vor 11 Stunden
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die Rams schlittern mit der Niederlage gegen Arizona endgültig in die Krise, während der Ton rund um die Broncos trotz eines weiteren Sieges rauer wird. Außerdem: C.J. Strouds Mut zahlt sich aus - und in seiner Woche-6-Kolumne erklärt Adrian Franke fünf Trades, die er bis zur Trade-Deadline im November gerne sehen würde.

Die ersten Wochen dieser Rams-Saison waren fraglos frustrierend. Aber sie waren erklärbar. Ohne, dass man gleich die ganz großen Fragen nach den ganz großen Saisonzielen stellen musste.
Das Spiel gegen die Niners in Australien konnte man leicht als reisebedingten Patzer, dadurch aber auch als Outlier identifizieren. Die Niederlage gegen Denver zwei Wochen später war kurios und durch eine späte Pass-Interference-Entscheidung auch unglücklich, die Offense schien aber auf dem richtigen Weg.
Darüber habe ich damals selbst in genau dem Tenor geschrieben. Und aus der 34:37-Niederlage gegen die Bills in der Vorwoche bin ich herausgegangen mit dem Eindruck, dass das der beste Auftritt der Rams-Offense und spezifisch von Matt Stafford bis dato war. Es war das erste Spiel, in dem sein Arm wie in der MVP-Vorsaison gewirkt hat.
Die Niederlagen häuften sich damit zwar und die Rams standen 2-3 vor dem Duell mit den Cardinals. Vom Gefühl her aber wirkte es wie ein Team, das trotz des holprigen Starts und des enttäuschenden Records auf dem richtigen Sieg war. Das jetzt in den vermeintlich leichtesten Teil seines Schedules ging, dort bis zur Bye Week einige Siege aneinanderreihen können sollte. Das jetzt das Bild dieser Saison auch Record-technisch wieder geraderücken kann, um mit einem anderen Gefühl in das letzte Saisondrittel und Richtung Playoffs zu gehen.
Dann folgte der Auftritt gegen Arizona. Ein Spiel, das die Rams nicht nur mit 16:18 verlieren. Sondern das sie verdient verlieren. Das war kein Spiel, das durch eine Reihe absurder Turnover entschieden wurde und in welchem die Rams eigentlich klar überlegen waren. Das war ein Spiel, in welches Los Angeles als 12,5-Punkte-Favorit gegangen war, und in dem Arizona den Ball - zumindest bis zur Red Zone - durchweg besser bewegen konnte.
Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Ein Spiel, nach dem es schwer ist, den Rams zu attestieren, dass die Leistungen auf dem richtigen Weg sind, nur die Ergebnisse nicht stimmen. Denn hier passte beides nicht.
Und natürlich spielten Special Teams auch hier eine Rolle, wie so häufig in der jüngeren Vergangenheit gegen die Rams. Das Special Team kostete Los Angeles das Spiel gegen die Bills, gegen Arizona verletzte sich der gerade erst neu verpflichtete Kicker Blake Grupe früh im Spiel bei einem Return, sodass die Rams auch strategisch den Rest des Spiels anders angehen mussten.
Doch diese Verletzung dürfte spezifisch Rams-Coach Sean McVay nicht gemeint haben, als er nach dem Spiel sagte: "Wir werden kein Spiel gewinnen, wenn wir es nicht hinkriegen, dass wir uns nicht selbst schlagen."
McVay sprach nach der Partie davon, dass sie sich offensiv nicht weiterhin selbst derart in den Fuß schießen können. Und natürlich gab es solche Momente: Die Strafe bei Fourth Down, sowie direkt anschließend daran der chancenlosen Screen-Versuch, welcher zum Turnover on Downs führte. Puka Nacua war im dritten Viertel komplett offen für einen 65-Yard-Touchdown, der Wurf war etwas zu weit platziert und Nacua ließ den Ball fallen. Im dritten Viertel beim Turnover on Downs versuchten die Rams einen Tight-End-Run und den nächsten Drive fumbelte Tyler Higbee weg.
