vor 1 Tag
Vorblocker im Fokus
In der NFL stehen Quarterbacks, Receiver und Pass-Rusher immer im Vordergrund. Aber die besonders harte Arbeit übernehmen oftmals andere Positionsgruppen. Im Interview mit football-world spricht der legendäre Fullback der Seahawks Mack Strong über die Entwicklung seiner Position und warum Fullbacks für ihn die Alleskönner eines NFL-Teams sind.

Die Position des Fullbacks ist eine, die selten im Rampenlicht steht. Die Vorblocker stehen meist nur in speziellen Situationen auf dem Feld und kommen selbst nur selten als Ballträger zum Einsatz. Die Positionsgruppe wird dafür eingesetzt, die harte Arbeit für die Running Backs zu übernehmen und den Ballträgern den Weg freizumachen.
Der Einsatz von Fullbacks hat sich in den letzten Jahrzehnten in der NFL stark verändert. Während es in der Liga früher deutlich häufiger Laufspielzüge gab, steht heute besonders das Passspiel im Vordergrund. Dadurch werden auch immer weniger Fullbacks gebraucht. "Als ich gespielt habe, hatte praktisch jedes Team einen guten Fullback. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich", erklärt Mack Strong, der selbst auf dieser Position in der NFL für die Seattle Seahawks spielte.
Durch das klare Aufgabenprofil der Fullbacks ist oft schnell klar, dass ein Laufspielzug kommt, wenn ein Spieler dieser Position auf dem Feld steht. Moderne Playcaller der Offense wollen sich jedoch nicht so leicht in die Karten schauen lassen und setzen daher häufiger auf Tight Ends oder einen weiteren Running Back als Vorblocker.
Das geht inzwischen so weit, dass einige Teams bewusst auf einen Fullback verzichten und ohne einen einzigen Spieler dieser Position in eine Saison starten. Für Strong ist diese Entwicklung allerdings kein Grund zur Sorge. Zwar sei es heute längst nicht mehr selbstverständlich, dass jedes Franchise einen Vorblocker im Kader habe, doch der ehemalige Seahawks-Profi sieht die Position weiterhin als wichtigen Erfolgsfaktor. "Wenn man sich die Mannschaften anschaut, die Jahr für Jahr erfolgreich sind und regelmäßig die Playoffs erreichen, dann haben sie fast alle einen starken Fullback im Kader", erklärt Strong.
Allerdings sei der einzige Grund, warum er gerne in der heutigen NFL gespielt hätte, die finanziellen Unterschiede zu früher: "Würde ich heute als Fullback spielen, hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr Geld verdient. Trotzdem würde ich die Ära, in der ich gespielt habe, gegen keine andere eintauschen wollen", blickt er auf seine Zeit als aktiver Spieler zurück. Der bestbezahlte Fullback der NFL ist Patrick Ricard. Der 32-Jährige unterschrieb in dieser Offseason einen Zweijahresvertrag bei den New York Giants mit einem Gehalt von 7,63 Millionen Dollar - weit entfernt von Topverdienern wie Quarterback Dak Prescott mit einem Jahresgehalt von 60 Millionen Dollar.
Als Ausblick auf die Entwicklung des Fullbacks in der NFL ist Strong dennoch optimistisch. Die NFL sei seit jeher eine Liga, in der erfolgreiche Konzepte schnell kopiert würden. Deshalb glaubt er, dass andere Teams früher oder später nachziehen werden. "Immer mehr Teams werden erkennen, dass man dieser Position mehr Bedeutung beimessen muss, wenn man dauerhaft erfolgreich sein will", sagt Strong. Sobald sich die Erkenntnis durchsetze, "dass Fullbacks einen entscheidenden Beitrag zum Gewinnen von Spielen leisten können, wird die Position wieder an Bedeutung gewinnen."
Dass Fullbacks dabei nur selten große Aufmerksamkeit erhalten, gehört für Strong zum Selbstverständnis der Rolle. "Jeder, der es in die NFL schafft, war zuvor wahrscheinlich der Star seines College-Teams. In der NFL hat jedoch jeder eine klar definierte Rolle", erklärt der ehemalige Pro Bowler. Er selbst habe seinen Platz in der Liga über die Special Teams gefunden und sich darüber seinen Weg in den Kader erarbeitet.
Die Vielseitigkeit mache die Position für ihn so wertvoll. "Fullbacks sind für mich das Schweizer Taschenmesser einer Mannschaft", sagt Strong. Spieler auf dieser Position müssten bereit sein, jede Aufgabe zu übernehmen, die das Team von ihnen verlange - egal ob als Vorblocker, Passempfänger, Ballträger oder Leistungsträger in den Special Teams.
Ob die Positionsgruppe in naher Zukunft wieder mehr an Bedeutung gewinnt, bleibt ungewiss. Dennoch lässt sich ein leichter Trend zurück zu intensiverem Laufspiel in der NFL erkennen. Running Backs werden höher gedraftet und erhalten hochdotiertere Verträge als in den vergangenen Jahren. Von dieser Entwicklung könnten am Ende auch die Fullbacks profitieren.
nhu