27.05.2026
Erste Prognose
Kaum eine andere Sportliga lebt so sehr von permanenter Veränderung wie die NFL. Fast jedes Jahr schaffen mehrere Teams überraschend den Sprung in die Playoffs, nachdem sie die Postseason im Jahr zuvor noch verpasst hatten. Genau deshalb stellt sich auch vor der Saison 2026 wieder die große Frage: Welche Teams könnten nächstes Jahr neu in die Playoffs einziehen? Und welche Franchises machen dafür Platz?

Die NFL lebt von ihrer Unberechenbarkeit. Seit 1990, als das Playoff-Feld erstmals erweitert wurde, schafften es jedes Jahr mindestens vier neue Teams in die Postseason, die im Jahr zuvor noch nicht dabei waren.
Und auch in den vergangenen Jahren setzte sich ein ähnlicher Trend fort. 2023 qualifizierten sich beispielsweise gleich sechs neue Teams für die Playoffs. Dasselbe passierte erneut in der vergangenen Saison 2025: Mit den Lions, Commanders, Vikings, Buccaneers, Chiefs und Ravens verpassten sechs Teams die Postseason, die ein Jahr zuvor noch im Turnier um den Super Bowl vertreten waren - und machten damit Platz für ebenso viele neue Playoff-Teilnehmer.
Besonders bemerkenswert: Selbst die beiden Super-Bowl-Mannschaften der vergangenen Saison, die New England Patriots und die Seattle Seahawks, waren im Jahr davor nicht einmal in den Playoffs vertreten.
Wenn man also erneut mit etwa sechs neuen Playoff-Teams rechnet, stellt sich automatisch die Frage: Welche Teams könnten 2026 aus den Playoffs herausfallen und welche Franchises dadurch ihren Platz einnehmen?
Wichtig dabei: Verletzungen werden in dieser Prognose bewusst ausgeklammert. Denn fällt beispielsweise ein Spieler wie Matthew Stafford langfristig aus, verändert das sofort die komplette Ausgangslage eines Teams.
In der NFC wirkt das Playoff-Rennen aktuell extrem offen und dadurch sehr kompetitiv.
Die Seattle Seahawks als amtierender Super-Bowl-Champion dürften trotz Veränderungen im Coaching Staff und einzelner personeller Verluste weiterhin klar zu den stärksten Teams der Conference gehören. Auch wenn man argumentieren kann, dass Seattle auf einigen Schlüsselpositionen etwas Talent verloren hat, bleibt das Team weiterhin ein klarer Playoff-Kandidat mit Championship-Ambitionen.
Die Bears waren vergangene Saison der zweite Seed der NFC. Zwar lebte Chicago 2025 defensiv stark von Turnovern und Siegen in engen Spielen, gleichzeitig besitzt die Offense rund um Caleb Williams und Playcaller Ben Johnson aber noch weiteres Entwicklungspotenzial. Gerade die Effizienz im Passspiel könnte sich nochmals steigern.
Auch die Eagles sollten trotz eines Umbruchs in der Offensive und der offenen A.J.-Brown-Thematik weiterhin das stärkste Team der NFC East sein.
Der erste wirkliche Wackelkandidat könnte dagegen aus der NFC South kommen. Die Panthers gewannen zwar vergangene Saison die Division, doch die NFC South blieb insgesamt schwach. Drei Teams beendeten das Jahr mit einem negativen 8-9-Record. Carolina verbesserte sich zwar deutlich auf dem Papier, trotzdem bleibt offen, wie stabil das Team wirklich ist.
Die Rams dagegen wirken aktuell nahezu gesetzt. Los Angeles besitzt möglicherweise den stärksten Kader der gesamten NFL und zählt früh zu den größten Super-Bowl-Favoriten.

