07.07.2026
GFL Spieltag
Vor der spielfreien Woche hatte die Liga noch einmal echte Überraschungen zu bieten. Mit nur vier Partien fiel der GFL-Spieltag diesmal vergleichsweise klein aus und die und die ganz großen Krimis blieben aus. Langweilig wurde es deshalb trotzdem nicht. Während die Schwäbisch Hall Unicorns selbst ohne ihren Starting Quarterback eindrucksvoll ihre Klasse unter Beweis stellten, sorgten die Ravensburg Razorbacks und die Pforzheim Wilddogs trotz völlig unterschiedlicher Ausgangslagen für einen echten Head-Scratcher im Kampf um die Platzierungen im Süden. Wir blicken auf alle Spiele der Woche 8.

Die Schwäbisch Hall Unicorns bleiben das Maß der Dinge im Süden. Mit dem souveränen Erfolg gegen die Regensburg Phoenix bauten die Haller ihre makellose Bilanz weiter aus und dürfen es sich nach der Niederlage der Pforzheim Wilddogs inzwischen fast schon gemütlich auf Platz eins machen. Das Heimrecht während der gesamten Playo?s ist damit in greifbarer Nähe.
Bemerkenswert war dabei vor allem, dass die Unicorns auf Starting Quarterback Lars Heidrich verzichten mussten. Stattdessen führte Julius Klenk die O?ensive an und erledigte seine Aufgabe äußerst e?zient. Der Spielmacher brachte 12 seiner 16 Pässe für 158 Yards und drei Touchdowns an den Mann. Keine spektakulären Zahlen, aber genau die Vorstellung, die das System der Unicorns derzeit auszeichnet.
Denn eines ist klar: Die O?ensive lebt nicht von einem einzelnen Quarterback. Head Coach, O?ensive Coordinator und Quarterback-Coach Felix Brenner hat ein System etabliert, das o?enbar von unterschiedlichen Spielmachern auf hohem Niveau umgesetzt werden kann. Spätestens mit dieser Leistung dürfte sein Name im Rennen um die Auszeichnung als Coach of the Year noch einmal deutlich an Gewicht gewinnen.
Die Grundlage dafür bildet eine überragende O?ensive Line, die sowohl im Passspiel als auch im Laufspiel dominiert. Kelley Joiner Jr. ist dabei nicht der einzige Faktor im Backfield. Gegen Regensburg rückte Running Back MathisHarang ins Rampenlicht und erlief starke 169 Yards. Genau auf diesem konstant funktionierenden Laufspiel bauen die Unicorns immer wieder ihr gefährliches Play-Action-Passing-Game auf.
Auch defensiv setzte Hall ein weiteres Ausrufezeichen. Cornerback Monteze Latimore fing bereits seine siebte Interception der Saison und untermauerte damit eindrucksvoll seine Ansprüche im Rennen um den Titel des Defensive MVP.

Nach der knappen Niederlage im GFL-Bowl-Rematch haben die Potsdam Royals die richtige Reaktion gezeigt. Gegen die Berlin Rebels ließ der Titelverteidiger von Beginn an keine Zweifel aufkommen und meldete sich mit einem überzeugenden Erfolg zurück.
Vor allem das vertikale Passspiel der Royals war für die Berliner Defensive kaum zu verteidigen. Max McLeod dominierte mit 223 Receiving Yards und drei Touchdowns, während auch Milan Spiller mit 110 Yards immer wieder für Big Plays sorgte. Beide Receiver gewannen ihre Eins-gegen-eins-Duelle konstant und stellten die Secondary der Rebels vor scheinbar unlösbare Aufgaben.
Den spektakulärsten Moment des Spiels lieferte McLeod kurz vor Ende des dritten Viertels. Bei auslaufender Uhr schlug er seinen Gegenspieler auf einer einfachen Go Route direkt an der Line of Scrimmage, fing den Pass und trug den Ball über 99 Yards bis in die Endzone.