Doch es war auch ein Spiel, in dem die Cardinals mehr First Downs, mehr Total Yards, mehr Yards pro Pass, mehr Rushing-Yards und eine bessere offensive Success Rate hatten. Die Tatsache, dass die Cardinals aus fünf Red-Zone-Trips lediglich mit fünf Field Goals raus gingen, war so herum argumentiert ein maßgeblicher Grund dafür, dass dieses Spiel am Ende überhaupt eng war. Ja, die Rams hatten sich mehrfach selbst im Weg gestanden. Sie hätten dieses Spiel aber auch noch höher verlieren können.
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Es war kein Spiel, welches Los Angeles schlicht aufgrund eigener Fehler verlor, was implizieren würde, dass der Rest der Leistung in Ordnung war. Die Rams waren insbesondere offensiv durchweg enttäuschend am Sonntag. Und das in spezifischen Aspekten, die auch die weitere Prognose beeinträchtigen können.
Denn nicht zum ersten Mal in dieser Saison gelang es einer Defense, Stafford aus dem Konzept zu bringen. Arizona blitzte ihn viel und kreierte regelmäßig freie Rusher, worauf Stafford und die Rams zu wenige Antworten hatten. Der weitere Folgeeffekt davon war, dass auch McVays Play-Calling passiver wurde, und Stafford in der Pocket zu häufig unruhig wirkte, selbst wenn Arizona aus einem Blitz-Look nur vier Rusher brachte. Außerhalb der Pocket kreiert Stafford ohnehin nicht viel, mit dem inkonstanteren Arm dieses Jahr sind generell Off-Platform-Würfe auch schwieriger.
Stafford hatte am Sonntag mit Druck mitunter erhebliche Probleme. Wie auch schon phasenweise gegen die Bills, die Eagles und die Broncos. Dieses Thema zieht sich durch die ganze Saison, und wenn es McVay nicht gelingt, ihn hier mehr zu entlasten - was womöglich konkret heißen könnte, die Offense anzupassen, vielleicht mehr Spread-Formationen zu spielen, Stafford mehr den Ball schnell verteilen zu lassen und auf der anderen Seite auch seine 3-Tight-End-Sets wieder effektiver zu machen -, muss man davon ausgehen, dass sich das auch weiter fortsetzt. Und nicht nur das: Andere Defenses, die bessere individuelle Möglichkeiten haben als die Cardinals, werden genau beobachtet haben, wie sehr Stafford und McVay mit einer aggressiven Defense zu kämpfen hatten. Das gilt umso mehr jetzt, wo Davante Adams als ein Receiver, der Eins-gegen-Eins gewinnt, fehlen wird.
Die ehrliche Frage nach dieser Niederlage ist: Was, wenn die Rams einfach dieses Team sind? Was, wenn sie ein Team sind, das sich in allen Bereichen - Offense, Play-Calling, Coaching, Quarterback, Special Teams - zu viele simple Fehler leistet? Das nicht immer gut gecoacht wirkt? Das offensiv zu wenig Explosivität sowie einen alternden Quarterback hat, der stark von guter Protection abhängig ist und den man zu leicht irritieren kann?
Die Niederlagen häufen sich, die diese Aspekte als übereinstimmende Faktoren haben. An irgendeinem Punkt ist das dann einfach das, was man als Team ist. Und wenn die Rams eben nicht das Elite-Coaching haben, das wir angenommen haben, nicht das Elite-Quarterback-Play haben, das wir angenommen haben, nicht die defensive Dominanz haben, die wir angenommen haben und dann noch Verletzungen dazukommen, dann sind sie eben auch nicht das Team, das viele in der Offseason erwartet haben.
Und diese Version der Rams kann es auch weiterhin in die Playoffs schaffen. Die Raiders, Chargers, Commanders und dann nochmal die Cardinals stehen jetzt auf dem Programm, das sind jetzt alles Pflichtsiege. Mit entsprechendem Druck, den man insbesondere McVay auch zunehmend anmerkt.
Die Idee von einem "Superteam" darf nach sechs Wochen dennoch begraben und die Erwartungshaltung in Los Angeles neu kalibriert werden. Die Rams sind ein sehr normales Team, eines von vielen, das in der NFC um eine Wildcard kämpfen wird.