Besonders spannend wird es in der NFC West und NFC North. Die 49ers und Packers erreichten vergangene Saison ebenfalls die Playoffs, spielen aber beide in brutal starken Divisions.
In der NFC West kämpfen Rams, Seahawks und 49ers vermutlich erneut um mehrere Playoff-Plätze. Gleichzeitig ist es aber alles andere als garantiert, dass die Division erneut drei Postseason-Teams stellt.
Ähnlich kompliziert sieht es in der NFC North aus. Dort kämpfen Packers, Lions, Bears und Vikings praktisch alle um Playoff-Plätze.
Die NFC könnte deshalb 2026 extrem eng werden.
In der AFC könnte sich dagegen deutlich mehr verändern.
Die Broncos als First Seed aus dem Vorjahr wirken weiterhin wie ein absolutes Topteam. Denver hielt den Großteil seines Kerns zusammen und verstärkte sich zusätzlich per Trade mit Star-Receiver Jaylen Waddle.
Auch die Patriots dürften erneut oben mitspielen, vor allem falls der mögliche Trade für A.J. Brown zustande kommt und die anderen Schlüsselspieler aus dem Vorjahr ihr Niveau halten können.
Der erste größere Wackelkandidat könnten dagegen die Jaguars sein. Jacksonville verlor wichtige Spieler und überzeugte weder in der Free Agency noch im Draft wirklich. Die Texans könnten ihnen deshalb den AFC-South-Titel abnehmen.
Besonders schwierig könnte die Situation jedoch für die Steelers werden. Pittsburgh startet erstmals ohne Mike Tomlin in eine neue Ära. Mit Aaron Rodgers besitzt das Team zwar weiterhin einen legendären Quarterback, allerdings spielt Rodgers inzwischen nicht mehr auf dem Niveau seiner Prime.

Gleichzeitig dürften Ravens und Bengals in der AFC North wieder deutlich stärker auftreten. Für Pittsburgh könnte es deshalb extrem schwer werden, erneut einen Winning Record und damit ein Playoff-Ticket zu holen.
Auch die Chargers stehen vor einer komplizierten Saison. Zwar verbesserte sich das Team offensiv gezielt mit neuem Playcaller Mike McDaniel und Investitionen in die Offensive Line, defensiv verloren die Chargers mit Jesse Minter jedoch ihren wichtigsten Architekten an die Ravens. Dazu spielen sie in der brutalen AFC West mit Chiefs und Broncos.
Gerade in der AFC drängen sich mehrere Teams zurück in die Postseason, die vergangene Saison überraschend scheiterten. Vor allem die Mannschaften rund um die Elite-Quarterbacks gehören hier zu den offensichtlichsten Kandidaten. Patrick Mahomes mit den Chiefs, Lamar Jackson mit den Ravens und Joe Burrow mit den Bengals besitzen alle mehr als nur realistische Chancen, 2026 wieder in die Playoffs zurückzukehren.
In der NFC gibt es dagegen deutlich mehr mögliche Kandidaten. Die Lions profitieren vom mit Abstand leichtesten Schedule der Liga. Bereits vergangene Saison zeigte sich bei den Patriots, wie stark ein einfacher Spielplan helfen kann.
Auch die Saints könnten von einem leichten Schedule und der offenen NFC South profitieren. Dazu kommen die Vikings, die trotz schwachem Quarterback-Play vergangene Saison noch neun Siege holten und nun mit Kyler Murray einen Quarterback besitzen, der bereits auf hohem NFL-Niveau gespielt hat. Und die Buccaneers bleiben aufgrund der schwachen Division ebenfalls gefährlich.

Die Cowboys wiederum besitzen auf dem Papier einen stärkeren Kader als im Vorjahr und könnten ebenfalls zurück in die Playoffs drängen.
Selbst die Giants und Commanders haben trotz offensichtlicher Baustellen immer noch genug Ceiling in ihren Kadern, um zumindest in den Wildcard-Kampf einzugreifen.
Stand jetzt gibt es deutlich mehr als sechs Teams, die realistische Chancen besitzen, 2026 neu in die Playoffs einzuziehen. Gleichzeitig gibt es aber nicht sechs klare Kandidaten, die mit unserem heutigen Wissen wie sichere Teams wirken, die aus dem Playoff-Feld herausfallen werden.
Und genau das macht die NFL so besonders. Jedes Jahr verändert sich das Kräfteverhältnis der Liga massiv. Überraschungen gehören praktisch zur Identität der NFL.
Und wenn die Vergangenheit ein verlässlicher Indikator ist, wird auch das Playoff-Bild der Saison 2026 wieder kräftig durchgeschüttelt werden.