Mindestens genauso dominant präsentierte sich die Defense der Royals. Potsdam war den Rebels mehrere Level voraus, kreierte insgesamt fünf Turnover in der Defense und profitierte zusätzlich von einem Ballgewinn in den Special Teams. Aashari Crosswell setzte mit einem Pick Six schließlich selbst den Schlusspunkt unter eine herausragende Defensivleistung.
Für die Berlin Rebels setzt sich dagegen eine bislang enttäuschende Saison fort. O?ensiv läuft weiterhin nur wenig zusammen. Das Laufspiel, im vergangenen Jahr mit Nazar Bombata noch eine der größten Stärken der Mannschaft, findet praktisch nicht statt. Gleichzeitig fehlt Quarterback Tyquell Fields bislang die nötige Konstanz. Zu viele unpräzise Würfe und fragwürdige Entscheidungen verhindern, dass die O?ense überhaupt einen Rhythmus entwickelt.
Trotzdem sollte das Gesamtbild nicht ausschließlich negativ bewertet werden. Das bisherige Programm der Rebels gehörte zu den schwierigsten der gesamten Liga.Die entscheidenden Wochen kommen jetzt. Für mich bleibt Berlin weiterhin der Favorit auf Rang vier in der GFL Nord. Allerdings nur, wenn die Pflichtaufgaben gegen Braunschweig, Kiel und Düsseldorf erfolgreich gelöst werden. Diese Spiele müssen gewonnen werden, wenn die Rebels ihre Playo?-Ho?nungen am Leben halten wollen.
Der dritte Sieg in Folge bringt die Braunschweig Lions in eine deutlich komfortablere Ausgangslage. Nach einer Saison, in der alle Zeichen sofort auf den Abstiegskampf hindeuteten, haben sich die Braunschweiger mit ihrer Erfolgsserie ein wenig aus der Gefahrenzone gearbeitet und stehen aktuell sogar auf einem Playo?-Platz.
Ob sie diesen bis zum Saisonende verteidigen können, bleibt angesichts des anspruchsvollen Restprogramms fraglich. Viel wichtiger dürfte ohnehin sein, dass der Klassenerhalt inzwischen wohl wahrscheinlich ist und dafür waren diese drei Siege Gold wert. Entsprechend groß dürfte die Erleichterung in Braunschweig sein. Vor Beginn dieser entscheidenden Phase war eigentlich klar: Wollten die Lions die Relegation vermeiden, mussten sie diese drei Spiele gewinnen. Genau das haben sie gescha?t.
Der Hauptgrund dafür trägt einmal mehr den Namen Ryon Thomas. Der Quarterback spielt eine überragende Saison und dürfte für zahlreiche GFL-O?enses eine Starterrolle übernehmen können. Braunschweig ist sicher froh ihn zu haben. Gegen die Canes zeigte er erneut seine gesamte Qualität, brachte 17 seiner 21 Pässe für 287 Yards und drei Touchdowns an den Mann und steuerte zusätzlich 59 Rushing Yards sowie zwei weitere Touchdowns bei. Kaum ein anderer Spieler beeinflusst das O?ensivspiel seiner Mannschaft derzeit so stark wie Thomas.
Dass er seine Stärken so konsequent ausspielen kann, ist auch das Verdienst von Head Coach Brayden McCombs. Der O?ensive-Line-Coach hat den Lions sichtbar seinen Stempel aufgedrückt. Die O?ensive Line arbeitet diszipliniert, erö?net konstant Lücken im Laufspiel und scha?t gleichzeitig die Voraussetzungen dafür, dass Thomas im Zone-Read-Spiel immer wieder die richtigen Entscheidungen tre?en und seine Athletik gewinnbringend einsetzen kann.