Als vor der Saison bekannt wurde, dass C.J. Stroud ein Vertragsangebot der Houston Texans im Bereich von rund 50 Millionen Dollar pro Jahr abgelehnt hatte, stellte der allgemeine Tenor die Frage, ob das eine kluge Entscheidung war.
Stroud kam an diesem Punkt gerade aus zwei schwachen Playoff-Spielen und war konkret beim Playoff-Aus gegen die Patriots mit vier Interceptions maßgeblich mitverantwortlich für die Niederlage.
Generell war 2025 bis dato Strouds schwächste Saison, nachdem er schon im Jahr davor, verglichen mit seiner spektakulären Rookie-Saison, einen Schritt zurück gemacht hatte. Nach diesem bisherigen Karriereverlauf einen solchen Vertrag nicht anzunehmen und stattdessen darauf zu setzen, dass er 2026 den Turnaround hinbekommt und dann in einer stärkeren Verhandlungsposition sein wird, war nicht ohne Risiko.
Doch bisher muss man festhalten: Dieses Risiko zahlt sich für Stroud komplett aus.
Das Spiel gegen die Jaguars in London am Sonntag war das nächste Highlight einer Saison, in der Strouds Leistungen so gar nicht zum Record der Texans passten. Houston steht nach dem Sieg gegen Jacksonville bei 2-4, und nachdem die Defense das Team über die letzten Jahre getragen hat, war es im sechsten Saisonspiel bereits das dritte Mal, dass Houston über 30 Punkte kassierte. Zwei dieser drei Spiele verloren die Texans, obwohl die eigene Offense in allen drei Partien ebenfalls die 30-Punkte-Marke knackte.
Es ist verkehrte Welt bei den Texans. Die seit Jahren herausragende Defense wackelt, Stroud und das Passing Game halten das Team kompetitiv und gewinnen Spiele. Nur eine Sache ist wie immer: Vom Run Game kommt überhaupt nichts.
Umso eindrucksvoller ist aber Strouds bisherige Saison. Gegen Jacksonville fiel zum wiederholten Male in dieser Saison auf, dass der 25-Jährige deutlich ruhiger und souveräner agiert. Auch dieses Jahr bekommt er viel Druck hinter einer wackeligen Line, auch dieses Jahr ist er viel in offensichtlichen Passing-Situationen. Doch Stroud ist viel konstanter darin, zum richtigen Read zu kommen, er spielt sicher aus der Pocket, er erkennt Blitzer und Pressure-Looks und versteht, wie er sie schlagen kann. Die Jaguars setzten ihn immer wieder unter Druck und kreierten freie Rusher, Stroud fand immer wieder auch kleine Passfenster und hielt die Offense über Wasser.

Als reiner Passer, also was die Mechanics, den Release, das Ball Placement angeht, war Stroud schon immer gut. Dieses Jahr wirkt es so, als hätte er einen großen Sprung in den mentalen Aspekten gemacht, was sein ganzes Spiel merklich beruhigt und ihn sicherer in seiner Rolle macht, selbst ohne ein funktionierendes Run Game.
Das, in Kombination mit den sehr sauberen und sehr verlässlichen Mechanics als Passer, macht Stroud bislang in dieser Saison zu einem der fünf, sechs besten Passer ligaweit. Ein beachtlicher Sprung gemessen daran, wo man ihn zum Ende der vergangenen Saison einordnen musste. Und jetzt darf man darauf gespannt sein, was er mit Nico Collins und Neuzugang Marvin Harrison, seinem ehemaligen College-Receiver, im Trio zeigen kann.
Der Sieg gegen Jacksonville war essenziell für die Texans, um in der Division nicht den Anschluss zu verlieren. Houston hat jetzt einige machbare Aufgaben vor der Brust - die Giants, Chargers, Browns und Colts stehen als nächstes auf dem Programm - und nach dem knüppelharten Auftaktprogramm sollte sich jetzt auch der Record wieder mehr relativieren.
