11.02.2026
Seattle hat viert meistes Budget der NFL
Der Super-Bowl-Sieg der Seattle Seahawks war kein Endpunkt, sondern ein Zwischenziel. Während in anderen Städten der Umbruch beginnt, öffnet sich in Seattle ein Fenster der Möglichkeiten: viel Cap Space, ein junger Kern, alle Top Draft-Picks verfügbar, wenig Namenhafte Free Agents - und ein General Manager, der bewiesen hat, dass er für den nächsten Schritt bereits mitdenkt.

Nach dem triumphalen Super-Bowl-Sieg der Seattle Seahawks gegen die New England Patriots stehen die Verantwortlichen vor einer seltenen Gelegenheit: Statt in einem klassischen Umbruch zu stecken, verfügen sie über alle strategischen Bausteine, um das Team gezielt weiterzuentwickeln.
Die kommende NFL-Free-Agency sowie der Draft 2026 geben dem Team mehrere Hebel in die Hand - von der Entscheidung über langfristige Verträge eigener Stars bis hin zur klugen Nutzung des vorhandenen Cap Space und des vorhandenen Draft-Kapitals. Diese Ausgangslage schafft nicht nur Flexibilität, sondern lässt Seattle in vielerlei Hinsicht die Zügel in der Hand behalten, um die Leistungen der Saison 2025 fortzusetzen und den Erfolgskurs in die neue Spielzeit mitzunehmen
Die Seattle Seahawks gehen als amtierender Super-Bowl-Champion in die Offseason - und das mit einer Ausgangslage, um die sie ein Großteil der Liga beneidet. Laut aktuellen Projektionen verfügen die Seahawks über rund 73 Millionen Dollar Cap Space, der viertmeiste Wert der gesamten NFL.
Noch entscheidender: Dieser finanzielle Spielraum entsteht nicht durch Kahlschlag oder auslaufende Altverträge, sondern durch eine bewusst schlank gehaltene Kaderstruktur. Seattle muss keinen radikalen Umbruch moderieren, sondern kann gezielt entscheiden, wen man halten will und wo man sich bewusst verändert.
Die Liste der auslaufenden Verträge ist prominent, aber kontrollierbar. Mit Super Bowl MVP Kenneth Walker III, Riq Woolen, Boye Mafe, Rashid Shaheed, Coby Bryant oder Josh Jobe stehen Leistungsträger vor neuen Verträgen.
Besonders wertvoll ist die Struktur bei den Restricted und Exclusive Rights Free Agents. Spieler wie Drake Thomas, Brady Russell, Chris Stoll, Ty Okada oder George Holani können kostengünstig gebunden werden und sichern Tiefe sowie Kontinuität im Kader.
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Contendern: Seattle steht nicht unter Zugzwang. Der vorhandene Cap Space erlaubt es, zentrale Leistungsträger zu halten, ohne an anderer Stelle schmerzhafte Einschnitte vornehmen zu müssen - und zugleich Verträge zu korrigieren, die sportlich oder wirtschaftlich nicht mehr optimal passen.
Dazu zählen etwa Uchenna Nwosu und Cooper Kupp, deren kombinierter Cap Hit bei über 37 Millionen Dollar liegt. Beide Optionen stehen offen: eine Umstrukturierung ihrer Verträge ebenso wie eine Trennung. Im Fall eines Cuts würde Seattle lediglich etwas mehr als 16 Millionen Dollar Dead Cap in Kauf nehmen müssen und hätte im Gegenzug zusätzliche 21 Millionen Dollar an finanzieller Flexibilität. In Kombination mit den bereits vorhandenen rund 73 Millionen Dollar Cap Space eröffnet das Spielräume, von denen andere Titelanwärter nur träumen können.
Mit lediglich vier Draft-Picks gehen die Seahawks ungewohnt schlank in den NFL Draft 2026. Doch auch hier gilt: Mangel ist relativ.
Seattle besitzt alle Picks in den ersten drei Runden - genau dort, wo John Schneider in den vergangenen Jahren konstant Starter und Difference Maker gefunden hat. Ohne akuten Bedarf auf Quarterback oder an Premium-Positionen kann Seattle im Draft best available agieren oder Picks gezielt bündeln, um hochzugehen.
| Round | Pick |
|---|---|
| 1 | 32 |
| 2 | 64 |
| 3 | 96 |
| 6 | 212 |
Trotz Titelgewinn ist der Kader nicht perfekt - aber gezielt justierbar.
Wide Receiver: Jaxon Smith-Njigba trug die Offense, eine verlässliche zweite Option bleibt, vor allem bei Abgängen von Kupp oder Shaheed, ein Thema.
Interior Offensive Line: Grey Zabel ist gesetzt, daneben besteht Optimierungspotenzial.
Cornerback & Safety: Abhängig von Free-Agency-Entscheidungen entsteht hier Handlungsbedarf.
Running Back: Sollte Kenneth Walker III die Seahawks in der Free Agency verlassen, stünde mit Zach Charbonnet grundsätzlich ein geeigneter Ersatz bereit. Der 25-Jährige zog sich jedoch in der Divisional Round gegen die San Francisco 49ers einen Kreuzbandriss zu und könnte damit zumindest Teile der NFL-Saison 2026 verpassen.
Entscheidend: Keiner dieser Bereiche erzwingt Panikreaktionen. Seattle kann jede Baustelle über Draft, Free Agency oder interne Lösungen adressieren.
Zum ersten Mal sind Jaxon Smith-Njigba und Devon Witherspoon für Vertragsverlängerungen berechtigt. Beide werden langfristig Top-Gehälter verlangen - doch auch hier ist Zeit kein Gegner.
Selbst bei sofortiger Extension würden neue Deals in der Regel, je nach Konsruktion der Verträge, erst ab 2027 cap-relevant werden. Das verschafft Seattle Planungssicherheit und erlaubt es, den Kern frühzeitig zu binden, ohne die aktuelle Flexibilität zu verlieren.

Der Abgang von Klint Kubiak nach Las Vegas ist die größte Variable dieser Offseason. Die Seahawks werden ihren vierten Offensive Coordinator in vier Jahren benennen - diesmal jedoch aus einer Position der Stärke.
Interne Kandidaten wie Jake Peetz (offensive Passing Game Coordinator), Justin Outten (Run Game Specialist/Assistant Offensive Line) oder Andrew Janocko (QB-Coach) stehen bereit, externe Optionen wie Ex-Giants Head Coach Mike Kafka werden geprüft. Das Umfeld ist nach dem Sieg im Super Bowl LX das attraktivste der NFL: ein stabiler Quarterback, ein Elite-Receiver, ein funktionierendes Run Game - und die Aussicht, mit Erfolg in Seattle den nächsten Karriereschritt zu machen.
Die Seahawks könnten den Großteil ihres Kaders ohne Probleme zusammenhalten, wichtige Verträge verlängern und zusätzlich verstärken - wenn sie es wollen. Genau das macht sie gefährlich.
Mit einem jungen Team (sechst jüngstes NFL-Team), massiver Cap-Flexibilität, überschaubarem Draft-Risiko und stabiler Führung gehören die Seahawks bereits jetzt zu den Top-Favoriten auf den Super Bowl LXI. Der Titel von 2026 wirkt nicht wie ein Höhepunkt - sondern wie der Beginn einer neuen Phase nachhaltiger Dominanz.
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mgs