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NFL-Spielplan 2026
Der NFL-Spielplan sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Besonders häufig fällt dabei in der anschließenden Analyse der Begriff "Strength of Schedule" - also die Frage, wie schwer oder leicht der Spielplan eines Teams wirklich ist. Doch genau bei dieser Berechnung gibt es ein großes Problem: Viele klassische Modelle nutzen dafür einfach die Bilanzen der Vorsaison. Und genau das ist laut zahlreichen Analysen nicht der beste Ansatz.

Wenn über den Schwierigkeitsgrad eines NFL-Spielplans gesprochen wird, schauen die meisten Modelle auf die Siege und Niederlagen der Gegner aus dem Vorjahr. Hatten die Gegner viele Siege, gilt der Schedule als schwer. Hatten sie wenige Siege, wird der Spielplan als leicht eingestuft.
Auf den ersten Blick wirkt dieses Prinzip logisch. Moderne Analysen zeigen jedoch seit Jahren, dass diese Methode kaum Aussagekraft besitzt.
Der Hauptgrund dafür liegt in der enormen Veränderung der NFL von Saison zu Saison. Teams verändern sich innerhalb weniger Monate massiv. Neue Head Coaches, Quarterbacks, Verletzungen, Draftklassen oder Free-Agent-Verpflichtungen können ein Franchise komplett verändern. Ein Team, das im Vorjahr noch zu den schlechtesten der Liga gehörte, kann plötzlich zu den stärksten gehören - und umgekehrt.
Hinzu kommt, dass eine NFL-Saison mit nur 17 Spielen eine extrem kleine Sample Size besitzt. Dadurch spielen Zufall und Glück eine deutlich größere Rolle als in vielen anderen Sportarten. Abgefälschte Interceptions, verschossene Field Goals, Fumble Recoveries oder enge One-Score-Games können die Bilanz eines Teams erheblich beeinflussen.
Genau deshalb gelten Vorjahresbilanzen laut Statistikern als schlechter Indikator für zukünftige Stärke. Analysen von Sharp Football Analysis zeigten beispielsweise, dass zwischen 2010 und 2018 nur 5,7 Prozent der tatsächlichen Schwierigkeit eines Schedules durch die Bilanzen des Vorjahres erklärt werden konnten. In neueren Untersuchungen sank dieser Wert sogar auf nur noch 3,9 Prozent.
Anders gesagt: Die klassische Strength-of-Schedule-Berechnung sagt fast nichts darüber aus, wie schwer ein Spielplan wirklich sein wird.
Als deutlich sinnvoller gilt deshalb mittlerweile eine andere Methode: die Nutzung sogenannter Projected Win Totals aus den Wettmärkten, also die erwartete Anzahl an Siegen eines Teams vor der Saison.
Diese Prognosen basieren nicht auf alten Ergebnissen, sondern auf aktuellen Informationen rund um die Teams. Dazu gehören Offseason-Verpflichtungen, Coaching-Wechsel, Verletzungen, Quarterback-Situationen, Draftklassen und die allgemeine Kaderqualität. Die Wettanbieter versuchen dabei möglichst exakt vorherzusagen, wie stark ein Team in der kommenden Saison tatsächlich sein wird.
Dadurch spiegeln die projizierten Siege die aktuelle Stärke eines Teams deutlich realistischer wider als alte Bilanzen.
Besonders bekannt für diese moderne Herangehensweise sind die Modelle von Warren Sharp. Historisch zeigen diese Berechnungen immer wieder ähnliche Ergebnisse: Teams mit prognostiziert leichtem Schedule erreichen deutlich häufiger eine Winning Season oder die Playoffs, während Teams mit besonders schweren Spielplänen deutlich öfter enttäuschen.
Auch 2025 zeigte sich dieses Muster erneut. Laut Sharp Football Analysis schafften nur zwei der acht Teams mit dem schwersten Schedule überhaupt die Playoffs - die Houston Texans und die Los Angeles Rams. Gleichzeitig standen auf dieser Liste unter anderem auch die Minnesota Vikings und Kansas City Chiefs.
Für die Saison 2026 gelten laut Projected Win Totals die Detroit Lions, New Orleans Saints, Cincinnati Bengals, Cleveland Browns und New York Jets als Teams mit den leichtesten Spielplänen der Liga.
Den schwersten Schedule der gesamten NFL besitzen dagegen laut den aktuellen Prognosen die Arizona Cardinals. Dahinter folgen die Miami Dolphins, Carolina Panthers, Dallas Cowboys und die Los Angeles Rams.
Wie groß der Unterschied zwischen Vorjahresbilanz und Projected Win Totals sein kann, zeigt ein einfaches Beispiel.
Die Kansas City Chiefs werden von den Buchmachern aktuell mit einem Win Total von 10,5 eingeordnet. Anders gesagt erwarten die Wettmärkte also ungefähr zehn bis elf Siege für Kansas City in der kommenden Saison.
Die Miami Dolphins liegen dagegen bei einem Wert von 4,5. Dort gehen die Buchmacher also eher von vier bis fünf Siegen aus. Würde man allerdings nur auf die Bilanz der vergangenen Saison schauen, wären die Chiefs mit ihrer 6-11-Saison theoretisch ein leichterer Gegner als die Dolphins, die bei 7-10 landeten.
Der Großteil der NFL-Beobachter dürfte jedoch sofort sagen, dass Kansas City trotz der schwachen Vorsaison deutlich stärker einzuschätzen ist als Miami. Genau das spiegeln auch die Win Totals wider.
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, warum die Bewertung über projizierte Siege deutlich sinnvoller ist als die reine Orientierung an den Ergebnissen des Vorjahres.
Der klassische Strength of Schedule auf Basis der Vorjahresbilanz wirkt zwar simpel, ist laut modernen Analysen jedoch kaum aussagekräftig. Die NFL verändert sich jedes Jahr zu stark, als dass alte Bilanzen zuverlässig zukünftige Stärke vorhersagen könnten.
Projected Win Totals liefern deshalb aktuell wahrscheinlich die realistischste Möglichkeit, die tatsächliche Schwierigkeit eines NFL-Spielplans einzuschätzen. Und genau deshalb dürfte diese Methode in Zukunft immer wichtiger werden - sowohl für Fans als auch für Analysten, Teams und Wettmärkte.
val