Die Defense spielt bislang nicht gut, hier ist sicher ein wenig Vertrauen angebracht, dass DeMeco Ryans diese Unit wieder in die Spur bringt. Die individuelle Qualität ist nach wie vor extrem hoch. Und wenn Stroud dann so weitermacht, wartet am Ende nicht nur der anvisierte Zahltag - sondern zuvor vielleicht der erste wirklich tiefe Playoff-Run für diese Franchise.
An eine vergleichbare Szene wie die nach dem Thursday Night Game am vergangenen Donnerstagabend kann ich mich nicht erinnern.
Die Broncos hatten gerade in einem von den Defenses geprägten Spiel die Seahawks geschlagen, um sich damit nach einem harten Auftaktprogramm dennoch mit einem 4-2-Record in die Mini-Bye zu verabschieden. Und sicher, es gab und gibt offensichtliche Punkte, wo Denver besser werden muss. Aber dass nach einem solchen Spiel ein Ex-Quarterback im landesweiten Fernsehen so den Quarterback des Siegerteams zerlegt? Das sieht man nun wirklich nicht aller Tage.
Die Rede ist natürlich von dem unerwarteten Ausbruch von Ryan Fitzpatrick während der Post-Game-Show. Und gerade in der amerikanischen Medienlandschaft, in der Quarterbacks, deren Teams Spiele gewinnen, häufig eher noch zu sehr über den grünen Klee gelobt werden und Ex-Spieler zumindest auf den großen Bühnen der Spiel-TV-Übertragungen häufig eher Spieler-freundlich in ihren Einschätzungen sind, kam Fitzpatricks Kritik überraschend.
Fitzpatrick sprach offen und deutlich darüber, dass die Broncos ab dem zweiten Viertel nur noch verwaltet hätten. Dass Nix' Leistungen "respektlos" gegenüber der Quarterback-Position seien. Dass er nicht kompetitiv spiele, dass er nur kurze Pässe werfen wolle und die Coaches ihm nicht vertrauen.
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Man kann hier seine Wortwahl kritisieren, man kann sich fragen, ob es der richtige Kontext war, all das ist wahr. Vielleicht war es aber zumindest genau der richtige Moment für die Kritik, im Gegensatz zu nach einer Niederlagenserie, wenn es leicht ist, den Quarterback zu hinterfragen.
Denn Fitzpatricks Kritik traf inhaltlich ins Schwarze. Nix' Spiel derzeit kann man nur als ängstlich, als ambitionslos, als übervorsichtig und am ehesten als eine Kombination all dieser Dinge beschreiben. Es wirkt teilweise so als würde er gar nicht versuchen, die Offense kompetitiv zu machen, sondern als wäre es sein einziges Ziel, ja keinen auch nur im Ansatz riskanten Ball zu werfen. Lieber acht Punts, als zu viel zu wagen. Die Defense erledigt den Rest.
Das ist eine Formel, die mit der Broncos-Defense sogar häufig aufgeht. Doch lässt Nix so viele Gelegenheiten liegen, um Drives am Leben zu halten, und seine Mechanics und sein Pocket-Verhalten sind so unsauber, dass wir hier nicht über strategische Entscheidungen vom Quarterback sprechen, sondern über einen Rückschritt in seinem Spiel.
Nix’ aktuelle Spielweise ist umso frustrierender, weil wir alle gesehen haben, dass es auch anders geht. Selbst in dieser Saison - der Sieg gegen Jacksonville oder das Comeback gegen die Rams wären Beispiele dafür -, aber immer nach dem gleichen Muster: Erst, wenn Denver in Rückstand gerät und aufholen muss, legt Nix diese übervorsichtige Spielweise ab.
Und diese Erkenntnis ist keineswegs neu. Das konnte man bereits im Vorjahr beobachten.
2025 war eine magische Saison für die Broncos - bis zum tragischen Ende durch die Verletzung von Bo Nix, welche Denver eine sehr realistische Chance auf das Ticket in den Super Bowl kostete. Bis dahin waren die Broncos auf dem Rücken einer herausragenden Defense im Zusammenspiel mit einer Offense, die häufig gerade genug machen konnte, zum Nummer-1-Seed in der AFC und bis ins Championship Game marschiert. Mit einigen denkwürdigen Spielen auf dem Weg dahin.
