18.10.2026
Unachtsamkeit kostet den Touchdown
Es war das Spiel des Jahres und es endete mit dem womöglich bitteresten Schlusspunkt, den der College Football in dieser Saison zu bieten hat. Ohio State hat Indiana im ersten Top-5-Duell der Memorial-Stadium-Geschichte mit 19:15 bezwungen und damit die 22-Spiele-Siegesserie sowie die 19-Spiele-Heimserie der Hoosiers beendet - entschieden durch einen Fuß, der um wenige Zentimeter im Aus landete.

Die erste Halbzeit war nicht Spiel des Jahres würdig und verlief zäh: Ohio State ging zunächst mit 3:0 in Führung, Indiana konterte durch einen Lauf von Turbo Richard zum 7:3. Kurz vor der Pause verpasste Indiana jedoch die Chance auf eine komfortablere Führung: Bei Third Down übersah Quarterback Josh Hoover den komplett freistehenden Tight End Brock Schott in der Endzone, Kicker Nico Radicic - zuvor bei 92,3 Prozent seiner Karriere-Field-Goals - scheiterte anschließend an einem eigentlich simplen 32-Yard-Versuch. Ohio State nutzte die Steilvorlage und marschierte zum Touchdown: Mit nur noch sieben Sekunden auf der Uhr fand Julian Sayin Bo Jackson zum 10:7 - eine Führung, die Ohio State bis zum Schlusspfiff nicht mehr abgeben sollte.
Nach der Pause verschärften sich Indianas Probleme weiter. Die Hoosiers, die bis dahin in der gesamten Saison erst einen Turnover zu verzeichnen hatten, verloren den Ball gleich auf ihren ersten beiden Drives der zweiten Halbzeit. Ohio State nutzte das zu einem weiteren Field Goal zum 13:7. Im vierten Viertel fand Sayin bei 4th&1 schließlich Jeremiah Smith zum 19:7 - Smith setzte sich dabei über zwei Verteidiger hinweg durch. Kurz darauf musste Sayin die Partie wegen einer Armverletzung verlassen; Head Coach Ryan Day bestätigte, dass sein Starting Quarterback voraussichtlich "mehrere Wochen" ausfallen wird.
Indiana gab sich dennoch nicht geschlagen. Hoover führte die Hoosiers über 75 Yards zum Touchdown - ein Pass auf Nick Marsh, gefolgt von einer erfolgreichen Two-Point-Conversion, verkürzte auf 19:15. Was folgte, war die dramatischste Schlussphase der bisherigen Saison: Bei 4th&4 und noch gut einer Minute auf der Uhr fand Hoover erneut Marsh - diesmal in der Endzone, komplett freistehend nach einem Double Move gegen seinen Gegenspieler. Das ausverkaufte Stadion explodierte in Jubel, der jedoch fast augenblicklich erstarb: Trotz der riesigen Freiheit war Marshs linker Fuß beim Catch im Aus gelandet - weniger ein unvermeidbarer Zwangsschritt als vielmehr ein Moment der Unachtsamkeit in der größten Drucksituation des Spiels. Aus dem vermeintlichen Siegtreffer wurde Turnover on Downs, Ohio State spielte die restliche Zeit herunter.
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"Es ist ein Spiel der Inches, richtig?", sagte Hoover nach der Partie. "Leider tut der letzte Spielzug weh, wenn es so endet. Aber wir hatten viele Gelegenheiten, in anderen Momenten zu punkten. Es geht nie nur um einen einzigen Spielzug."
Für Indiana (6:1, 3:1 Big Ten) bedeutet die Niederlage das Ende der Siegesserie nach fast 700 Tagen - der erste Verlust seit Dezember 2024 und zugleich Cignettis erste Heimniederlage in drei Jahren. "Das war eine schwer zu verdauende Niederlage", sagte Cignetti. "Wir hatten so viele Gelegenheiten, es zu schaffen, nicht nur am Ende, sondern während des gesamten Spiels." Hoover kam auf 296 Passing-Yards und einen Touchdown, verlor aber auch seinen ersten Fumble der Saison. Indianas Laufspiel blieb mit nur 2,5 Yards pro Carry zum zweiten Mal in Folge praktisch wirkungslos. Einen Lichtblick lieferte dagegen Star-Receiver Charlie Becker, der ausgerechnet Heisman-Favorit Jeremiah Smith die Show stahl: Mit unfassbaren neun Receptions für 165 Yards war er der mit Abstand produktivste Passempfänger der gesamten Partie.
Ohio State (6:1, 4:0) beendete mit dem Sieg eine Serie von drei Niederlagen in Folge gegen Top-10-Gegner und revanchierte sich für die Niederlage im vergangenen Big-Ten-Championship-Game. Die Buckeyes reisen nach ihrer Bye Week am 31. Oktober zu USC, Indiana muss bereits kommenden Samstag bei Michigan ran. "Die Sonne geht morgen wieder auf", sagte Becker. "Wir werden besser, schauen uns den Film an und machen uns bereit für Michigan."
mgs