Auf der anderen Seite bleibt Joshua Youngblood das große Ausrufezeichen der Hurricanes. Obwohl die O?ensive insgesamt erneut kaum Lösungen fand, war Youngblood praktisch die gesamte Produktion seiner Mannschaft. Der Receiver, der inzwischen an den unterschiedlichsten Positionen eingesetzt wird, sammelte 43 Receiving Yards, erlief starke 149 Yards und erzielte beide Touchdowns der Hurricanes. Für mich ist er einer der spektakulärsten Spieler der gesamten GFL und jemand, der jede O?ense der Liga sofort verstärken könnte.
Dass die Canes o?ensiv erneut so große Probleme hatten, überrascht allerdings nur bedingt. Mit dem inzwischen dritten Quarterback der Saison ist es enorm schwierig, Konstanz zu entwickeln. Dennoch gelingt es den Hurricanes schon über die gesamte Spielzeit nicht, ein funktionierendes O?ensivkonzept aufzubauen. Zu häufig bleibt Youngblood die einzige echte Gefahr.
Für Braunschweig dagegen könnte dieser Sieg eine enorme Bedeutung haben. Der Spielplan bleibt anspruchsvoll, doch die Lions haben sich mit drei Erfolgen in Serie eine Ausgangslage erarbeitet, die vor wenigen Wochen kaum vorstellbar schien. Der Playo?-Platz ist ein schöner Zwischenstand, der Klassenerhalt wäre allerdings die eigentliche Erfolgsgeschichte dieser Saison.

Mit diesem Ergebnis war kaum zu rechnen. Die Ravensburg Razorbacks beendeen ihre Formkrise ausgerechnet gegen die formstarken Pforzheim Wilddogs und feiern einen überraschend deutlichen Erfolg.
Die Vorzeichen sprachen eigentlich klar für Pforzheim. Die Wilddogs hatten ihre letzten fünf Spiele gewonnen und dabei unter anderem auch die Razorbacks deutlich geschlagen, auch wenn diese Partie über weite Strecken enger war, als das Endergebnis vermuten ließ. Ravensburg dagegen hatte drei der vergangenen vier Spiele verloren, in dieser Saison noch kein Playo?-Team bezwungen und zuletzt nur wenig Anlass zur Ho?nung gegeben.
Umso bemerkenswerter war der Auftritt der Razorbacks. Anders als zuletzt stellten sie ihr Laufspiel weitgehend in den Hintergrund und vertrauten stattdessen auf Quarterback Broghean McGovern und das Passspiel. Gerade einmal sechs Hando?s verteilte die O?ense über die gesamte Partie. Damit bewegten sie sich wieder näher an der Razorbacks O?ense die wir lange Zeit gewohnt waren.
McGovern fand früh seinen Rhythmus und attackierte die Secondary der Wilddogs immer wieder mit erfolgreichen Big Plays. Vor allem Aniel Buße und Tim Müller profitierten davon. Das Receiver-Duo kam gemeinsam auf mehr als 180 Receiving Yards und zwei Touchdowns.
Auf der anderen Seite bestimmte Ben Rashid das Geschehen. Der Pass Rusher dominierte die Line of Scrimmage nach Belieben, verbuchte vier Sacks und brachte die O?ensive der Wilddogs immer wieder aus dem Takt. Pforzheim fand o?ensiv nie in seinen gewohnten Rhythmus und zeigte einen überraschend fehlerhaften Auftritt.
Auch Quarterback Dre Harris erlebte keinen guten Tag. Lediglich 15 seiner 35 Passversuche fanden ihr Ziel, eine Completion Rate von nur 43 Prozent, bei 163 Passing Yards. Mehr als ein Touchdown-Drive im zweiten Viertel und ein Field Goal mit auslaufender Uhr sprang für die Wilddogs nicht heraus.
Mit der Niederlage dürften die Chancen der Wilddogs auf Platz eins in der GFL Süd deutlich gesunken sein. Umso spannender wird nun das direkte Duell mit den Schwäbisch Hall Unicorns, das endgültig zeigen könnte, wer sich die beste Ausgangsposition für die Playo?s sichert. Der Süden bleibt damit das mit Abstand spannendste Rennen der Liga.
Maurice Stolka