Das Highlight zumindest bis zum Overtime-Sieg gegen Buffalo in den Playoffs war Woche 7 gegen die Giants. Denver lag mit noch knapp 15 Minuten auf der Uhr 0:19 hinten. Historische 33 Punkte im vierten Viertel führten zu einem 33:32-Sieg. In der Geschichte der NFL haben nur die 2007er Detroit Lions in einem Spiel mehr Punkte im vierten Viertel aufs Scoreboard gebracht, genau genommen war es exakt ein Punkt mehr im vierten Viertel, bei einem 37:27-Sieg gegen die Bears.
Die Broncos gewannen letztes Jahr 14 Spiele in der Regular Season. Elf dieser 14 Siege waren One-Possession-Games, also Spiele, in denen Denver mit acht Punkten oder weniger Abstand gewann. Von diesen elf Siegen kamen sechs mit drei oder weniger Punkten Differenz.
Darunter war jener Sieg gegen die Giants, ein 27:26-Overtime-Sieg gegen Washington, bei dem die Commanders am Ende auf die 2-Point-Conversion statt auf den Extrapunkt gingen, ein 18:15 gegen Houston durch ein Field Goal in der Schlusssekunde, ein 10:7 gegen Las Vegas nach einem 48-Yard-Fehlschuss der Raiders viereinhalb Minuten vor dem Ende und ein 22:19 gegen die Chiefs abermals durch ein Field Goal mit auslaufender Uhr.
Zwei der drei Siege mit mehr als acht Punkten Differenz kamen gegen die Bengals ohne Joe Burrow sowie gegen die Backups der Chargers in Woche 18.
Das soll die Vorsaison der Broncos nicht kleinreden, es soll sie richtig einordnen - und Fragen aufwerfen, was uns das über die diesjährige Version der Broncos verraten könnte.
Teams können auf unterschiedlichen Wegen zu 14 Siegen kommen, und die Art und Weise, wie das gelingt, ist relevant, wenn man versucht, die Saison als Basis für weitere Prognosen zu nutzen.
Dieses Thema sehen wir fast jährlich, 2025 war es Denvers Division-Rivale Kansas City, der nach einer Saison voller knapper Last-Minute-Siege im Vorjahr hart auf dem Boden der Realität landete. Als die Field Goals in letzter Minute und manchmal auch einfach das entscheidende Spielglück in der Schlussphase in die andere Richtung gingen.
Bislang trifft das aber nicht auf die 2026er Broncos zu. Der Sieg gegen die Seahawks infolge von Sam Darnolds Fehler in Overtime, der Sieg gegen Jacksonville und das spektakuläre Comeback gegen die Rams - das waren Spiele, die exakt so auch aus dem Vorjahr hätten kommen können. Gegen die Chiefs in Woche 1 wirkte das gesamte Team nicht bereit, so richtig auffällig gelang es der Offense nur bei der Niederlage gegen San Francisco nicht, dann doch "genug" zu machen.
So nachvollziehbar also auf der einen Seite der Frust ist, wenn man Nix Woche für Woche analysiert - vieles von dem ist nicht anders als das, was er letztes Jahr gezeigt hat. Was vielleicht auch dazu beiträgt, dass der Topf irgendwann überkocht. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied: Die Scrambles sind aus seinem Repertoire verschwunden.
287 Scramble-Yards kreierte Nix in der vergangenen Regular Season, insgesamt lief er vor den Playoffs für 356 Yards. Nach sechs Spielen in der laufenden Saison stehen 37 Rushing-Yards auf seinem Konto, bei 1,7 Yards pro Run. Lediglich 17 Yards hat er über Scrambles herausgeholt. Selbst dieser Part seines Spiels, wo er kreieren kann, fällt bislang also weg.

