwache Nerven. "Ich dachte, vielleicht kann ich damit ein paar Menschen Mut machen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden", meint Smith zu der Dokumentation.

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