15.02.2026
Held im Super Bowl LX
Kenneth Walker hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für seine erste Free Agency aussuchen können. Der Running Back der Seattle Seahawks wurde Super Bowl MVP und dominierte die Playoffs. Nun stellt er sich dem offenen Markt und der entscheidenden Frage: Wie viele Extra-Millionen hat er sich in den Playoffs wortwörtlich erlaufen?

Der Running-Back-Markt in der NFL ist in den vergangenen Jahren spürbar abgekühlt. Viele Teams investieren ihr großes Geld lieber in Quarterbacks, Edge Rusher, Wide Receiver oder Cornerbacks. Hochdotierte Verträge für Running Backs sind zur Ausnahme geworden. Doch Kenneth Walker III trifft genau im richtigen Moment auf den Markt. Er ist jung, kommt aus einer starken Saison und hat sich auf der größten Bühne der Liga ins Rampenlicht gespielt. Seine Playoff-Performance hat Seattle nicht nur den Super Bowl beschert, sondern auch seinen Marktwert drastisch verändert.
Schon die Regular Season war mehr als ordentlich. Walker lief 221 Mal für 1027 Yards und erzielte dabei 4,6 Yards pro Versuch, ein Karrierebestwert. Laut PFF forcierte er 61 verpasste Tackles, was ligaweit Platz 5 bedeutete. Außerdem produzierte er 33 Läufe über mindestens zehn Yards. Das sind Zahlen eines klaren Running Back 1 in der NFL.
Doch in den Playoffs erreichte er ein anderes Level.
Nachdem sich Zach Charbonnet früh in den Playoffs verletzt hatte, lag die Last der Rushing Offense nahezu komplett auf Walkers Schultern. Und er lieferte. Mit 313 Rushing Yards, vier Touchdowns und 4,8 Yards pro Lauf führte er alle Running Backs in der Postseason an. Besonders beeindruckend waren seine 211 Yards nach Kontakt und 16 erzwungene Missed Tackles. Dazu kamen neun Läufe über zehn Yards. In jeder dieser relevanten Kategorien war er der produktivste Running Back der Playoffs.
Genau solche Auftritte verschieben Vertragsverhandlungen um mehrere Millionen Dollar.
Um einzuordnen, was das finanziell bedeutet, lohnt sich ein Blick auf den aktuellen Markt. Saquon Barkley verdient mit durchschnittlich 20,6 Millionen Dollar pro Jahr am meisten auf seiner Position, dicht gefolgt von Christian McCaffrey mit 19 Millionen. Danach wird es deutlich dünner. Derrick Henry liegt mit 15 Millionen jährlich auf Platz drei.
Bereits auf Platz zehn der bestbezahlten Running Backs steht James Conner mit "nur" 9,5 Millionen Dollar pro Jahr. Das zeigt, wie klein das Premium-Segment dieser Position geworden ist. Nur absolute Ausnahme-Spieler verdienen mehr als 15 Millionen jährlich.

Zum Vergleich: James Cook, der Rushing-Yards-Leader der letzten Saison, unterschrieb 2025 nach langem Vertragspoker für 11,5 Millionen pro Jahr, Kyren Williams für rund 11 Millionen, Josh Jacobs erhielt 2024 etwa 12 Millionen jährlich. Das ist eine durchaus realistische Vergleichsgruppe für Walker.
Sein Rookie-Vertrag brachte dem Super-Bowl-MVP in vier Jahren insgesamt 8,4 Millionen Dollar ein, also knapp 2,1 Millionen pro Saison. Selbst ein Deal am unteren Ende der Top 10 würde sein Jahresgehalt damit vervielfachen.
Walkers Playoff-Run hat seinen Marktwert eindeutig gesteigert. Ohne diese dominante Postseason wäre er vermutlich im Bereich zwischen acht und zehn Millionen Dollar pro Jahr einsortiert worden. Jetzt scheint ein Vertrag zwischen zehn und 15 Millionen durchaus realistisch.
Die entscheidende Frage lautet: Wird ein Team ihn als klaren Franchise-Running-Back sehen, der in entscheidenden Spielen übernehmen kann? Falls ja, könnte er sich sogar in Richtung Derrick Henry bewegen und an die 15 Millionen pro Jahr heranrücken.
Ein Platz in den Top 10 der bestbezahlten Running Backs wirkt jedoch nahezu sicher. Das würde eine Gehaltssteigerung von rund 400 Prozent im Vergleich zu seinem bisherigen Durchschnittsgehalt als Rookie bedeuten.
Für die Seahawks ist die Situation heikel. Walker war nicht nur produktiv, er war der MVP des Super Bowls. Solche Spieler lässt man ungern ziehen. Gleichzeitig weiß Seattle, wie vorsichtig Teams mittlerweile mit großen Running-Back-Verträgen umgehen. Das Front Office rund um John Schneider gilt zudem als eines der besten der NFL.
Nimmt Walker möglicherweise etwas weniger Geld in Kauf, um beim amtierenden Champion zu bleiben? Oder testet er den offenen Markt in der Hoffnung, in die Sphäre von 15 Millionen Dollar jährlich vorzustoßen?
Seine Playoffs haben ihm jedenfalls die stärkste Verhandlungsposition verschafft, die man sich als Running Back in der heutigen NFL wünschen kann.
Kenneth Walker hat sich sein zusätzliches Gehalt wortwörtlich erlaufen. Seine Zahlen in der Regular Season waren gut, seine Playoffs waren außergewöhnlich. In einer Liga, die Running Backs oft als austauschbar betrachtet, hat er bewiesen, dass das bei ihm nicht zutrifft.
Ob es am Ende 12, 14 oder 15 Millionen Dollar pro Jahr werden, hängt vom offenen Markt in der Free Agency oder von Seattles Zahlungsbereitschaft ab. Doch eines steht fest: Dieser Super-Bowl-Run war nicht nur sportlich ein Triumph. Er war finanziell ein Gamechanger für den 25-Jährigen.
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