Vielleicht liegt hier sogar ein Teil der Antwort. Vielleicht beeinträchtigt die Knöchelverletzung aus den vergangenen Playoffs Nix doch noch, und wenn auch nur aus mentaler Perspektive. Doch so oder so gilt, dass wenn er dieses Element seines Spiels nicht einmal hat, dann bleibt nicht viel - und definitiv nicht genug, um abermals einen tiefen Playoff-Run anzupeilen, was spätestens nach dem Trade für Jaylen Waddle ohne Frage das Saisonziel war.
Eine externe Quarterback-Alternative, die während der Saison kommt, ist wohl kaum realistisch. Und vielleicht, so schwach Nix aktuell auch spielt, auch gar nicht unbedingt notwendig. Denn zum einen haben wir diesen Film bereits letztes Jahr gesehen. Nix hat sich nach einem mitunter besorgniserregenden Saisonstart deutlich gesteigert, und auch wenn die Hoffnung natürlich war, dass man diese Achterbahn nicht noch einmal durchlaufen muss - vielleicht passiert gerade genau das, und mit mehr Vertrauen in den eigenen Körper kommt auch wieder mehr Sicherheit.
Zum anderen braucht Nix es vielleicht auch noch mehr, dass man die Aggressivität aus ihm heraus kitzelt. Und das ist sehr viel leichter gesagt als getan, angesichts der Tatsache, dass er Woche für Woche mögliche Passfenster über die Mitte für Big Plays schlicht und ergreifend nicht attackiert. Mentale Aspekte können hier helfen, gewissermaßen ein Ermutigen vonseiten der Coaches dahingehend, dass Turnover nicht das Ende der Welt sind.
Vielleicht geht es über einfache Play-Calling-Themen wie Rollouts und mehr RPOs, um schnelle Entscheidungen und Würfe in bestimmte Fenster und bestimmte Bereiche des Feldes noch mehr zu forcieren. Vielleicht sind sogar mehr designte Quarterback-Runs ein legitimes Mittel in diesem Fall.
Sollte all das scheitern, gibt es keinen Grund für die Broncos, nach der Saison die Fifth Year Option bei Bo Nix zu ziehen. Dann wäre die klare Mission, dass Nix 2027 um seine Zukunft in Denver spielt - vielleicht sogar mit einem Rookie-Quarterback daneben in der Hinterhand.
Hinweis: Die Trade-Deadline ist dieses Jahr der 10. November
Running Back Saquon Barkley von den Eagles zu den Jaguars
Spätestens der nun auch bestätigt langfristige Ausfall von Jalen Hurts macht die Eagles zu einem Team, das jetzt den Umbruch aggressiver angehen könnte. Das ist nicht ganz einfach mit der Art und Weise, wie die Eagles über die Jahre ihre Verträge strukturiert haben und könnte zu gravierenden Dead-Cap-Hits führen. Aber GM Howie Roseman sitzt extrem fest im Sattel, er könnte sich ein Übergangsjahr, in dem man den Cap einmal in Ordnung bringt, leisten. Zumal das bereits begonnen hat, der Rücktritt von Lane Johnson wird sich hier nächstes Jahr spürbar bemerkbar machen.
Die Eagles haben nach den Trades von A.J. Brown und Cam Jurgens jetzt bereits zwei Erstrunden- und Zweitrunden-Picks 2028. Das könnte ihr Quarterback-Draft werden - oder, falls Hurts nächstes Jahr in schlechteren Umständen gut spielt, ein Draft, um den Turnaround ganz schnell zu bewerkstelligen.
Ein Spieler wie Barkley, der im Februar 30 Jahre alt wird und zuletzt bereits nachgelassen hat, ist kein Teil dieser langfristigen Pläne. Er könnte aber jetzt noch Trade-Value einbringen - ähnlich wie etwa Dallas Goedert, vielleicht auch Zach Baun, sollte Philadelphia hier aggressiv vorgehen - und es gibt Teams, die Playoff-Ambitionen haben und ein Upgrade im Backfield dringend gebrauchen könnten.
