23.01.2026
Plötzlich im Rampenlicht
Jarrett Stidham war Anfang der Woche noch "inkognito" unterwegs - jetzt steht er plötzlich im Mittelpunkt der NFL. Nach Bo Nix’ Ausfall muss der Backup-Quarterback im AFC Championship Game gegen die Patriots die Broncos-Offense übernehmen. Es geht um nichts weniger als den Super Bowl - und für Stidham um das Spiel seines Lebens.

Ein Ersatzmann soll die Denver Broncos zum Super Bowl tragen, für Quarterback Jarrett Stidham wird das Championship Game gegen die New Englands Patriots zum Spiel seines Lebens.
Rummel? Autogrammwünsche? Selfies? Fehlanzeige. Niemand wollte etwas von Stidham, als der Footballprofi Anfang der Woche einen Ausflug mit seinen Kindern unternahm. "Nein, ich war inkognito, keiner hat es bemerkt", antwortete der Quarterback der Denver Broncos auf die Frage, ob er denn erkannt worden sei. Das dürfte sich schnell ändern, denn der Ersatzmann wird am Wochenende aus dem Nichts auf die große NFL-Bühne geschoben.
Nicht weniger als das Ticket für den Super Bowl LX (60) steht auf dem Spiel, wenn Stidham am Sonntag im Championship Game der AFC gegen die New England Patriots für Bo Nix einspringen wird. Alle Augen sind auf den 29-Jährigen gerichtet, der im größten Spiel der Broncos seit zehn Jahren die Regie übernehmen darf - oder muss. Denn es ist eine riesige Chance und eine riesige Verantwortung zugleich für den Nobody aus Kentucky, Stidham hat erst 20 NFL-Spiele gemacht - vier als Starter.
Nix hatte Denver am vergangenen Wochenende im Divisional Game zum Sieg über die Buffalo Bills geführt (33:30, OT), erst nach dem Spiel stellte sich heraus, dass er sich dabei unbemerkt den Knöchel brach. Allein wegen dieser Personalie sind die Broncos, Nummer eins der AFC, nicht mehr der Favorit. New England um MVP-Kandidat Drake Maye hat gute Aussichten auf die erste Super-Bowl-Teilnahme seit dem Abschied des großen Tom Brady. 2019 stand das Team aus Foxborough zuletzt im Big Game.
Brady, inzwischen TV-Experte für FOX, hat schlechte Erinnerungen an Denver. Vor genau zehn Jahren scheiterte der heute 48-Jährige in der Mile High City im Halbfinale an den Broncos und Peyton Manning (49), seinem ewigen Rivalen. Nach dem Sieg im letzten Duell der Legenden gewann Manning den Super Bowl 50 im Levi's Stadium von Santa Clara und hörte auf. Das NFL-Finale findet in diesem Jahr wieder in der Arena der San Francisco 49ers statt.
"Es geht hier nicht in erster Linie um mich", betonte Stidham, 2019 ausgerechnet von den Patriots gedraftet (Nr. 133), zu Beginn seiner Pressekonferenz unter der Woche. Er konzentriere sich "nur auf Sonntag. Was ist meine Aufgabe in jedem einzelnen Play? Wie kann ich meinen Teamkollegen zum Erfolg verhelfen?", so Stidham. Darum gehe es, "alles andere" interessiere ihn nicht. Den bislang letzten Pass in einem Ligaspiel hat der Quarterback übrigens vor zwei Jahren geworfen.
Die Bilanz spricht für Denver, in den bisherigen fünf Play-off-Duellen zwischen beiden Teams gewann immer der Gastgeber. Und Mut macht den Broncos auch ein gewisser Nick Foles. "Ein positiver Aspekt ist, dass die Patriots in Spielen mit Finalcharakter gegen Ersatz-Quarterbacks Probleme haben", schrieb der 37-Jährige nach dem Aus für Nix in den Sozialen Medien. 2018 hatte Foles die Philadelphia Eagles als Vertreter von Carson Wentz gegen New England zum Triumph im Super Bowl LII geführt. Inklusive Trickspielzug, der "Philly Special" ist unvergessen.
SID