25.02.2026
Historischer Schritt in Denver
Sean Payton hat bei den Denver Broncos eine personelle Veränderung im Offensivbereich vorgenommen. Künftig wird Offensive Coordinator Davis Webb an Spieltagen die Playcalls übernehmen. Der Schritt erfolgt im Zuge der Saisonanalyse nach dem AFC Championship Game.

Nach der bitteren 7:10-Niederlage im AFC Championship Game gegen die New England Patriots zieht Sean Payton Konsequenzen. Der Head Coach der Denver Broncos wird 2026 erstmals seit 2006 nicht mehr selbst die Spielzüge ansagen. Stattdessen übernimmt der neu ernannte Offensive Coordinator Davis Webb das Playcalling - ein bemerkenswerter Strategiewechsel bei einem der einflussreichsten Offensivköpfe der Liga.
Seit seinem Amtsantritt als Head Coach im Jahr 2006 hatte Payton durchgehend selbst die Verantwortung für das Playcalling getragen - zunächst in New Orleans, später in Denver. Nun gibt er diese Rolle ab. "Das war etwas, das ich im Laufe der Saison irgendwie schon wusste", erklärte Payton beim NFL Combine in Indianapolis.
Die Entscheidung sei während des Jahres gereift und nach der detaillierten Saisonanalyse endgültig gefallen. Ziel sei es, das Tempo und die Effizienz im Playcalling-Prozess zu erhöhen. "Ich würde das nur tun, wenn ich überzeugt wäre, dass es unserem Team hilft", betonte Payton. "Es geht darum, dein Team auf jede mögliche Weise zu verbessern."
Auslöser war unter anderem der Auftritt im Conference-Finale. Mit Backup-Quarterback Jarrett Stidham - Starter Bo Nix war verletzt - brachte Denver in der zweiten Halbzeit lediglich 32 Yards zustande. Nach der Pause gelang nur ein einziges First Down, keine Possession war länger als 17 Yards.
Für ein Team, das die Regular Season mit 14-3 beendete und sich den Nummer-eins-Seed in der AFC sicherte, war das offensive Aus im wichtigsten Spiel der Saison ein klarer Warnschuss.
Die Broncos stellten 2025 eine der besten Defenses der Liga: Platz eins bei Sacks, bei zugelassenen Yards pro Play (4,46) und in der Red-Zone-Defense, Platz zwei bei Third Downs und Rang drei in der Scoring Defense.
Die Offense hingegen war solide, aber inkonstant: 23,6 Punkte pro Spiel (Platz 14), Rang zehn in EPA, Rang zwölf im QBR - gleichzeitig jedoch 29. in Three-and-outs mit 25 Prozent erfolgloser Drives.
Payton hatte über die Saison hinweg mehrfach seine Unzufriedenheit mit der Offense angedeutet - nach dem Playoff-Aus auch öffentlich selbstkritisch.
Webb, seit 2023 Quarterbacks-Coach unter Payton, wurde nach der Entlassung von Joe Lombardi zum Offensive Coordinator befördert. Intern genießt er hohes Ansehen. "Wegen Davis hatte ich einfach das Gefühl, dass er einen guten Job damit machen wird. Er ist sehr talentiert", sagte Payton.
Auch ligaweit ist Webb gefragt: In der Offseason führte er Gespräche für drei Head-Coach-Positionen (Buffalo Bills, Baltimore Ravens, Las Vegas Raiders) und stand bei weiteren Teams als Koordinator-Kandidat auf dem Zettel. In der Preseason durfte er bereits ein Spiel gegen die Arizona Cardinals callen - Denver erzielte dabei 562 Yards in einem 27:7-Sieg.
Bills-Head-Coach Joe Brady nannte ihn "ein absolutes Ausnahmetalent" - und verwies auf den Vorteil, mit Payton als Ressource im Hintergrund zu arbeiten.
Payton wird weiterhin stark eingebunden bleiben. Doch der Schritt markiert einen strategischen Wendepunkt. Für einen Coach mit klarer offensiver Handschrift bedeutet das Abgeben des Playcallings einen bewussten Machtverzicht - zugunsten struktureller Optimierung. "Es fällt einem leichter, wenn man älter wird und es aus der Perspektive betrachtet: 'Wie gewinnen wir mehr Spiele?'", sagte Payton.
In Denver geht es nun nicht mehr um Kontrolle, sondern um maximale Effizienz. Und um die eine Frage, die über allem steht: Reicht dieser Schritt, um aus einem Top-Team einen Champion zu machen?
mgs