Die Packers wären hier ein einfaches Beispiel gewesen, hier ist mittlerweile aber klar, dass Josh Jacobs jetzt doch überraschend schnell zurückkommt. Minnesota würde mir ebenfalls gefallen, doch mit Aaron Jones und Jordan Mason sollte das Backfield gut genug besetzt sein. Auch die Seahawks werden durch Lazarett-Rückkehrer bald ein anderes Gesicht auf der Running-Back-Position haben.
Die Jaguars zeigen bislang in dieser Saison, dass sie an ihre starke zweite Saisonhälfte im Vorjahr anknüpfen können. Dass sie ein Team sein können, das vielleicht sogar einen tiefen Playoff-Run hinlegt. Es ist kein komplettes Team, dafür war die Offseason auch zu abwartend. Die Jags könnten aber auch weiter defensiver Regression entgegenwirken, indem sie ihr Run Game stabilisieren.
Bhayshul Tuten spielt zwar eine gute Saison bislang. Ein Spiel mit über 75 Rushing-Yards haben wir in dieser Saison von ihm aber noch nicht gesehen. Und Tuten ist ohnehin ein Back, der besser in einer Rolle aufgehoben ist, in der er nicht 20-mal den Ball laufen soll. Und Barkley vielleicht an diesem Punkt seiner Karriere ebenfalls, während Rodriguez dann noch mehr der Short-Yardage-Spezialist sein könnte. Das wäre kein All-In-Move von den Jags, aber einer, der ihnen mehr Stabilität und womöglich auch mehr Ceiling geben könnte.
Safety Derwin James von den Chargers zu den Vikings
Die Chargers stehen zum ersten Mal seit 26 Jahren 0-6. An eine mit so viel Spannung erwartete Saison kann man bereits jetzt einen Haken machen, und sich fragen: Inwieweit ergibt ein Umbruch Sinn? Und welche Spieler könnten dafür jetzt als Trade-Kandidaten herhalten?
Die Vikings auf der anderen Seite stehen 5-0, maßgeblich dank einer Elite-Defense, und das, obwohl sie individuell keine Stars auf dieser Seite des Balls haben. Dallas Turner, Byron Murphy, Andrew Van Ginkel, Jalen Redmond, Isaiah Rodgers - das sind alles gute Spieler und gute Scheme-Fits. Doch der Star bei den Vikings ist das Scheme selbst, verkörpert durch Defensive Coordinator Brian Flores, der sich bislang mit einer absurden Quote von knapp 71 Prozent durch die Saison blitzt.
Das macht er extrem gut, weil er trotzdem dahinter viele 2-Deep-Coverages spielt, sehr viel nach dem Snap rotiert und trotz dieser für jedermann erwartbaren Aggressivität nur selten Räume für Big Plays im Gegenzug zulässt.
Die Spieler, die das am meisten unter Druck setzt, sind die in der Mitte des Feldes und vor allem diejenigen, die häufig nah an der Box agieren. Josh Metellus, Blake Cashman, Theo Jackson, Eric Wilson. Und hier ist Minnesota anfällig, gute Quarterbacks werden sie hier mit Big Plays bestrafen können.

Ein Spieler wie Derwin James könnte dieser Unit nochmal ein ganz anderes Gesicht geben. Er könnte ein Bindeglied sein, um Flores' Aggressivität zu ermöglichen und ihr vielleicht sogar noch mehr Ebenen zu geben. Und er würde ihm einen Star geben, der individuell Dinge kaschieren kann.
Das gilt umso mehr, weil die Offense zuletzt einen klar positiven Trend hatte. Kyler Murray wirkt immer sicherer in der Offense, und die Vikings hatten dabei noch nicht einmal das volle Playmaker-Arsenal beisammen. Sollte Minnesota diese Eindrücke auf der offensiven Seite bestätigen, könnten sich die Vikings als ein ernstzunehmender Titelanwärter entpuppen. Umso wichtiger ist es, die defensive Schlagzahl aufrechtzuerhalten. Und hier vielleicht sogar noch nachlegen zu können.
Edge Khalil Mack von den Chargers zu den Bears
Derwin James ist 30 Jahre alt, ihn zu traden, wäre ein klares Signal vonseiten der Chargers Richtung Umbruch. Mack mit seinen nunmehr 35 Jahren und einem auslaufenden Vertrag ist, angesichts der Situation der Chargers, vielmehr der logischste Trade-Kandidat vielleicht ligaweit.
