13.09.2026
Entscheidung offenbar vertagt
Lamar Jackson und die Baltimore Ravens werden sich offenbar nicht mehr vor 2027 auf einen neuen Vertrag einigen. Ein unmittelbarer Abschied droht zwar nicht. Dennoch könnte die erste Saison unter Head Coach Jesse Minter entscheidend dafür werden, ob der Quarterback seine Karriere langfristig in Baltimore fortsetzt.

Die Baltimore Ravens starten ohne eine Vertragsverlängerung mit Lamar Jackson in die neue Saison. Wie ESPN-Insider Adam Schefter berichtet, wird nicht erwartet, dass sich beide Seiten noch vor 2027 auf einen neuen Deal einigen.
Damit haben sich die Hoffnungen auf eine kurzfristige Einigung vorerst zerschlagen. General Manager Eric DeCosta hatte sich zuletzt noch optimistisch gezeigt und betont, dass die Ravens den zweimaligen MVP möglichst schnell langfristig binden möchten. Auch Jackson hat mehrfach erklärt, dass er in Baltimore bleiben will.
Von einem unmittelbar bevorstehenden Abschied kann dennoch keine Rede sein. Der 29-Jährige steht noch bis einschließlich der Saison 2027 unter Vertrag. Allerdings sorgt die Struktur seines Deals dafür, dass die Ravens die große Entscheidung lediglich aufgeschoben haben.
Baltimore wandelte im März einen Teil von Jacksons Gehalt um und schuf dadurch knapp 40 Millionen US-Dollar an Cap Space. Sein Cap Hit für die laufende Saison sank von rund 74,5 auf 34,5 Millionen Dollar.
Die Rechnung folgt allerdings 2027: Dann würde Jackson mit knapp 84,5 Millionen Dollar gegen den Salary Cap zählen. Die Ravens könnten diesen Betrag theoretisch tragen. Praktisch spricht jedoch beinahe alles dafür, dass sie spätestens nach dieser Saison erneut über eine Verlängerung oder eine andere vertragliche Lösung verhandeln müssen.
Jackson wird nach der kommenden Spielzeit also noch nicht zum Free Agent. Ohne neuen Vertrag würde er lediglich in sein letztes Vertragsjahr gehen. Erst im März 2028 könnte er das Team als uneingeschränkter Free Agent verlassen.
Brisant ist dabei eine Klausel in seinem aktuellen Vertrag: Baltimore darf Jackson nach Vertragsende weder mit dem Franchise Tag noch mit dem Transition Tag halten. Zusätzlich besitzt der Quarterback eine No-Trade-Klausel und müsste einem möglichen Transfer selbst zustimmen.
Wie die Verhandlungen im kommenden Frühjahr verlaufen, dürfte nicht ausschließlich von Siegen und Niederlagen abhängen. Trotzdem erhält die erste Saison unter dem neuen Head Coach Jesse Minter durch den vorläufigen Stillstand eine zusätzliche Bedeutung.
Die Ravens haben nach einer enttäuschenden Saison (8-9) und den verpassten Playoffs einen Neustart auf der Trainerposition vollzogen. Funktioniert die neue Zusammenarbeit und kehrt Baltimore in den Kreis der Titelkandidaten zurück, bleiben die Argumente für eine langfristige gemeinsame Zukunft stark.
Scheitert der nächste Anlauf dagegen erneut, könnten sich beide Seiten grundsätzlichere Fragen stellen. Die Ravens müssten entscheiden, wie lange sie sich finanziell an einen Quarterback binden wollen, dessen außergewöhnliches Spiel weiterhin zu einem erheblichen Teil von seiner Dynamik lebt. Jackson wiederum müsste abwägen, ob er seine verbleibenden Jahre auf höchstem Niveau tatsächlich in der neuen sportlichen Ausrichtung Baltimores verbringen möchte.
| Saison | Passing Yards | Passing-TDs | Interceptions | Rushing Yards | Rushing-TDs | Ravens-Bilanz | Saisonaus |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 2549 | 21 | 7 | 349 | 2 | 8-9 | Playoffs verpasst |
| 2024 | 4172 | 41 | 4 | 915 | 4 | 12-5 | Divisional Round |
| 2023 | 3678 | 24 | 7 | 821 | 5 | 13-4 | AFC Championship Game |
| 2022 | 2242 | 17 | 7 | 764 | 3 | 10-7 | Wild Card Round |
Dabei geht es nicht darum, dass Jackson bereits deutlich an Explosivität verloren hätte. Seine Verfügbarkeit rückte in der vergangenen Saison jedoch wieder stärker in den Fokus. Aufgrund mehrerer Verletzungen absolvierte er lediglich 13 Partien. In diesen brachte er 192 von 302 Pässen für 2549 Yards, 21 Touchdowns und sieben Interceptions an, hinzu kamen 349 Rushing Yards und zwei weitere Scores.
Das wahrscheinlichste Szenario bleibt eine Verlängerung in Baltimore. Team und Spieler haben öffentlich immer wieder signalisiert, dass sie ihre Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Auch der enorme Cap Hit für 2027 liefert den Ravens einen deutlichen Anreiz, im kommenden Frühjahr eine Lösung zu finden.
Unvorstellbar ist ein Abschied aber nicht mehr. Sollte Jackson ohne neuen Deal in sein letztes Vertragsjahr gehen, läge ein großer Teil der Kontrolle bei ihm. Baltimore könnte ihn ohne seine Zustimmung nicht traden und nach der Saison nicht über den Franchise Tag festhalten.
Genau deshalb dürfte die kommende Saison mehr als nur ein sportlicher Neustart werden. Sie könnte darüber entscheiden, ob Jackson noch einmal langfristig zum Gesicht der Ravens wird - oder ob erstmals ernsthaft eine Zukunft außerhalb Baltimores denkbar erscheint.
Die erste Antwort muss Jackson auf dem Feld geben. Am Sonntag starten die Ravens bei den Indianapolis Colts in die neue Saison. Für Minter ist es das erste Pflichtspiel als Head Coach - und für Baltimore möglicherweise der Beginn eines Jahres, das die Zukunft der wichtigsten Personalie des Franchise prägen wird.
mhh
| 2021 |
| 2882 |
| 16 |
| 13 |
| 767 |
| 2 |
| 8-9 |
| Playoffs verpasst |