23.04.2026
Der geheime Draft-Vorteil
Der NFL Draft ist nicht nur eine Bühne für Talente, sondern auch ein strategisches Schachspiel. Während viele Franchises kurzfristig denken, zeigen die Los Angeles Rams, wie man sich langfristig einen entscheidenden Vorteil verschafft. Ein Blick auf ihren Deal aus dem vergangenen Jahr erklärt, warum genau diese Strategie auch im aktuellen Draft eine zentrale Rolle spielen könnte.

Die Rams gehören aktuell zu den Top-Teams der Liga und gehen mit hohen Erwartungen in die neue Saison. Gleichzeitig profitieren sie noch immer von einer Entscheidung, die sie bereits ein Jahr zuvor getroffen haben. Genau dieser Weitblick könnte zum entscheidenden Faktor werden, nicht nur für sie, sondern für viele Organisationen im diesjährigen Draft.
Im vergangenen Jahr verzichteten die Rams bewusst auf kurzfristige Verstärkung. Sie tradeten ihren eigenen First- und Third-Round-Pick zu den Atlanta Falcons und erhielten im Gegenzug unter anderem einen First-Round-Pick für 2026.
Atlanta wollte unbedingt Edge Rusher James Pearce verpflichten und war bereit, dafür einen zukünftigen Erstrundenpick abzugeben. Die Rams nutzten diese Situation gezielt aus.
Heute profitieren sie von genau diesem Deal. Trotz eines Trades ihres eigenen First-Round-Picks für Cornerback Trent McDuffie verfügen sie weiterhin über den 13. Pick im aktuellen Draft. Eine perfekte Ausgangslage für ein Team, das ohnehin zu den Favoriten auf den Super Bowl zählt.
General Manager Les Snead und Head Coach Sean McVay haben sich über Jahre hinweg eine besondere Form der Job-Sicherheit erarbeitet. Diese Stabilität erlaubt es ihnen, Entscheidungen mit langfristigem Fokus zu treffen.
Sie mussten im vergangenen Jahr nicht zwingend sofort einen Spieler integrieren. Stattdessen setzten sie darauf, später einen potenziell wertvolleren Pick zu besitzen.
Genau dieser Ansatz unterscheidet sie von vielen anderen Franchises, die häufig unter Druck stehen, sofort Ergebnisse liefern zu müssen.
Während die Rams langfristig planten, standen die Verantwortlichen in Atlanta unter Druck. General Manager Terry Fontenot und Head Coach Raheem Morris wussten, dass ihre Zukunft vom kurzfristigen Erfolg abhängt.
Sie entschieden sich für den sofortigen Impact und gaben dafür ihren zukünftigen First-Round-Pick ab. Am Ende zahlte sich dieser Ansatz nicht aus. Beide verloren nach der Saison ihren Job.

Zusätzlich steht James Pearce aktuell nicht im Kader, da er sich mit schweren rechtlichen Problemen konfrontiert sieht. Die neue Führung in Atlanta muss nun ohne einen First-Round-Pick neu aufbauen, obwohl sie genau diesen Pick aktuell gut gebrauchen könnte. Die Rams hingegen verfügen derzeit über einen der besten Kader der gesamten Liga und haben zusätzlich den Luxus, hoch im Draft auswählen zu können.
Die Situation der Rams zeigt eindrucksvoll, dass der Draft weit mehr ist als nur die Auswahl von Spielern. Er ist ein Instrument, um sich langfristig strategisch zu positionieren.
Ein First-Round-Pick ist nicht nur ein Spieler, sondern ein wertvolles Asset. Teams können ihn nutzen, um flexibel zu bleiben, nach oben oder unten zu traden oder gezielt mehrere Bausteine für ein Championship-Roster zu sammeln.
Die Dynamik dieses Drafts könnte genau solche Deals verstärken. Die diesjährige Klasse gilt als vergleichsweise schwach, während der kommende Draft im Jahr 2027 als deutlich stärker eingeschätzt wird.
Das eröffnet neue Möglichkeiten. Teams mit stabiler Struktur und hoher Job-Sicherheit könnten verstärkt bereit sein, Picks aus diesem Jahr abzugeben, um sich für den Draft 2027 besser aufzustellen - genau wie es die Rams im vergangenen Jahr gemacht haben.
Gerade Organisationen ohne akuten Erfolgsdruck könnten diesen Weg einschlagen und versuchen, für den nächsten Draft möglichst viel Kapital zu sammeln.
Ein oft unterschätzter Faktor ist dabei das Scouting anderer Teams. Erfolgreiche Organisationen analysieren nicht nur Prospects, sondern auch die Situation ihrer Konkurrenz. Welche Franchises könnten in Zukunft schwächeln? Wo besteht die Chance, dass ein erworbener Pick später besonders wertvoll wird?
Die Rams haben genau dieses Prinzip genutzt. Sie setzten auf ein Szenario, in dem der Pick der Falcons einen hohen Wert erreicht. Ein Ansatz, der auch in diesem Jahr wieder zu beobachten sein könnte.
Der NFL Draft 2026 wird nicht nur durch die Spieler geprägt, die ausgewählt werden, sondern auch durch die strategischen Entscheidungen im Hintergrund. Eine oft unterschätzte Dynamik in diesem Jahr ist die Frage, wie viele Teams bereit sind, aktuelles Draftkapital für zukünftige Assets zu tauschen - und umgekehrt.
Welche Organisation den Draft nicht nur durch ihre Spielerauswahl, sondern auch durch ihre Trade-Strategie für kommende Jahre gewinnt, könnte langfristig den entscheidenden Unterschied machen. Genau darin liegt der eigentliche Wert solcher Entscheidungen.
Die Rams haben eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll langfristiges Denken sein kann. Für viele Teams könnte genau das die wichtigste Lektion dieses Drafts sein.
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val