Und natürlich ist er nicht mehr der Spieler, der er einst war, doch nach wie vor ist Mack eine solide Nummer 2. Ein Spieler, der für drei bis vier Pressures in einem Spiel gut ist, und der nach wie vor eine gute Physis und eine robuste Power mitbringt.
Power und Physis, die die Chicago Bears in ihrer Defensive Line dringend gebrauchen könnten. Die Bears waren hier während der Offseason überraschend inaktiv, haben jetzt bereits Marcus Davenport verloren und der Rest der Unit gibt nur bedingt Zuversicht dahingehend, dass ein tiefer Playoff-Run damit möglich ist.
Mack könnte dieser Defensive Line deutlich mehr Stabilität geben. Und es hätte zusätzlich eine schöne Narrativ-Ebene: Mack könnte zum Ende seiner Karriere nochmal nach Chicago zurückkommen, um dieses Mal den tiefen Playoff-Run zu schaffen, der ihm während seiner ersten Bears-Ära verwehrt blieb.
Wide Receiver Quentin Johnston von den Chargers zu den Rams
Der Chargers-Hattrick mit einer ganz anderen Art Trade: Johnston ist erst 25 Jahre alt und im letzten Jahr seines Rookie-Vertrags. Allerdings haben die Chargers die Fifth Year Option für 2027 gezogen. Hier wären garantierte 16,4 Millionen Dollar fällig, die ein Team, das für Johnston tradet, übernehmen müssten.
Die Rams brauchen spätestens nach der Verletzung von Davante Adams mehr offensive Feuerkraft, und bereits mit Adams konnte man klar erkennen, dass die Explosivität in der Offense fehlt. Johnston ist ein sehr spezifischer Role Player, aber das ist das, was er einer Offense geben kann: Ein vertikales Element, tiefe Crossing-Routes, Yards nach dem Catch. Und einen Spieler, der Defenses in die Länge ziehen kann. Der vielleicht dazu beitragen könnte, dass die Rams weniger Aggressivität von gegnerischen Defenses bekommen.
Als sich die Rams im Draft entschieden, mit ihrem Top-Pick eben keinen Playmaker zu draften, sondern Quarterback Ty Simpson auswählten, war genau das, was jetzt passiert ist, die große Frage: Was, wenn Davante Adams abermals ausfällt? Dann wäre die Playmaker-Gruppe für ein Team mit diesen Ambitionen extrem dünn. Genau das ist jetzt passiert, und um die Offense in der Spur zu halten und ihr sogar ein neues Element zu geben, müssen die Rams jetzt aktiv werden.
Safety Budda Baker von den Cardinals zu den Bills
Man kann argumentieren, dass die Bills von allen ernsthaften Titelanwärtern die schlechteste Kombination aus Safety- und Linebacker-Gruppe haben. Die Defense ist noch in der Findungsphase unter dem neuen Defensive Coordinator Jim Leonhard, die Cornerback-Gruppe war zuletzt bereits mehrfach angeschlagen. Es gibt individuelle Highlights, angefangen mit Gregory Rousseau und Deone Walker, aber bislang ist die Defense entschieden zu anfällig.
Budda Baker ist kein Spieler, der die Coverage unbedingt stabilisiert. Aber er ist ein Tone-Setter. Das hat er auch am Sonntag gegen die Rams einmal mehr unter Beweis gestellt - während sich bei den Bills Safety C.J. Gardner-Johnson dagegen für einen Rauswurf empfohlen hat.
Baker ist nach wie vor stark gegen den Run, spielt sehr gut Downhill, kann als Blitzer eingesetzt werden und als Leader eine Rolle einnehmen, die Buffalo aktuell auf dem zweiten und dritten Level der Defense fehlt. Und in Leonhards Scheme würde er sicher seine Chancen als Blitzer und als generell attackierender Spieler aus dem zweiten und dritten Level herausbekommen.
Adrian Franke