12.10.2026
Gibbs, Warren und das London Game
Eine weitere Woche in der NFL ging in die Geschichtsbücher ein und viele spannende, dramatische und denkwürdige Duelle wurden ausgetragen. Dabei entstanden viele Kuriositäten und besondere Statistiken, die es in der NFL extrem selten gibt. Von einer herausragenden Offense, über einen neuen Rekordhalter, bis hin zu einer kompletten Division, die keinen Sieger gesehen hat, war alles dabei. Das sind die skurrilsten und verrücktesten Statitsiken aus Woche 5 der NFL.

Der Start der Detroit Lions gegen die Arizona Cardinals hätte kaum schlechter laufen können. Die ersten drei Angriffsserien endeten jeweils mit einem Three-and-out, insgesamt standen für Detroit nach diesen Drives minus neun Yards zu Buche. Anschließend wendete sich das Blatt jedoch komplett.
Die Lions punkteten auf sieben aufeinanderfolgenden Drives. Sechsmal endete eine Angriffsserie mit einem Touchdown, einmal reichte es zu einem Field Goal. Eine solche Serie schaffte in der NFL-Saison 2026 bis dahin kein anderes Team. Damit zeigte Detroit eindrucksvoll, wie schnell sich eine zunächst festgefahrene Offense in einen nahezu unaufhaltsamen Angriff verwandeln kann.
Doch nicht nur das. Auch Einzelspieler konnten beim Spiel gegen die Cardinals überzeugen. Jahmyr Gibbs erzielte im Duell am Sonntag seinen 57. und 58. Touchdown in seiner NFL-Karriere. Damit überholte er NFL-Legende Barry Sanders mit erzielten Touchdowns vor dem Alter von 25 Jahren.
Für die NFC East verlief Week 5 enttäuschend. Kein einziges Team aus der Division konnte einen Sieg einfahren. Die Dallas Cowboys und Philadelphia Eagles mussten Niederlagen hinnehmen, während sich die New York Giants und die Washington Commanders im direkten Duell mit 27:27 trennten.
Damit blieb die gesamte Division ohne Erfolgserlebnis. Besonders ungewöhnlich: Ausgerechnet das Aufeinandertreffen zweier Divisionsrivalen brachte keinen Sieger hervor. Für die Teams der NFC East war es eine Woche, in der sie im Kampf um die Playoff-Plätze keinen Boden gutmachen konnten.
Justin Herbert erlebte in den Schlussvierteln seiner bisherigen Saisonspiele eine schwierige Phase. Sein Passer Rating im vierten Viertel der ersten fünf Partien beträgt zusammengerechnet lediglich 38,2. Damit lag er sogar unter einem Wert, den er theoretisch erreichen würde, wenn er jeden Passversuch einfach auf den Boden spiken würde.
Ein absichtlich unvollständiger Pass, mit dem ein Quarterback beispielsweise die Uhr stoppen möchte, führt rechnerisch zu einem Passer Rating von 39,6, sofern sämtliche Passversuche auf diese Weise enden. Dass Herbert mit 38,2 darunter liegt, verdeutlicht seine Probleme in den entscheidenden Spielabschnitten. Dabei bezieht sich die Statistik auf die vierten Viertel aller fünf bisherigen Saisonspiele und nicht ausschließlich auf Week 5.
Die Philadelphia Eagles haben in den zweiten Halbzeiten ihrer vergangenen drei Spiele erhebliche Schwierigkeiten, offensiv ins Spiel zu finden. Über insgesamt 18 Drives gelangen ihnen in diesem Zeitraum lediglich drei Punkte.
Zehn dieser Angriffsserien endeten bereits nach drei Spielzügen. Insgesamt kamen die Eagles nach der Pause lediglich auf zwölf First Downs. Die Zahlen zeigen, wie sehr die Offensive im weiteren Spielverlauf an Durchschlagskraft verliert. Während Philadelphia in der ersten Hälfte noch Akzente setzen kann, fehlt nach der Pause häufig die Konstanz, um Drives am Leben zu halten und Punkte auf das Scoreboard zu bringen.
Das London-Spiel zwischen den Philadelphia Eagles und den Jacksonville Jaguars endete mit einer außergewöhnlichen Schlussphase. Acht Sekunden vor dem Ende gingen die Eagles per Field Goal in Führung und schienen den Sieg bereits in der Tasche zu haben. Doch Jacksonville antwortete auf dramatische Weise: Cam Little verwandelte bei auslaufender Spielzeit ein Field Goal aus 57 Yards und sicherte den Jaguars damit den 19:17-Erfolg.

Ein solches Ende ist selbst für die NFL ungewöhnlich. Erstmals seit mindestens 50 Jahren gab es in einem Spiel zwei Führungswechsel durch Field Goals innerhalb der letzten 15 Sekunden, ohne dass die Partie anschließend in die Overtime ging. Die Schlusssekunden in London lieferten damit eine historische Besonderheit und einen der dramatischsten Spielausgänge der bisherigen Saison.
Jaylen Warren gelang im selben Spiel eine seltene Kombination: Der Running Back erzielte sowohl einen 80-Yard-Touchdown als Passempfänger als auch einen 50-Yard-Touchdown als Läufer.
Eine solche Leistung ist in der NFL-Geschichte äußerst ungewöhnlich. Seit mindestens 1925 gelang dieses Kunststück lediglich sechs weiteren NFL-Spielern. Zuletzt hatte Herschel Walker im Jahr 1986 einen Touchdown-Passfang über mindestens 80 Yards und einen Lauf-Touchdown über mindestens 50 Yards in derselben Partie erzielt. Warren reiht sich damit in einen sehr exklusiven Kreis ein.
Die San Francisco 49ers profitierten gegen die Seattle Seahawks von einer Reihe schwerwiegender Fehler des Gegners. Drei Turnover der Seahawks ermöglichten San Francisco bereits in der ersten Halbzeit 21 Punkte.
Dabei musste die Offense nicht einmal lange über das Feld marschieren. Zwei offensive Touchdown-Drives umfassten lediglich elf beziehungsweise 18 Yards. Den dritten Score erzielten die 49ers, indem sie einen Fumble direkt in der Endzone eroberten. Statt mit langen Angriffsserien überzeugte San Francisco damit vor allem durch Effizienz und die Fähigkeit, Fehler des Gegners unmittelbar zu bestrafen.
Der perfekte Saisonstart der San Francisco 49ers ist für Head Coach Kyle Shanahan nichts Neues. Zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt startete sein Team mit fünf Siegen aus den ersten fünf Spielen in eine NFL-Saison.
Bereits 2019 und 2023 gelang San Francisco dieses Kunststück. Beide Male erreichten die 49ers anschließend den Super Bowl. Der erneute Start mit einer 5-0-Bilanz weckt deshalb Erinnerungen an zwei erfolgreiche Spielzeiten. Ob das Team auch 2026 erneut bis ins Endspiel vorstoßen kann, wird sich im weiteren Saisonverlauf zeigen.
Trey McBride von den Arizona Cardinals setzt auch in seiner fünften NFL-Saison neue Maßstäbe. Nach der aktualisierten offiziellen Statistik steht der Tight End bei 389 Receptions. Damit hält er den Rekord für die meisten gefangenen Pässe eines Tight Ends innerhalb seiner ersten fünf NFL-Spielzeiten.
Darüber hinaus stellte McBride eine weitere Bestmarke auf: Er ist der erste Tight End der NFL-Geschichte, der in den ersten fünf Saisonspielen seines Teams jeweils mindestens sieben Pässe fing. Die Zahlen unterstreichen seine Bedeutung für die Offense der Cardinals. McBride ist nicht nur eine zuverlässige Anspielstation, sondern gehört inzwischen auch historisch zu den produktivsten Tight Ends der Liga.
mhh